Blog, Industrie 4.0

#375 – Ray Kurzweil – kompetente «Alte»

Visionen eines Visionärs
Bis 2045 wird die Intelligenz um das Millionenfache steigen. Das ist die Singularität (von lateinisch singularis «einzigartig»). Wir werden lustiger sein. sexier, intelligenter, kreativer, frei von biologischen Einschränkungen. Wir werden unser Aussehen wählen können. Wir werden Dinge tun können, die wir heute nicht können, wie Objekte in 11 Dimensionen zu visualisieren. Wir können alle Sprachen sprechen. Wir werden unser Bewusstsein auf eine Weise erweitern können, wie wir uns das heute kaum vorstellen können. Wir werden mit unseren zusätzlichen Jahren eine reichere Kultur erleben. Die Unterstützung durch die KI gibt dem Leben seinen grössten Sinn. Dies glaubt Ray Kurzweil (76) und erklärt anlässlich seiner Präsentation zum Thema künstliche Intelligenz auf TED2024 vom April 2024 (13:11) in Vancouver BC, anhand von Diagrammen wie er zu diesem Ergebnis kommt.

Wer ist Ray Kurzweil
Vor etwa 25 Jahren hatte ich das Vergnügen, anlässlich einer Konferenz für Architekten in Basel, den Zukunftsforscher Ray Kurzweil zu erleben. Raymond «Ray» Kurzweil ist US-amerikanischer Autor, Erfinder, Futurist und Leiter der technischen Entwicklung (Director of Engineering) bei Google LLC. Er gilt als Pionier der optischen Texterkennung (engl. optical character recognition, OCR), Sprachsynthese (computervorgelesene Texte), Spracherkennung, Flachbettscannertechnologie und im Bereich elektronischer Musikinstrumente, insbesondere der Keyboards. Als bekannter Sachbuchautor schreibt er auch über künstliche Intelligenz (KI), Transhumanismus, die technologische Singularität und Zukunftsforschung und gilt als der berühmteste Vertreter des technologischen Posthumanismus. Schon damals war ich begeistert von seinen Visionen und verfolge seither die Publikationen mit grossem Interesse. Sein Auftritt in Vancouver enthielt neben viel Hintergrundwissen, belegt mit Grafiken, seine Gedanken zur Zukunft der Computer-Technologie.

Rey Kurzweil (76), Präsentation zum Thema künstliche Intelligenz KI in Vancouver BC. Bild: TED2024

Streitgespräche unter Optimisten
Kurzweil beschäftigt sich seit 61 Jahren mit KI, was einem Rekord entspricht. 1956 war die Dartmouth-Konferenz, auf der die künstliche Intelligenz ihren Namen bekam. Kurzweil nahm 1962 erstmals daran teil. Leute, die in der Informatik tätig waren, hatten von künstlicher Intelligenz gehört. Die meisten Leute waren ziemlich skeptisch. Sie dachten, es würde nie passieren, oder dann vielleicht in einem Jahrhundert oder mehreren Jahrhunderten. Einige von ihnen, darunter Marvin Lee Minsky (1927-2016), Gründer des Labors für künstliche Intelligenz am Massachusetts Institute of Technology MIT, dachten, es würde etwa ein Semester dauern, um das Intelligenzniveau des Menschen zu erreichen. Minsky war 50 Jahre lang Ray Kurzweils Mentor und die zwei stritten oft darüber, ob sie den Durchbruch noch zu ihren Lebzeiten erfahren würden.

Rey Kurzweil (76), Präsentation zum Thema künstliche Intelligenz KI in Vancouver BC. Bild: TED2024

Der Daumen von Primaten
Unsere Werkzeuge werden jedes Jahr intelligenter. Wir werden schlauer. Und es gibt zwei verschiedene Dinge in unserer Anatomie, die uns das ermöglichen. Das eine ist unser Gehirn, aber wir sind nicht die einzige Spezies, die ein Gehirn hat oder auch nur ein vergleichbares Gehirn. Elefanten und Wale haben ein Gehirn, das grösser ist als unseres. Aber es gibt einen weiteren Aspekt ihrer Anatomie, den sie nicht haben und den niemand ausser dem Menschen hat, nämlich unseren Daumen. Dabei vergleicht er unseren Daumen mit dem eines Primaten, der weniger gut funktioniert um nach einer ersten Generation von erschaffenen Werkzeugen, weitere Werkzeuge (iterativ) in einem Set zusammenzufügen, das dessen Intelligenz steigert. Wir sind die einzige Spezies, die das tun. Und genau das zeichnet die künstliche Intelligenz aus. Vom allerersten Menschenaffen, der ein sehr primitives Werkzeug erschuf, bis hin zu Gemini und GPT-4 heute, erschaffen wir Werkzeuge, die uns schlauer machen.

Nvidia und die halbe Billion Berechnungen pro Sekunde
Kurzweil verbrachte 45 Jahre damit, das Wachstum der Computertechnik zu beobachten. Was in 1939 0,000007 Berechnungen pro Sekunde entsprach, leistet heute ein Google-Computer mit 130 Milliarden Berechnungen pro Sekunde. Und vor kurzem hat Nvidia einen Chip herausgebracht, der eine halbe Billion (500 Milliarden) Berechnungen pro Sekunde durchführt. Ein Wachstum des 75 Billiardenfachen. 1939 oder sogar noch vor drei Jahren verfügten wir über keine grossen Sprachmodelle (LLM). In den letzten zwei Jahren erlebten wir jedoch enorme Fortschritte. Als Kurzweil 1999 um eine Prognose gebeten wurde, wann wir AGI, künstliche allgemeine Intelligenz, erleben würden, schätzte er auf Grund der notwendigen Billion Berechnungen pro Sekunde das Jahr 2029. Die Skepsis war gross, worauf die Universität Stanford eine internationale Konferenz mit Hunderten von KI-Wissenschaftern aus der ganzen Welt einberief. Man einigte sich nicht auf 2029, glaubte aber, dass man innert 100 Jahren AGI erreichen würde. Elon Musk schätzte, dass es in 2026 passieren wird. Das ist keine unvernünftige Position. Andere Experten sagen in drei oder vier Jahren, Kurzweil bleibt bei seinen fünf Jahren. Aber es könnte bald passieren. Heute sind sich alle einig, dass AGI sehr bald da ist. In seinem neuen Buch «The Singularity is Nearer» zeigt Kurzweil anhand von etwa 50 Diagrammen auf, wie künstliche Intelligenz alles übernehmen wird.

Rey Kurzweil (76), Präsentation zum Thema künstliche Intelligenz KI in Vancouver BC. Bild: TED2024

KI künstliche Intelligenz als Beschleuniger
Die Entwicklung, nicht nur der Computertechnik, sondern jeder einzelnen Technologie, erfolgt, indem wir das Neueste, was wir geschaffen haben, nehmen und daraus das Nächste schaffen. Wir nehmen den neuesten Chip und verwenden ihn, um den nächsten zu produzieren. Grösserer Wohlstand, der zu besserer Bildung führt, zu besseren Ärzten, zu gesünderen Menschen, zu mehr weltweitem Wohlstand. Alle diese Dinge wirken zusammen. KI wirkt wie ein Beschleuniger. Am Beispiel des Moderna-Impfstoffs während der Covid-Pandemie, erklärt Kurzweil wie die KI half, diesen innert zwei Tagen zu entwickeln. Die nächsten Jahre werden für die Medizin bemerkenswert sein. 2022 haben wir 190.000 Proteine ​​von Menschen hergestellt. 2023 hat AlphaFold 2’200 Millionen hergestellt. Manche Leute machen sich Sorgen, wenn wir einfach so weitermachen uns die Ressourcen, wie zum Beispiel Energie ausgehen. Aber das passiert nicht im luftleeren Raum. KI revolutioniert alles. Wir müssen zum Beispiel nur einen 10’000stel des Sonnenlichts, das auf die Erde fällt, nutzen, um unseren gesamten Energiebedarf zu decken. Es gibt jede Menge Spielraum und auch dieser wächst exponentiell. Wir werden deshalb genügend Ressourcen haben. Und wenn wir die 2030er Jahre erreichen, werden Nanobots unsere Gehirne, genau wie heute das Smartphone, mit der Cloud verbinden.

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#335 – künstliche Intelligenz für Visionen

Die Erfahrung von uns «Alten» ist gefragt
Aktuell werde ich immer wieder gefragt, wo denn die Vorteile künstlicher Intelligenz KI zu finden sind. Denn es handle sich dabei lediglich um eine Weiterentwicklung von Suchmaschinen. Algorithmen für Internetcrawler, welche das weltweite Netz nach bestimmten Themengruppen absuchen und in der Folge eine schriftliche Zusammenfassung der Ergebnisse ausspucken. Selbst wenn das vereinfacht so wäre, ist das Resultat einer Suche mittels Microsoft Bing «greifbarer», als die unendlich lange Liste von Ergebnissen einer Google-Abfrage. Die Entwicklung von KI ist aber auch eine Technologie, wo mehr denn je die Erfahrung und der gesunde Menschenverstand von uns «Alten» gefragt ist. Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Mit dem Einsatz von KI haben Firmen jedoch eine Möglichkeit, ihren Fachkräftemangel oder den Wunsch nach Work-Life-Balance ihrer Mitarbeitenden zu kompensieren. Wo sehen Sie Möglichkeiten für den Einsatz von KI in Ihrem Unternehmen? Wir helfen gerne. ➔ Setzen Sie sich mit uns ganz unverbindlich in Verbindung.

Infrastruktur im Dienste der menschlichen Intelligenz
Christophe Germann, Rechtsanwalt in Genf und Adjunct Professor für Völkerrecht an der amerikanischen Webster University, leitet im Genfer Campus das Kompetenzzentrum International Relations and International Law of Artificial Intelligence. Er schreibt in seinem Gastbeitrag, Tagesanzeiger vom 8. September 2023, über die verzerrenden Spiegelbilder menschlicher und künstlicher Intelligenz – der Mensch Kopf an Kopf mit dem Rechner – die eine radikal neue geistige Aufgeschlossenheit verlangen, eine ouverture d’esprit zur Weltoffenheit, eine globale Infrastruktur im Dienste der menschlichen Intelligenz, welche durch Interaktionen und Konfrontationen unsere graue Substanz stimuliert und bereichert. Denkmaschinen verarbeiten Information zu Wissen und deren sprachliche Gestaltung quasi mit Lichtgeschwindigkeit.

Die Herausforderung künstlicher Intelligenz
Eine erfolgreiche Digitalisierung fordert zudem auch unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten heraus. Das Denken in grösseren Zusammenhängen, dank unserer Lebenserfahrung, bietet sich als Chance an für uns «Alte», zusammen mit den «jungen Wilden» im Team, KI-Anwendungen zu schärfen. Dass Maschinen die Schwerpunkte von Interessen aus unserem Nutzerverhalten erlernen, ist per se kein Nachteil, obwohl viele darin einen Eingriff in die Privatsphäre erkennen. Denken wir an die lautstarken (Privat-)Telefonate im öffentlichen Verkehr, in Restaurants oder Supermärkten ist die Privatheit ein Scheinargument, um sich nicht mit der Zukunft von «Arbeit» auseinandersetzen zu müssen. Tätigkeiten welche durch die KI ebenso gut, wenn nicht besser erledigt werden, sind beispielsweise Steuererklärungen, Buchhaltungen, Beratungen, Geschäftsberichte oder Analysen. Sie zählen vordergründig zu den am meisten betroffenen Bereichen, dabei vergessen wir oft die unzähligen Anwendungen von KI in Wissenschaft, Forschung und Industrie.

Debatte: Die Wissenschaft der Kommunikation. Seilziehen. Bild: iStock, Getty Images

2023 – Das Jahr der KI-Transformation
In seinem Beitrag in Architect Magazine vom September 2023, beschreibt Blaine E. Brownell (53), Architekt, Materialforscher und Direktor der Architekturschule der University of North Carolina in Charlotte, wie künstliche Intelligenz schnell Teil des täglichen Lebens wird. Die spürbaren Fortschritte der KI im laufenden Jahr haben 2023 den Titel «Jahr der KI-Transformation» eingebracht. Zu den beliebtesten KI-Anwendungen gehören das textbasierte ChatGPT von OpenAI und das bildbasierte DALL-E 2, Werkzeuge, die im Bildungswesen für erhebliche Kontroversen gesorgt haben. Doch trotz der Bedenken, die von Betrug bis zur Meldung irreführender Daten reichen, sind die potenziellen Vorteile der KI erheblich – insbesondere, wenn sie in neue Gebiete wie die Materialwissenschaft vordringt.

KI als Forschungsassistenten
Wissenschafter haben damit begonnen, mittels dem Einsatz von KI-Tools eine Vielzahl von Aufgaben zu automatisieren, die normalerweise zeitaufwändig sind. Wie die mühsame Durchsicht bestehender wissenschaftlicher Literatur, oder die Identifizierung relevanter Referenzen oder potenzieller Bestandteile von Verbindungen. Deshalb nutzen Wissenschafter zunehmend Werkzeuge wie ChatGPT als Forschungsassistenten. Ein aktueller Artikel im Journal of the American Chemical Society dokumentiert die Erfahrungen des Forschungsteams mit ChatGPT. Um seine Bemühungen zu rationalisieren, liess es die Texte von mehr als 200 Artikeln und 26’000 spezifischen Materialfaktoren durchsuchen. Daraus entstanden ist eine Chatbot-Schnittstelle – die sich ChatGPT Chemistry Assistant nennt –, welche den narrativen, sprachbasierten Datenabruf für diejenigen ohne Programmiererfahrung ermöglicht.

Entwicklung neuer Anwendungen
Weitere Bestrebungen umfassen die Entwicklung von Beschichtungen, Legierungen und vieles mehr. Während diese KI-gestützten Experimente in der Materialforschung und -konstruktion weiter entwickelt und kodifiziert werden, ergeben sich Möglichkeiten für deren Übernahme in weiteren Bereichen, wie etwa erneuerbare Energien, Energiespeicherung, rezyklierbare Verbindungen oder phasenwechsel Materialien. Auf Blaine E. Brownell’s Frage: «Was sind die grössten Bedarfsbereiche für Fortschritte in der Materialwissenschaft auf der Grundlage ökologischer und widerstandsfähiger Erfordernisse?» bestätigte ChatGPT einige seiner oben genannten Vorschläge und fügte hinzu: «Die Entwicklung biologisch abbaubarer Materialien, die Verbesserung der Ressourceneffizienz und die Herstellung von Materialien, die extremen Bedingungen standhalten, sind ebenfalls entscheidende Bedarfsbereiche.»

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#197 – «Alte» als Stereotyp

Voreingenommenheit gegenüber «Alten»
Obwohl belegt ist, dass das Alter einer Person keinen direkten Effekt auf das Leistungsvermögen hat, halten sich die Vorurteile hartnäckig. Im Beitrag von Wiebke Stegh und Jurij Ryschka, Human Resources Manager «Xing» vom 2. Dezember 2020, plädieren die Autoren für unseren bewussten Umgang mit Stereotypen. Vorurteile, die wir bezüglich des Alters (oder auch des Geschlechts) einer Person haben, sind uns oftmals gar nicht bewusst – und werden daher auch als unbewusste Voreingenommenheit bezeichnet. Nun sind Stereotype grundsätzlich nichts Schlechtes – im Gegenteil: Sie ermöglichen uns ein schnelles Einschätzen und Handeln. Wir müssen nicht jede Situation oder Person aufs Neue genau beobachten und analysieren, um zu einer Entscheidung zu kommen, sondern können durch das Nutzen von Stereotypen schnell reagieren und handlungsfähig bleiben. Entscheidend ist, sich kontinuierlich «an die eigene Nase zu fassen» um seine Stereotype zu überprüfen. Menschen sind verschieden – auch unabhängig vom Alter – und dieser Unterschiedlichkeit gerecht zu werden, ist schon anti-stereotypes Denken und Handeln!

Die Aula des Ukrainischen Instituts für wissenschaftliche und technische Expertise und Information in Kiev, 1971 Ukraine. Aus Soviet Cities: Labour, Life & Leisure des Russischen Fotografen Arseniy Kotov, FUEL-Verlag

Kompetenzen im Altersverlauf
Anhand von Diagrammen zeigen Stegh und Ryschka, wie Im Altersverlauf bestimmte Fähigkeiten abnehmen – allen voran unsere sensorischen und motorischen Fähigkeiten. Auch die fluide Intelligenz (Schnelligkeit und Genauigkeit der Informationsverarbeitung, Fähigkeit zur Lösung von Problemen und zur Einstellung auf neue Situationen) lässt ungefähr ab dem 35. Lebensjahr leicht nach, etwas deutlicher ab dem 70. Altersjahr. Aber unser Erfahrungsschatz (auch kristalline Intelligenz genannt) nimmt im Verlauf unseres Lebens zu und kann diesen Abfall der fluiden Intelligenz häufig kompensieren. Daher muss dieser Abfall nicht zwingend einen Effekt auf unsere Kompetenzen haben. Zudem zeigt sich hier eine hohe Streuung: Bei einigen Menschen nimmt diese kognitive Leistungsfähigkeit schnell und deutlich ab, andere bleiben bis ins hohe Alter geistig fit – denken Sie nur einmal an den Investor Warren Buffet oder die Königin von England, beide über 90.

Verschiebung der digitalen Kluft
Dank dieser Erkenntnis können wir «Alten» einen positiven Einfluss auf die fluide Intelligenz nehmen, durch geistig anregende und abwechslungsreiche Arbeit oder durch angemessene Arbeits- und Pausenzeiten. Wir können unsere kognitiven Fähigkeiten ebenfalls fördern – durch Bewegung, Ernährung, Austausch im sozialen Umfeld und entsprechende Freizeitaktivitäten. Während der letzten 10 Monate, als Folge der Pandemie, öffneten sich sogar eingefleischte Computerverweigerer dieser Technologie. Dazu publizierten Marcela Aguila Rubín, Xudong Yang, Sonia Fenazzi und Kaoru Uda auf «swissinfo.ch» ihre Studie zur Nutzung digitaler Hilfsmittel unter älteren Menschen. Mit dem Titel «Die Pandemie hilft den Senioren, am Ball zu bleiben» stellen sie fest, wie Rentnerinnen und Rentner digital immer fitter werden. «Digitale Angebote werden von der Generation der über 65-Jährigen sehr geschätzt», schreibt die Schweizer Alters-Organisation Pro Senectute und beobachtet, dass junge Senioren bei der Nutzung der Telekommunikationstechnologien aufholen. Die digitale Kluft verschiebe sich demzufolge in Richtung der 80-Jährigen. In den letzten sechs Jahren sei die Nutzung des Internets mittels Smartphone oder Tablet von 31% auf 68% gestiegen. Neben E-Mails und Websuchen – laut Studie eindeutig die wichtigsten Motive der Senioren – nutzen diese auch eine breite Palette von Möglichkeiten, etwa Einkäufe, Medienkonsum und Videokontakte, was sich gerade im Lockdown als besonders beliebt erwiesen habe.

Bildung als Statussymbol – oder «Überlebenshilfe»
Wir «Alten» setzen Bildung oft gleich mit Status in der Gesellschaft. Wir gehören zur Generation, die es mit Auswendiglernen weit gebracht hat. Natürlich gehören «Eselsleitern» wie auch «Überschlagsrechnungen» zum Alltag, um die Wahrscheinlichkeit eines Resultats abzuschätzen. Manche Informationen sollte man deshalb ohne Zögern aus dem Gedächtnis abrufen können, doch selten gebrauchtes darf man auch ruhig auslagern. Dazu gibt es das kollektive Wissen im weltweiten Netz. Noch 2019 gaben 26% der Senioren bei einer Umfrage an, dass sie das Internet nicht nutzen. Ihnen droht damit die Abkoppelung von der Gesellschaft, warnen die Autoren der Studie Digitale Senioren 2020. Denn die Technologie ermöglicht nicht nur freien Zugang zu Bildung, sondern bestimmt immer mehr unser tägliches Leben. So ist zum Beispiel der Kauf von Bahnbilletts zu einem reduzierten Preis nur online möglich und die SwissCovid Tracking-Anwendung erfordert den Besitz eines Smartphones. Gemäss einer Umfrage von «swissinfo.ch» sagten 39% der Schweizer Senioren, dass sie Schwierigkeiten haben, mit technologischen Mitteln umzugehen. Dagegen sind 57% der Ansicht, dass «der technologische Fortschritt ständig weitergehen muss» und dass «sie sich ein Leben ohne technologische Mittel nicht mehr vorstellen können». So fand die Studie auch in der Schweiz, wie in anderen Ländern, Benutzerinnen und Benutzer im Alter von über 80 Jahren.

Kompetente «Alte» stellen ihre Erfahrung zur Verfügung
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Wir «Alten», Frauen und Männer, im Team auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen unsere Erfahrung mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

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