Blog, Industrie 4.0

#459 – Auch KI ist für uns «Alte» kein Ersatz

KI kann Muster erkennen, nur wir Menschen verstehen den Kontext
Künstliche Intelligenz KI ist hervorragend darin, Muster zu erkennen. Sie versteht Daten. Wir Menschen sind hervorragend darin, zu verstehen, was diese Muster in der komplexen Welt menschlichen Verhaltens bedeuten. Und selbst wenn diese Modelle und Algorithmen mit der Zeit immer leistungsfähiger werden, wird dies weiterhin gelten. Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung fordert deshalb mehr als zuvor unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten heraus. Neugierige, weise, aufgeschlossene und kompetente «Alte» sind deshalb ideale Entwicklungspartner in gemischten Teams. Dabei ist das biologische Alter eines Menschen nicht wirklich ausschlaggebend. Im Gegenteil, gerade wenn es um ethische Fragen geht ist die Erfahrung von uns «Alten» ausserordentlich wichtig, weil wir Dinge verstehen, die sich nicht quantifizieren lassen. Das tiefe Verständnis über Kontext, Absicht, unausgesprochene Emotionen oder kulturelle Nuancen entspringt gelebten Erfahrungen, welche die KI nicht nachbilden kann.

Unsere Fähigkeit, Emotionen zu deuten ist unersetzlich
Unter dem Titel «Was die künstliche Intelligenz nicht weiss» präsentierte Priyanka Vergadia (39), Senior Director of Global Developer Engagement bei Microsoft, ihren Beitrag im November 2025 auf der TEDNext 2025 Plattform. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, nicht mit der KI zu konkurrieren, sondern mit ihr zusammenzuarbeiten und dabei unersetzlich menschlich zu bleiben. Wir müssen die Antworten und die Empfehlungen der KI hinterfragen um erfolgreich zu sein. Wenn die KI Aktivitäten identifiziert, ohne Gewichtung und Hintergrundwissen, muss jemand die Bedeutung dieser Aktivitäten analysieren. Nur der Mensch kann die Atmosphäre im Raum erfassen, über den Bildschirm hinaus. Man muss die Mikroexpressionen, die sozialen Signale im Raum verstehen, was die Leute sagen, wie sie nicken. Wir alle kennen Meetings, in denen jemand sagt: «Das ist interessant.» Ist dies höflich, abweisend oder wirklich neugierig gemeint? Unser emotionales Gespür erkennt das. Die KI nicht. Die KI erkennt die Qualität von Produkten nicht. Sie versteht die Inhalte unserer Geschichten über deren Entstehungsprozess oder Nachhaltigkeit nicht, nur wir Menschen können das. Die Zukunft gehört weder den Menschen noch der KI. Sie gehört den Menschen, die eng mit der KI zusammenarbeiten und dabei unentbehrlich menschlich bleiben. Unsere Fähigkeit, die Stimmung zu erfassen und die Fähigkeit, Emotionen zu deuten ist unersetzlich. Unsere Fähigkeit, uns in andere Menschen hineinzuversetzen, ist unverzichtbar.

John Howe (68), Illustrator und Konzeptdesigner aus Vancouver, British Columbia, Canada: Der grosse Seedrache Tintaglia aus dem Roman «Ship of Destiny», 2000, der amerikanischen Schriftstellerin Robin Hobbs (73).

Der grösste Nutzen der KI erschliesst sich durch den Menschen
«Die Transformation durch KI ist eine Transformation der Belegschaft» ist der Titel des Beitrags auf der Boston Consulting Group BCG Plattform vom Februar 2026 von Julie Bedard, Managing Director & Partner; BCG Henderson Institute Fellow, Boston und Vinciane Beauchene, Managing Director & Partner, Paris. In der aktuellen globalen Studie «Build for the Future x AI 2025» von BCG, in der Führungskräfte der obersten Ebene den KI-Reifegrad ihrer Unternehmen bewerten, konnten nur etwa 5% der Organisationen substanzielle finanzielle Vorteile aus KI nachweisen. Diese zukunftsorientierten Unternehmen ziehen den Wert nicht nur aus der Technologie selbst, sondern auch daraus, wie sie ihre Mitarbeitenden befähigen, diese optimal zu nutzen. In den Fallstudien von BCG mit Hunderten von Unternehmen stammen etwa 10% des KI-Wertes aus den Algorithmen selbst und weitere 20% aus der für deren Implementierung erforderlichen Technologie. Die verbleibenden 70% ergeben sich aus der Neuausrichtung der Mitarbeitenden.

Führungskräfte und Manager einbeziehen
Das Engagement der Führungskräfte ist einer der stärksten Indikatoren für ein ausgereiftes KI-Umfeld. Unternehmen, die KI als Priorität auf CEO-Ebene behandeln – und nicht nur als Technologieinitiative –, wachsen schneller und generieren mehr Wert. Mitarbeitende in diesen Unternehmen sehen KI als etwas, das ihre direkten Vorgesetzten täglich nutzen. Führungskräfte müssen den Mitarbeitenden die Gründe für den Einsatz von KI konsequent und inspirierend vermitteln, um ihre Rolle in diesem Wandel zu klären. Die transformative Wirkung von KI auf die Arbeitswelt ist gut dokumentiert. Routineaufgaben in vielen Bereichen werden automatisiert, wodurch sich die Anforderungen vieler Einstiegspositionen verändern. Dieser Wandel erfordert von Unternehmen innovative Karrierewege und Ausbildungsmodelle für Hochschulabsolventen, die zunehmend für die Verwaltung KI-gestützter Systeme benötigt werden. Insgesamt werden sich Arbeitsplätze weiterentwickeln und durch effektive Mensch-KI-Partnerschaften neue Möglichkeiten geschaffen. Solche grundlegenden Veränderungen erfordern sorgfältige Voraussicht und Planung, nicht zuletzt, weil sich die Technologie rasant weiterentwickelt, während Verhaltensänderungen Zeit brauchen. Erfahrene und aufgeschlossene «Alte» finden sich in der Rolle als Mentoren.

Einen ganzheitlichen Weiterbildungsansatz verfolgen
Die Vermittlung dieser wichtigen KI-Kompetenzen im grossen Umfang gelingt nur, wenn beispielsweise das Lernen im Arbeitsalltag integriert ist. Mitarbeitende lernen am besten, wenn neue Fähigkeiten in den Arbeitsablauf eingebunden werden. Mitarbeitende müssen sich auf Führungskräfte verlassen, die Veränderungen vorleben und die Gründe dafür vermitteln um frühzeitig Erfolge erleben. Nicht nur der Erwerb von «Weiterbildungsdiplomen», sondern die Fortschritte bei der Entwicklung neuer Kernkompetenzen, die für zukünftige Aufgaben unerlässlich sind, sollen berücksichtigt werden. Weiterbildung soll mehr als nur eine Lernmassnahme sein, sondern integraler Bestandteil der Unternehmensentwicklung. Indem Unternehmen ihre Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellen, können sie ihnen die Fähigkeiten und das Selbstvertrauen vermitteln, die Technologie zu nutzen und ihre Arbeitsweise – und damit letztendlich auch die Wertschöpfung des Unternehmens – zu verändern.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
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#442 – Digitale Bildung auch für uns «Alte»

Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten für die Bildung
Die gegenwärtige Diskussion über Vor- und Nachteile künstlicher Intelligenz KI lässt auch die aktuellen Zugriffe auf die Blogbeiträge «kompetenz60plus» in die Höhe schnellen. Vor allem auf dem Gebiet der Bildung herrschen geteilte Meinungen. Während das eine Lager die Technologie verteufelt und nach Verboten schreit, finden sich ebensoviele Verfechter von KI zur Inspiration im «Klassenzimmer». Einer davon ist der Deutsche Christian Pohl (50+), Lehrer bei Freistaat Bayern in seinem Blog «Serie: Wie künstliche Intelligenz Schule und Lernen neu erfindet». Mit umfangreicher Erfahrung von drei Jahrzehnten in der pädagogischen Arbeit, verfügt Pohl über ein breites Spektrum an Wissen und Fähigkeiten. Sein Schwerpunkt liegt auf digitaler Bildung, ein Bereich, in dem er sich besonders leidenschaftlich engagiert. Sein Ziel ist es, Pädagogen zu befähigen das Potenzial jedes Lernenden, egal welchen Alters, zu maximieren. Er ist fest davon überzeugt, dass das Zeitalter der Digitalisierung enorme Möglichkeiten für die Bildung eröffnet. Lebenslange Weiterbildung in der Ära von KI hat ihre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, unsere Arbeit und deren Sinnhaftigkeit. Künstliche Intelligenz wird unser Leben nicht einfach ein bisschen verändern – sie wird unsere Erfahrung von Grund auf transformieren. In den kommenden Jahren wird sich alles wandeln: wie wir arbeiten, wie wir lernen, wie wir Wissen prüfen, Feedback geben und Bildung überhaupt verstehen. Gemäss Pohl verbinden sich die Themen in seiner Blogreihe zu einer gemeinsamen Frage: Wie bleibt Bildung menschlich, wenn Intelligenz allgegenwärtig wird?

Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, Deutschland, 2025: Die automatisierte Bandbibliothek zur Langzeitarchivierung von Daten, verwaltet tausende magnetische Speicherbänder mittels Robotersystemen, um eine zuverlässige und energieeffiziente Sicherung wissenschaftlicher Daten über Jahrzehnte hinweg zu gewährleisten. Foto: Giulia Bruno / Architekturmuseum der TUM, 2025

Der Weiterbildungsbedarf für die Kompetenzen der Zukunft
Zusammen mit der KI ChatGPT von OpenAI, geht Pohl in der Folge verschiedenen Fragen zur Zukunft dieses Transformationsprozesses nach, so auch, wie die fortschreitende Digitalisierung und künstliche Intelligenz die Arbeitswelt tiefgreifend verändern wird. Studien zeigen, dass in den kommenden Jahren viele Arbeitsplätze einem Wandel unterliegen werden, während zugleich neue Berufsfelder entstehen. Ebenso gewinnen flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice an Bedeutung, was Produktivitätsaspekte und die Mitarbeitendenzufriedenheit beeinflusst. Gleichzeitig entsteht ein steigender Weiterbildungsbedarf, da Arbeitskräfte neue Kompetenzen für die Jobs der Zukunft benötigen: Laut dem Future of Jobs Report 2023 des Weltwirtschaftsforums werden bis 2027 voraussichtlich 23% aller Jobs Veränderungen erfahren, wobei rund 69 Millionen neue Stellen entstehen und 83 Millionen wegfallen könnten (Nettoverlust ca. 14 Millionen Jobs). Technologische Makrotrends (wie beispielsweise KI, respektive Automatisierung) treiben dabei den Wandel an und verursachen eine erhebliche Arbeitsmarkt-Dynamik, mit insgesamt dennoch leicht positivem Ausblick für neue Stellenprofile.

Auch «Alte» erhalten eine Rolle
Selbst wenn die Automatisierung mit ~34% der Aufgaben etwas langsamer verläuft als ursprünglich prognostiziert, rechnen Unternehmen mit einem 25% Arbeitsplatzabbau bis 2027. Viele Tätigkeiten werden jedoch auch weiterhin menschlich dominiert, besonders solche, die kognitive Fähigkeiten wie Kommunikation und Koordination erfordern. Vorteile wie Büroflächeneinsparung oder globales Recruiting, sowie die Verbesserung bei Remote-Technologien, welche flexible Arbeitsmodelle ermöglichen, werden die Zahl der Homeoffice-Tage in Firmen fördern. Durch den strukturellen Wandel am Arbeitsmarkt entsteht gleichzeitig ein erheblicher Weiterbildungs- und Umschulungsbedarf. Bis 2027 werden gemäss Weltwirtschaftsforum 6 von 10 Beschäftigten Weiterbildungen benötigen. Als kompetente und neugierige «Alte» begleiten wir diese «Reskilling-Revolution» zur Aktualisierung künftiger Anforderungen, als Mentoren und Sparringspartner in gemischten Teams mit den «Jungen Wilden».

Vielfalt und Inklusion am Arbeitsplatz
Verschiedene Studien stützen die These, dass Diversität, etwa hinsichtlich Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft oder Denkstile Innovationen fördert, Entscheidungen verbessert und die finanzielle Performance steigert. Gemäss dem Global Diversity & Inclusion Index gibt es einen kausalen Effekt: Unternehmen mit überdurchschnittlich diversen und inklusiven Teams sind tendenziell erfolgreicher in der Marktperformance. Vielfalt in Belegschaften bedeutet eine grössere Bandbreite an Perspektiven, Erfahrungen und Fähigkeiten. Dies kann die Kreativität und Problemlösungsfähigkeit deutlich erhöhen. So werden in heterogenen Teams Herausforderungen oft aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, was zu innovativeren Lösungsansätzen führt. Zudem korreliert Vielfalt mit höherer Mitarbeiterzufriedenheit und geringerer Fluktuation, was insgesamt zur Leistungssteigerung beiträgt. Vielfalt wird daher als wichtige Ressource und Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens angesehen. Dies wiederum hilft, die besten Talente anzuziehen und zu halten. Entsprechend bezeichnen Management-Studien eine ausgeprägte Diversitätskultur als unimitierbaren Erfolgsfaktor – Konkurrenten können ein eingespieltes diverses Team nur schwer kopieren.

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#419 – Maschinen und «Alte» im Team

Eigenverantwortung dank Allgemeinbildung
Gestern Nachmittag beim Einkaufen im Coop. Eine Gruppe junger Burschen versperrt den Weg zu den Regalen. Alle eifrig diskutierend. Guten Tag der Herr, werde ich begrüsst. Weshalb seid ihr nicht in der Schule an einem Dienstagnachmittag, frage ich. Wir sind hier mit der Schule, antwortet der «Anführer». Mit dem Lehrer? Jawohl, sehen Sie den Mann dort an der Kasse? Ich glaube euch nicht, ihr schwänzt die Schule. Ihr seid noch jung und da gibt es noch soviel zu lernen, schade dass euch das nicht interessiert. Ich gehe weiter und die Gruppe wünscht mir einen schönen Nachmittag. Mich beschäftigen solche Situationen, weil ich dabei immer an die verpassten Chancen für die Zukunft dieser Menschen denken muss. Unser duales Bildungssystem wird zwar immer wieder gelobt und sogar als Exportschlager in die Waagschale geworfen, um über die Zölle mit den USA zu verhandeln. Die USA quasi als Entwicklungsland, mit enormem Fachkräftemangel. Dagegen soll die dreijährige Ausbildung zur Serviceangestellten oder zum Koch helfen. Rückblickend auf meine eigenen Erfahrungen, Welschlandjahr, dann Hochbauzeichnerlehre, Schweizer Fachhochschule, Auslandaufenthalt und Studium in GB und USA, anschliessender Lehrtätigkeit und eigenem Büro, scheint mir das System Highschool der USA nicht wirklich schlechter zu sein. In den Semesterferien jobben diese jungen Leute bei Mac Donald’s oder im nachbarlichen Coffeeshop und lernen mit sauberen Händen Kunden zu bedienen, freundlich und respektvoll zu sein und erscheinen pünktlich zur Arbeit. Das (freiwillige) Trinkgeld errechnet sich aus dem unternehmerischen Verhalten der jungen Leute. Basis ist nicht nur die Lehre, sondern ein Kommitment auf allen Seiten, Eltern, Arbeitgebende und Arbeitnehmende. Die Highschool lehrt eben auch «Unternehmertum»: Heranwachsende lernen eigenverantwortlich mit gestärktem Selbstwertgefühl, ohne kantonal verordnete «Schnupperlehre», ihre Grenzen und Fähigkeiten kennen. Wir «Boomer» lernten diese Eigenschaften damals noch in der Rekrutenschule, im Sprach- oder Auslandaufenthalt, oft auch gegen unseren Willen. Und wir profitieren heute noch von diesen Erfahrungen.

Kinder im Arbeitsprozess, «Alte» auf dem Abstellgleis
Die obligatorische Schulbildung bis zum 18. Altersjahr in den USA , statt lediglich bis zum 14. oder 15. Kindesalter in der Schweiz, legt einen wichtigen Grundstein: Allgemeinbildung. Nicht nur auf jeder Stufe wiederholt die Schlacht am Morgarten, sondern aktuelle geopolitische Ereignisse gehören in den Geschichtsunterricht. Mathematik lässt sich mit Finanzthemen verbinden oder Chemie wird anhand von Materialkreisläufen erklärt, «learning by doing» eben. Dies bringt mich zum eigentlichen Punkt meiner Kritik an der gegenwärtigen Mangelsituation. Über 50-jährige finden trotz Fachkräftemangel keine Anstellung mehr, wird breit kolportiert und man ruft nach staatlichen Eingriffen. Arbeitgebenden dürfen jedoch erwarten, dass sich die Bewerbenden weitergebildet haben, mit den aktuellen Technologien vertraut sind und ohne lange Einarbeitungszeit, gewinnbringend eine gewünschte Aufgabe erledigen. Manche Ü-50 andererseits halten an ihren Erfahrungen der letzten 30 Jahre fest, wissen wie es geht und bekunden Mühe mit jüngeren Vorgesetzten. Viele haben das Staunen verlernt und sehen den technologischen Fortschritt als Bedrohung. Für mich sind dies die Auswirkungen mangelnder Allgemeinbildung und viel zu früher Spezialisierung. Intellektuelle Fähigkeiten und die notwendigen Kompetenzen fehlen und schränken die Sicht für Neues ein. Man ist dazu verdammt, den gewohnten Weg weiter zu gehen. Dabei gäbe es unzählige Möglichkeiten für eine Veränderung, um vielleicht das Hobby zum Beruf zu machen, auch ohne Fähigkeitsausweis. Eine solide Grundausbildung und nach der Lehre möglicherweise eine höhere Weiterbildung eröffnen neue Wege auch für uns «Alte».

Jean Tinguely (1925-1991), schweizer Künstler. Méta-Matic No. 6 Zeichenautomat, 1959. Bild: Museum Tinguely Basel.

Vertrauen und Kommunikation auf Augenhöhe
Lebensläufe dürfen durchaus Lücken aufweisen, schliesslich sind wir Menschen keine Roboter. Nicht alles muss auf Anhieb gelingen und man darf zu seinen Fehlern stehen. Tatsache ist, dass künstliche Intelligenz KI und Digitalisierung fast sämtliche Prozesse verändern. Damit müssen auch wir «Alten» zurecht kommen. Eine gute Allgemeinbildung befähigt schnelles lernen und macht uns anpassungsfähig. Wir sehen Veränderungen mit Gelassenheit entgegen und vertrauen auf unsere Kompetenzen. Nicht nur das biologische Alter eines Menschen, sondern sein schulischer Rucksack und die schnelle Auffassungsgabe sind entscheidend. Es gibt genügend Junge, welche in antiquierten Denkmustern verharren. Auf Seiten Arbeitgebenden gehören Stellenbeschriebe angepasst. Robotik, Materialtechnologie oder Konsumentenwünsche gilt es abzubilden. Neue Jobprofile oder interdisziplinäre Ansätze verlangen nach entsprechenden Beschrieben. Mitarbeitende die bereits im Betrieb sind, sollen die Möglichkeit erhalten sich ebenfalls zu bewerben. Beim Einsatz von KI im Personalwesen ist Vorsicht geboten, denn diese Programme machen präzise Abgleichungen zwischen Lebenslauf und Jobprofil, ohne menschlichen Ermessensspielraum. Anstelle von Hochglanzbewerbungen bringt das persönliche Gespräch mit Kandidaten immer noch die besten Resultate für Arbeitgebende und Arbeitnehmende. Schlussendlich muss jemand ins Team und zur gelebten Unternehmenskultur passen. Dazu braucht es Vertrauen und Kommunikation auf Augenhöhe.

Generative künstliche Intelligenz als Herausforderung
Die Entwicklungen im Bereich der generativen künstliche Intelligenz GenKI bringen tiefgreifende Veränderungen bei (Wissens-)Arbeit und Beschäftigung mit sich. GenKI ist ein Teilbereich im Feld der künstliche Intelligenz. Ein Nutzer auf LinkedIn postete am 7. Mai 2025, wie er sich den neuesten Arbeitsbericht der University of St.Gallen zu GenKI, Wissensarbeit und Personalentwicklung etwas genauer angeschaut hat. Die Kernaussage für ihn ist, wie generative künstliche Intelligenz GenKI nicht nur unsere Werkzeuge verändert, sondern die Logik von Arbeit selbst. Und sie tut das schneller, als viele Systeme adaptieren können. Zukunftsgerichtetes Lernen ist für ihn deshalb enorm relevant. Menschen müssen lernen neu zu denken, Zusammenarbeit neu gestalten, Zukunftsfähigkeit gemeinsam bauen. Denn viele klassische Rollen (wie beispielsweise Office Support) verschwinden oder verändern sich radikal. Gefragt sind nicht mehr nur IT-Kenntnisse, sondern Zukunftskompetenzen wie Kollaboration, Systemdenken und Selbstführung. GenKI wirkt wie ein Exoskelett: Sie erweitert die Handlungsfähigkeit.

Jean Tinguely (1925-1991), schweizer Künstler. Hippopotamus 1991, Bild: Museum Tinguely Basel.

Maschinen im Team mit Menschen
Laut dem Bericht kommt es zu Veränderungen bei der Nachfrage nach Arbeitskraft und Kompetenzprofilen. Und die Häufigkeit von Wechsel in andere Berufsfelder wird zunehmen. Unternehmen müssen deshalb ihr Personalmanagement und die Personalentwicklung hinterfragen. Auch Stellensuchende müssen sich mit der erhöhten Arbeitsproduktivität, einer Zunahme von Automatisierung und mehr Augmentation befassen. Es wird erwartet, dass sich solche Veränderungen mit Fortschritten im Bereich der «agentischen KI» weiter akzentuieren. Solche Systeme agieren autonom, treffen Entscheidungen und können Aufgaben mit minimalem menschlichen Eingriff ausführen. Die Agenten sind in der Lage, aus Interaktionen zu lernen, sich an neue Situationen anzupassen und ihre Leistung im Laufe der Zeit zu verbessern. Sie sind darauf ausgelegt, komplexe Ziele zu verfolgen und nutzen häufig Techniken wie Large Language Models (LLMs) und maschinelles Lernen, um Daten zu analysieren, Ziele zu setzen und Massnahmen zu ergreifen. Die Sicht der Arbeitnehmenden auf diese Entwicklungen ist uneinheitlich. Auf der einen Seite gibt es Erwartungen, von diesen Entwicklungen persönlich profitieren zu können. Auf der anderen Seite gibt es Sorgen vor negativen Auswirkungen für die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes, speziell unter uns «Alten».

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kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

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