Veränderte Ausgangslage
Jahrzehntelang bauten Unternehmen ihre globalen Strategien auf einer Reihe von Grundannahmen auf. Internationaler Handel und Investitionen würden immer freier werden, das globale BIP-Wachstum weiter vorantreiben und durch multilaterale Leitlinien und Institutionen geregelt werden. Um Kostenvorteile zu sichern, sollten Unternehmen eine umfassende globale Präsenz aufbauen, die es ihnen ermöglicht, in kostengünstigen Volkswirtschaften zu produzieren und zu beschaffen und auf nahezu jedem nationalen Markt zu verkaufen. Doch geopolitische Veränderungen, disruptive Technologien und sich weltweit verändernde Kostenstrukturen erschüttern spätestens seit der Corona-Pandemie die Annahmen des internationalen Geschäfts. Es bieten sich aber auch enorme Chancen für Unternehmen, die sich darin zurechtfinden und flexibel genug sind, sich anzupassen. Eine abwartende Haltung verschafft Unternehmen und Regierungen keinen Vorteil. Nicht wie die «offizielle» Schweiz um ihren «Deal» mit den USA zu bangen und unrealistische Forderungen zu stellen wie: SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel fordert, der Bundesrat solle Fifa-Chef Gianni Infantino bitten, seine guten Beziehungen zu Trump für einen Deal einzusetzen oder die Forderung der SP als Druckmittel einen Verzicht zum Kauf der amerikanischen F-35-Kampfjets und die FDP, den Vertrag zur Lieferung von Patriot-Abwehrsystemen zu sistieren. Anstatt in (meist unbegründete) Panik zu verfallen, braucht es auch für KMUs eine unaufgeregte Risikobewertung.
Initiativen zur Risikominderung
Der erste Schritt für Unternehmen besteht darin, ihre Produktions-, Liefer- und Vertriebsaktivitäten genau zu analysieren, um ihre Anfälligkeit gegenüber Änderungen der Handelsregeln zu bewerten, Zölle zu verstehen und flexibel auf die sich ständig verändernde Handelsdynamik zu reagieren. Kompetente «Alte» mit ihrem grossen Erfahrungsreichtum helfen im Team bei der Festlegung von Prioritäten. Eine Quantifizierung der potenziellen Auswirkungen auf Umsatz, Kosten und Produktionsanlagen entlang der gesamten Wertschöpfungskette hilft, diese Dynamik zu verstehen. Die proaktive Entwicklung eines Massnahmenkatalogs zur Minimierung von Risiken und der Identifizierung von möglichen Wettbewerbsvorteilen zeigt potenzielle Hebel als Reaktion auf handelspolitische Veränderungen. Zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens gehören auch kostengünstige Initiativen, wie der Einsatz von künstlicher Intelligenz KI, in den Massnahmenkatalog.

Künstliche Intelligenz KI: Ein abstraktes Konzept
Im Beitrag von KMU_today Team, am 4. April 2025 schreibt Reto Vogt (40), Schweizer Journalist mit Schwerpunkt auf Technologie und Digitalisierung und seit Oktober 2024 Studienleiter für Digitale Medien und Künstliche Intelligenz am MAZ in Luzern, wie KI Unternehmen unterstützen und effizienter machen kann. Unter dem Titel «Automatisch besser? Wie Schweizer Unternehmen KI für sich nutzen» beschreibt er deren Einsatz in drei Unternehmen. Auf der einen Seite verspricht künstliche Intelligenz Effizienz, Automatisierung und ein neues Business-Potenzial – auf der anderen Seite ist sie für viele KMU noch ein ungreifbares, abstraktes Konzept, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Zum Beispiel: Lohnt sich das auch für uns? Wie gehen wir das an, was kostet es und wie profitieren wir davon – wenn überhaupt? Die Antworten darauf sind nicht immer einfach und auch nicht allgemeingültig. Denn KI erfordert nicht nur Investitionen, sondern auch Know-how und eine klare Strategie. Doch sich damit auseinanderzusetzen lohnt sich für alle Unternehmen, denn wer sich gar nicht erst damit beschäftigt, läuft Gefahr, von der Konkurrenz überholt zu werden.
KI ersetzt nicht, sie entlastet
Zu den offensichtlichen Vorteilen von KI-Anwendungen zählen die Effizienzgewinne durch die Automatisierung von Routineaufgaben, wie das Erstellen oder Transkribieren von Berichten, auch in anderen Sprachen, wobei die KI eine nahezu fehlerfreie Übersetzung liefert. Generell bringen Anwendungen von KI im «schriftlichen Bereich» wie Korrespondenz, Administration, Tabellen und Buchhaltung grosse Vorteile. So soll beispielsweise ein KI-Agent interne Dokumente nutzen, um Medienanfragen effizienter zu beantworten oder Blogposts, Übersetzungen und Zusammenfassungen zu erstellen. Über Textarbeiten hinaus gehen Chatbot-Anwendungen für grundlegende Kundenanfragen, Systeme die gezielt auf die Markensprache und Tonalität eines Unternehmens trainiert wurden. Der erfolgreiche Einsatz von KI in KMUs soll nicht zufällig sein, sondern auf klaren Prinzipien beruhen. Dazu gehört der Grundsatz: Klein anfangen, gross denken, um schnell Effizienzgewinne zu erreichen. Doch KI ist kein Selbstläufer. Das Einbringen der Erfahrung von «Alten» im Team ist mitunter entscheidend, auch bei der Schulung von Mitarbeitenden, um Hemmschwellen abzubauen und Kompetenzen aufzubauen. Wer als KMU nicht ausprobiert und bereit ist, Fehler in Kauf zu nehmen, wird nicht vorankommen. KI-Projekte werden iterativ entwickelt – mit der Bereitschaft, zu lernen und nachzubessern. Perfektion von Anfang an soll nicht das Ziel sein. KI soll die Mitarbeitenden entlasten und effizienter machen, nicht ersetzen.
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