Blog, Industrie 4.0

#441 – «Alte»: Fehlender Unternehmergeist

Neue Fähigkeiten entstehen
Im Anschluss an den letzten Blogbeitrag #440 – Verunsicherte Junge, erfahrene «Alte» lässt uns das Thema künstliche Intelligenz KI keine Ruhe. Eine rekordverdächtige Anzahl von Aufrufen im Internet befeuert die Diskussion.

«Ein starker Text, der zeigt, worum’s wirklich geht: Nicht Jung gegen Alt – sondern gemeinsam klüger werden. Die Jungen bringen Schwung, die Alten Erfahrung. KI verändert die Regeln – aber Menschen, die sich gegenseitig stärken, schreiben die Zukunft.» Hanspeter Beerli, Zukunfts-Coach und Talentarchitekt

Es handelt sich nicht um eine Versklavung durch KI. Um die Nase vorn zu behalten, müssen Unternehmen wissen, wo sie stehen, und entsprechend handeln. Arbeit wird neu definiert. KI übernimmt die Ausführung und gibt menschlichen Teams den Freiraum, sich auf Strategie, Design und Kontrolle zu konzentrieren. Teams und Organisationen werden umstrukturiert. Traditionelle Pyramiden weichen flacheren, KI-gestützten Pods, wodurch der Bedarf an Junior-, Koordinator- und Managerrollen neu definiert wird. Die Fähigkeiten verändern sich. KI-Kompetenz wird in allen Rollen unverzichtbar, ebenso wie Systemdenken, Problemdefinition und ein gutes Urteilsvermögen.

Wenn sich Regeln verändern
In Gesprächen über Nachfolgeregelungen oder während der Suche nach (Junior-) Partnern in KMUs steht immer noch die klassische Stabsübergabe im Zentrum. (Auch «Alte») Berater mit ihren aus der Zeit gefallenen Checklisten und Exceltabellen versuchen diesen Prozess aufrecht zu erhalten. Ihnen fehlt es an Ideen, Abläufe sollen wie gehabt weiterbestehen, mit der Arbeitsteilung an die man sich gewöhnt hat. Gleiches Format mit neuen Leuten am alten Ort. Chancen für Veränderungen bleiben ungenutzt und Diskussionen über Sinnhaftigkeit sind selten.

Die Jungen suchen Sinn, die Alten haben Erfahrung – höchste Zeit, dass beide zusammen lernen. Denn KI ist kein Gegner, sondern ein Weckruf: Haltung, Erfahrung und Neugier gehören jetzt an denselben Tisch. Hanspeter Beerli, Zukunfts-Coach und Talentarchitekt

Es fehlt an Unternehmergeist
Unternehmen verlassen selten ihre gewohnten Pfade und folgen aus Angst vor dem Scheitern den gewohnten Mustern. Warum Europa kaum eigene Tech-Grössen hervorbringt, fragt Lorenz Honegger in der NZZ vom 6. Oktober 2025 im Interview die Tech-Investorin Cathie Wood (70). Ihre Antwort lautet: die Regulierung und die Kapitalmärkte, die nicht so ausgereift sind wie in den Vereinigten Staaten. Wood, Gründerin des Flaggschiff-Fond ARK Innovation ETF, mit Schwerpunkten in KI, Robotik, E-Commerce, Genomik und Fintech, ist eine der bekanntesten und umstrittensten Figuren der amerikanischen Finanzbranche. Sie bewundert Elon Musk, als einen der produktivsten Menschen der Welt. Er mische sich nie in Projekte seiner Firmen ein, solange diese ihre Meilensteine erreichten. «Wenn die Mitarbeitenden aber ihre Ziele verfehlen, dann schläft er unter dem Schreibtisch. Sie kenne keinen anderen Menschen, der leisten könnte, was er geleistet hat» findet Wood. Anstatt exorbitante Antrittsboni für Entwickler zu bezahlen bevorzugt sie selbst den Ansatz von Elon Musk, der lieber IT-Experten einstelle, die bereit seien, eine tiefere Entlöhnung zu akzeptieren, und dafür intrinsisch motiviert seien, «an den schwierigsten Projekten der Welt» mitzuarbeiten.

Keith Haring (1958-1990), Untitled. 1982 | MoMA

Digitaler Winter
In ihrem Beitrag zur Digitalisierung in Europa schreiben Tom Fairless und David Luhnow in der NZZ vom 5. September 2025, wie die risikoaverse Geschäftskultur und komplexe Regulierungen die Innovation auf dem Kontinent erstickt und seine Zukunft belasten. Nur vier der fünfzig weltweit führenden Technologieunternehmen sind europäisch, obwohl Europa eine grössere Bevölkerung und ein ähnliches Bildungsniveau wie die USA hat und 21 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung erbringt. Keines der zehn führenden Unternehmen, die in Quantencomputer investieren, hat seinen Sitz in Europa. Der Kontinent schafft es nicht, sich seinen Anteil an neuen, disruptiven Unternehmen zu sichern, die Märkte aufzumischen und Innovationen zu fördern. Ein wichtiger Grund, warum Europa nun im Rückstand ist, lässt sich mit mangelnder Geschwindigkeit zusammenfassen. Unternehmer klagen, dass in Europa alles länger dauere: Geld beschaffen, lokale Vorschriften einhalten, Mitarbeitende einstellen und entlassen. «Amerikaner treffen Entscheidungen sehr schnell. Europäer müssen mit allen reden – es dauert Monate.» sagt der italienische Technologieunternehmer Fabrizio Capobianco, der jahrzehntelang im Silicon Valley lebte. «Wenn Schweizer oder Deutsche über KI sprechen, ist das erste Thema Ethik und Regulierung». Gemäss einer Umfrage von Amazon geben Europäische Unternehmen 40 Prozent ihres IT-Budgets für die Einhaltung von Vorschriften aus.

Einsatz von künstlicher Intelligenz KI
Die Studie «Build for the Future 2025» von Jessica Apotheker, Vinciane Beauchene, Nicolas de Bellefonds, Patrick Forth, Marc Roman Franke, Michael Grebe, Nina Kataeva, Santeri Kirvelä, Djon Kleine, Romain de Laubier, Vladimir Lukic, Amanda Luther, Mary Martin, Jeff Walters, und Christoph Schweizer im BCG Boston Consulting Group Beitrag vom September 30, 2025 befasst sich mit der Kapitalrendite beim Einsatz von künstlicher Intelligenz KI. Die meisten Unternehmen setzen stark auf KI, doch nur wenige erzielen Renditen. Ihre Studie mit mehr als 1’250 Unternehmen zeigt, dass 60% trotz hoher Investitionen wenig bis gar keinen Mehrwert erzielen. Nur 5% sind «KI-zukunftsorientiert» – das heisst: Unternehmen, die frühzeitig reagierten, die richtigen Fähigkeiten entwickelten und nun in grossem Massstab Mehrwert erzielen. Die KI-Wertlücke vergrössert sich rasant. KI-Agenten verschärfen diese Kluft und machen im Jahr 2025 etwa 17% des gesamten KI-Werts aus. Zukunftsorientierte Unternehmen investieren 15% ihres KI-Budgets in diese Technologie. Um diese Lücke zu schliessen, bedarf es mutiger Führung, der Einführung von KI-Agenten und einer Neugestaltung von Arbeitsabläufen und Geschäftsmodellen.

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#440 – Verunsicherte Junge, erfahrene «Alte»

Desinteresse an einer historischen Identität der Gegenwart
Als Ausgangspunkt für die Identifikation der Gegenwart könnten sich Themen der «meistgelesenen» Beiträge in Tageszeitungen eignen, schreibt Hans Ulrich Gumbrecht, emeritierter Albert-Guérard-Professor für Literatur an der Stanford University und Distinguished Emeritus Professor an der Universität Bonn in der NZZ vom 17. Juli 2025. Die als meistgelesen ausgezeichneten Themen haben neben jeweils lokalen Ereignissen Tag für Tag beinahe ausschliesslich mit Donald Trump zu tun, und das «Phänomen Trump» scheint sich gegen ernsthafte historische Analysen zu sperren. Gerade in diesem Desinteresse an einer historischen Identität der Gegenwart und in der Oberflächlichkeit einschlägiger Meinungen kommt paradoxerweise ein übergreifendes Symptom für die Signatur des einundzwanzigsten Jahrhunderts zum Vorschein. Die neue Zeitlichkeit hat die früher zur Verwirklichung von Menschheitsprojekten offen gehaltene Zukunft durch ein Panorama vielfältiger auf uns zukommender Bedrohungen ersetzt – von ökologischen Krisen bis zur Versklavung durch künstliche Intelligenz.

Künstliche Intelligenz KI überholt uns
Mit der Einführung elektronischer Suchmaschinen um 1995 hatte individuell erworbenes, bewahrtes und beständig erweitertes Wissen seine sprichwörtlich gewordene Macht verloren. Bald entlasteten funktional ausgerichtete Programme die Menschen auch weitgehend vom Gebrauch ihres Wissens und lösten damit eine bis heute unbewältigte Krise der überkommenen Bildungsinstitutionen aus. Schliesslich wurde um 2012 zum ersten Mal «deep learning» beobachtet, das heisst eine von menschlichen Interventionen unabhängige Selbstoptimierung der Programme durch Algorithmen. Dadurch ist KI zu einer einschüchternden Konkurrenz für den menschlichen Geist geworden, der nach kompetenten Prognosen während des nächsten Jahrzehnts vom Rechner überholt werden wird, schreibt Gumbrecht weiter. Damit muss der von Descartes’ kanonischem Satz «cogito ergo sum» (ich denke, also bin ich) vorausgesetzte Anspruch, dass allein der Mensch autonom denken kann, trotz aller Sehnsucht nach Ausflüchten und Beschönigungen seine Gültigkeit verlieren.

Yayoi Kusama (96) im «Yellow Tree furniture room» auf der Aich Triennale, Nagoya, Japan, 2010. Fondation Beyeler Riehen, 2025. Bild: © Yayoi Kusama Studio Inc.

Die Sinnhaftigkeit von Arbeit
In diesem Kontext von geopolitischen Veränderungen und technologischen Entwicklungen sind die Auswirkungen auf den aktuellen Arbeitsmarkt zu verorten. Albert Steck (57) analysiert dies näher in der NZZ vom 22. September 2025 unter dem Titel: «Die Gen Z (1997 bis 2012) stellt hohe Ansprüche an den Job – fühlt sich selbst aber oft überfordert». Basierend auf Gesprächen mit Personalverantwortlichen weiss er, wie junge Bewerbende, die einen neuen Job erhalten hätten, am ersten Arbeitstag gar nicht auftauchten. Sei es, weil sie ein besseres Angebot bekommen oder es sich schlicht anders überlegt hätten. Oder wie Kandidat:innen den oftmals automatisierten, unpersönlichen Bewerbungsprozess unvermittelt abbrechen und so die Methoden vieler Firmen kopieren. Wer sich im Job nicht zufrieden oder ernst genommen fühlt, reicht auch mal abrupt seine Kündigung ein. «Die Generation Z tritt mit einem grösseren Selbstbewusstsein auf dem Arbeitsmarkt auf als ihre Vorgänger», sagt der Geschäftsführer der Zürcher Agentur Klar Employer Branding, Christian Dietrich. «Gleichzeitig hat diese Generation auch höhere Erwartungen in Bezug auf die Karriere, die Flexibilität im Job sowie die Sinnhaftigkeit ihres Berufes.»

Sorgen um den technologischen Wandel
Der Co-CEO der Beratungsfirma Consult & Pepper, Dominik Huber weiss, dass sich junge Leute eher getrauten, kritische Fragen zu stellen: «Sie sind es nicht gewohnt, stillschweigend Befehle entgegenzunehmen, wie dies früher in einem hierarchischen Umfeld üblich war. Sie erwarten eine Erklärung für das Warum hinter ihrer Tätigkeit.» Die Ansprüche der Jungen stehen zudem im Widerspruch zur hohen Belastung, welche sie im Berufsleben vielfach empfinden. Die Nachwuchskräfte brächten zwar einen guten schulischen Rucksack mit, so Christian Dietrich, dafür seien sie weniger stressresistent. «In unserer Untersuchung sehen wir ebenfalls, dass ihnen der rasche technologische Wandel Sorgen bereitet.» So fürchtet sich jeder Zweite vor schädlichen Auswirkungen der künstlichen Intelligenz, und jede Dritte erwartet gar einen Stellenabbau. Die Gefahr besteht, dass wir «Alten» zusehen müssen, wie handwerkliche Tradition genauso ausstirbt wie anderes kulturelles Wissen, das seit Tausenden von Jahren weitergegeben wird.

Arbeit wird neu definiert
KI verändert die Aufgaben von Mitarbeitenden, die benötigten Talente und die Art und Weise, wie Teams interagieren, rasant und radikal. Unternehmen können den Wandel aktiv mitgestalten. Die Autoren Julie Bedard, Elizabeth Lucero, Ruth Ebeling, Frank Breitling, Consuelo Garcia-Garcia, und Ayush Sakhuja der BCG Boston Consulting Group beschreiben in ihrem Beitrag vom 15. September 2025, wie die Tech-Mitarbeitenden wegen ihrer Nähe zur Technologie als Erste betroffen sind. Die Entwicklung ihrer Arbeit dient als Modell für Veränderungen in allen Berufsfeldern. Die meisten Unternehmen befinden sich noch in der frühen Phase der werkzeugbasierten KI-Einführung. Eine kleinere Gruppe bewegt sich in der Abwicklung arbeitsteiliger Vorgänge, beziehungsweise Geschäftsprozesse mit dem Ziel grösstmöglicher Effizienz. Der nächste Horizont ist die agentengesteuerte Orchestrierung, bei der KI die End-to-End-Ausführung übernimmt und Menschen Strategie und Kontrolle steuern.

Rollen erweitern und verschmelzen. Funktionale Grenzen verschwinden
Was sich heute fortschrittlich anfühlt, wird spätestens 2030 zur Standardausrüstung gehören. Um die Nase vorn zu behalten, müssen Unternehmen wissen, wo sie stehen, und entsprechend handeln. Arbeit wird neu definiert. KI übernimmt die Ausführung und gibt menschlichen Teams den Freiraum, sich auf Strategie, Design und Kontrolle zu konzentrieren. Teams und Organisationen werden umstrukturiert. Traditionelle Pyramiden weichen flacheren, KI-gestützten Pods, wodurch der Bedarf an Junior-, Koordinator- und Managerrollen neu definiert wird. Die Fähigkeiten verändern sich. KI-Kompetenz wird in allen Rollen unverzichtbar, ebenso wie Systemdenken, Problemdefinition und ein gutes Urteilsvermögen. Erfolg hängt zunehmend von Urteilsvermögen, systemischem Denken und der Fähigkeit ab, Maschinen zu lenken, nicht nur die Arbeit zu erledigen. Traditionelle Pyramiden weichen agilen Pods, in denen erfahrene Talente und KI direkt zusammenarbeiten, um Ergebnisse zu erzielen Eine nachhaltige – sogar exponentielle – Wirkung ist möglich, erfordert aber nicht nur die Einführung von KI, sondern auch die Mitwirkung der Menschen, die sie steuern, regulieren und verstärken. Erfahrene und kompetente «Alte» agieren dabei als Mentoren oder Sparringspartner in altersgemischten Teams.

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#439 – Weiterbildung für «Alte» kein Mehrwert

Wenn die künstliche Intelligenz KI sich selbst zensiert
Beim Mittagessen in Zürich mit ehemaligen Studierenden der UCLA University of California at Los Angeles, sprachen wir über aktuelle Entwicklungen am Stellenmarkt. Wie schwierig es wird, wenn Jobapplikationen, die mittels künstlicher Intelligenz KI generiert wurden, in der Folge von KI-Programmen geprüft werden. Wie unterscheidet man sich in der Menge von Kandidaturen, um einen Schritt weiter zu kommen. Menschen mit Ideen werden Immer gefragt sein. Leute die kreativ denken, die neugierig sind und einen ausgeprägten Gestaltungswillen haben. Allein das biologische Alter eines Menschen ist dabei nicht wirklich ausschlaggebend. Es gibt genügend Junge, welche in antiquierten Denkmustern verharren. Erfahrene, gelassene, selbstsichere, reife und kompetente «Alte», braucht es als Mentoren oder Sparringspartner im Team mit Jüngeren.

In die Alleinstellungsmerkmale der Menschen investieren
Auch die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine ist ein Schlüssel. Um mit KI-Agenten die Arbeit von Menschen zu ergänzen, sind zum Trainieren der Programme auch soft Skills wie Agilität, Veränderungsbereitschaft und berufsübergreifendes Verständnis, anstelle von Silodenken wichtig. Bei der Auswahl von Kandidat:innen müsste man sich folglich auf Fähigkeiten, die Menschen von Maschinen unterscheiden fokussieren. Das gilt auch für die Schule und das Bildungssystem. Politik und Wirtschaft sollten dort investieren, wo Menschen Alleinstellungsmerkmale haben. Generell sollten wir uns auf Berufe konzentrieren, in denen emotionale und soziale Intelligenz zählt, sowie kritisches Denken, Ethik, Philosophie, Sinnstiftung, Kreativität und zwischenmenschliche Interaktion. Darin werden KI-Systeme auch künftig nie so gut sein wie die Menschen.

Wie die KI bezahlte Arbeit reduzieren wird
Im Kontakt mit dem Partner eines mittelgrossen Architektur- und Planungsbüros, vernehme ich wie man sich fürchtet Informationen mittels künstlicher Intelligenz KI zu teilen. Obwohl die Konkurrenten mit ihren Projekten gleichermassen auf den Zeitgeist reagieren und zu fast deckungsgleichen Erkenntnissen kommen, ziert man sich beim Thema KI mit Verweis auf den Datenklau. Die Vorbehalte erinnern stark an die Bedenken gegenüber computergestützten Zeichnungsprogrammen vor 50 Jahren. Zurückhaltung ist jedoch gefährlich, denn die Technologie entwickelt sich rasant. Im Interview mit Jan Bolliger und Joachim Laukenmann, Tagesanzeiger vom 25. September 2025 unter dem Titel: «Wegen KI werden bis zu 70 Prozent aller beruflichen Aufgaben wegfallen» sagt der Philosoph und Ethiker Peter G. Kirchschläger voraus, wie die digitale Transformation zusammen mit künstlicher Intelligenz KI zu einer massiven Reduktion bezahlter Arbeit führen werden.

Alexander Calder (1898-1976), amerikanischer Bildhauer, Calder Gardens Museum / Herzog & de Meuron, Philadelphia, Pennsylvania, USA 2025, © Iwan Baan, © 2025 Calder Foundation, New York / Artists Rights Society (ARS), New York

Wenn die KI ihre eigenen Aufgaben übernimmt
Kirchschläger, Leiter des Instituts für Sozialethik ISE an der Universität Luzern und Gastprofessor an der ETH Zürich, begründet in seinem neuen, auf Englisch erschienenen Fachbuch «Ethics and the Digital Transformation of Human Work», wie ein fundamentaler gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Systemwandel vonnöten sei. Er stellt fest, dass sich der aktuelle technologische Wandel grundlegend von früheren Umbrüchen, wie der Industrialisierung, unterscheidet. KI-Modelle – oder datenbasierte Systeme DS, wie er sie bezeichnet – können nicht nur heutige Aufgaben übernehmen. Sie entwickeln sich auch von selbst weiter und schaffen neue Aufgaben, welche sie gleich selbst übernehmen. Es wird uns Menschen für vieles schlicht nicht mehr brauchen, weil datenbasierte Systeme und Roboter unsere Jobs zwar nicht unbedingt besser, aber günstiger erledigen werden. Ein weiterer wichtiger Unterschied zu früheren technologischen Umbrüchen: Es werden praktisch alle Berufsgruppen unabhängig von der Qualifikation betroffen sein. Wenn wir davon ausgehen, dass wegen der KI 50 bis 70 Prozent aller beruflichen Aufgaben wegfallen würden, müssten wir jetzt handeln, denn unser Wirtschaftssystem kann die Vollbeschäftigung nicht mehr gewährleisten. Wir müssten uns davon verabschieden. Es wäre also unverantwortlich, den Leuten zu sagen, sie hätten nichts zu befürchten, wenn sie digital fit blieben. Wenn es wegen KI keine Aufgaben mehr gibt für Menschen, hilft auch keine Weiterbildung.

Mittels KI zu intelligenten Robotern
Zweifler an den aktuellen Technologien glauben immer noch, dass es sich lediglich um einen weiteren Hype handelt, den es auszusitzen gelte. Dabei erreichen uns fast wöchentlich Neuigkeiten zu weiteren Entwicklungen. In ihrer Präsentation vom April 2024 auf der TED-Plattform (12:54) in Vancouver BC, berichtete Daniela Rus (62), Direktorin des Computer Science & Artificial Intelligence Laboratory des MIT und Buchautorin, über ihre Forschungsarbeit mit dem Titel: «How AI will step off the screen and into the real world», wie die KI vom Bildschirm in die reale Welt tritt. Heute leitet Rus das Computer Science and AI Lab des MIT, die grösste Forschungseinheit am MIT. Zusammen mit brillanten und mutigen Forschern arbeitet sie an der Zukunft der Computertechnik und erfindet intelligente Maschinen. Künstliche Intelligenz und Robotik waren vor Jahren in der Computertechnik noch weitgehend getrennte Bereiche. KI hat uns mit ihrer Entscheidungsfindung und Lernfähigkeit beeindruckt, blieb aber auf Computer beschränkt. Roboter andererseits sind physisch präsent und können vorprogrammierte Aufgaben ausführen, aber sie waren nicht intelligent.

Die Mensch-Roboter-Beziehung
Diese Trennung beginnt sich zu ändern. KI muss sich von der zweidimensionalen Computerbildschirm-Interaktion lösen und in eine lebendige, physische 3D-Welt eintreten. Deshalb verschmelzen die Forschenden in Rus‘ Labor die digitale Intelligenz der KI mit der mechanischen Leistungsfähigkeit von Robotern. Rus nennt es physische Intelligenz, was bedeutet, dass die Fähigkeit der KI, Texte, Bilder und andere Online-Informationen zu verstehen, genutzt wird, um Maschinen in der realen Welt intelligenter zu machen. KI vorprogrammierte Roboter können ihre Aufgaben besser erledigen, indem sie Wissen aus Daten nutzen. Mit physischer Intelligenz befindet sich KI nicht nur in unseren Computern, sondern läuft, rollt, fliegt und interagiert auf überraschende Weise mit uns. Wir «Alten» müssen, aus unserer Erfahrung, die Entscheidungsfindung von Maschinen überdenken und dazu deren Konstruktion und Lernweise neu organisieren. Man kann es sich wie eine Mensch-Roboter-Beziehung vorstellen.

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