Überalterte Gesellschaft: In eigener Sache
Der Fachkräftemangel ist ein drängendes Thema, das uns alle betrifft. In den kommenden Jahren wird dieser Mangel voraussichtlich weiter zunehmen. Ein Grund dafür ist der demografische Wandel: Mehr Personen werden pensioniert, als neue Arbeitskräfte in den Markt eintreten. Dieser schrumpfende Anteil der arbeitenden Bevölkerung stellt Unternehmen vor Herausforderungen und eröffnet gleichzeitig Chancen für uns neugierige und interessierte «Alte». Denn ältere Arbeitnehmende stellen aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung wertvolle Ressourcen für die Unternehmen dar. Kombiniert mit dem aktuellen Wissen der «Jungen» sind altersgemischte Teams für Arbeitgebende vorteilhaft. Die «Alten» bringen oft eine stabile Arbeitsethik, ausgeprägte Fähigkeiten und ein tiefes Verständnis für ihre Branche mit sich. Die «Jungen» andererseits, sozialisiert in einer digitalen Welt, erkennen in der exponentiellen Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz die Chancen für unsere Gesellschaft.
Künstliche Intelligenz als «Allzweckgerät»
«Alte» müssen beim Aufbau künstlicher «Intelligenz» KI ihre Erfahrung und Reife verantwortungsvoll und mit «gesundem Menschenverstand», selbstsicher und gelassen einbringen können. Die grosse Herausforderung heute ist, dass sich niemand darüber einigen kann, was intelligent sein eigentlich bedeutet. Eine seltsame Voraussetzung zur Entwicklung einer neue Technologie, sagt Helen Toner (32), Politikexpertin, im TED2024 Talk vom April 2024 (11:16). Verschiedene Experten haben völlig unterschiedliche Intuitionen darüber, was den Kern der Intelligenz ausmacht. Wir wissen nicht, ob es Problemlösungen sind, Lernen durch Anpassung, oder ist irgendwie ein physischer Körper mit Emotionen beteiligt? Unterschiedliche Antworten führen zu völlig verschiedenen Erwartungen darüber, wohin die Technologie geht und wie schnell sie dort ankommt. Als vor ein oder zwei Jahren ChatGPT auf den Markt kam, dachten wir, es handle sich entweder um eine eingeschränkte KI, die für eine bestimmte Aufgabe trainiert wurde, oder um eine AGI (artificial general intelligence), eine generelle künstliche Intelligenz die alles kann, was Menschen können? Die Antwort ist eindeutig weder das eine noch das andere. Als Allzweckgerät kann sie programmieren, Gedichte schreiben, geschäftliche Probleme analysieren und bei der Reparatur des Autos helfen, ist aber noch weit von menschlichen Fähigkeiten entfernt. Forscher beschreiben manchmal das ganze als Blackbox, darin finden wir Millionen, Milliarden oder sogar Billionen von Zahlen, die auf eine bestimmte Weise addiert und miteinander multipliziert werden. Im Grunde gibt es zu viele Zahlen und noch fehlen uns gute Möglichkeiten um herauszufinden, was diese alle tun.

Der Wert von Arbeit
Patrick «Karpi» Karpiczenko (38), Schweizer Satiriker, Autor, Regisseur, Filmproduzent und Dozent für generative künstliche Intelligenz, schrieb in seinem Gastkommentar im NZZ Feuilleton vom 27. April 2024, wie uns künstliche Intelligenz zwingt, unsere Werte grundsätzlich zu überdenken. Was ist Leistung? Was ist Kreativität? Ergibt es noch Sinn, Geld und Arbeit zu verbinden, wenn nur noch hochspezialisierte Arbeit von Menschen ausgeübt werden kann? Hat nur noch Wert, was nicht automatisiert werden kann? Werden Kinderbetreuung und Strassenbau plötzlich zu lukrativen Berufsfeldern? Künstliches Mittelmass wird bereits von der KI produziert, denn nicht alles muss genial sein und da liegt das Potenzial der Technologie. Für die meisten Aufgaben reicht «gut genug». Mittelmass lässt sich folglich automatisieren. Schlechte Nachrichten für Werbetexter:innen und KV-Lehrlende – aber auch für die Gesellschaft als Ganzes? Dazu auch der DOC-Film auf SRF vom 28. April 2024 (54 Min.) «Work, Work, Work – Über den Sinn und die Zukunft der Arbeit». Der Film lädt ein, über die Rolle nachzudenken, welche die Arbeit heute in unserem Leben spielt – und wie wir sie neu denken könnten.
KI-Modelle gegen Altersdiskriminierung
Die Geschwindigkeit, mit der KI-Modelle besser und nützlicher werden, übertrifft alles Bisherige schrieb Karpi. Maschinelles Lernen macht alles effizienter – im Guten wie im Schlechten. Doch wer die Transformation verschläft, kann sie nicht mitgestalten und wird am Schluss vor vollendete Tatsachen gestellt. Was bei Technologie grundsätzlich gilt, ist bei KI noch wahrer: Technologischer Wandel passiert nie im Vakuum, sondern immer in der Wechselwirkung mit der Gesellschaft. Philosophie und Ethik, beides Disziplinen, die bereits Staub angesetzt haben, werden plötzlich essenziell, wenn man Maschinen «Menschlichkeit» beibringen soll. Diese Arbeit ist wie gemacht für uns «Alte»: Wie gestalten wir Systeme, die den Dialog zwischen Mensch und Maschine transparent und gewissenhaft ermöglichen? Diese Gedankenarbeit trägt unseren körperlichen Einschränkungen Rechnung, ermöglicht individuelle Arbeitszeitmodelle und kann auch ortsunabhängig erledigt werden.

Erfahrung von «Alten» nutzen
«Wenn wir mit Kraft, Kreativität, Leidenschaft und Zielstrebigkeit altern, trotzen wir nicht dem Alter … wir definieren das Alter.» – Marc Middleton (73), Autor und Journalist.
Direkt vor unserer Nase vollzieht sich ein gewaltiger Wandel in der Art und Weise, wie wir leben und wie wir unser Leben angehen und manifestieren – egal wie alt wir sind. Insofern gäbe es genug Möglichkeiten für neugierige «Alte», den Stand der Digitalisierung weiter zu entwickeln. Fleissarbeiten, wie das Füttern von Daten, übernehmen ältere Branchenkenner, damit sich die jüngeren Fachkräfte auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Im Gesundheitswesen könnte man beispielsweise das Patientendossier statt als PDF-Friedhof, mit importierbaren Daten ausstatten, die eine dynamische Bearbeitung durch alle Partner erlauben würden. Solche Aspekte tragen dazu bei, die Produktivität und Effizienz am Arbeitsplatz zu steigern. In vielen Branchen werden neue Technologien und Arbeitsmethoden eingeführt, die eine gewisse Lernkurve erfordern. Engagierte «Alte» müssen möglicherweise zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um sich fortzubilden und neues Wissen akquirieren. Altersvielfalt am Arbeitsplatz soll auch zu einer positiven Unternehmenskultur beitragen, indem verschiedene Perspektiven und Erfahrungen zusammenkommen. Die Kombination aus der Energie und Innovationsfähigkeit der «jungen Wilden» und der Weisheit und Erfahrung der «Alten» kann zu einer dynamischen und erfolgreichen Arbeitsumgebung führen. Letztendlich sollten ältere Arbeitnehmer nicht aufgrund ihres Alters, sondern aufgrund ihrer Fähigkeiten, ihres Engagements und ihres Potenzials beurteilt werden, das zum langfristigen Erfolg eines Unternehmens beiträgt.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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