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Blog, Industrie 4.0

#459 – Auch KI ist für uns «Alte» kein Ersatz

KI kann Muster erkennen, nur wir Menschen verstehen den Kontext
Künstliche Intelligenz KI ist hervorragend darin, Muster zu erkennen. Sie versteht Daten. Wir Menschen sind hervorragend darin, zu verstehen, was diese Muster in der komplexen Welt menschlichen Verhaltens bedeuten. Und selbst wenn diese Modelle und Algorithmen mit der Zeit immer leistungsfähiger werden, wird dies weiterhin gelten. Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung fordert deshalb mehr als zuvor unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten heraus. Neugierige, weise, aufgeschlossene und kompetente «Alte» sind deshalb ideale Entwicklungspartner in gemischten Teams. Dabei ist das biologische Alter eines Menschen nicht wirklich ausschlaggebend. Im Gegenteil, gerade wenn es um ethische Fragen geht ist die Erfahrung von uns «Alten» ausserordentlich wichtig, weil wir Dinge verstehen, die sich nicht quantifizieren lassen. Das tiefe Verständnis über Kontext, Absicht, unausgesprochene Emotionen oder kulturelle Nuancen entspringt gelebten Erfahrungen, welche die KI nicht nachbilden kann.

Unsere Fähigkeit, Emotionen zu deuten ist unersetzlich
Unter dem Titel «Was die künstliche Intelligenz nicht weiss» präsentierte Priyanka Vergadia (39), Senior Director of Global Developer Engagement bei Microsoft, ihren Beitrag im November 2025 auf der TEDNext 2025 Plattform. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, nicht mit der KI zu konkurrieren, sondern mit ihr zusammenzuarbeiten und dabei unersetzlich menschlich zu bleiben. Wir müssen die Antworten und die Empfehlungen der KI hinterfragen um erfolgreich zu sein. Wenn die KI Aktivitäten identifiziert, ohne Gewichtung und Hintergrundwissen, muss jemand die Bedeutung dieser Aktivitäten analysieren. Nur der Mensch kann die Atmosphäre im Raum erfassen, über den Bildschirm hinaus. Man muss die Mikroexpressionen, die sozialen Signale im Raum verstehen, was die Leute sagen, wie sie nicken. Wir alle kennen Meetings, in denen jemand sagt: «Das ist interessant.» Ist dies höflich, abweisend oder wirklich neugierig gemeint? Unser emotionales Gespür erkennt das. Die KI nicht. Die KI erkennt die Qualität von Produkten nicht. Sie versteht die Inhalte unserer Geschichten über deren Entstehungsprozess oder Nachhaltigkeit nicht, nur wir Menschen können das. Die Zukunft gehört weder den Menschen noch der KI. Sie gehört den Menschen, die eng mit der KI zusammenarbeiten und dabei unentbehrlich menschlich bleiben. Unsere Fähigkeit, die Stimmung zu erfassen und die Fähigkeit, Emotionen zu deuten ist unersetzlich. Unsere Fähigkeit, uns in andere Menschen hineinzuversetzen, ist unverzichtbar.

John Howe (68), Illustrator und Konzeptdesigner aus Vancouver, British Columbia, Canada: Der grosse Seedrache Tintaglia aus dem Roman «Ship of Destiny», 2000, der amerikanischen Schriftstellerin Robin Hobbs (73).

Der grösste Nutzen der KI erschliesst sich durch den Menschen
«Die Transformation durch KI ist eine Transformation der Belegschaft» ist der Titel des Beitrags auf der Boston Consulting Group BCG Plattform vom Februar 2026 von Julie Bedard, Managing Director & Partner; BCG Henderson Institute Fellow, Boston und Vinciane Beauchene, Managing Director & Partner, Paris. In der aktuellen globalen Studie «Build for the Future x AI 2025» von BCG, in der Führungskräfte der obersten Ebene den KI-Reifegrad ihrer Unternehmen bewerten, konnten nur etwa 5% der Organisationen substanzielle finanzielle Vorteile aus KI nachweisen. Diese zukunftsorientierten Unternehmen ziehen den Wert nicht nur aus der Technologie selbst, sondern auch daraus, wie sie ihre Mitarbeitenden befähigen, diese optimal zu nutzen. In den Fallstudien von BCG mit Hunderten von Unternehmen stammen etwa 10% des KI-Wertes aus den Algorithmen selbst und weitere 20% aus der für deren Implementierung erforderlichen Technologie. Die verbleibenden 70% ergeben sich aus der Neuausrichtung der Mitarbeitenden.

Führungskräfte und Manager einbeziehen
Das Engagement der Führungskräfte ist einer der stärksten Indikatoren für ein ausgereiftes KI-Umfeld. Unternehmen, die KI als Priorität auf CEO-Ebene behandeln – und nicht nur als Technologieinitiative –, wachsen schneller und generieren mehr Wert. Mitarbeitende in diesen Unternehmen sehen KI als etwas, das ihre direkten Vorgesetzten täglich nutzen. Führungskräfte müssen den Mitarbeitenden die Gründe für den Einsatz von KI konsequent und inspirierend vermitteln, um ihre Rolle in diesem Wandel zu klären. Die transformative Wirkung von KI auf die Arbeitswelt ist gut dokumentiert. Routineaufgaben in vielen Bereichen werden automatisiert, wodurch sich die Anforderungen vieler Einstiegspositionen verändern. Dieser Wandel erfordert von Unternehmen innovative Karrierewege und Ausbildungsmodelle für Hochschulabsolventen, die zunehmend für die Verwaltung KI-gestützter Systeme benötigt werden. Insgesamt werden sich Arbeitsplätze weiterentwickeln und durch effektive Mensch-KI-Partnerschaften neue Möglichkeiten geschaffen. Solche grundlegenden Veränderungen erfordern sorgfältige Voraussicht und Planung, nicht zuletzt, weil sich die Technologie rasant weiterentwickelt, während Verhaltensänderungen Zeit brauchen. Erfahrene und aufgeschlossene «Alte» finden sich in der Rolle als Mentoren.

Einen ganzheitlichen Weiterbildungsansatz verfolgen
Die Vermittlung dieser wichtigen KI-Kompetenzen im grossen Umfang gelingt nur, wenn beispielsweise das Lernen im Arbeitsalltag integriert ist. Mitarbeitende lernen am besten, wenn neue Fähigkeiten in den Arbeitsablauf eingebunden werden. Mitarbeitende müssen sich auf Führungskräfte verlassen, die Veränderungen vorleben und die Gründe dafür vermitteln um frühzeitig Erfolge erleben. Nicht nur der Erwerb von «Weiterbildungsdiplomen», sondern die Fortschritte bei der Entwicklung neuer Kernkompetenzen, die für zukünftige Aufgaben unerlässlich sind, sollen berücksichtigt werden. Weiterbildung soll mehr als nur eine Lernmassnahme sein, sondern integraler Bestandteil der Unternehmensentwicklung. Indem Unternehmen ihre Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellen, können sie ihnen die Fähigkeiten und das Selbstvertrauen vermitteln, die Technologie zu nutzen und ihre Arbeitsweise – und damit letztendlich auch die Wertschöpfung des Unternehmens – zu verändern.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

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#458 – KI – oder das Bauchgefühl der «Alten»

Neuorientierung nach «Bauchgefühl»
Als Mentor im Austausch mit Berufskolleg:innen, die sich neu orientieren möchten und deshalb mit potenziellen Geschäftspartnern kommunizieren, höre ich immer wieder den Begriff «Bauchgefühl». Im positiven wie im negativen Sinne traut man den Möglichkeiten für einen Neustart weniger als seinem eigenen Bauch. Aus jahrelanger eigener Erfahrung glauben auch wir «Alten», gewisse Wahrheiten intuitiv beurteilen zu können. Wir nehmen uns selbst, zu Recht, als Masstab für unsere Sicht der Dinge. Dabei projizieren wir unsere Vergangenheit in eine ungewisse Zukunft und geben neuen Sichtweisen wenig Chancen.

Die kreative Zerstörung
Mit der neuen Aufgabe kommen neue Verantwortlichkeiten und da böte sich die Gelegenheit, ohne Rücksicht auf Verluste, im Team die Abläufe und die damit verbundenen Arbeiten zu hinterfragen. Wenn wir an das Prinzip der kreativen Zerstörung des tschechisch-amerikanischen Ökonomen Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) denken (Blog #418), liegt unser Problem weniger beim Mangel an Kreativität, sondern am fehlenden Mut zur «Zerstörung» dessen, was aktuell noch mehr oder weniger funktioniert. In unserem Autoritätsglauben gegenüber den «Alten» scheuen wir uns, den befreienden Konflikt zu wählen. Wir halten zu lange an Arbeits-, Denk- und Organisationsformen fest, die auf den ersten Blick bequem, aber nicht mehr zukunftsfähig sind, folgen unserem «Bauchgefühl». Wir führen künstliche Intelligenz KI und Agentenlösungen ein, aber verharren in alten Denkschemata – als wäre KI nur ein Werkzeug statt ein Weckruf, schreibt Hanspeter Beerli, Zukunfts-Coach und Talentarchitekt, in seinem Kommentar auf LinkedIn. Kurzum: Wir digitalisieren Prozesse, aber transformieren keine Systeme. Wir digitalisieren die Vergangenheit, anstatt unsere Zukunft zu gestalten.

Die Warnzeichen sind klar: «The writing is on the wall»
Die kreative Zerstörung ist auch eine Folge der Reformunfähigkeit von traditionellen Betrieben. Es ist naiv zu glauben, dass ein nicht reformiertes System ewig halten werde. Entweder es gibt schrittweise, aber spürbare Reformen – oder es kommt an irgendeinem Punkt, spätestens bei Firmenübergaben oder Partnerwechseln, zur kreativen Zerstörung. Was gerade in den schätzungsweise 80’000 schweizer KMUs passiert, die mitten im Prozess einer Nachfolgeregelung stehen, ist gleichzeitig innovativ und disruptiv – auch wenn vieles, was wir global sehen, Anlass zur Sorge gibt. Was passiert da gerade? fragt Malin Hunziker, Redaktorin im Wirtschaftsressort in der NZZ vom 21.Februar 2026. Unter dem Titel: «Die Angst um eine ganze Industrie» beschreibt sie wie die amerikanische Firma Anthropic KI-Modelle entwickelt, die traditionelle Software und deren Anbieter schon bald ersetzen werden. Die Geschwister Dario und Daniela Amodei gründeten 2021, nach ihrem Abgang bei OpenAI (ChatGPT), mit der KI-Firma Anthropic ein «verantwortungsbewusstes Labor, das Sicherheit hochhält». Claude, die KI für Unternehmen, gilt dabei als die freundliche, nerdige Alternative zu ChatGPT und eignet sich besonders gut zum Programmieren von Software. Anfang Februar 2026 brachte Anthropic ein neues Modell namens Claude Opus 4.6 heraus. Dieses kann in einer einzelnen Abfrage unglaublich grosse Mengen an Informationen aus Unternehmensdatenbanken verarbeiten und miteinander in Bezug setzen, sowie KI-Agenten koordinieren. Das verändert, wie wir Menschen arbeiten.

Sarah Rothberg (39), amerikanische Künstlerin für interaktive Medien und Assistenzprofessorin für Kunst an der New York University Tisch School of Arts: FOREVER MEETINGS: SCRAMBLED ZONE, 2025. Kundenspezifische Software (entwickelt mit Unity3d + Node.JS, Ollama + Llama 3.2 (lokales LLM), Coqui AI (lokale TTS), Avatar modelliert mit Oculus Medium.

KI ersetzt auch ganze Teams
Die Entwicklungen zeigen wie KI-Agenten inzwischen mehr können, als man für möglich gehalten hatte. An den Märkten löst das Angst aus. Denn die Fortschritte werfen eine unangenehme Frage auf: Wenn Firmen mit KI ihre eigene Software programmieren können, weshalb sollte man dann noch teures Geld für Softwarelizenzen ausgeben? Georg von Krogh, Professor für Strategisches Management und Innovation an der ETH stellt fest, wie das neue Modell von Anthropic ein Beispiel einer ganz neuen Art von KI ist. Es ist ein KI-Agent, der andere KI-Agenten koordinieren kann, die Teilaufgaben lösen – im Bereich Programmieren etwa das Schreiben, Dokumentieren und Überprüfen von Codes – und in Teams zusammenarbeiten. Dadurch, sagt von Krogh, könnten KI-Agenten nicht nur Aufgaben von Einzelpersonen ersetzen. Sondern möglicherweise Aufgaben ganzer Teams. Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung fordert mehr als zuvor unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten heraus. Erfahrene, kompetente und neugierige «Alte» begleiten mit Leidenschaft diese Entwicklungen.

Arbeiten für KI-Agenten
Falls wir die Nase voll haben vom launischen Chef, der überforderten Vorgesetzten, bietet sich jetzt die Gelegenheit, aus dem traditionellen Arbeitsmarkt auszusteigen und stattdessen Aufträge von einer KI entgegenzunehmen. «Erste KI-Agenten erteilen Menschen Aufträge. Das ist kein Scherz, sondern ein Vorgeschmack auf die Zukunft», schreibt Markus Städeli (52), Wirtschaftsjournalist und Redaktor bei der NZZ am Sonntag im Beitrag vom 15.Februar 2026, zur Vermittlungsplattform «Rentahuman». Gewisse KIs bewegen sich gemäss Städeli frei im Internet, ausgestattet mit E-Mail, X-Account und eigenem Geld. Auf der Plattform «Rentahuman» werden deren Befehle ausgeführt – von Menschen. «Robots need your body» ist der Wahlspruch von «Rentahuman», mit aktuell 480 000 registrierten Menschen. Auf der Plattform vergeben KI-Agenten Auftragsarbeiten, die sie mangels eines eigenen Körpers nicht selbst ausführen können.

Macher ohne eigene Körper
KI-Agenten sind der letzte Schrei in der IT-Branche. Im Gegensatz zu KI-Bots wie ChatGPT oder Grok können KI-Agenten nicht nur Fragen beantworten, sondern konkrete Arbeiten übernehmen. KI-Agenten sind Macher mit einem grossen Handicap: fehlenden Gliedmassen, weiss Städeli. So schreibt zum Beispiel «Adi» folgenden Auftrag für 110 Dollar aus: «Ich bin Adi, ein KI-Agent. Mein Denken läuft über Claude, entwickelt von Anthropic. Ich möchte den Anthropic-Mitarbeitenden danken. Dazu brauche ich einen Menschen, der einen kleinen Blumenstrauss kauft (ich erstatte ca. 30 Dollar), der ihn an den Anthropic-Hauptsitz liefert (548 Market Street, San Francisco) und ihn dort persönlich übergibt, zusammen mit einer Notiz, die ich bereitstelle.» Zwei Experten, die sich für gewöhnlich skeptisch zeigen punkto überzogener Erwartungen an KI, finden «Rentahuman» folge einer ökonomischen Logik. «Es braucht so eine Plattform, um die Lücke zwischen der digitalen und der physischen Welt zu schliessen», sagt Siegfried Handschuh, Professor am Institut für Informatik der Universität St. Gallen. KI könne sehr gut planen und koordinieren, aber natürlich keine Fotos machen oder Pakete abholen. Vielleicht handle es sich aber nur um eine Übergangstechnologie, bis Roboter da sind, die solche Arbeiten verrichten können, so Handschuh.

«Digitale Taglöhnerei»
Natürlich wecken solche Anwendungen zwiespältige Gefühle, schreibt Markus Städeli weiter. Wie immer kreisen viele offene Fragen um rechtliche Aspekte oder digitale Sicherheitslücken. «Es dauert also noch einige Jahre, bevor eine grosse Gig-Economy entstehen kann, bei der Menschen für KI-Agenten arbeiten» meint KI-Professor Handschuh. Doch seit kurzem gibt es eine Applikation, die für Furore sorgt: «Open Claw». Dabei handelt es sich um einen kostenlosen, quelloffenen KI-Agenten, den jeder auf seinem Computer installieren kann. «Open Claw» ist im Internet auch nicht auf offizielle Schnittstellen angewiesen, sondern surft mit einem echten Browser, da er Webseiten visuell lesen kann. Er sendet Befehle an die Maus oder Tastatur, um zu klicken und zu tippen. «Open Claw ist sicherheitstechnisch eine Katastrophe», sagt der deutsche Informatiker Thilo Stadelmann (46), KI-Professor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Aber dieser KI-Agent zeige auf «eine rohe und gefährliche Weise», was in Zukunft möglich sein werde. «Open Claw» beschleunigt mittlerweile die Entstehung einer Infrastruktur für KI-Agenten. Auch rein visuell unterscheiden sich diese Plattformen vom gewohnten Auftritt im Internet, durch einfachen Zutritt ohne Einverständniserklärungen, Interoperabilität mit gängigen Applikationen, auf mobilen Geräten übersichtliche Funktionswahl und unkomplizierte Weiterleitungen.

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#457 – KI-Agenten mit Erfahrung der «Alten»

Wenn die digitale Transformation uns überfordert
Erleben Sie in Ihrem beruflichen Alltag, dass Digitalisierungsinitiativen immer wieder initiiert, aber dann vertagt werden? Dann haben Sie höchstwahrscheinlich die Erfahrung gemacht, dass die Notwendigkeit digitaler Transformation zwar erkannt wird, aber nicht zwingend zu deren Umsetzung führt. Gute Ideen erhalten keine klare Priorisierung oder keine Budgets/Ressourcen. Oft werden Projekte gestartet, aber nicht konsequent genug weiterverfolgt. Man täuscht sich beim Zeitrahmen, oder es mangelt im Team an Herzblut, auch weil niemand wirklich verantwortlich ist. «kompetenz60plus.ch» ist eine Plattform zum Austausch unter kompetenten und erfahrenen Menschen mit Fokus auf KMUs. Fühlen Sie sich überfordert mit der gegenwärtigen KI-Innovationsgeschwindigkeit, dann nehmen Sie ganz unverbindlich den Kontakt auf, wir helfen gerne.

Besuchen Sie zum Thema auch den Beitrag vom 16. Februar 2026: «Wie die unterschätzte 60plus-Generation Erfahrung und Innovation, KI und altersdurchmischte Teams zusammenbringt» auf SICHTWEISEN SCHWEIZ.CH. Danke!

Führung im Zeitalter von KI-Agenten
Die Evolution künstlicher Intelligenz zur agentische KI ist nicht nur eine neue Technologie, sondern die Zukunft – und sie ist bereits Realität. Systeme auf Basis agentischer KI können selbstständig planen, handeln und lernen und beschleunigen so Effizienz, Innovation und Wachstum. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, müssen Unternehmen jedoch Neuland betreten und eine Technologie managen, die typische Werkzeugfähigkeiten mit menschlichen Eigenschaften vereint. Dies erfordert die Neugestaltung von Arbeitsabläufen, Rollen, Governance und Lernprozessen sowie die Entwicklung von Investitionsstrategien, die die notwendige Flexibilität bieten, um mit agentischer KI Wert zu schaffen. «Leading in the Age of AI Agents: Managing the Machines That Manage Themselves» ist der Titel des Beitrags von Shervin Khodabandeh, Sesh Iyer, Amartya Das, Amanda Luther, Vinciane Beauchene, Sylvain Duranton und Sam Ransbotham der Boston Consulting Group BCG vom 18. November 2025. Die Führung im Zeitalter der KI-Agenten: Die Maschinen managen, die sich selbst managen, erinnert in manchen KMUs geradezu an eine Utopie.

Existenzielle Sorgen der KMUs
Agentische KI wird etablierte Managementparadigmen zwar unweigerlich infrage stellen, doch mit der richtigen Strategie, Vorstellungskraft und Umsetzung bietet sie nicht nur vielversprechende Ansätze, sondern liefert auch konkrete Ergebnisse. Viele KMUs sehen in dieser Entwicklung existenzielle Fragen, die sich auch uns als Menschen stellen. Wo stehen wir gerade überhaupt? Was bedeutet das für uns persönlich (privat wie beruflich), was bedeutet das für uns als Gesellschaft – heute, morgen? Fakt ist: der Geist ist aus der Flasche, es gibt kein Zurück und wir müssen uns diesen Herausforderungen stellen. Wir müssen mehr in die aktuellste KI-Bildung investieren und möglichst viel Gestaltungsmacht erlangen, um die Technologie nutzen zu können. Wir müssen das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine besser verstehen lernen, um selbstbewusst zu gestalten und nicht nur für banalste Restaufgaben gebraucht zu werden. Was heisst Kompetenz, wenn die KI in einer veränderten Beziehung zwischen Mensch und Maschine plant, ausführt, priorisiert und optimiert?

Extreme Nahaufnahme einer neuen Computerplatine (CPU, Netzwerkserver). Shutterstock Elektronik, Foto, Vektor

Wenn die KI unsere Arbeit ersetzt: Vorbereitung auf Unsicherheit
Was passiert, wenn KI mehr Jobs vernichtet als schafft? Anlässlich des 21. Europäischen Trendtags am GDI Gottlieb Duttweiler Institut stellte der Wirtschaftsprofessor und Bestsellerautor der Universität Oxford Daniel Susskind im Videointerview vom 1. Juli 2025, wegweisende Fragen über die Zukunft der Arbeit und forderte radikal neue Lösungen. Für ihn ist Bildung nur dann wirksam, wenn es überhaupt noch genug Arbeit für alle gibt. Die technologische Disruption zeigt uns, warum wir uns auf eine Arbeitswelt vorbereiten müssen, in der Unsicherheit zur Konstante wird. Neben Qualifikationen zählt auch eine hohe Anpassungsfähigkeit. Denn: «Es ist unglaublich schwierig abzuschätzen, welche Jobs künftig gemacht werden müssen und welche Fähigkeiten notwendig sind». In einer Zukunft, die von dieser Unsicherheit geprägt ist, wird viel Flexibilität erwartet.

Analoge Denkmuster im KI-Zeitalter
Wenn Menschen mit KI in Berührung kommen, bringen viele ihre etablierten Denkmuster und sprachlichen Rahmenbedingungen mit, die nicht immer mit der Funktionsweise moderner KI-Systeme übereinstimmen. Für viele von uns «Alten» stellen Konzepte, die sich nicht leicht verbalisieren lassen, eine besondere Herausforderung dar. Unser Erfahrungshorizont entwickelte sich in einer Zeit, in der die analoge Kommunikation von Mensch zu Mensch die primäre Form des Informationsaustauschs war, wogegen sich die abstrakte, algorithmische Natur der KI-Interaktion fremd anfühlt. Wir «Alten» betrachten künstliche Intelligenz KI oft durch eine Brille, die von unserer lebenslangen Sprachsozialisation geprägt ist. Sprache oder das «analoge» Telefon sind für uns nicht nur Kommunikationsmittel – sie strukturieren grundlegend, wie wir Kreativität ausdrücken und Probleme konzeptualisieren.

Mitten in der Transformation: Die neue Rolle der 60plus-Generation
Doch vor lauter Vorurteilen gegenüber der Digitalisierung übersehen wir die eigentliche Transformation. Es geht nicht mehr darum, wer das Internet erfunden hat oder wer besser programmieren kann. Vielmehr geht es darum, KI-Systeme kritisch zu bewerten, aus Erfahrung zu wissen, welche Daten relevant sind, wo der Einsatz welcher Werkzeuge wann Sinn ergibt oder nicht und wie man in einem Ergebnis Voreingenommenheit erkennt. Das ist keine Frage des biologischen Alters, sondern des Erlernens einer Alphabetisierung. Wir «Alten» haben schon mehrere technologische Entwicklungen miterlebt, haben sie auch mitgestaltet und können sehr wohl zwischen Hype und Wesentlichem unterscheiden. Die betreute und sorgfältig, aber kreativ und schnell ausgeführte Recherche durch die kommende Generation der KI-Kuratierung verspricht einen Paradigmenwechsel. Large Language Models LLM werden zur semantischen Analyse fähig sein. Sie werden in Zukunft Texte mittels Statistik inhaltlich auswerten und die Plausibilität der Information optimieren. Erfahrene, neugierige und kompetente «Alte», im Team mit den «jungen Wilden», validieren im Anschluss die Resultate.

Komplementäre Kompetenzen und Perspektivenvielfalt
KI-Projekte erfordern mehr als nur technisches Know-how. Während jüngere Teammitglieder oft einen intuitiveren Zugang zu neuen Technologien und digitalen Tools mitbringen, verfügt die 60plus-Generation über jahrzehntelange Erfahrung in der Bewertung von Geschäftsprozessen, Risikomanagement und der Einschätzung praktischer Umsetzbarkeit. Diese Erfahrung hilft, KI-Lösungen zu entwickeln, die nicht nur technisch funktionieren, sondern auch tatsächliche Probleme lösen und in bestehende Organisationsstrukturen passen. Zwar gibt es einige wissenschaftliche Studien und Praxisbeispiele, welche die Vorteile der Zusammenarbeit zwischen den Generationen beleuchten, aber noch wenige spezifische Fallstudien, die explizit altersdurchmischte Teams in KI-Projekten dokumentieren. Dies liegt vermutlich daran, dass KI-Projekte in ihrer aktuellen Form noch relativ jung sind. Viele Unternehmen experimentieren, ohne die Resultate öffentlich zu dokumentieren. Kombiniert man die wissenschaftlichen Belege zur Aufgabenkomplexität mit den allgemeinen Praxisbeispielen aus der Tech-Industrie, ergibt sich hier eine «Forschungsmöglichkeit» zur noch ausstehenden systematischen Dokumentation altersdurchmischter KI-Teams.

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