Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#469 – Veränderter Arbeitsmarkt für «Alte»

Fit für das KI-Zeitlalter
Im Beitrag von Christin Severin, Florian Seliger, Anja Lemcke in der NZZ vom 29. Mai 2026, mit dem Titel: «Dichtestress? Warum das am Arbeitsmarkt ein Trugschluss ist.», machen sich die Autoren Gedanken zum Arbeitsmarkt vor dem Hintergrund der Abstimmung zur 10-Millionen Schweiz. Dabei stellen sie fest: Mit der Zuwanderung sind mehr und bessere Jobs entstanden. Doch wer heute eine Stelle sucht, braucht Durchhaltevermögen. Weil die Konjunktur lahmt, zögern viele Unternehmen mit Neueinstellungen. Man fragt, warum die freien Stellen nicht einfach mit inländischen Bewerbern besetzt werden. Dabei wäre es wichtig, dass auch Gruppen zum Zuge kommen, die bei Arbeitgebenden traditionell nicht die erste Wahl sind, wie «Alte» Arbeitnehmende oder wieder einsteigende Mütter. Permanente Weiterbildung würde dieses Dilemma entschärfen, doch sind wir auch bereit uns weiterzubilden oder zu verändern, solange es uns noch gut geht? Eine vermutlich noch unterschätzte Herausforderung besteht darin, die Menschen fit zu machen für das KI-Zeitalter. Wir erfahrenen «Alten» müssen versuchen die Technologie zu verstehen, auch wenn wir nicht mit dem Wissen der «jungen Wilden» mithalten können, denn KI verändert die Arbeit in hohem Tempo. Berufsbilder, die heute noch gefragt sind, könnten in einigen Jahren ganz anders aussehen – oder gänzlich verschwinden.

Die Suche nach perfekten Kandidat:innen
In einigen Berufsfeldern ist der Ausländeranteil inzwischen sehr hoch: Bei Montage- und Hilfskräften beträgt er etwa 53 Prozent, in der Gastronomie 48 Prozent, weil die Löhne tief sind. Neben den Zuwanderern am unteren Ende der Lohnskala rekrutieren die Unternehmen viele hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland. Die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge gehen in Pension, gleichzeitig rücken weniger junge Erwerbstätige nach. Hat die inländische Bevölkerung nicht das zu bieten, was die Unternehmen brauchen, entsteht eine Diskrepanz. Die Menschen passen dann nicht mehr zu den freien Stellen. Will die Schweiz wirtschaftlich erfolgreich bleiben, sollte dieses Missverhältnis so klein wie möglich gehalten werden. In vielen Branchen kann die Schweiz deshalb froh sein, wenn sie fixfertig ausgebildete Menschen anzieht, deren Ausbildung erst noch vom Ausland bezahlt wurde. Der Arbeitsmarkt ist kein geschlossenes System, in dem ein zusätzlicher Arbeitnehmer automatisch einem anderen den Platz wegnimmt. Zuwanderung verändert die Struktur der Wirtschaft: Unternehmen wachsen schneller, investieren mehr und schaffen eine zusätzliche Nachfrage nach Arbeitskräften. Die Suche nach dem perfekten Match hat aber auch eine positive Seite. Wer ideale Mitarbeitende einstellt, erhöht seine Innovationskraft und seine Wettbewerbsfähigkeit. Finden Firmen jedoch dauerhaft nicht die gewünschten Fachkräfte, verlagern sie Tätigkeiten ins Ausland und investieren anderswo.

Der Denker im digitalen Zeitalter: KI und Geisteswissenschaften sind kein Widerspruch. Foto: miss irine – stock.adobe.com

Die Roboter kommen
​Gioia da Silva, Redakorin Technologie und Wissenschaft, beschreibt in ihrem Beitrag in der NZZ am Sonntag vom 17. Mai 2026, wie die künstliche Intelligenz zwei der drängendsten Probleme in der Robotik gelöst hat. Aber der Weg zum Allzweckroboter ist noch weit. Was geschieht mit den Menschen, wenn autonome Maschinen immer mehr Arbeiten übernehmen? Unternehmen investieren Unsummen in der Hoffnung, eine Maschine zu entwickeln, die in Restaurants Tische abwischt, in Privatwohnungen die Wäsche zusammenfaltet, in Altersheimen gebrechliche Menschen beim Gang zur Toilette stützt. Auslöser für die Goldgräberstimmung in der Branche ist die künstliche Intelligenz KI. Während ursprünglich Robotik ein reines Programmierproblem war, bei dem ein Mensch jede Bewegung einer Maschine mit Tausenden Zeilen Code vorspurte, setzt sich seit den späten 2010-er Jahren eine Methode des maschinellen Lernens durch: das Reinforcement-Learning. Roland Siegwart (67), Robotikprofessor an der ETH Zürich, erklärt: «Bei dieser Art des Lernens entdeckt der Roboter nach und nach seine eigenen Fähigkeiten.» Anhand eines digitalen Zwillings «lernt» die Maschine in einer virtuellen Welt. Im Anschluss wird das Wissen auf den echten Roboter überspielt, der sich damit bewegt. Mit dieser Methodik gelang es der Schweizer Firma Anybotics, einen vierbeinigen Roboterhund zu programmieren, der autonom über Ölplattformen und durch Elektrizitätswerke patrouillieren kann.

KI bringt den Robotern Weltwissen bei
KI löst auch noch ein zweites drängendes Problem der Robotik: «Chatbots wie ChatGPT oder Gemini können Robotern Wissen über die Welt erschliessen», sagt Siegwart. Die Modelle haben aus Texten gelernt, dass Wasser elektronische Geräte zerstört, dass man Glas nicht quetschen kann, dass ein angebissener Apfel in den Müll gehört, eine teure Uhr aber nicht. KI-Chatbots machen also dumme Maschinen zu intelligenten Systemen. Manche Brancheninsider sprechen daher nicht mehr von Robotern, sondern von «embodied AI», verkörperter KI. Und trotz der Fortschritte sind wir noch weit entfernt von der Umsetzung vieler guten Ideen. Gemäss Siegwart sind eine der grössten Schwachstellen von heutigen Robotern die Hände. Sie sind noch zu ungeschickt, um zuverlässig ein Smartphone und ein Dokument von einem Schreibtisch wegzuräumen. Den meisten Robotern fehlen noch Sensoren, um zu merken, dass das Objekt in ihrer Hand rutscht. Sie können die Kraft nicht intuitiv ausgleichen, um beispielsweise ein einzelnes Blatt Papier auf einem Tisch zu beseitigen. Um einen Roboter universal einsetzbar zu machen, muss eine Hand her, die gleichzeitig geschickt, feinfühlig und stark ist, weiss Siegwart.

Das Ende des Fachkräftemangels?
Die meisten Robotikexperten sind überzeugt: Eines Tages wird es Maschinen geben, die viele Aufgaben effizienter erledigen können als wir Menschen. Erst werden immer mehr Anwendungen in strukturierten Umgebungen wie Produktionshallen und Lagerhäusern automatisiert. Danach werden die Roboter die Fabriken verlassen und in Supermärkten, auf Baustellen, in Krankenhäusern aushelfen. Optimisten wie Marco Hutter (41), der das Robotikzentrum der ETH Zürich leitet, sehen darin die Lösung für Probleme wie den zunehmenden Mangel an Arbeitskräften. Pessimisten wie Dirk Helbing (61), ETH-Professor für computergestützte Sozialwissenschaften, warnen derweil vor der Massenarbeitslosigkeit. Wem man glaubt, hängt von der eigenen Perspektive auf technologischen Fortschritt ab. Klar ist jedoch, dass die Entwicklung nicht aufzuhalten ist. Wie die Zukunft aussieht, in der Menschen Seite an Seite mit Robotern leben und arbeiten könnten, wird somit immer weniger eine Frage der technischen Machbarkeit. Vielmehr wird es darum gehen, wie wir den Wandel gestalten. Für uns erfahrene, neugierige und kreative «Alten» ergeben sich dabei unendliche Chancen der Teilhabe.

Agenten sollen uns beim Handeln helfen
KI, die für uns autonom einkauft, E-Mails beantwortet und Ferien bucht: An seiner Entwicklerkonferenz sprach Google CEO Sundar Pichai( 53) von einer Ära des Hyperfortschritts, wie das Unternehmen KI-Agenten nun auf den Massenmarkt bringen will. Marie-Astrid Langer schrieb für die NZZ vom 20. Mai 2026 über den Anlass in Silicon Valley. Eine neue Funktion namens Spark soll die Internetsuche personalisieren. KI-Agenten sind autonom handelnde Systeme, die planen, entscheiden und aktiv werden, um ein Ziel zu erreichen – ganz ohne menschliche Zwischenschritte. Seit mehreren Monaten sind sie die Avantgarde in der KI-Revolution. Agenten arbeiten rund um die Uhr im Hintergrund und informiert die Nutzer, sobald ein Auftrag abgeschlossen ist. «Sie können den Laptop in der Zwischenzeit zumachen», sagte Pichai. KI-Agenten werden künftig das Einkaufen im Supermarkt verändern. Sie können aber auch sehr komplexe Programmieraufträge erfüllen, nämlich mit der neu geschaffenen Plattform Antigravity: Programmierer können dort komplexe Software in Auftrag geben und lassen sich nicht mehr wie bisher nur einzelne Zeilen von Code generieren. Eine Schlüsselrolle in dieser neuen Ära spielt ein neues KI-Modell namens Gemini 3.5 Flash, das der Konzern in den kommenden Tagen lancieren wird.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#465 – Wir «Alten» Zeugen von Veränderungen

Die KI-Revolution erreicht die nächste Stufe
In seiner zweieinhalbstündigen Eröffnungsrede zur Entwicklerkonferenz in San Jose, Kalifornien, erklärte der CEO von Nvidia, Jensen Huang (63), wie er mit neuen Produkten und Kooperationen die KI-Revolution weiter befeuern will. Marie-Astrid Langer, war zugegen und berichtet in der NZZ vom 17. März 2026 darüber. Aus Sicht von Huang erreicht die KI nun ein entscheidendes neues Stadium: nämlich die Anwendung des Gelernten, die sogenannte Inferenz. Bildlich gesprochen, bedeutet das: Wenn die KI bisher zur Schule ging, dann hat sie jetzt den Abschluss in der Tasche und wendet das Wissen eigenständig an. «Wir sind am Anfang einer neuen Plattform-Umwälzung», wiederholte er mehrmals. Man könne der KI nun nicht mehr nur Fragen stellen, sondern Aufträge erteilen. KI-Agenten wie die Programmierplattform Claude Code von Anthropic hätten dieses Zeitalter eingeläutet. «Wir sind am Wendepunkt der Inferenz angekommen.» Diese Anwendungen brauchten viel Rechenleistung, zu hoch sei der Energieverbrauch, zu gering der Arbeitsspeicher, hört man immer wieder. Das Resultat sind hohe Stromkosten und eine zu grosse Verzögerung der KI-Agenten. Für eine Zukunft aber, in der diese für uns programmieren, Einkäufe tätigen und andere Aufträge erledigen, muss die sogenannte Latenz möglichst gering sein. Nvidias Antwort darauf: Ein neues ultraschnelles KI-Rack speziell für Inferenz, kombiniert aus 256 Stück des Groq-Chips mit 72 Stück der wassergekühlten Rubin-Chips. Gemäss Huang kann dieses Hochleistungssystem pro Sekunde 700 Millionen Token generieren; ein Token ist die kleinste Texteinheit, die ein Sprachmodell verarbeitet.

Die österreichische Plattform Open Claw
Der aus Österreich stammende Informatiker Peter Steinberger hatte vor wenigen Monaten als Erster eine Open-Source-Plattform namens Open Claw entwickelt, die jedermann auf dem eigenen Computer kostenlos installieren kann und auf der KI-Agenten eigenständig Aufträge ausführen: etwa im Internet Einkäufe tätigen, E-Mails für den Nutzer beantworten oder diesen für einen Flug einchecken. Trotz Sicherheitsbedenken erreichte die Plattform innnert kürzester Zeit eine enorme Gefolgschaft und gilt als Durchbruch im KI-Zeitalter. «Die Bedeutung des Aufkommens von Open Claw kann man gar nicht genug betonen», sagte Huang. Es handle sich um ein Ereignis von ebenso grosser Tragweite wie die Erfindung des Betriebssystems Linux oder des Website-Standards HTTPS. So, wie Firmen früher eine Strategie für Websites oder mobile Applikationen brauchten, würden sie künftig eine für Open Claw und KI-Agenten brauchen. Kurzum: In Huangs Weltsicht ist die KI-Zukunft rosig und steht erst ganz am Anfang.

«Dresdener Frauen» des deutschen Künstlers Georg Baselitz (1938 – 2026) in einer Ausstellung in Dresden im Jahr 2009. Foto: Ralf Hirschberger / EPA

Technologie verändert unsere Arbeitswelt
Weltweit wird jeder dritte Arbeitnehmer respektive Arbeitnehmende in diesem Jahrzehnt mit Veränderungen ihres Arbeitsplatzes durch künstliche Intelligenz KI und technologische Fortschritte konfrontiert sein – doch es gibt Möglichkeiten, sich darauf einzustellen. Der Strategieberater für Kompetenzentwicklung, Sagar Goel (49), Boston Consulting Group Singapur, erklärt anhand praktischer Beispiele aus seiner Partnerschaft mit der singapurischen Regierung, wie Tausenden von Arbeitnehmenden der Übergang in neue Karrieren ermöglicht wurde. In seinem Beitrag auf TED@BCG • November 2023 (09:40) verdeutlichte er damit die Bedeutung von Umschulung und lebenslangem Lernen. Die Veränderung unserer Arbeitswelt durch Technologie ist die neue Realität, in der Welt in der wir leben. Gerade wir «Alten» dürfen dieser Entwicklung nicht mit Angst und Skepsis begegnen. Wir müssen unsere Fähigkeiten und Kompetenzen mit Neugier und Optimismus immer wieder weiterentwickeln.

Lebenslanges Lernen
Dabei wollen viele von uns nicht mehr studieren, wir fühlen uns zu alt um Neues zu lernen, wir wissen es besser. Doch Arbeiten die uns früher Tage, manchmal sogar Wochen gekostet haben, können dank KI heute immer häufiger in wenigen Stunden erledigt werden. Und diese Entwicklung findet in der gesamten Wirtschaft statt. Jobveränderungen betreffen nicht nur Bankangestellte, Fabrikarbeiter:innen und Lagerist:innen, sondern auch Führungskräfte und Büroangestellte. Unternehmen können dieses Problem auch nicht durch Neueinstellungen lösen, denn selbst wenn es ihnen gelänge, ihre absolut besten Talente zu gewinnen, werden in fünf Jahren die Hälfte deren Fähigkeiten überflüssig sein. Zweieinhalb Jahre, wenn man im Technologiebereich arbeitet, ist die sogenannte Halbwertszeit von Fähigkeiten. Die einzige Lösung besteht darin, jedes Jahr Millionen von Menschen weiterzubilden um ihnen zu ermöglichen, neue Fähigkeiten für den Übergang in neue Berufe zu nutzen. Zusammen mit der Regierung Singapurs arbeitete Sagar Goel an der Einführung eines gross angelegten, sechsmonatigen Programms namens «Rise», um Tausende von Menschen aus traditionellen, rückläufigen Berufen in Positionen wie Data Scientist, Digital Product Owner und Digital Marketer umzuschulen. Eine nationale Jobdatenbank bot Unternehmen Anreize, solche umgeschulten Fachkräfte einzustellen. Sie lenkt sogar die Hochschulen in Richtung lebenslanges Lernen nach der akademischen Ausbildung.

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Blog, Industrie 4.0

#459 – Auch KI ist für uns «Alte» kein Ersatz

KI kann Muster erkennen, nur wir Menschen verstehen den Kontext
Künstliche Intelligenz KI ist hervorragend darin, Muster zu erkennen. Sie versteht Daten. Wir Menschen sind hervorragend darin, zu verstehen, was diese Muster in der komplexen Welt menschlichen Verhaltens bedeuten. Und selbst wenn diese Modelle und Algorithmen mit der Zeit immer leistungsfähiger werden, wird dies weiterhin gelten. Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung fordert deshalb mehr als zuvor unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten heraus. Neugierige, weise, aufgeschlossene und kompetente «Alte» sind deshalb ideale Entwicklungspartner in gemischten Teams. Dabei ist das biologische Alter eines Menschen nicht wirklich ausschlaggebend. Im Gegenteil, gerade wenn es um ethische Fragen geht ist die Erfahrung von uns «Alten» ausserordentlich wichtig, weil wir Dinge verstehen, die sich nicht quantifizieren lassen. Das tiefe Verständnis über Kontext, Absicht, unausgesprochene Emotionen oder kulturelle Nuancen entspringt gelebten Erfahrungen, welche die KI nicht nachbilden kann.

Unsere Fähigkeit, Emotionen zu deuten ist unersetzlich
Unter dem Titel «Was die künstliche Intelligenz nicht weiss» präsentierte Priyanka Vergadia (39), Senior Director of Global Developer Engagement bei Microsoft, ihren Beitrag im November 2025 auf der TEDNext 2025 Plattform. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, nicht mit der KI zu konkurrieren, sondern mit ihr zusammenzuarbeiten und dabei unersetzlich menschlich zu bleiben. Wir müssen die Antworten und die Empfehlungen der KI hinterfragen um erfolgreich zu sein. Wenn die KI Aktivitäten identifiziert, ohne Gewichtung und Hintergrundwissen, muss jemand die Bedeutung dieser Aktivitäten analysieren. Nur der Mensch kann die Atmosphäre im Raum erfassen, über den Bildschirm hinaus. Man muss die Mikroexpressionen, die sozialen Signale im Raum verstehen, was die Leute sagen, wie sie nicken. Wir alle kennen Meetings, in denen jemand sagt: «Das ist interessant.» Ist dies höflich, abweisend oder wirklich neugierig gemeint? Unser emotionales Gespür erkennt das. Die KI nicht. Die KI erkennt die Qualität von Produkten nicht. Sie versteht die Inhalte unserer Geschichten über deren Entstehungsprozess oder Nachhaltigkeit nicht, nur wir Menschen können das. Die Zukunft gehört weder den Menschen noch der KI. Sie gehört den Menschen, die eng mit der KI zusammenarbeiten und dabei unentbehrlich menschlich bleiben. Unsere Fähigkeit, die Stimmung zu erfassen und die Fähigkeit, Emotionen zu deuten ist unersetzlich. Unsere Fähigkeit, uns in andere Menschen hineinzuversetzen, ist unverzichtbar.

John Howe (68), Illustrator und Konzeptdesigner aus Vancouver, British Columbia, Canada: Der grosse Seedrache Tintaglia aus dem Roman «Ship of Destiny», 2000, der amerikanischen Schriftstellerin Robin Hobbs (73).

Der grösste Nutzen der KI erschliesst sich durch den Menschen
«Die Transformation durch KI ist eine Transformation der Belegschaft» ist der Titel des Beitrags auf der Boston Consulting Group BCG Plattform vom Februar 2026 von Julie Bedard, Managing Director & Partner; BCG Henderson Institute Fellow, Boston und Vinciane Beauchene, Managing Director & Partner, Paris. In der aktuellen globalen Studie «Build for the Future x AI 2025» von BCG, in der Führungskräfte der obersten Ebene den KI-Reifegrad ihrer Unternehmen bewerten, konnten nur etwa 5% der Organisationen substanzielle finanzielle Vorteile aus KI nachweisen. Diese zukunftsorientierten Unternehmen ziehen den Wert nicht nur aus der Technologie selbst, sondern auch daraus, wie sie ihre Mitarbeitenden befähigen, diese optimal zu nutzen. In den Fallstudien von BCG mit Hunderten von Unternehmen stammen etwa 10% des KI-Wertes aus den Algorithmen selbst und weitere 20% aus der für deren Implementierung erforderlichen Technologie. Die verbleibenden 70% ergeben sich aus der Neuausrichtung der Mitarbeitenden.

Führungskräfte und Manager einbeziehen
Das Engagement der Führungskräfte ist einer der stärksten Indikatoren für ein ausgereiftes KI-Umfeld. Unternehmen, die KI als Priorität auf CEO-Ebene behandeln – und nicht nur als Technologieinitiative –, wachsen schneller und generieren mehr Wert. Mitarbeitende in diesen Unternehmen sehen KI als etwas, das ihre direkten Vorgesetzten täglich nutzen. Führungskräfte müssen den Mitarbeitenden die Gründe für den Einsatz von KI konsequent und inspirierend vermitteln, um ihre Rolle in diesem Wandel zu klären. Die transformative Wirkung von KI auf die Arbeitswelt ist gut dokumentiert. Routineaufgaben in vielen Bereichen werden automatisiert, wodurch sich die Anforderungen vieler Einstiegspositionen verändern. Dieser Wandel erfordert von Unternehmen innovative Karrierewege und Ausbildungsmodelle für Hochschulabsolventen, die zunehmend für die Verwaltung KI-gestützter Systeme benötigt werden. Insgesamt werden sich Arbeitsplätze weiterentwickeln und durch effektive Mensch-KI-Partnerschaften neue Möglichkeiten geschaffen. Solche grundlegenden Veränderungen erfordern sorgfältige Voraussicht und Planung, nicht zuletzt, weil sich die Technologie rasant weiterentwickelt, während Verhaltensänderungen Zeit brauchen. Erfahrene und aufgeschlossene «Alte» finden sich in der Rolle als Mentoren.

Einen ganzheitlichen Weiterbildungsansatz verfolgen
Die Vermittlung dieser wichtigen KI-Kompetenzen im grossen Umfang gelingt nur, wenn beispielsweise das Lernen im Arbeitsalltag integriert ist. Mitarbeitende lernen am besten, wenn neue Fähigkeiten in den Arbeitsablauf eingebunden werden. Mitarbeitende müssen sich auf Führungskräfte verlassen, die Veränderungen vorleben und die Gründe dafür vermitteln um frühzeitig Erfolge erleben. Nicht nur der Erwerb von «Weiterbildungsdiplomen», sondern die Fortschritte bei der Entwicklung neuer Kernkompetenzen, die für zukünftige Aufgaben unerlässlich sind, sollen berücksichtigt werden. Weiterbildung soll mehr als nur eine Lernmassnahme sein, sondern integraler Bestandteil der Unternehmensentwicklung. Indem Unternehmen ihre Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellen, können sie ihnen die Fähigkeiten und das Selbstvertrauen vermitteln, die Technologie zu nutzen und ihre Arbeitsweise – und damit letztendlich auch die Wertschöpfung des Unternehmens – zu verändern.

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