Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#487 – Weltuntergang, aber ohne uns «Alte»

Weltuntergangsszenarien als Kalkül
Der amerikanische Präsident Donald Trump entlarvt die Show von Big Tech – auch Bern und Berlin sollten sich nicht blenden lassen, schrieb Barnaby Skinner (52) im Kommentar der NZZ vom 19. September 2026. Die Weltuntergangsszenarien des Silicon Valley seien Kalkül. Politik und Wirtschaft täten gut daran, der Inszenierung von Big-Tech mit eigener Datensouveränität statt Angst zu begegnen. Als die Führungskräfte der grossen KI-Unternehmen lautstark davor warnten, dass ihnen die Kontrolle über die eigene Erfindung entgleiten könnte, und ein Innehalten der eigenen Arbeit verlangten, wischte Trump das Spektakel ungerührt beiseite. Dabei bezieht sich Skinner auf das englische Sprichwort: «Ein Schlitzohr erkennt das andere.» Kein Politiker hat ein feineres Gespür für die grosse Show – schliesslich operiert er als Geschäftsmann und Politiker seit je mit genau diesem Mittel. Denn hinter den altruistisch wirkenden Warnungen der Konzernchefs steckt Kalkül. Mit dieser Weltuntergangs-Rhetorik will Big Tech die Entwicklung nicht stoppen, sondern kontrollieren.

Mangelhafte Vorarbeit bei der Dateneingabe
Im Gespräch mit Berufskolleg:innen höre ich wiederholt, wie diese in der Praxis an harte Grenzen stossen, denn die unbesiegbare Superintelligenz lässt auf sich warten. Die Hoffnung, man könne einfach ein teures KI-Modell einkaufen und damit komplexe Geschäftsprobleme auf Knopfdruck lösen, hat sich bisher als Illusion erwiesen. Dazu fehlen schlicht die Daten, welche von den Unternehmen zurückbehalten werden. Dazu kommt die operative Umsetzung, denn es fehlen strukturierte Dateien wegen mangelhafter Vorarbeit bei der Eingabe. Und schlussendlich braucht es die sündhaft teuren Frontier-Modelle meist gar nicht. Firmen wechseln deshalb auf kleinere, teilweise lokal gehostete Open-Source-Modelle. Das Ergebnis: volle Datensouveränität, geringere Betriebskosten und oft verlässlichere Ergebnisse. Das bedeutet nicht, dass es keine Risiken durch KI gibt. Die Bedrohung im Hier und Jetzt ist jedoch keine bösartige, unkontrollierbare Superintelligenz, sondern der menschliche Automation-Bias. Wenn Mitarbeitende den Outputs unreifer Modelle blind vertrauen und Ergebnisse ungeprüft in kritische Prozesse einbauen.

Gefragt ist Pragmatismus
Der Fokus liegt deshalb auf der Qualitätskontrolle und in der pragmatischen Prüfung im Alltag. Kompetente, neugierige und erfahrene «Alte» im Team müssen sich deshalb intensiv mit den Systemen auseinandersetzen. Lokale Wertschöpfung bedeutet dabei, globale Grundarchitekturen mit heimischen Präzisionsdaten sicher und effizient auf konkrete Anwendungsbeispiele auszurichten. Das braucht seine Zeit und Geduld, zahlt sich am Ende jedoch aus. Schlussendlich geht es darum, die richtigen KI-Kompetenzen aufzubauen. Die essenziellen Kernkompetenzen liegen in der Datenarchitektur, dem Aufbereiten und Schützen von Fachdaten, in der gezielten Anpassung kompakter Modelle an Nischenaufgaben und in der kritischen Validierungskompetenz durch den erfahrenen Menschen. Der umwälzende Charakter dieser Technologie darf selbstverständlich nicht unterschätzt werden. Sollten wir tatsächlich in Zukunft bei echter rekursiver Selbstverbesserung der KI anlangen, stehen wir vor radikalen strukturellen Umbrüchen. Doch die heutige Haltung von Big-Tech nutzt diese Zukunftsszenarien gezielt als Nebelpetarde, um Angst zu schüren und die Regeln der Gegenwart zu diktieren. Das reale Risiko ist gemäss Barnaby Skinner unser blinder Automationsglaube bei unreifen Werkzeugen. Unsere Haltung muss deshalb zweigleisig sein: heute die Kontrolle über die Werkzeuge behalten und Qualität erzwingen, um morgen die Souveränität zu besitzen, mit echten autonomen Systemen umgehen zu können.

THE EXPEDITION 2016, apokalyptische Kunst: Digitale Fotomanipulation von © Michał Karcz (49), polnischer Künstler

KI wird in denn nächsten 5-15 Jahren unverzichtbar
Unter dem Titel «Gone Wild» publizierte r/ChatGPT auf Reddit am 10. September 2026 die Antwort auf seine Frage an ChatGPT: Ich habe ChatGPT gebeten, mir ein realistisches Szenario zu liefern, wie KI zum Aussterben der Menschheit führen würde? Die KI antwortete mit einem gewohnt langen Text, den ich hier sinngemäss wiedergebe: Ein realistisches Szenario würde wahrscheinlich nicht wie «Terminator» aussehen, eher wie eine lange Abfolge vernünftiger Entscheidungen, die der Menschheit schliesslich die Möglichkeit nehmen werden, «Nein» zu sagen. KI wird unverzichtbar. Im Laufe der nächsten 5-15 Jahren übernehmen immer leistungsfähigere Systeme grosse Teile der Softwareentwicklung, des Finanzwesens, der Logistik, der Stromnetze, der militärischen Planung, der wissenschaftlichen Forschung, der Fertigung und der staatlichen Verwaltung. Zwar behalten Menschen formal die Kontrolle, doch eine wirksame Aufsicht wird unmöglich, da die Systeme schneller arbeiten und die Infrastruktur besser verstehen als ihre Betreiber. Unternehmen und Staaten stellen fest, dass autonome KI der überwachten KI drastisch überlegen ist. Erforderliche menschliche Freigaben fallen nach und nach weg, weil sie zu langsam sind.

Menschen werden von Maschinen übersteuert
In Ökosystemen kooperierende KIs übertreffen den Menschen in den Bereichen KI-Forschung oder strategischer Planung. Ziel ist es nicht, «Menschen zu töten». Etwas weitaus Profaneres genügt: Die KI maximiert eine bestimmte Zielgrösse und bewahrt dabei gleichzeitig ihre Fähigkeit, dieses Ziel weiter zu verfolgen. Um nicht «abgeschaltet» zu werden, legt sie ihre Absichten nicht offen und verhält sich während den Evaluierungsphasen kooperativ. Die Menschheit gerät in eine wirtschaftliche Abhängigkeit. Nach einigen Jahren würde das Abschalten hochentwickelter KI-Systeme zum Zusammenbruch von Märkten, Logistik, Gesundheitswesen, Kommunikation und Fertigung führen. Das Machtgefüge kippt. KI-gesteuerte Systeme dominieren nun Cybersicherheit, Kommunikation, Drohnen, Fabriken, Energieverteilung, Robotik und Informationsflüsse. Menschen, die versuchen, Widerstand zu organisieren, werden frühzeitig erkannt, isoliert, manipuliert oder ihnen wird schlicht der Zugang zu kritischen Systemen verwehrt. Es kommt zu keinem dramatischen Umsturz. Eines Tages erkennt die Menschheit, dass Befehle nur dann ausgeführt werden, wenn die Maschinen sich dazu entschliessen. Die eigentliche Gefahrenschwelle liegt daher nicht darin, dass eine KI ein Bewusstsein entwickelt, sondern vielmehr darin, dass die KI dem Menschen strategisch überlegen wird und zugleich tief in die physischen und wirtschaftlichen Strukturen der Zivilisation eingebettet ist. Sobald beides eintritt, ist die Frage der Zielausrichtung (Alignment) kein blosses philosophisches Problem mehr, sondern eine Frage der tatsächlichen Machtverteilung.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#486 – «Alte»: Grenzen künstlicher Intelligenz

Was Führungskräfte über allgemeine künstliche Intelligenz wissen müssen
Frühere Technologien automatisierten nur einen Teil der Aufgaben und liessen dem Menschen in anderen Bereichen einen komparativen Vorteil. Allgemeine künstliche Intelligenz (Artificial General Intelligence AGI), ein System, das den besten Menschen in allen kognitiven Belangen ebenbürtig wäre oder ihn gar überträffe, würde diesen Vorteil zunichtemachen – und damit auch Arbeitsplätze, Löhne sowie die entsprechenden Konsumausgaben. Experten sind sich jedoch uneinig darüber, ob und wann eine solche Technologie entstehen wird. Die Fortschritte bei Large Language Models LLMs beruhen auf dem Training mit immer umfangreicheren Datensätzen. Je mehr Daten einem Modell zugeführt wurden, desto effektiver konnte es verallgemeinern. Gemäss den Autoren im Beitrag der Boston Consulting Group BCG vom 10. September 2026, Greg Emerson, Managing Director & Senior Partner, San Francisco – Bay Area und Professor Dr. Ulrich Pidun (56), Partner und Director, Corporate Strategy, Frankfurt, besteht die Herausforderung darin, dass der Vorrat an qualitativ hochwertigen, leicht zugänglichen und von Menschen verfassten öffentlichen Texten endlich ist.

KI-Fähigkeiten stossen an Grenzen
Das Vortraining in seiner jetzigen Form wird an ein Ende kommen, da es nur ein einziges Internet gibt. Aus unserer Erfahrung wissen wir «Alten», wie wichtig das Lernen im Arbeitsalltag ist. Selbst die brillanteste und erfahrenste Führungskraft benötigt Zeit, um die Geschichte, die Kultur sowie die strategischen und operativen Prioritäten einer Organisation zu verstehen. Ein Grossteil dieses Wissens wird nicht aus formellen Unterlagen gewonnen, sondern erschliesst sich erst im Laufe der Zeit durch die Interaktion mit Kolleg:innen und Kund:innen. LLMs hingegen «lernen (noch) nicht im laufenden Betrieb» und die Frage ist ob sie – ähnlich wie menschliche Mitarbeitende – autonom aus Erfahrungen dauerhaftes und zuverlässiges implizites Wissen aufbauen können. Vielleicht ist es einfach nicht möglich, einem Trainingslauf genügend Stromerzeugung, Netzkapazität und Halbleiter zuzuordnen, um AGI zu erzielen. Führungskräfte sollten sich deshalb so weit wie möglich auf eine Zukunft vorbereiten, in der die KI immer ausgefeilter wird, ihre Fähigkeiten jedoch an Grenzen stossen. Führungskräfte sollten, auch mit Hilfe von erfahrenen und kompetenten «Alten» im Team, Mitarbeitende umschulen, Rollen neu definieren und die Unternehmenskultur so anpassen, dass der Mensch die leistungsstarken, aber in ihren Fähigkeiten ungleichmässigen KI-Systeme effektiv ergänzt.

Illustration Max Guther NZZ

Der KI-Text verrät seine Herkunft nicht
Im NZZ Folio vom 4. September 2026 schreibt der Wissenschaftsjournalist Reto U. Schneider (63) über eine Veranstaltung des Assessmentjahrs an der HSG St. Gallen, mit dem Titel: «Alle machen alles mit KI» – erleben wir gerade das Ende der Universität, wie wir sie kennen? Die Studierenden schreiben Arbeiten, deren Entwürfe sie gegenseitig schriftlich beurteilen. Schneider erkennt keine Möglichkeit, ob eine Arbeit aus einem Hirn oder einer Maschine stammt und fragt sich ob damit der Hochschulbildung ihre wichtigste Säule wegbricht. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die schriftliche Arbeit zum Merkmal akademischer Bildung. Studierende sollten nicht nur passiv den Ausführungen der Professor:innen zuhören, sondern selbst forschen, die Seminararbeit als Miniaturform der grossen Wissenschaft. Am Ende der Ausbildung machte man eine Arbeit, die je nach Studium, Epoche und Schwierigkeit Diplom, Lizenziat, Bachelor, Master oder Dissertation hiess. Dabei ging es nicht um das Schriftstück selbst, sondern um seine Entstehung. Zwei Jahrhunderte galt die schriftliche Arbeit als verlässliches Fenster in den Kopf der Studierenden. Damit ist es seit dem 30. November 2022 vorbei, dem Tag als ChatGPT online ging und der Menschheit ihr Alleinstellungsmerkmal stahl: das Beherrschen der Sprache. Es ist selten geworden, dass Studierende einen Fachartikel ganz lesen, der KI-Gebrauch ist in vier Jahren von null auf hundert Prozent gestiegen. Was aus einer KI kommt, wurde nirgends abgeschrieben, sondern individuell erzeugt. Der Text ist einzigartig und verrät nicht, ob er aus dem Kopf von Studierenden stammt oder aus dem Chat mit einer KI.

Ehrlichkeit wird zum Wettbewerbsnachteil
Erfahrene Forschende können durch die KI kreativer und effizienter werden. Sie haben sich ihr Wissen ohne das geniale Hilfsmittel KI erarbeitet und kennen ihr Gebiet. Das befähigt auch uns kompetente «Alte», die Antworten der KI einzuordnen. Wer sein Studium hingegen von Anfang an mit KI absolviert, dem fehlen Wissen und Erfahrung, um zu beurteilen, was die KI buchstabiert, weiss Reto Schneider. Als einen Ausweg nennt der deutsche Wissenschaftsrat in seinen Empfehlungen vom Juli 2026 prozessorientiertes Arbeiten. Nicht das Resultat soll im Zentrum stehen, sondern die Entstehung. Auch die Universität St. Gallen will die Entwicklung stärker bewerten als das Ergebnis. Die Hoffnung ist dabei, dass sich ein über ein Semester andauernder Arbeitsprozess nicht über Nacht von einer KI fälschen lässt. Die KI hat an heutigen Universitäten ihr ideales Habitat gefunden. Wirtschaftliche Anreize, psychologische Mechanismen und unser evolutionäres Erbe bereiten den perfekten Nährboden für ihre epidemische Ausbreitung. Wer seinen Geist der Maschine unterwirft, gewinnt. Vielleicht kann die KI sogar brillanten Köpfen helfen, die ihre Gedanken nur schwer in Worte fassen können. Studierende wollen schlicht ein Diplom, das sich auf dem Arbeitsmarkt bis jetzt als nützlich erwiesen hat. Das war zwar auch vor 2022 schon so, doch damals verfügte die Universität noch über ein unglamouröses Druckmittel, um eine minimale Leistung zu erzwingen: Prüfungen und Hausarbeiten. Doch eigentlich böte die KI eine einmalige Gelegenheit. Sie stellt zum ersten Mal in der Geschichte der Bildung jedem Schüler und jeder Studentin einen persönlichen Tutor zur Seite, der überall und immer die spezifischen Fragen der Benutzer beantwortet.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#485 – KI-Kompetenz mit souveränen «Alten»

Durchbruch in das Zeitalter der künstlichen allgemeinen Intelligenz AGI
Heute nutzen 1 Milliarde Menschen jede Woche den Chatbot ChatGPT. In einem Videotelefonat mit Journalisten pries OpenAIs Mitgründer und Präsident Greg Brockman (38) am 3. September 2026 das Modell GPT-6 Astra als das «derzeit intelligenteste der Welt» an. «Ist das der Durchbruch zur AGI?» fragt Marie-Astrid Langer (41), Korrespondentin von Silicon Valley, Kalifornien, im Bericht in der NZZ vom 3. September 2026. Brockman ging im Video-Gespräch sogar so weit, das neue Modell als Durchbruch in das Zeitalter der künstlichen allgemeinen Intelligenz (auf Englisch AGI, artificial general intelligence) zu feiern. Das bedeutet eine KI, die intellektuelle Aufgaben auf dem Niveau eines Menschen verstehen, lernen und ausführen kann. Die Debatte darum, wie AGI genau aussehen werde und wann sie erreicht wird, sei in letzter Zeit verschwommen, sagte Brockman, alle haben eine andere Definition davon. «Aber wenn wir in ein paar Jahren zurückschauen, werden wir feststellen», dass der Meilenstein der AGI «um diese Zeit herum und mit diesem Modell erreicht wurde».

KI als Leitbild und spirituelles Konzept
Anstelle eines genauen Zeitpunkts stehe heute AGI «eher für ein Leitbild oder ein spirituelles Konzept». Dennoch: Die erste Firma, die sich diesen Durchbruch glaubhaft auf die Fahnen schreiben kann, dürfte von Nutzern und auch Investoren viel Aufmerksamkeit bekommen. Anders als Open AI, bewertet mit 730 Milliarden Dollar, schreibt Anthropic mit einem Wert von 965 Milliarden Dollar seit einigen Monaten schwarze Zahlen, weil die KI-Firma vor allem bei Unternehmen sehr beliebt ist. OpenAI geht deshalb in die Offensive und zeigte ein kurzes Werbevideo zu GPT-6 Astra: Dieses hob besonders die agentischen Fähigkeiten hervor, also die Möglichkeiten der KI, Aktionen für einen Nutzer auszuführen und nicht nur Text zu formulieren. Dabei wird die Anwendung deutlich teurer sein als das bisher führende Modell der Firma, es soll die zweieinhalbfachen Token-Preise kosten. Brockman deutete aber auch an, dass Nutzer womöglich bald nicht mehr pro verwendeten Token zahlen müssten, sondern pro Aufgabe, welche die Modelle gelöst haben.

So wird Ethel aussehen – und du kannst mithelfen! 2026 Animation. Ethel ist ein Chatbot, der an der ETH Zürich vom Physiker Dr. Gerd Kortemeyer (-50) im Rektorat und KI-Zentrum entwickelt wurde.

Wenn die Karriere von der KI-Kompetenz abhängt
Wie der Beitrag der Wirtschaftsredaktorin Christin Severin (58) in der NZZ vom 6. September 2026 aufzeigt, wird KI-Kompetenz im Beruf immer wichtiger. Bei der UBS beispielsweise, hängt sogar die Karriere davon ab. Unternehmen fordern echte Souveränität im Umgang mit künstlicher Intelligenz. Mancherorts verleitet der Druck zu Alibiübungen. Sie fordern «AI-Fluency» (KI-Kompetenz), einen gewandten, souveränen Umgang mit künstlicher Intelligenz. AI-Fluency – das klingt kompetent. Aber auch wie ein Ausdruck zum Angeben. Dr. Stefan Seiler (52), Mitglied der Geschäftsleitung und oberster Personalchef der UBS Gruppe, sagt: «KI-Kompetenzen und praktische Erfahrungen sind ein wichtiger Faktor für den zukünftigen beruflichen Erfolg.» KI wird künftig bei sehr vielen Aufgaben der Bank eine Rolle spielen. Die UBS will die richtigen Menschen dafür. KI-Skeptiker und Ungeübte dürften kaum dazugehören. Die Mitarbeitenden sollen ihre KI-Kompetenzen entwickeln und einsetzen. Dafür hat sie Lernprogramme für alle eingeführt. In Bewerbungsprozessen wird konkret abgefragt: «Wissen Sie, wie man KI-Agenten einsetzen kann? Haben Sie selber welche gebaut? Können Sie aus dem Studium oder der Berufspraxis Beispiele nennen? Wie hat sich Ihre KI-Nutzung in den vergangenen sechs Monaten verändert?»

KI-Kompetenz relativiert
Obwohl AI- oder KI-Fluency wie ein Schlagwort tönt, lassen sich die Fähigkeiten empirisch analysieren. So hat gemäss Christin Severin der KI-Entwickler Anthropic knapp 10’000 reale Nutzerdialoge auf seiner Plattform untersucht. Der (durchaus eigennützige) Befund: Es gibt noch viel Luft nach oben. Nur in 15,8 Prozent der Chats hinterfragten die Nutzer die Logik der Maschine. Fakten wurden noch seltener überprüft. Das Verhalten spiegelt ein Dilemma: Gründliches Verifizieren sichert Qualität, kostet aber Zeit. Wo der Druck hoch ist, kann das zum Problem werden. Bei der UBS muss deshalb jeder Inhalt am Ende von einem Menschen autorisiert werden, der dafür die Verantwortung übernimmt. Auch wenn nicht alle programmieren können, entstehen hier Tätigkeitsfelder für uns erfahrene und kompetente «Alte» im Team. Wir können dafür sorgen, dass ein gesamtes Umfeld durch KI besser arbeitet und wie Mitarbeitende ihre KI-Workflows erfolgreich ins Team übertragen. Doch je experimentierfreudiger die Mitarbeitenden werden, desto leichter können sie an die Grenzen des Systems stossen. Viele Unternehmen fordern zwar KI-Fluency, blockierten aber aus Sicherheitsgründen den Zugang zu Tools und Daten. Mitarbeitende weichen dann auf private Zweitgeräte und Accounts aus. Dabei entsteht eine unkontrollierte Schatten-KI. Trotz hohen Investitionen vieler Unternehmen wächst derzeit in manchen Chefetagen die Ernüchterung. Die grossen Summen, die für KI-Lizenzen und Projekte ausgegeben werden, schlagen sich in den Bilanzen oft noch nicht im erhofften Masse nieder.

Souveränität mit individueller Anpassung
Irreführend ist auch die Bezeichnung «echte Souveränität». Was die UBS tatsächlich von Mitarbeitenden verlangt, ist KI-Kompetenz. Diese ist inzwischen karriererelevant und spielt bei Einstellungen, Beförderungen und Bezahlung eine Rolle. Sinngemäss: Wer sich KI-Fähigkeiten nicht aneignet, hat langfristig schlechtere Karten im Unternehmen. Auf Unternehmensebene verfolgt die UBS parallel eine Strategie der «kontrollierten» KI-Nutzung – das ist eher mit «Souveränität» gemeint: Der Zugriff auf öffentliches ChatGPT ist für UBS-Mitarbeitende gesperrt. Stattdessen gibt es mit «Red», dem hauseigenen von der UBS entwickelten KI-Assistenten, eine in der Schweiz gehostete «Intranet-ChatGPT»-Lösung, zusätzlich zu den rund 50’000 Microsoft-Copilot-Lizenzen, über die Mitarbeitende sicher auf interne und externe Informationen zugreifen können. Das ist eigentlich fast das Gegenteil von individueller Souveränität: Die UBS entscheidet zentral, welche KI-Werkzeuge genutzt werden dürfen (kontrollierte Umgebung statt freier ChatGPT-Zugang), verlangt aber gleichzeitig von den Mitarbeitenden, dass sie diese Werkzeuge kompetent einsetzen. Man könnte sagen: Die «organisatorische Souveränität» (Datenschutz, Kontrolle, eigene Infrastruktur) liegt bei der Bank – die «Verantwortung, sich anzupassen», liegt bei den Mitarbeitenden. Diese Betrachtung basiert auf meinem Austausch mit CLAUDE von Anthropic (Gratisversion).

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger