Blog, Industrie 4.0

#174 – Wie weiter?

Kurzarbeit macht auch träge
Es ist Montag und die Zürcher Quartier- und Altstadtläden bleiben, wie schon vor der Krise, trotz potenzieller Kunden geschlossen. Ordnung muss sein, Wettmachen verlorener Umsätze durch Anpassung des Regimes ist hier kein Thema. Noch haben viele Geschäfte und Gastrobetriebe, auch an hoch frequentierten Lagen, reduzierte Öffnungszeiten. Dienstleistung sind weiterhin eingeschränkt und unter den auffällig spärlicheren Emails findet man Begründungen, weshalb eine speditive Erledigung von Anfragen auf Grund der ausserordentlichen Lage momentan nicht möglich sei. Vereine und Berufsverbände verabschieden sich vorzeitig in die Sommerferien, in der Hoffnung auf einen besseren Herbst. Möglich ist dieser Schwebezustand dank Kurzarbeit, auf die man nicht all zu früh verzichten will, man gewöhnt sich schnell an das «Sicherheitsnetz». Daneben gibt es jedoch viele Unternehmen, welche die aufgezwungene Auszeit als Chance nutzen, um sich am Markt neu zu positionieren. Trotz den Schwierigkeiten der eingeschränkten persönlichen Kontakte, sind diese Leute hochmotiviert, kreativ und damit besser gerüstet für eine Zukunft mit weniger Restriktionen.

Sklaventransportschiff Brookes, Grossbritanien, 16. Jahrhundert. Bild: Russell Boyce / Reuters

Produktivität von zuhause
Die Corona-Pandemie hat auch gezeigt, dass viele KMU ihre Führungsstrukturen anpassen müssen. Mit straffen Befehlen von oben ist es in der Krise kaum möglich, eine Firma zu führen. Mitarbeitende waren zu einem grossen Teil im Home-Office. Abgesehen von einer funktionierenden IT erwiesen sich agile, dezentrale Entscheidungsstrukturen dabei als Vorteil. In einem solchen Umfeld müssen Patrons «Macht» abgeben. Statt alles selber steuern zu wollen, sollten sie die gemeinsame Mission aufzeigen und die kulturellen Werte des Betriebs vorleben. Die Krise zeigt eben deutlich, das wichtigste Vermögen einer Firma sind nicht mehr die Maschinen und Fabriken, sondern das Humankapital. (Siehe dazu den Beitrag von Albert Steck, NZZ vom 13. Juni 2020 «Teamplayer verdrängen Egomanen in der Chefetage».) Mit ins Team gehören auch ältere Mitarbeitende. Umfragen zeigen, dass ältere Menschen sich weniger von Ängsten und Unsicherheiten leiten lassen. In Krisensituationen behalten viele von uns einen kühlen Kopf, dank Erfahrungen mit ähnlichen Situation in der Vergangenheit. Wir «Alten» fungieren dabei idealerweise als Sparringpartner im Team mit den Jungen, die das aktuelle Wissen und Know-how in den Mint-Fächern, also Naturwissenschaften und Informatik beisteuern.

War es das?
Eine Pandemie ist eine Krise, die der Menschheit erlaubt, ihre gegenseitige Abhängigkeit und ihre Zusammengehörigkeit zu erfahren schreibt der Politologe Ivan Krastev (Gastkommentar in der NZZ vom 15. Juni 2020). In der Akutphase der Krise haben wir gesehen, dass die Eigenständigkeit der Betriebe von grösster Wichtigkeit ist. Im Bezug auf die Globalisierung legt die Seuche offen, in welche Abhängigkeit wir uns in den letzten Jahrzehnten begeben hatten. Die von wirtschaftlichen Überlegungen getriebene «Auslagerung» von Produktionen beginnt sich spätestens dann zu rächen, wenn wir zu gewissen Gütern keinen Zugang mehr haben. Just-in-time-Lieferketten sind solange von Vorteil, als der freie Austausch mit den Partnern möglich bleibt. Noch etwas beginnt sich abzuzeichnen, nämlich wie die ursprüngliche Angst vor dem Virus mit fortschreitender Zeit politische, ökonomischen und gesellschaftliche Spaltungen verstärken, die schon zuvor in allen Gesellschaften manifest waren. Je mehr die Angst vor Covid-19 schwindet, desto weniger werden wir anerkennen, dass die Bedrohung je real war. Wir beginnen die Lockdown-Politik zu hinterfragen, speziell mit Blick auf das eigene Geschäft. Die Zukunft wird wohl zeigen, dass Firmen sich vermehrt auf die wirtschaftliche Unabhängigkeit gegenüber unkontrollierbaren Ereignissen und auf dezentrale Managementmodelle konzentrieren werden.

Leidenschaft und Erfahrung von «Alten» als Ressource
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte», Frauen und Männer, im Team auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

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#163 – Disruptive Entwicklungen?

Das Auftauchen des Corona-Virus
«Nein warten Sie hier, dies ist der Ausgang, nicht der Eingang. Ich sage Ihnen dies zu ihrem eigenen Schutz, Sie sind gefährdet, nicht ich», gestikulierte der Sicherheitsmitarbeiter beim Supermarkt, überfordert mit der Konsequenz seiner Behauptung. Er kam mir dabei so nahe, dass ich einzelne gelierte Haare unterscheiden konnte. Wir «Alten» werden dieser Tage oft recht rüpelhaft zurechtgewiesen. Dies ist auch Ausdruck einer allgemeinen Ohnmacht, der unsere Gesellschaft momentan ausgesetzt ist. Plötzlich sollen wir Senioren möglichst nicht mehr in der Öffentlichkeit sichtbar sein, wir stellen eine vermeintliche Gefahr für die Allgemeinheit dar. (Die Gefahren für das Gesundheitswesen mit überfüllten Intensivstationen sind reell, aber nicht Teil dieser Betrachtung). Auch in den sozialen Medien ärgert man sich darüber, dass «Alte» an der frischen Luft spazieren gehen und damit die Jungen beim Joggen stören. Dass wir «Boomer» genau diesen Jungen monatelang die Windeln wechseln und nebenbei auf vieles verzichten mussten, bleibt unerwähnt.

Die Folgen der Pest von 1348 in Venedig. (Gravur nach einem Gemälde von Luigi Sabatelli, 1772–1850). Bild: Prisma / Dukas, NZZ am Sonntag 20.03.2020

Disruptive Entwicklungen?
Eminenzen die selber einer «Risikogruppe» angehören, wie der 79-jährige Dr. Anthony Fauci, Immunologe und Amerikas Top-Experte für ansteckende Krankheiten bleiben sachlich, während einige selbsternannte, ebenfalls ältere, «Experten» hierzulande im Interview wiederholt von den rund 25% der schweizer Bevölkerung eine selbstauferlegte Isolation sugerrieren. Umso mehr müssen wir auch in dieser schwierigen Zeit dagegenhalten und das Image von Senioren positiv darstellen und dürfen sie allein wegen ihres Alters nicht abstrafen. Die gegenwärtige Lage mit ihrer zusätzlichen Komplexität führt unweigerlich in eine Phase der Verpolitisierung. Schon vor Ausbruch der Pandemie wurden wir nicht mehr zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, die aktuelle Situation leistet Vorschub für eine noch weiterreichende Stigmatisierung von uns «Alten» am Arbeitsmarkt. Das wird sich im Nachgang der Krise schon aus finanziellen Gründen nicht so schnell ändern. Man sollte deshalb nicht glauben, dass wir bezogen auf ältere Fachkräfte, eine Phase des Wandels durchleben. Vieles wird trotz vermeintlicher Disruption im Anschluss schnell und noch pronozierter wieder in die alten Bahnen zurückkehren. Als «Alte» sind wir deshalb in der Pflicht, die Vorteile von gemischten Teams hervorzuheben, indem wir auf die Jungen zugehen und unkompliziert unsere Hilfe anbieten.

Ältere reagieren gelassener
Oft wird angenommen, dass vor allem ältere Menschen mit ausserordentlichen Massnahmen Mühe haben, dabei reagieren wir einfach gelassener, im Sinne von: «Jetzt gilt es halt ein weiteres Regime auszuhalten». Mit dem Alter kommt auch eine gute Portion Weisheit, gesammeltes Wissen wird «Be-Greifbar». Ältere Menschen haben mehr Kraft, mit Druck umzugehen, und können ihn durch ihre Erfahrungen abfedern. Erfahrung beruht ja bekanntlich auf der Vergangenheit und im Alter verfügt man über einen grossen Rucksack davon. Gepaart mit Empathie, einer inneren Ruhe und Verantwortungsbewusstsein haben wir «Alten» definitiv die Nase vorn. Gerade in Zeiten von grosser Unsicherheit hilft unser Wissen um die Mechanismen der analogen Techniken auch bei der digitalen Umsetzung von Massnahmen. Wir «Alten» verfügen dank unserer Erfahrung auch oft über ein industrieübergreifendes Beziehungsnetz, Hilfsbereitschaft und ein Höchstmass an Begeisterungsfähigkeit.

Vorurteile gegenüber älteren Mitmenschen
Man kann als biologisch älterer Mensch bekanntlich geistig noch sehr jung sein. Im Gegensatz dazu gibt es Dreissigjährige, die bereits aufgehört haben, neugierig zu sein. Wir «Alten» wurden in den letzten 40 Jahren mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert. Als Gesprächspartner verfügen wir deshalb über die notwendige Empathie für die Ängste in Krisenzeiten. Unsere Karriere haben wir erfolgreich hinter uns und sind gerne bereit unsere Kompetenz, mit vollem Ehrgeiz, im Team zusammen mit jungen, wilden und allenfalls katastrophenunerfahrenen Personen, zugunsten innovativer Projekte erfolgreich umzusetzen. Gefragt sind vor allem hohe Selbstverantwortung und Flexibilität. Der «Altersbonus» erlaubt uns, ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten, auch weniger populäre Meinungen zu vertreten.

Wir «Alten»
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte» Frauen und Männer im Team, auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
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