Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#475 – Wir «Alten» und die Stempeluhr

Zeit kontra Produktivität
Ende der 1980er Jahre übersiedelten meine Frau und ich von den USA in die Schweiz, nach Bern wo eine neue Aufgabe auf mich wartete. In der ersten Woche traf ich in der Einstellhalle unseres Bürogebäudes einen meiner Abteilungsleiterkollegen und wollte mit ihm ins Gespräch kommen. Eilig lief er voraus und war erst nach dem Registrieren seiner Zeiterfassungskarte an der Stempeluhr bereit, auf meine Fragen einzugehen. Präsenzzeit hat Vorrang gegenüber Problemlösung. Unter dem Titel «Keynes, KI und die Stempeluhr: Kommt nun die 15-Stunden-Woche?» schrieb Jürg Müller (42), Direktor des Think-Tanks Avenir Suisse, im Gastkommentar der NZZ am Sonntag vom 14. Juni 2026, wie der britische Grossmeister der Ökonomie John Maynard Keynes (1883-1946) mit seinen Vorhersagen zur Reduktion der Erwerbstätigkeit falsch lag. Die künstliche Intelligenz KI könnte diese Prophezeiung nun aber vollenden. Keynes wagte 1930 seine Prognose 100 Jahre in die Zukunft, wonach sich unser Lebensstandard vervier- bis verachtfachen wird, mit immer weniger Arbeitsaufwand. Nach fast 100 Jahren liegt das reale Pro-Kopf-Einkommen der Schweiz heute rund sechsmal so hoch wie 1930. Keynes voraussage der wöchentlichen Arbeitszeit ist mit rund 35 Stunden jedoch weit entfernt von den prognostizierten 15 Stunden. Wer Keynes allein an der Stempeluhr misst, übersieht jedoch, wo sich die eigentliche Revolution abgespielt hat: nicht in der Arbeitswoche, sondern in unserem Lebenslauf. Viele von uns, vor allem Frauen, leisten auch Arbeit die in keiner Stempeluhr auftauchen würde.

Präsentismus
In Kulturen mit Kontrollmentalität wird Anwesenheit mit Leistung verwechselt. Je mehr Stunden Arbeit, desto wertvoller das Ergebnis. Doch Zeit und Produktivität korrelieren nur bis zu einem gewissen Punkt. Studien zur Arbeitszeit zeigen: Nach etwa 6-8 Stunden konzentrierter Arbeit sinkt der Output pro Stunde spürbar. Mehr Anwesenheit heisst nicht automatisch mehr Ergebnis – ab einem gewissen Punkt sogar das Gegenteil, weil Fehlerquote und Erschöpfung steigen. Ein typischer Denkfehler ist, die Lernkurven zu ignorieren: Zeit, die in Klärung, Organisation oder Mentoring fliesst, wird oft als «unproduktiv» abgebucht, obwohl sie spätere Fehler verhindert. Die Erfahrung von uns «Alten» wird als Kostenfaktor und nicht als Zeitersparnis begriffen. Erfahrene «Alte» lösen ein Problem oft in einem Bruchteil der Zeit ihrer Junior-Kolleg:innen – weil sie Fallstricke im Voraus erkennen, die andere erst durch Ausprobieren finden. Zeit investiert in Erfahrung zahlt sich also indirekt in späterer Produktivität aus, auch wenn sie sich nicht in Anwesenheitsstunden messen lässt.

Sommer 2026 nähe Bahnhofstrasse Zürich. Bild: WKR

Was machen wir mit der gewonnenen Zeit?
Im Gegensatz zu 1930, studieren heute viele Menschen zunächst und treten erst mit über 25 Jahren ins Erwerbsleben ein. In Rente geht es zudem meist mit 65, wobei heute Zwanzigjährige damit rechnen dürfen, rund 90 Jahre alt zu werden. Am Anfang wie am Ende des Lebens sind dies deutlich mehr Jahre ohne Erwerbsarbeit. Über die gesamte Lebenszeit gerechnet resultieren damit noch rund 20 Stunden pro Woche. Was heisst das nun für unsere Zeit, in der die künstliche Intelligenz KI den nächsten Technologieschub verspricht? Verschiedene Stimmen aus den USA wecken Erinnerungen an Keynes vor hundert Jahren. Jamie Dimon, CEO der Grossbank JP Morgan, prophezeit unseren Kindern die Dreieinhalbtagewoche. Und der Unternehmer Elon Musk sieht gar den Punkt kommen, an dem «kein Job mehr nötig» sei. In der Schweiz hat sich die Arbeitszeit über das Leben gerechnet bereits stark reduziert – wenn auch nicht im exakten Umfang von Keynes. Beschleunigt KI diesen Prozess weiter, stellt sich vermehrt jene Frage, der sich Keynes im selben Essay ebenfalls widmete: Wie geht der Mensch mit dem Wegfall ökonomischer Notwendigkeiten um? Jürg Müller plädiert für mehr Musse, Zeit ohne vorprogrammierte Aktivitäten. In der NZZ am Sonntag vom 12. Juli 2026, unter dem Titel «Endlich Sommerferien – füllen wir sie nicht mit Aktivitäten und Strebsamkeit» zitierte er den Entertainer Harald Juhnke: «Meine Definition von Glück? Keine Termine und leicht einen sitzen.» Anspruchsvoll ist, einfach einmal nichts zu tun: die eigene Rastlosigkeit zu erleben, aber nicht auszuleben. Die Kunst des leeren Nachmittags besteht also darin, ihn nicht mit Tätigkeiten und Strebsamkeit, sondern mit sich selbst zu füllen. Also die freie Zeit nicht zu nutzen, sondern einfach in ihr zu sein.

Wenn KI die Weiterbildung in Frage stellt
Wenn die KI in Sekunden erledigt, womit die Junioren sich früher die Sporen abverdienten und sich branchenspezifisches Grundwissen aneigneten, führt das zu einer gefährlichen Entwicklung: Der Organisationsforscher Hans Rusinek (37) von der Hochschule St. Gallen, warnt davor, dass Unternehmen ihre eigene Nachwuchs-Pipeline der kurzfristigen Effizienz opferten. Unter dem Titel: «Die verbaute Treppe: Macht KI die Gen Z zur neuen verlorenen Generation?» Sehen Nicole Althaus (58) und Patrizia Messmer (31) in der NZZ am Sonntag vom 5. Juli 2026, viel weniger Einstiegsjobs, viel mehr junge IV-Rentner und fragen sich ob die Generation Z aus dem Arbeitsmarkt auszuscheiden droht, bevor sie überhaupt richtig angekommen ist. Wer keine Juniors einstellt, wird die Seniors immer von aussen rekrutieren müssen. Für die Jungen aber fällt mit den Einstiegsjobs die traditionelle «Treppe» in den Beruf weg. «Im Grunde hängt der Markt schief», sagt Rusinek. «Die Unternehmen sind angesichts von KI je länger je weniger bereit, ihren Angestellten die Fähigkeiten beizubringen, die für die späteren Positionen verlangt werden. Und die es auch für Innovationen braucht.» Davon betroffen sind nach der grossen Akademisierungswelle der letzten zwei Jahrzehnte viele. In der Schweiz besitzt heute jede zweite Person unter 35 einen Hochschulabschluss oder eine höhere Berufsbildung. Zunächst einmal hat die Emanzipation dafür gesorgt, dass die Frauen zahlenmässig an den Universitäten nicht nur aufgeholt, sondern die Männer sogar überholt haben. Dann ist die hohe Hochschulquote auch der Durchlässigkeit des Schweizer Bildungssystems geschuldet. Vorab aber hat die Akademisierung ökonomische Gründe: Tertiäre Abschlüsse galten bisher als Gehalts-Booster.

Praktische Erfahrung schlägt Akademia
In Echtzeit kann man heute beobachten, wie KI das verändert: Gemäss einer Umfrage einer Recruiting-Firma wertet in den USA bereits jeder vierte Arbeitgeber bei Bewerbungen praktische Erfahrung höher als einen Bachelor-Abschluss. Natürlich werden tertiäre Abschlüsse für Mediziner und Richterinnen, für Ingenieure und Biochemikerinnen nicht so bald obsolet. Doch gemäss Rusinek wissen die Jungen durchaus, woher der Wind weht: «Studierende haben heute vermehrt den Anspruch, im Studium auch praktische Kompetenzen zu erwerben.» Von Kollegen in Deutschland habe er gehört, dass bei KI-exponierten Studiengängen die Bewerbungszahlen bereits sänken. Auch wenn Prognosen im Zusammenhang mit KI einem Kaffeesatzlesen gleichkommen, ist Monika Bütler (64), Ökonomin und Honorarprofessorin für Wirtschaftspolitik in St. Gallen zuversichtlich, dass die Gesellschaft sich an die neu gesuchten Berufsprofile im Markt anpassen werde. Wir «Alten», mit unserem Hintergrund, unserer Kompetenz und Erfahrung müssen uns, im Team mit den Jungen, in diesen Prozess aktiv einbringen. Doch eines glaubt Bütler mit ziemlicher Sicherheit voraussagen zu können: «Die Einkommensverteilung wird teilweise auf den Kopf gestellt. Für Politik und Gesellschaft bedeutet das eine grosse Herausforderung.» Die Löhne von vielen Handwerkern etwa, das zeige sich in angelsächsischen Ländern bereits, schlössen zu den Gehältern von Akademikern auf. «Die künstliche Intelligenz KI», so Bütler, «hat Bildung als Garant für ein hohes Ansehen und Gehalt infrage gestellt.»

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#469 – Veränderter Arbeitsmarkt für «Alte»

Fit für das KI-Zeitlalter
Im Beitrag von Christin Severin, Florian Seliger, Anja Lemcke in der NZZ vom 29. Mai 2026, mit dem Titel: «Dichtestress? Warum das am Arbeitsmarkt ein Trugschluss ist.», machen sich die Autoren Gedanken zum Arbeitsmarkt vor dem Hintergrund der Abstimmung zur 10-Millionen Schweiz. Dabei stellen sie fest: Mit der Zuwanderung sind mehr und bessere Jobs entstanden. Doch wer heute eine Stelle sucht, braucht Durchhaltevermögen. Weil die Konjunktur lahmt, zögern viele Unternehmen mit Neueinstellungen. Man fragt, warum die freien Stellen nicht einfach mit inländischen Bewerbern besetzt werden. Dabei wäre es wichtig, dass auch Gruppen zum Zuge kommen, die bei Arbeitgebenden traditionell nicht die erste Wahl sind, wie «Alte» Arbeitnehmende oder wieder einsteigende Mütter. Permanente Weiterbildung würde dieses Dilemma entschärfen, doch sind wir auch bereit uns weiterzubilden oder zu verändern, solange es uns noch gut geht? Eine vermutlich noch unterschätzte Herausforderung besteht darin, die Menschen fit zu machen für das KI-Zeitalter. Wir erfahrenen «Alten» müssen versuchen die Technologie zu verstehen, auch wenn wir nicht mit dem Wissen der «jungen Wilden» mithalten können, denn KI verändert die Arbeit in hohem Tempo. Berufsbilder, die heute noch gefragt sind, könnten in einigen Jahren ganz anders aussehen – oder gänzlich verschwinden.

Die Suche nach perfekten Kandidat:innen
In einigen Berufsfeldern ist der Ausländeranteil inzwischen sehr hoch: Bei Montage- und Hilfskräften beträgt er etwa 53 Prozent, in der Gastronomie 48 Prozent, weil die Löhne tief sind. Neben den Zuwanderern am unteren Ende der Lohnskala rekrutieren die Unternehmen viele hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland. Die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge gehen in Pension, gleichzeitig rücken weniger junge Erwerbstätige nach. Hat die inländische Bevölkerung nicht das zu bieten, was die Unternehmen brauchen, entsteht eine Diskrepanz. Die Menschen passen dann nicht mehr zu den freien Stellen. Will die Schweiz wirtschaftlich erfolgreich bleiben, sollte dieses Missverhältnis so klein wie möglich gehalten werden. In vielen Branchen kann die Schweiz deshalb froh sein, wenn sie fixfertig ausgebildete Menschen anzieht, deren Ausbildung erst noch vom Ausland bezahlt wurde. Der Arbeitsmarkt ist kein geschlossenes System, in dem ein zusätzlicher Arbeitnehmer automatisch einem anderen den Platz wegnimmt. Zuwanderung verändert die Struktur der Wirtschaft: Unternehmen wachsen schneller, investieren mehr und schaffen eine zusätzliche Nachfrage nach Arbeitskräften. Die Suche nach dem perfekten Match hat aber auch eine positive Seite. Wer ideale Mitarbeitende einstellt, erhöht seine Innovationskraft und seine Wettbewerbsfähigkeit. Finden Firmen jedoch dauerhaft nicht die gewünschten Fachkräfte, verlagern sie Tätigkeiten ins Ausland und investieren anderswo.

Der Denker im digitalen Zeitalter: KI und Geisteswissenschaften sind kein Widerspruch. Foto: miss irine – stock.adobe.com

Die Roboter kommen
​Gioia da Silva, Redakorin Technologie und Wissenschaft, beschreibt in ihrem Beitrag in der NZZ am Sonntag vom 17. Mai 2026, wie die künstliche Intelligenz zwei der drängendsten Probleme in der Robotik gelöst hat. Aber der Weg zum Allzweckroboter ist noch weit. Was geschieht mit den Menschen, wenn autonome Maschinen immer mehr Arbeiten übernehmen? Unternehmen investieren Unsummen in der Hoffnung, eine Maschine zu entwickeln, die in Restaurants Tische abwischt, in Privatwohnungen die Wäsche zusammenfaltet, in Altersheimen gebrechliche Menschen beim Gang zur Toilette stützt. Auslöser für die Goldgräberstimmung in der Branche ist die künstliche Intelligenz KI. Während ursprünglich Robotik ein reines Programmierproblem war, bei dem ein Mensch jede Bewegung einer Maschine mit Tausenden Zeilen Code vorspurte, setzt sich seit den späten 2010-er Jahren eine Methode des maschinellen Lernens durch: das Reinforcement-Learning. Roland Siegwart (67), Robotikprofessor an der ETH Zürich, erklärt: «Bei dieser Art des Lernens entdeckt der Roboter nach und nach seine eigenen Fähigkeiten.» Anhand eines digitalen Zwillings «lernt» die Maschine in einer virtuellen Welt. Im Anschluss wird das Wissen auf den echten Roboter überspielt, der sich damit bewegt. Mit dieser Methodik gelang es der Schweizer Firma Anybotics, einen vierbeinigen Roboterhund zu programmieren, der autonom über Ölplattformen und durch Elektrizitätswerke patrouillieren kann.

KI bringt den Robotern Weltwissen bei
KI löst auch noch ein zweites drängendes Problem der Robotik: «Chatbots wie ChatGPT oder Gemini können Robotern Wissen über die Welt erschliessen», sagt Siegwart. Die Modelle haben aus Texten gelernt, dass Wasser elektronische Geräte zerstört, dass man Glas nicht quetschen kann, dass ein angebissener Apfel in den Müll gehört, eine teure Uhr aber nicht. KI-Chatbots machen also dumme Maschinen zu intelligenten Systemen. Manche Brancheninsider sprechen daher nicht mehr von Robotern, sondern von «embodied AI», verkörperter KI. Und trotz der Fortschritte sind wir noch weit entfernt von der Umsetzung vieler guten Ideen. Gemäss Siegwart sind eine der grössten Schwachstellen von heutigen Robotern die Hände. Sie sind noch zu ungeschickt, um zuverlässig ein Smartphone und ein Dokument von einem Schreibtisch wegzuräumen. Den meisten Robotern fehlen noch Sensoren, um zu merken, dass das Objekt in ihrer Hand rutscht. Sie können die Kraft nicht intuitiv ausgleichen, um beispielsweise ein einzelnes Blatt Papier auf einem Tisch zu beseitigen. Um einen Roboter universal einsetzbar zu machen, muss eine Hand her, die gleichzeitig geschickt, feinfühlig und stark ist, weiss Siegwart.

Das Ende des Fachkräftemangels?
Die meisten Robotikexperten sind überzeugt: Eines Tages wird es Maschinen geben, die viele Aufgaben effizienter erledigen können als wir Menschen. Erst werden immer mehr Anwendungen in strukturierten Umgebungen wie Produktionshallen und Lagerhäusern automatisiert. Danach werden die Roboter die Fabriken verlassen und in Supermärkten, auf Baustellen, in Krankenhäusern aushelfen. Optimisten wie Marco Hutter (41), der das Robotikzentrum der ETH Zürich leitet, sehen darin die Lösung für Probleme wie den zunehmenden Mangel an Arbeitskräften. Pessimisten wie Dirk Helbing (61), ETH-Professor für computergestützte Sozialwissenschaften, warnen derweil vor der Massenarbeitslosigkeit. Wem man glaubt, hängt von der eigenen Perspektive auf technologischen Fortschritt ab. Klar ist jedoch, dass die Entwicklung nicht aufzuhalten ist. Wie die Zukunft aussieht, in der Menschen Seite an Seite mit Robotern leben und arbeiten könnten, wird somit immer weniger eine Frage der technischen Machbarkeit. Vielmehr wird es darum gehen, wie wir den Wandel gestalten. Für uns erfahrene, neugierige und kreative «Alten» ergeben sich dabei unendliche Chancen der Teilhabe.

Agenten sollen uns beim Handeln helfen
KI, die für uns autonom einkauft, E-Mails beantwortet und Ferien bucht: An seiner Entwicklerkonferenz sprach Google CEO Sundar Pichai( 53) von einer Ära des Hyperfortschritts, wie das Unternehmen KI-Agenten nun auf den Massenmarkt bringen will. Marie-Astrid Langer schrieb für die NZZ vom 20. Mai 2026 über den Anlass in Silicon Valley. Eine neue Funktion namens Spark soll die Internetsuche personalisieren. KI-Agenten sind autonom handelnde Systeme, die planen, entscheiden und aktiv werden, um ein Ziel zu erreichen – ganz ohne menschliche Zwischenschritte. Seit mehreren Monaten sind sie die Avantgarde in der KI-Revolution. Agenten arbeiten rund um die Uhr im Hintergrund und informiert die Nutzer, sobald ein Auftrag abgeschlossen ist. «Sie können den Laptop in der Zwischenzeit zumachen», sagte Pichai. KI-Agenten werden künftig das Einkaufen im Supermarkt verändern. Sie können aber auch sehr komplexe Programmieraufträge erfüllen, nämlich mit der neu geschaffenen Plattform Antigravity: Programmierer können dort komplexe Software in Auftrag geben und lassen sich nicht mehr wie bisher nur einzelne Zeilen von Code generieren. Eine Schlüsselrolle in dieser neuen Ära spielt ein neues KI-Modell namens Gemini 3.5 Flash, das der Konzern in den kommenden Tagen lancieren wird.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#465 – Wir «Alten» Zeugen von Veränderungen

Die KI-Revolution erreicht die nächste Stufe
In seiner zweieinhalbstündigen Eröffnungsrede zur Entwicklerkonferenz in San Jose, Kalifornien, erklärte der CEO von Nvidia, Jensen Huang (63), wie er mit neuen Produkten und Kooperationen die KI-Revolution weiter befeuern will. Marie-Astrid Langer, war zugegen und berichtet in der NZZ vom 17. März 2026 darüber. Aus Sicht von Huang erreicht die KI nun ein entscheidendes neues Stadium: nämlich die Anwendung des Gelernten, die sogenannte Inferenz. Bildlich gesprochen, bedeutet das: Wenn die KI bisher zur Schule ging, dann hat sie jetzt den Abschluss in der Tasche und wendet das Wissen eigenständig an. «Wir sind am Anfang einer neuen Plattform-Umwälzung», wiederholte er mehrmals. Man könne der KI nun nicht mehr nur Fragen stellen, sondern Aufträge erteilen. KI-Agenten wie die Programmierplattform Claude Code von Anthropic hätten dieses Zeitalter eingeläutet. «Wir sind am Wendepunkt der Inferenz angekommen.» Diese Anwendungen brauchten viel Rechenleistung, zu hoch sei der Energieverbrauch, zu gering der Arbeitsspeicher, hört man immer wieder. Das Resultat sind hohe Stromkosten und eine zu grosse Verzögerung der KI-Agenten. Für eine Zukunft aber, in der diese für uns programmieren, Einkäufe tätigen und andere Aufträge erledigen, muss die sogenannte Latenz möglichst gering sein. Nvidias Antwort darauf: Ein neues ultraschnelles KI-Rack speziell für Inferenz, kombiniert aus 256 Stück des Groq-Chips mit 72 Stück der wassergekühlten Rubin-Chips. Gemäss Huang kann dieses Hochleistungssystem pro Sekunde 700 Millionen Token generieren; ein Token ist die kleinste Texteinheit, die ein Sprachmodell verarbeitet.

Die österreichische Plattform Open Claw
Der aus Österreich stammende Informatiker Peter Steinberger hatte vor wenigen Monaten als Erster eine Open-Source-Plattform namens Open Claw entwickelt, die jedermann auf dem eigenen Computer kostenlos installieren kann und auf der KI-Agenten eigenständig Aufträge ausführen: etwa im Internet Einkäufe tätigen, E-Mails für den Nutzer beantworten oder diesen für einen Flug einchecken. Trotz Sicherheitsbedenken erreichte die Plattform innnert kürzester Zeit eine enorme Gefolgschaft und gilt als Durchbruch im KI-Zeitalter. «Die Bedeutung des Aufkommens von Open Claw kann man gar nicht genug betonen», sagte Huang. Es handle sich um ein Ereignis von ebenso grosser Tragweite wie die Erfindung des Betriebssystems Linux oder des Website-Standards HTTPS. So, wie Firmen früher eine Strategie für Websites oder mobile Applikationen brauchten, würden sie künftig eine für Open Claw und KI-Agenten brauchen. Kurzum: In Huangs Weltsicht ist die KI-Zukunft rosig und steht erst ganz am Anfang.

«Dresdener Frauen» des deutschen Künstlers Georg Baselitz (1938 – 2026) in einer Ausstellung in Dresden im Jahr 2009. Foto: Ralf Hirschberger / EPA

Technologie verändert unsere Arbeitswelt
Weltweit wird jeder dritte Arbeitnehmer respektive Arbeitnehmende in diesem Jahrzehnt mit Veränderungen ihres Arbeitsplatzes durch künstliche Intelligenz KI und technologische Fortschritte konfrontiert sein – doch es gibt Möglichkeiten, sich darauf einzustellen. Der Strategieberater für Kompetenzentwicklung, Sagar Goel (49), Boston Consulting Group Singapur, erklärt anhand praktischer Beispiele aus seiner Partnerschaft mit der singapurischen Regierung, wie Tausenden von Arbeitnehmenden der Übergang in neue Karrieren ermöglicht wurde. In seinem Beitrag auf TED@BCG • November 2023 (09:40) verdeutlichte er damit die Bedeutung von Umschulung und lebenslangem Lernen. Die Veränderung unserer Arbeitswelt durch Technologie ist die neue Realität, in der Welt in der wir leben. Gerade wir «Alten» dürfen dieser Entwicklung nicht mit Angst und Skepsis begegnen. Wir müssen unsere Fähigkeiten und Kompetenzen mit Neugier und Optimismus immer wieder weiterentwickeln.

Lebenslanges Lernen
Dabei wollen viele von uns nicht mehr studieren, wir fühlen uns zu alt um Neues zu lernen, wir wissen es besser. Doch Arbeiten die uns früher Tage, manchmal sogar Wochen gekostet haben, können dank KI heute immer häufiger in wenigen Stunden erledigt werden. Und diese Entwicklung findet in der gesamten Wirtschaft statt. Jobveränderungen betreffen nicht nur Bankangestellte, Fabrikarbeiter:innen und Lagerist:innen, sondern auch Führungskräfte und Büroangestellte. Unternehmen können dieses Problem auch nicht durch Neueinstellungen lösen, denn selbst wenn es ihnen gelänge, ihre absolut besten Talente zu gewinnen, werden in fünf Jahren die Hälfte deren Fähigkeiten überflüssig sein. Zweieinhalb Jahre, wenn man im Technologiebereich arbeitet, ist die sogenannte Halbwertszeit von Fähigkeiten. Die einzige Lösung besteht darin, jedes Jahr Millionen von Menschen weiterzubilden um ihnen zu ermöglichen, neue Fähigkeiten für den Übergang in neue Berufe zu nutzen. Zusammen mit der Regierung Singapurs arbeitete Sagar Goel an der Einführung eines gross angelegten, sechsmonatigen Programms namens «Rise», um Tausende von Menschen aus traditionellen, rückläufigen Berufen in Positionen wie Data Scientist, Digital Product Owner und Digital Marketer umzuschulen. Eine nationale Jobdatenbank bot Unternehmen Anreize, solche umgeschulten Fachkräfte einzustellen. Sie lenkt sogar die Hochschulen in Richtung lebenslanges Lernen nach der akademischen Ausbildung.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger