Blog, Industrie 4.0

#442 – Digitale Bildung auch für uns «Alte»

Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten für die Bildung
Die gegenwärtige Diskussion über Vor- und Nachteile künstlicher Intelligenz KI lässt auch die aktuellen Zugriffe auf die Blogbeiträge «kompetenz60plus» in die Höhe schnellen. Vor allem auf dem Gebiet der Bildung herrschen geteilte Meinungen. Während das eine Lager die Technologie verteufelt und nach Verboten schreit, finden sich ebensoviele Verfechter von KI zur Inspiration im «Klassenzimmer». Einer davon ist der Deutsche Christian Pohl (50+), Lehrer bei Freistaat Bayern in seinem Blog «Serie: Wie künstliche Intelligenz Schule und Lernen neu erfindet». Mit umfangreicher Erfahrung von drei Jahrzehnten in der pädagogischen Arbeit, verfügt Pohl über ein breites Spektrum an Wissen und Fähigkeiten. Sein Schwerpunkt liegt auf digitaler Bildung, ein Bereich, in dem er sich besonders leidenschaftlich engagiert. Sein Ziel ist es, Pädagogen zu befähigen das Potenzial jedes Lernenden, egal welchen Alters, zu maximieren. Er ist fest davon überzeugt, dass das Zeitalter der Digitalisierung enorme Möglichkeiten für die Bildung eröffnet. Lebenslange Weiterbildung in der Ära von KI hat ihre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, unsere Arbeit und deren Sinnhaftigkeit. Künstliche Intelligenz wird unser Leben nicht einfach ein bisschen verändern – sie wird unsere Erfahrung von Grund auf transformieren. In den kommenden Jahren wird sich alles wandeln: wie wir arbeiten, wie wir lernen, wie wir Wissen prüfen, Feedback geben und Bildung überhaupt verstehen. Gemäss Pohl verbinden sich die Themen in seiner Blogreihe zu einer gemeinsamen Frage: Wie bleibt Bildung menschlich, wenn Intelligenz allgegenwärtig wird?

Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, Deutschland, 2025: Die automatisierte Bandbibliothek zur Langzeitarchivierung von Daten, verwaltet tausende magnetische Speicherbänder mittels Robotersystemen, um eine zuverlässige und energieeffiziente Sicherung wissenschaftlicher Daten über Jahrzehnte hinweg zu gewährleisten. Foto: Giulia Bruno / Architekturmuseum der TUM, 2025

Der Weiterbildungsbedarf für die Kompetenzen der Zukunft
Zusammen mit der KI ChatGPT von OpenAI, geht Pohl in der Folge verschiedenen Fragen zur Zukunft dieses Transformationsprozesses nach, so auch, wie die fortschreitende Digitalisierung und künstliche Intelligenz die Arbeitswelt tiefgreifend verändern wird. Studien zeigen, dass in den kommenden Jahren viele Arbeitsplätze einem Wandel unterliegen werden, während zugleich neue Berufsfelder entstehen. Ebenso gewinnen flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice an Bedeutung, was Produktivitätsaspekte und die Mitarbeitendenzufriedenheit beeinflusst. Gleichzeitig entsteht ein steigender Weiterbildungsbedarf, da Arbeitskräfte neue Kompetenzen für die Jobs der Zukunft benötigen: Laut dem Future of Jobs Report 2023 des Weltwirtschaftsforums werden bis 2027 voraussichtlich 23% aller Jobs Veränderungen erfahren, wobei rund 69 Millionen neue Stellen entstehen und 83 Millionen wegfallen könnten (Nettoverlust ca. 14 Millionen Jobs). Technologische Makrotrends (wie beispielsweise KI, respektive Automatisierung) treiben dabei den Wandel an und verursachen eine erhebliche Arbeitsmarkt-Dynamik, mit insgesamt dennoch leicht positivem Ausblick für neue Stellenprofile.

Auch «Alte» erhalten eine Rolle
Selbst wenn die Automatisierung mit ~34% der Aufgaben etwas langsamer verläuft als ursprünglich prognostiziert, rechnen Unternehmen mit einem 25% Arbeitsplatzabbau bis 2027. Viele Tätigkeiten werden jedoch auch weiterhin menschlich dominiert, besonders solche, die kognitive Fähigkeiten wie Kommunikation und Koordination erfordern. Vorteile wie Büroflächeneinsparung oder globales Recruiting, sowie die Verbesserung bei Remote-Technologien, welche flexible Arbeitsmodelle ermöglichen, werden die Zahl der Homeoffice-Tage in Firmen fördern. Durch den strukturellen Wandel am Arbeitsmarkt entsteht gleichzeitig ein erheblicher Weiterbildungs- und Umschulungsbedarf. Bis 2027 werden gemäss Weltwirtschaftsforum 6 von 10 Beschäftigten Weiterbildungen benötigen. Als kompetente und neugierige «Alte» begleiten wir diese «Reskilling-Revolution» zur Aktualisierung künftiger Anforderungen, als Mentoren und Sparringspartner in gemischten Teams mit den «Jungen Wilden».

Vielfalt und Inklusion am Arbeitsplatz
Verschiedene Studien stützen die These, dass Diversität, etwa hinsichtlich Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft oder Denkstile Innovationen fördert, Entscheidungen verbessert und die finanzielle Performance steigert. Gemäss dem Global Diversity & Inclusion Index gibt es einen kausalen Effekt: Unternehmen mit überdurchschnittlich diversen und inklusiven Teams sind tendenziell erfolgreicher in der Marktperformance. Vielfalt in Belegschaften bedeutet eine grössere Bandbreite an Perspektiven, Erfahrungen und Fähigkeiten. Dies kann die Kreativität und Problemlösungsfähigkeit deutlich erhöhen. So werden in heterogenen Teams Herausforderungen oft aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, was zu innovativeren Lösungsansätzen führt. Zudem korreliert Vielfalt mit höherer Mitarbeiterzufriedenheit und geringerer Fluktuation, was insgesamt zur Leistungssteigerung beiträgt. Vielfalt wird daher als wichtige Ressource und Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens angesehen. Dies wiederum hilft, die besten Talente anzuziehen und zu halten. Entsprechend bezeichnen Management-Studien eine ausgeprägte Diversitätskultur als unimitierbaren Erfolgsfaktor – Konkurrenten können ein eingespieltes diverses Team nur schwer kopieren.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
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#188 – Es braucht ein neues ’68

Alter als Hypothek?
Die Corona-Pandemie hat etwas sichtbar gemacht, was bereits latent vorhanden war: Wir «Alten» werden zusehends zur Hypothek. So entschied zum Beispiel der Kanton Uri im März 2020, alle über 65-jährigen wegzusperren, ungeachtet ihrer individuellen Situation. Während dem Spitalaufenthalt des Präsidenten wurde sich Amerika wohl stärker denn je bewusst, dass nicht nur das Präsidentenamt, sondern ein wesentlicher Teil der Staatsführung in den Händen älterer Männer und Frauen liegt, die dadurch einem überdurchschnittlichen Risiko der Covid-19-Seuche ausgesetzt sind. Donald Trump ist 74, sein demokratischer Rivale Joe Biden 77. Dieser wäre bei einem Wahlerfolg am Ende seiner ersten Amtszeit 82 Jahre alt. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi, die nach dem Vizepräsidenten Mike Pence (61) die geordnete Nachfolge des Präsidentenamts garantieren müsste, ist 80. Der Nächste in der Kette der Amtsnachfolger wäre der Interimspräsident des Senats, Chuck Grassley, der 87 Jahre alt ist. Nicht die Erfahrung von uns «Alten» ist im Zentrum dieser Diskussion, sondern unser biologisches Alter als potenzielle Gefahr. Ganz unschuldig sind wir nicht an diesem Zustand. Zulange haben wir Alt-68er zum Beispiel die digitale Entwicklung verdrängt und klammern uns immer wieder an die Illusion, den Fortschritt aufhalten zu können. Es geht uns soweit gut. Stichwort: hartnäckige Sesselkleber.

Herdenimmunität? NZZ, Bild: Yuichi Yamazaki / Getty

Offenheit, Diversität und Multikulturalität
In seinem Beitrag in der NZZ vom 5.10.2020 philosophiert Alexander Grau unter dem Titel «Der autoritäre Charakter ist zurück: warum es ein neues (und anderes) 68 braucht» über die Toleranten, die sich als intolerant erweisen. Wir leben in einer antiautoritären Gesellschaft, und wir sind stolz darauf. Institutionen wie Universitäten, Kirchen oder Parlamente, die noch vor wenigen Jahrzehnten Ehrfurcht einflössten, werden heute müde belächelt. Lehrer, Pfarrer und Polizisten haben ihre Aura als Respektsperson schon lange verloren. Hierarchien werden flacher. Solide Manager gefallen sich inzwischen in sportiven Tennisschuhen, Theaterintendanten sind mit dem Kapuzenpullover unterwegs, altehrwürdige Unternehmen schmeissen sich mit einem platten «Du» an ihre Kundschaft heran. Was einmal gute Manieren waren, empfinden die meisten Zeitgenossen als Einschränkung ihrer persönlichen Autonomie. Je lauter man seine Meinung vertritt, umso wahrer wird sie. Stichwort SRF «Arena». Der autoritäre Charakter vergangener Zeiten, er scheint endgültig ausgedient zu haben. Nie, so scheint es, lebten wir in einer freieren Gesellschaft.

Die antiautoritäre Gesellschaft zeigt ihr autoritäres Gesicht
Auf der anderen Seite erleben wir eine Sehnsucht nach Verboten, Vorschriften und Autorität. Rauchen, Trinkverhalten und Ernährung sind seit Jahren in das Visier von Regulierungsfanatikern geraten. Fernreisen und Kreuzfahrten gelten zunehmend als moralisch verdächtig, vom Autofahren (im beliebten SUV) ganz zu schweigen. Mehr noch stehen aber die freie Rede, der offene Meinungsaustausch und das unkuratierte Denken am Pranger, auch in den traditionellen Medien, in der Politik und im Kulturbereich. Stichwort: «inklusive Sprache».

Das platte «Du» als Identifikation
Da aber auch egalitäre Gesellschaften Fachleute für das richtige Verhalten brauchen, bilden sie neue Autoritäten aus. Autorität hat nun nicht mehr der Professor, der Meister oder der Polizist, sondern die Diversity-Beauftragte und die Antidiskriminierungsstelle. Ihre Macht liegt nicht in der Tradition eines Berufsstandes oder gar einer fachlichen Qualifikation, sondern in ihrer ideologischen Gesinnung. Der autoritäre Charakter, einst Feindbild der 68er-Bewegung, ist wiederauferstanden, nicht wie sein biederer Vorgänger prüde oder verklemmt, sondern spassorientiert und scheinbar weltoffen. Auf «Du» mit der restlichen Gesellschaft. Gegen diesen Ungeist von Neopuritanismus und Neoautoritarismus helfen nur Mut, Neugier und die Anarchie des freien und unvoreingenommenen Denkens. So paradox es klingt: Es braucht ein neues 68, nur diesmal andersherum. Wir «Alten» müssen unsere (Lebens-)Erfahrung souverän in die Diskussion werfen, nicht Rechthaberisch sondern bestimmt.

Erfahrung Teilen für zukunftsfähige Lösungen
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Wir «Alten», Frauen und Männer, im Team auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen unsere Erfahrung mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
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