Blog, Industrie 4.0

#437 – Erfahrene «Alte» beim trainieren der KI

«Alte» im Team verfügen über breite Erfahrung
Wir «Alten» stehen oft vor besonderen Herausforderungen am Arbeitsmarkt, obwohl wir über enormes Wissen und wertvolle Erfahrungen verfügen. Wir fürchten uns vor einem Jobverlust durch den Einsatz von künstliche Intelligenz KI, auch wegen mangelnder Weiterbildung oder weil wir angeblich «zu teuer» sind. Im Austausch mit meiner Lieblings-KI CLAUDE von Anthropic suchten wir nach Möglichkeiten, wie man seine Lebenserfahrung erfolgreich vermarkten kann. CLAUDE ist der Meinung, statt das Alter zu verstecken, sollten wir unsere jahrzehntelange Expertise bewusst hervorheben. Als erfahrene Fachkräfte bringen wir Stabilität, ausgeprägte Problemlösungskompetenz und ein breites Netzwerk mit. Wir haben bereits verschiedene Herausforderungen durchlebt und können Situationen besser einschätzen. Als Mentor:innen, Coachs oder Berater:innen können wir jüngere Kolleg:innen anleiten und gleichzeitig neue Energie aus der Zusammenarbeit schöpfen.

KI als Verstärker für Erfahrungswissen
Durch den Einsatz von KI nutzen KMUs die Vorteile digitaler Transformation im Wettbewerb. Viele Unternehmen suchen nach Möglichkeiten, das Wissen erfahrener Mitarbeiter:innen, auch nach deren Weggang zu bewahren. Oft gibt es spezielle Bereiche, in denen Erfahrung besonders gefragt ist, wie beispielsweise in traditionellen Handwerkstechniken oder bei der Beratung zu bewährten Geschäftspraktiken. Anstatt zu versuchen, in allen Bereichen auf dem neuesten Stand zu bleiben, sollten wir «Alten» unsere persönlichen Interessen durch kontinuierliche Weiterbildung, gezielt auf neue Kompetenzen fokussieren. Dies erlaubt uns in Kombination mit bewährtem Wissen und neuen Erkenntnissen, Probleme strategisch anzugehen.

Bewahren und Weitergabe von traditionellen Werten
Mit «Alten» Mitarbeitenden im Betrieb stehen Kleinunternehmen oft vor dem Dilemma, Kosten senken zu müssen, ohne gleichzeitig deren wertvolles Erfahrungswissen zu verlieren. Wir «Alten» können dabei unser Fachwissen in KI-Tools einbringen und deren Outputs qualitätssichern. Ein routinierter Handwerker kann beispielsweise KI-generierte Kostenvoranschläge prüfen und um praktische Erfahrungswerte ergänzen – schneller als von Hand, aber präziser als reine KI. Eine weitere Möglichkeit die sich für uns «Alte» eröffnet ist die systematische Digitalisierung von unternehmens Know How. KI kann dabei helfen, das implizite Wissen erfahrener Mitarbeitenden zu strukturieren und zugänglich zu machen. Chatbots werden mit dem Erfahrungswissen «trainiert», das auch nach dem Ausscheiden einer Person verfügbar bleibt. «Alte» helfen dabei, Routine-Aufgaben zu automatisieren. Die KI übernimmt zeitaufwändige Standardtätigkeiten (Buchhaltung, Terminplanung, einfache Kundenanfragen), während sich erfahrene Mitarbeitende auf komplexe Beratung und strategische Aufgaben konzentrieren können.

Der Graubündner Künstler Not Vital (77) auf der Treppe seines Turms. Foto: Mayk Wendt 2018

Kompetenz-Matching optimieren
KI kann helfen zu identifizieren, welche spezifischen Fähigkeiten der erfahrenen Mitarbeitenden am wertvollsten sind und wo sie am effektivsten eingesetzt werden können. KI-Tools unterstützen hybride Arbeitsmodelle und ermöglichen auch uns «Alten» Mitarbeitenden, remote oder in flexiblen Arbeitszeiten produktiv zu bleiben – etwa durch automatisierte Berichterstattung oder KI-gestützte Kommunikation mit Kunden. KI kann personalisierte Lernpfade erstellen und dabei an das vorhandene Wissen von uns «Alten» anknüpfen, statt bei null zu beginnen.

«Alte» auf Augenhöhe im Team mit den Jungen
Viele Beteiligte – von Entscheidungsträgern bis zu den Teams vor Ort – zögern immer noch, digitale Werkzeuge konsequent einzusetzen, neue Prozesse zu adaptieren oder lang etablierte Geschäftsmodelle zu hinterfragen. Unternehmen müssen angesichts geopolitischer Komplexität, neuer Technologien und der Notwendigkeit operativer Geschwindigkeit auch den richtigen Ansatz für ihre Softwarelösungen wählen. Dies erfordert eine sorgfältige Bewertung anhand von strategischen Fragen. Andernfalls riskieren sie, eine Anwendungslandschaft zu schaffen, deren Wartung kostspielig ist und die Geschäftsanforderungen nicht erfüllt. Wir «Alten» müssen unsere jahrzehntelange Expertise bewusst als Mentor:innen für die Jungen und ihrem technischen Fachwissen in der Zusammenarbeit auf Augenhöhe einsetzen.

Welche Software-Strategie
Zwar beginnt echte Transformation nicht mit Software, sondern mit Visionen und dem Mut, das Mögliche neu zu denken. KI ermöglicht es Unternehmen, die Talententwicklung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und agile Innovation zu verbinden, um im nächsten Jahrzehnt die Nase vorn zu haben. Unter dem Titel: «Suite or Best of Breed: Seven Questions for a Smarter Applications Strategy» diskutieren Nipun Misra, Pierre Schatlowski, Daniel Schlecht, Florian Schmieg, Helena Touskova, und Miriam Walter im BCG Boston Consulting Group Newsletter vom 5. August 2025, sieben Fragen rund um eine intelligentere Anwendungsstrategie. Um wichtige Entscheide über zukünftige Applikationen zu treffen, müssen Unternehmen Cybersicherheit, regulatorische Berichtspflichten, schlecht integrierte Softwaresysteme und veraltete Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP) berücksichtigen. Grundsätzlich stehen zwei Ansätze oder Philosophien im Raum: Eine «Software-Suite» ist ein Bündel mehrerer Computerprogramme, die zusammen als ein einziges Produkt verkauft werden (Beispiel: Microsoft Office). Sie bietet eine umfassende Lösung für verschiedene Aufgaben, oft mit einer gemeinsamen Benutzeroberfläche und der Möglichkeit, Daten zwischen Anwendungen auszutauschen. Eine Komplettlösung mit integrierten Tools, erhöhter Sicherheit und einem gemeinsamen Datenmodell. Die Zusammenarbeit mit einem einzigen Anbieter kann zudem Komplexität und Risiken deutlich reduzieren.

Für optimale Flexibilität
Im Gegensatz dazu ist ein «Best-of-Breed-Softwareprogramm» die leistungsstärkste Anwendung in ihrer spezifischen, engen Nische oder Kategorie, die aufgrund ihrer speziellen Funktionen und ihrer überlegenen Leistung in einem bestimmten Geschäftsbereich ausgewählt wurde. Ein Unternehmen könnte eine spezialisierte Personalsoftware eines Anbieters, eine Customer-Relationship-Management-Plattform (CRM) eines anderen und ein separates Buchhaltungssystem verwenden, die alle integriert sind, um die beste Lösung für jede Funktion bereitzustellen. Best-of-Breed-Programme bieten mehr Flexibilität und strategische Möglichkeiten, da Unternehmen für jede Funktion die optimalen Anwendungen auswählen und so flexibel bleiben und schneller auf Branchen- und Unternehmensveränderungen reagieren können.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
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#435 – Einzigartige und kompetente «Alte»

Kompetente «Alte»: Tradition und Transformation gleichermassen verbinden
Die Aufregung um die hohen Zölle für schweizer Exportgüter, zeigt unter Anderem auch eine unserer Eigenheiten. Man wartet erst einmal ab und reagiert dann, meist zu spät, auf die Realität und ärgert sich umso mehr über das Resultat. Ähnliche Zurückhaltung stellt man beim Nutzen von künstlicher Intelligenz in der Digitalisierung fest. Diese wird in vielen Kleinbetrieben zu Unrecht vernachlässigt. In der sich rasant wandelnden Geschäftswelt sind Führungspersönlichkeiten, die Tradition und Transformation gleichermassen verbinden, selten. Kompetente «Alte» in gemischten Teams wären dank ihrem Netzwerk dazu prädestiniert, Lösungen zu Technologie, Nachhaltigkeit und interdisziplinäre Kooperation voranzubringen. Wir «Alten» sind krisenerprobt, haben persönliche Karriereziele meist schon erreicht und beobachten mit neutraler Aussensicht die Konkurrenz. Die Erfahrung hat uns gelehrt, wie KI, Robotik, ESG {das Rahmenwerk zur Bewertung der Nachhaltigkeit und ethischen Praktiken) und neue Geschäftsmodelle eine Branche verändern – und wie sich die Schweiz in dieser Transformation positionieren kann.

Ich bin nicht gegen künstliche Intelligenz, aber sie macht uns faul. Denken ist anstrengend, und man muss sich bewusst dafür entscheiden.
Petra Volpe (55), italienisch-schweizerische Drehbuchautorin und Regisseurin.

Kein Fortschritt ohne Mentalitätswandel
Alternde Infrastrukturen, immer strengere Regulierungen und ein Mangel an qualifizierten Fachkräften bleiben zentrale Hürden im Erneuerungsprozess. Doch die vielleicht entscheidendste Herausforderung ist der Mindset. Viele Beteiligte – von Entscheidungsträgern bis zu den Teams vor Ort – zögern immer noch, digitale Werkzeuge konsequent einzusetzen, neue Prozesse zu adaptieren oder lang etablierte Geschäftsmodelle zu hinterfragen. Diese kulturelle Trägheit bremst den Fortschritt und schmälert den Einfluss von Innovationen. Ohne einen grundlegenden Mentalitätswandel werden selbst modernste Technologien ihr Potenzial nicht voll ausschöpfen. Führungsstärke beweist sich durch Förderung von Offenheit für Veränderungen um alle Stakeholder auf eine gemeinsame Vision der Modernisierung einzuschwören.

Thomas Schütte (70), deutscher Bildhauer und Zeichner: Ich bin nicht allein | Casablanca Filmkunsttheater 2023

Einzigartigkeit als Vorteil
Künstliche Intelligenz wird grundlegend verändern, wie wir Projekte planen, konzipieren und steuern – von der Optimierung der Design-Workflows bis hin zur Vorhersage von möglichen Projektrisiken. In Kombination mit Robotik und Automatisierung kann KI helfen, den Fachkräftemangel zu überbrücken. Der Einsatz neuer Materialien, die aktiv zur Erreichung von Klimazielen beitragen, hilft Unternehmen, welche diese Innovationen strategisch integrieren und nicht nur regulatorische Anforderungen erfüllen, einen klaren Wettbewerbsvorteil zu sichern. Echte Transformation beginnt nicht mit Software, sondern mit Vision, Neugier und dem Mut, das Mögliche neu zu denken. Als kleines Land müssen wir die Einzigartigkeit unserer Erzeugnisse zum Vorteil weiter entwickeln. Wir «Alten» müssen bestrebt sein, die Brücke zwischen Technologie und Menschen zu schlagen und Innovation in greifbaren Mehrwert übersetzen. Um Innovationen zu fördern, müssen Organisationssilos aufgebrochen werden. Unternehmen, die Talententwicklung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und agile Innovation verbinden, werden im nächsten Jahrzehnt die Nase vorn haben. Entscheidend ist nicht das Alter der Mitglieder in gemischten Teams, sondern der Wille zum lebenslangen Lernen und eine unermüdliche Neugier. KI und Robotik werden menschliche Intelligenz oder Kreativität nicht ersetzen. Aber sie werden diejenigen stärken, die bereit sind, sich anzupassen, zu lernen und zu führen.
(Adaptiert aus dem Beitrag von Stefan Cadosch (61) unter dem Titel «Innovation an der Schnittstelle von Ingenieurwesen, Architektur und Technologie vorantreiben» auf Innoqube Insights vom August 2025.)

Aus der Praxis: Wer auffindbar ist, gewinnt
Der Beitrag von Jürg Zulliger, NZZ vom 4. August 2025, hat es in sich. Unter dem Titel: «Homegate, Immoscout24 und Co. unter Druck: Künstliche Intelligenz verändert die Wohnungssuche in der Schweiz» verweist er auf die schweizerische Eigenart: Abwarten und sehen was passiert. Die Immobilienportale wie Homegate und Immoscout24 verzeichnen gemäss dem Digitalisierungsexperten Heinz Schwyter und dem Analyse-Tool Similarweb rückläufige Besucherzahlen. Wie Zulliger weiss, beginnt für viele Menschen die Immobiliensuche heute nicht mehr auf Homegate oder Immoscout24 – sondern mit einem Chatbot. Wer sich von Systemen wie ChatGPT oder Perplexity unterstützen lässt, erhält nicht bloss eine Liste von Inseraten, sondern auch eine vorgefilterte Auswahl: eine 3-Zimmer-Wohnung in Zürich Nord, unter 2000 Franken Miete, mit Balkon? Der CEO Rainer Jöhl von Remax, mit 250 Maklern in der ganzen Schweiz, spricht von einer «fundamentalen Veränderung»: Junge Menschen suchten immer häufiger mit Sprachmodellen. Statt sich durch eine Vielzahl von Websites zu klicken, schauen sich viele Nutzer zuerst die von ChatGPT, Gemini oder Perplexity generierte KI-Übersicht an.

Abschottung zahlt sich nicht aus
«Wenn KI-Systeme künftig direkt auf die Websites von Maklern und Bewirtschaftern zugreifen, müssen diese ihre Angebote entsprechend gestalten und aktuell verfügbar halten», sagt Jan Eckert, CEO des Immobiliendienstleisters JLL Schweiz. Es sei gut möglich, dass ChatGPT oder andere KI-gestützte Systeme künftig die Rolle klassischer Immobilienplattformen übernähmen. Obwohl sich die Technologie rasant weiter entwickelt, halten viele Vermarkter an den bekannten Portalen fest. Man wartet ab und zweifelt, bis es dann doch zu spät ist. Obwohl Inhalte oft innerhalb weniger Stunden anderswo kostenlos erscheinen, versteckt sich auch die Online-Presse zunehmend hinter Log-ins und erhofft sich damit einen Schutz vor «unbezahlten» Zugriffen. Damit wird die KI vermehrt auf offene Quellen und Direktangebote von Maklern ausweichen, welche ihre gut strukturierten und für KI lesbare Darstellungen der Immobilienangebote auf der eigenen Website pflegen. «Die Nutzer lernen schnell», sagt Jan Eckert. «Wenn sich das Verhalten ändert, wird auch die Rolle der Plattformen neu definiert. Die Branche steht mitten in dieser Transformation.»

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#433 – Handwerk, Lehre, Bildung: Wir «Alten»

Ein Volk von Bürolisten
Unter dem Titel: «Die Schweiz braucht nicht nur Akademiker, sondern auch Handwerker und diese verdienen mehr Anerkennung» beleuchtet Dominik Feldges (54), in der NZZ vom 8. Juli 2025 einige Gründe für den Mangel an Handwerkern in der Schweiz. Zur Zeit der Hochkonjunktur Ende der 1960er Jahre, arbeitete noch rund ein Viertel der hiesigen Beschäftigten in einem Handwerksberuf. 2000 waren es knapp 15 Prozent. Mittlerweile ist der Anteil der Handwerker unter den Berufstätigen auf unter 10 Prozent gefallen. Ein grosser Teil des Rückgangs ist mit strukturellen Veränderungen der Wirtschaft zu erklären. Diese hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark in Richtung einer Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft gewandelt. Auch die starke Automatisierung in der Industrie ist mitverantwortlich dafür, dass heutige Fabriken weniger Logistiker oder Mechaniker beschäftigen.

«Handwerker» mit Hochschulabschluss
Wer heute noch in einer Fabrik arbeitet, hat sich nach der Berufslehre oft zum Techniker weiterbilden lassen oder besitzt gar einen Hochschulabschluss. Ohne solche zusätzlichen Qualifikationen wären Beschäftigte gar nicht in der Lage, die Roboter und anderen Anlagen in hochautomatisierten Schweizer Produktionsstätten zu beaufsichtigen, geschweige denn ihren Einsatz zu planen. Knapp die Hälfte der Erwerbsbevölkerung verfügt heute über einen tertiären Abschluss. Wenig überraschend bilden mit einem Anteil von fast 27 Prozent intellektuelle und wissenschaftliche Berufe mittlerweile die grösste Gruppe unter den Erwerbstätigen.

Aufwertung des Handwerks dank künstlicher Intelligenz KI
Wer als Lehrbetrieb schon Schüler:innen einhämmert, dass die Lehre nur ein Anfang ist, muss sich nicht wundern, wenn er seine besten Absolvent:innen rasch an weiterführende Schulen verliert. Dabei würden erfahrene Handwerker nicht nur die Qualität und die Innovationsfähigkeit eines Betriebs steigern helfen. Sie sind auch am besten geeignet, um junge Mitarbeitende anzuleiten und sie täglich für ihre Tätigkeit zu begeistern. Um Handwerker:innen länger in einem Betrieb zu halten, müssen Unternehmen aber für eine wertschätzende Kultur sorgen. In der zunehmend partizipativen Arbeitswelt kommt es schlecht an, wenn sich Chefs als allwissend aufspielen und Lernende oder Angestellte nicht mit dem nötigen Respekt behandeln. Vor allem in kleineren Handwerks- und Industriebetrieben kommt solches noch allzu häufig vor. Das Problem liegt meist daran, dass Kaderangestellte in Führungsfragen zu wenig geschult sind. Eine unerwartete Aufwertung könnten handwerkliche Berufe im Zuge des rasanten technologischen Wandels erfahren. Wer sich um sanitäre Anlagen kümmert, Böden verlegt oder in der Backstube steht, muss auf absehbare Zeit kaum damit rechnen, seinen Job wegen des zunehmenden Einsatzes künstlicher Intelligenz zu verlieren. Bei Büroangestellten, auch solchen mit akademischem Abschluss, sind die Unsicherheiten diesbezüglich viel grösser.

Leonardo da Vinci (1452-1519) und sein Verhälnis zu seinen Studenten und Lehrlingen

Der Anspruch auf eine sinnstiftende Arbeit
Unter dem Titel «Fitnessabo, bessere Löhne und mehr Ferien: So wollen Betriebe die Berufslehre retten» schreiben Jan Bolliger und Fabienne Riklin im Tagesanzeiger vom 22. Juni 2025 über das duale Bildungssystem als «Erfolgsmodell» in der Krise. Betriebe beklagen zunehmend Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Lehrstellen und Fachmittelschulen verzeichnen steigende Beliebtheit gegenüber der klassischen Berufslehre. Mehr als jede vierte Lehre wurde 2023 abgebrochen – ein neuer Rekord. Lehrmeister:innen klagen über verweichlichten Nachwuchs mit überrissenen Ansprüchen. Derweil geben 60 Prozent der Lernenden an, psychische Probleme zu haben, und die Gewerkschaften fordern in einem offenen Brief acht Wochen Ferien für alle Lehrlinge. Firmeninhaber:innen von KMUs haben Mühe, junge Leute für eine Lehrstelle zu begeistern. Doch wie schlecht steht es um die Generation Z? Ist sie tatsächlich so verweichlicht und hat keine Disziplin mehr? Dr. Thomas Bolli, Dozent an der ZHAW in Zürich, sagt: «Lernende schneiden beim Durchhaltewillen besser ab als Gymnasiasten.» Das zeige der nationale Bildungsbericht. Und dass Jugendliche eher eine Lehre abbrechen, als diese um jeden Preis zu Ende zu bringen, wertet der Bildungsforscher auch positiv. «Vor allem, wenn Jugendliche in einen Beruf oder eine Firma wechseln, die besser passen.»

Wir «Alten sind stehen in der Verantwortung
Zwar entscheiden sich noch immer 66 Prozent der Schulabgängerinnen nach der 9. Klasse für eine Lehre, doch der Anteil sinkt. Viele Lehren werden immer akademischer, verlangen zum Beispiel zunehmend Computerkenntnisse. Gerade für Jugendliche, die lieber mit den Händen arbeiten, würde die Lehre so einen Teil ihrer DNA und einen ihrer grössten Vorteile verlieren. Auch Branchen mit Abend- und Wochenendschichten und tiefen Löhnen kämpften jedes Jahr damit, alle Ausbildungsplätze zu besetzen. «Die Arbeitsbedingungen der Lernenden sind in manchen Unternehmen sehr hart. Wehren können sie sich oft nicht.» Die Jugendlichen beschäftige das stark, sagt Urban Hodel vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund. Besonders die vom Lehrlingsmangel betroffenen Branchen stehen unter Druck, etwas zu verändern. Anstelle von mehr Ferien oder gratis Fitnessabo um die Lehre wieder attraktiver zu machen, muss bessere Kommunikation im Fokus stehen. Wir «Alten» haben die Möglichkeit, unsere wertvolle Erfahrung an die nächste Generation weiter zu geben. Man muss sich Zeit nehmen für die Jungen und sie nicht einfach nur als billige Arbeitskraft behandeln. Gerade der Generation Z ist es wichtig, dass ihre Arbeit einen Sinn hat und sie diesen auch kennt. Und nicht zuletzt ist für die meisten 15-jährigen der Zeitpunkt für eine Berufsentscheidung noch viel zu früh, weshalb sich viele Junge für das Gymnasium entscheiden, um mehr Zeit zum Überlegen zu haben.

Leonardo da Vinci (1452-1519) als Lehrling, 14. Jahrhundert im Studio des Lehrmeisters Andrea del Verrocchio (Andrea di Michele di Francesco de‘ Cioni) in Florenz, Italien.

Viele Junge haben wenig Biss
«Heute erleben Kinder sehr viel Zuneigung, aber sie werden dauerkontrolliert», findet Margrit Stamm (75), Erziehungswissenschafterin, im Interview mit Samuel Tanner NZZ vom 12. August 2025, über die Lektionen ihres Lebens. In Studien zur Berufsbildung sehen wir, dass es nicht unbedingt die Gescheitesten an die Spitze schaffen, sondern jene, die sich durchbeissen können. Ihre Kritik am Bildungssystem ist: Wir betonen viel zu sehr Noten und Zertifikate – und zu wenig das, worauf es ankommt, überfachliche Kompetenzen. Am wichtigsten im Leben ist es, eine Leidenschaft zu finden und dieser nachzugehen. Margrit Stamm ist froh, eine Spätzünderin zu sein. So hatte sie länger Zeit, ihre Leidenschaft zu finden. Genauso wichtig ist das Scheitern. Sie ist vier Mal gescheitert in ihrem Leben und ist überzeugt, dass das Scheitern in der Schule zu wenig wertgeschätzt wird. Man darf nicht immer das Endziel anschauen, man muss einen Fuss nach dem nächsten setzen. Und plötzlich sieht man, dass Spuren hinter einem liegen. Alles andere ist eine Überforderung. Mit 75 arbeitet sie weiter, weil es sie glücklich macht und es ihr dabei nicht langweilig wird.

Gestalten wir die Zukunft mit KI
Aus dem BCG Boston Consulting Group Newsletter vom 12. August 2025: Die Möglichkeiten für den Einsatz von KI scheinen bereits heute grenzenlos. Stellen wir uns vor, wie der Einsatz von KI zur Gestaltung von morgen aussehen wird. Deshalb müssen Unternehmensleiter zu «Vordenkern» werden, welche die Breite und Tiefe des transformativen Potenzials von KI begreifen. Sie müssen bereit und in der Lage sein, ein Unternehmen der Zukunft zu erschaffen, das es heute noch gar nicht gibt. Kompetente «Alte» mit ihrem grossen Erfahrungsschatz dienen dabei als Sparringspartner. Ein Weg in eine KI-gesteuerte Zukunft besteht darin, bestehende Strukturen wie Arbeitsabläufe neu zu gestalten. Dabei sollten Teammitglieder grösser Denken, über inkrementelle Verbesserungen hinausdenken und ganze Prozesse neu konzipieren, disruptives Denken einführen und neue Modelle erforschen. Die Auseinandersetzung mit der Frage, was geschieht wenn wir alle traditionellen Engpässe beseitigen, eröffnet einen zweiten Ansatz, bei dem Teams den neuen Mehrwert erkunden, den ein Unternehmen auf den Markt bringen könnte.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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