Blog, Industrie 4.0

#443 – KI, «Alte» definieren Unsinn

Digitalisierung der Vergangenheit
Wenn wir an das Prinzip der kreativen Zerstörung des tschechisch-amerikanischen Ökonomen Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) denken (Siehe dazu auch Blog #418), liegt unser Problem weniger im Mangel an Kreativität, sondern am fehlenden Mut zur «Zerstörung» dessen, was aktuell noch mehr oder weniger funktioniert. Wir halten zu lange an Arbeits-, Denk- und Organisationsformen fest, die bequem, aber nicht mehr zukunftsfähig sind. Wir digitalisieren Prozesse, aber transformieren keine Systeme. Wir führen KI ein, aber verharren in alten Denkschemata – als wäre KI nur ein Werkzeug statt ein Weckruf, schreibt Hanspeter Beerli, Zukunfts-Coach und Talentarchitekt im Kommentar auf LinkedIn. Kurzum: Wir digitalisieren die Vergangenheit, statt unsere Zukunft zu gestalten.

Wie wir unsere Systeme zum Lernen bringen
Im dritten Teil der Serie zu den grössten Erkenntnissen der Wissenschaft, schreibt Martin Amrein, in der NZZ vom 30.September 2025, wie Forschende ihre Systeme zum Lernen bringen und immer wieder scheiterten. Lange programmierten sie Befehl um Befehl, Zeile um Zeile, damit Computer Dinge taten, die von einem Menschen Intelligenz verlangen. Eine Entdeckung in der Hirnforschung war Ausgangspunkt für ein neues Prinzip. Die synaptische Plastizität: Beim Lernen verändern sich die Synapsen. Das sind die Kontaktstellen zwischen den Neuronen, den Ner­ven­zellen im Gehirn. Wird eine Synapse wiederholt aktiviert, wird sie effizienter und die Signalübertragung stärker. Das macht Lernen aus, und diese Lernfähigkeit wollten die Forschenden durch Nutztung von Algorithmen – für Computer lesbare Anleitungen – imitieren. Sie bauten diese Netzwerke rein digital nach. Diese künstlichen Neuronen übertrugen einander Signale.

«Camouflage» von Ai Weiwei (68), chinesischer Künstler und Aktivist. Installation 2025 im «FDR Four Freedoms Park» auf New York’s Roosevelt Insel. Das Monument wurde in Erinnerung an Franklin D. Roosevelt’s 1941 «Friedensrede» vom amerikanischen Architekten Louis I. Kahn (1901-1974) entworfen und 2012 eingeweiht. Foto: John Hill/World-Architects

Menschliche und künstliche Neuronen
Das erste künstliche neuronale Netz mit mathematischen Werten, sogenannten Ge­wich­ten, schuf der amerikanische Psychologe und Informatiker Frank Rosenblatt (1928-1971) in 1957. Es handelte sich um eine grosse Maschine. Rosenblatt nannte sie Perzeptron. Damit simulierte er das Auge und das Gehirn des Menschen mit wenigen Neuronen. Durch Trainingsdaten konnte das System die gewichteten Verbindungen zwischen den künstlichen Neuronen justieren, was ihm das Lernen ermöglichte. Dieses Konzept ist bis heute die Grundlage für neuronale Netze.

Von KI-Winter bis Videospiele
Auf diese Anfangszeit bis in die 1960er Jahre folgte eine Zeit, die als KI-Winter bekannt wurde. Erst in den 1980er Jahren entwickelten Forscher komplexere neuronale Netze. Algorithmen unterstützten sie beim Training – dem Lernen – um die Neuronenverbindungen richtig zu gewichten. Ihr Wissen war weiterhin in den Gewichten gespeichert, nicht in programmierten Regeln. Einer der bedeutendsten KI-Forscher der 1980er Jahre war der aus England stammende Psychologe Geoffrey Hinton (78). Er entwickelte Lernalgorithmen für grosse neuronale Netze, die bis heute im Einsatz sind. Mit dem Boom der Videospiele in den 1990er Jahren und ihren dreidimensionalen Welten, stieg die Nachfrage nach immer besseren Visualisierungen und trieb die Entwicklung ultraschneller Grafikprozessoren an. Diese eigneten sich perfekt auch für die Re­chen­opera­tio­nen neuronaler Netze und plötzlich waren diese höchst effizient. Durch Verbinden von unzähligen Neuronen entstanden tiefe Netze. Von Deep Learning war deshalb die Rede. Selbstlernende Systeme wurden damit realisierbar.

Wie ein Taxiunternehmen Daten sammelt
Ursprünglich hatten KI-Firmen Daten zum Training ihrer KI-Modelle aus dem World Wide Web abgegriffen. Rechtlich ist dies jedoch enorm umstritten. Deshalb suchen KI-Firmen nun immer öfter nach legalen Quellen. Wie Marie-Astrid Langer, San Francisco, in der NZZ vom 21.Oktober 2025 unter dem Titel «Neues Angebot: Uber-Fahrer trainieren nun KI-Modelle» beschreibt, sollen künftig Uber-Fahrer ins Geschäftsmodell der Tochterfirma «Uber AI Solutions» eingebunden werden. Das neue Programm bezahlt die Fahrer in den USA dafür, dass sie während Pausen Daten generieren, um KI-Modelle zu trainieren. Die Fahrer laden Fotos von Gegenständen hoch, erstellen Kurzvideos in ihrer Muttersprache oder nehmen «data labeling» vor – also Rohdaten so zu beschreiben, dass ein KI-Modell den Inhalt eines Bildes erkennt. Das alles geschieht in der Uber-App, welche die Fahrer für die Suche nach ihrem nächsten Gast nutzen. Weltweit arbeiten mehr als 8,8 Millionen Personen für Uber als Fahrer oder Lieferanten. Viele von ihnen sprechen neben Englisch andere Sprachen fliessend – das sind ideale Voraussetzungen, damit KI-Modelle Sprachen lernen. Manche KI-Modelle können sich inzwischen auch selbständig verbessern und sich selbst, basierend auf KI-generierten Daten («synthetischen Daten»), trainieren, aber bei weitem nicht alle.

KI hat ein Inzestproblem
Unter dem Titel «KI hat ein Inzestproblem: Warum unsere Zukunft in der Vergangenheit hängenbleiben wird» beleuchtet der Kultur- und Medienwissenschafter Roberto Simanowski (62) im Feuilleton der NZZ vom 21.Oktober 2025 eine weitere Herausforderung selbstlernender Systeme. KI lernt, je mehr sie benutzt wird, auch aus Daten die sie selbst erzeugt hat. Das verändert unser Bild der Welt. Grosse Sprachmodelle lernen an Daten aus der Vergangenheit das «Denken». Gemäss Simanowski wird dabei der soziale Fortschritt behindert, wenn Sprachmodelle sich an Daten von gestern ausrichten. Politisch korrektere Perspektiven bestimmen auch das Denken ihrer Nutzer. So verstärkt sich die gestrige Perspektive auf die Welt exponentiell im Datensatz der KI und immunisiert sich gegen jede Neubewertung. Damit bestimmt nun die Vergangenheit, was die Gegenwart über sie und sich selber denkt. Und insofern der Mensch kaum noch ohne KI auf die Welt schaut, bleibt auch er schliesslich im Gestern stecken. Ende der Innovation, Ende der Geschichte, ewige Wiederkehr des Gleichen.

«Alte» definieren Unsinn
Ein Vorschlag zur Modellkollapsvermeidung solcher Systeme läge darin, die von der KI generierten Texte einer menschlichen Bewertung zu unterziehen, um unsinnige Texte aus dem Datenpool der nächsten KI-Generation auszuschliessen. Das ist eine neue Aufgabe für uns kompetente und aufgeschlossene «Alte». Aber wie definiert man Unsinn? Nach den Kriterien von gestern? Die Identifizierung synthetischer Texte verlangt eine lückenlose Aufdeckung der eingesetzten Hilfsmittel: Half die KI schon bei der Strukturierung des Textes oder nur beim Feinschliff? Oder half sie gar schon beim Lesen jener Texte, auf die sich der geschriebene Text bezieht? Zu wissen, wann und wie man KI-Systemen vertrauen kann ist eine Fähigkeit die sich nicht aus Büchern lernen lässt. Dazu braucht es mehr als Programmier-Kompetenzen: Wir «Alten» bringen Erfahrung, Business-Verständnis und die Fähigkeit, KI-Systeme kritisch zu hinterfragen ins Team. KI-Tools übernehmen Routineaufgaben, erhöhen aber gleichzeitig die Anforderungen an Architektur, Code-Qualität und Wartbarkeit. Das sind Kompetenzen, die man nur durch Erfahrung erwerben kann.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#442 – Digitale Bildung auch für uns «Alte»

Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten für die Bildung
Die gegenwärtige Diskussion über Vor- und Nachteile künstlicher Intelligenz KI lässt auch die aktuellen Zugriffe auf die Blogbeiträge «kompetenz60plus» in die Höhe schnellen. Vor allem auf dem Gebiet der Bildung herrschen geteilte Meinungen. Während das eine Lager die Technologie verteufelt und nach Verboten schreit, finden sich ebensoviele Verfechter von KI zur Inspiration im «Klassenzimmer». Einer davon ist der Deutsche Christian Pohl (50+), Lehrer bei Freistaat Bayern in seinem Blog «Serie: Wie künstliche Intelligenz Schule und Lernen neu erfindet». Mit umfangreicher Erfahrung von drei Jahrzehnten in der pädagogischen Arbeit, verfügt Pohl über ein breites Spektrum an Wissen und Fähigkeiten. Sein Schwerpunkt liegt auf digitaler Bildung, ein Bereich, in dem er sich besonders leidenschaftlich engagiert. Sein Ziel ist es, Pädagogen zu befähigen das Potenzial jedes Lernenden, egal welchen Alters, zu maximieren. Er ist fest davon überzeugt, dass das Zeitalter der Digitalisierung enorme Möglichkeiten für die Bildung eröffnet. Lebenslange Weiterbildung in der Ära von KI hat ihre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, unsere Arbeit und deren Sinnhaftigkeit. Künstliche Intelligenz wird unser Leben nicht einfach ein bisschen verändern – sie wird unsere Erfahrung von Grund auf transformieren. In den kommenden Jahren wird sich alles wandeln: wie wir arbeiten, wie wir lernen, wie wir Wissen prüfen, Feedback geben und Bildung überhaupt verstehen. Gemäss Pohl verbinden sich die Themen in seiner Blogreihe zu einer gemeinsamen Frage: Wie bleibt Bildung menschlich, wenn Intelligenz allgegenwärtig wird?

Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, Deutschland, 2025: Die automatisierte Bandbibliothek zur Langzeitarchivierung von Daten, verwaltet tausende magnetische Speicherbänder mittels Robotersystemen, um eine zuverlässige und energieeffiziente Sicherung wissenschaftlicher Daten über Jahrzehnte hinweg zu gewährleisten. Foto: Giulia Bruno / Architekturmuseum der TUM, 2025

Der Weiterbildungsbedarf für die Kompetenzen der Zukunft
Zusammen mit der KI ChatGPT von OpenAI, geht Pohl in der Folge verschiedenen Fragen zur Zukunft dieses Transformationsprozesses nach, so auch, wie die fortschreitende Digitalisierung und künstliche Intelligenz die Arbeitswelt tiefgreifend verändern wird. Studien zeigen, dass in den kommenden Jahren viele Arbeitsplätze einem Wandel unterliegen werden, während zugleich neue Berufsfelder entstehen. Ebenso gewinnen flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice an Bedeutung, was Produktivitätsaspekte und die Mitarbeitendenzufriedenheit beeinflusst. Gleichzeitig entsteht ein steigender Weiterbildungsbedarf, da Arbeitskräfte neue Kompetenzen für die Jobs der Zukunft benötigen: Laut dem Future of Jobs Report 2023 des Weltwirtschaftsforums werden bis 2027 voraussichtlich 23% aller Jobs Veränderungen erfahren, wobei rund 69 Millionen neue Stellen entstehen und 83 Millionen wegfallen könnten (Nettoverlust ca. 14 Millionen Jobs). Technologische Makrotrends (wie beispielsweise KI, respektive Automatisierung) treiben dabei den Wandel an und verursachen eine erhebliche Arbeitsmarkt-Dynamik, mit insgesamt dennoch leicht positivem Ausblick für neue Stellenprofile.

Auch «Alte» erhalten eine Rolle
Selbst wenn die Automatisierung mit ~34% der Aufgaben etwas langsamer verläuft als ursprünglich prognostiziert, rechnen Unternehmen mit einem 25% Arbeitsplatzabbau bis 2027. Viele Tätigkeiten werden jedoch auch weiterhin menschlich dominiert, besonders solche, die kognitive Fähigkeiten wie Kommunikation und Koordination erfordern. Vorteile wie Büroflächeneinsparung oder globales Recruiting, sowie die Verbesserung bei Remote-Technologien, welche flexible Arbeitsmodelle ermöglichen, werden die Zahl der Homeoffice-Tage in Firmen fördern. Durch den strukturellen Wandel am Arbeitsmarkt entsteht gleichzeitig ein erheblicher Weiterbildungs- und Umschulungsbedarf. Bis 2027 werden gemäss Weltwirtschaftsforum 6 von 10 Beschäftigten Weiterbildungen benötigen. Als kompetente und neugierige «Alte» begleiten wir diese «Reskilling-Revolution» zur Aktualisierung künftiger Anforderungen, als Mentoren und Sparringspartner in gemischten Teams mit den «Jungen Wilden».

Vielfalt und Inklusion am Arbeitsplatz
Verschiedene Studien stützen die These, dass Diversität, etwa hinsichtlich Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft oder Denkstile Innovationen fördert, Entscheidungen verbessert und die finanzielle Performance steigert. Gemäss dem Global Diversity & Inclusion Index gibt es einen kausalen Effekt: Unternehmen mit überdurchschnittlich diversen und inklusiven Teams sind tendenziell erfolgreicher in der Marktperformance. Vielfalt in Belegschaften bedeutet eine grössere Bandbreite an Perspektiven, Erfahrungen und Fähigkeiten. Dies kann die Kreativität und Problemlösungsfähigkeit deutlich erhöhen. So werden in heterogenen Teams Herausforderungen oft aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, was zu innovativeren Lösungsansätzen führt. Zudem korreliert Vielfalt mit höherer Mitarbeiterzufriedenheit und geringerer Fluktuation, was insgesamt zur Leistungssteigerung beiträgt. Vielfalt wird daher als wichtige Ressource und Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens angesehen. Dies wiederum hilft, die besten Talente anzuziehen und zu halten. Entsprechend bezeichnen Management-Studien eine ausgeprägte Diversitätskultur als unimitierbaren Erfolgsfaktor – Konkurrenten können ein eingespieltes diverses Team nur schwer kopieren.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#441 – «Alte»: Fehlender Unternehmergeist

Neue Fähigkeiten entstehen
Im Anschluss an den letzten Blogbeitrag #440 – Verunsicherte Junge, erfahrene «Alte» lässt uns das Thema künstliche Intelligenz KI keine Ruhe. Eine rekordverdächtige Anzahl von Aufrufen im Internet befeuert die Diskussion.

«Ein starker Text, der zeigt, worum’s wirklich geht: Nicht Jung gegen Alt – sondern gemeinsam klüger werden. Die Jungen bringen Schwung, die Alten Erfahrung. KI verändert die Regeln – aber Menschen, die sich gegenseitig stärken, schreiben die Zukunft.» Hanspeter Beerli, Zukunfts-Coach und Talentarchitekt

Es handelt sich nicht um eine Versklavung durch KI. Um die Nase vorn zu behalten, müssen Unternehmen wissen, wo sie stehen, und entsprechend handeln. Arbeit wird neu definiert. KI übernimmt die Ausführung und gibt menschlichen Teams den Freiraum, sich auf Strategie, Design und Kontrolle zu konzentrieren. Teams und Organisationen werden umstrukturiert. Traditionelle Pyramiden weichen flacheren, KI-gestützten Pods, wodurch der Bedarf an Junior-, Koordinator- und Managerrollen neu definiert wird. Die Fähigkeiten verändern sich. KI-Kompetenz wird in allen Rollen unverzichtbar, ebenso wie Systemdenken, Problemdefinition und ein gutes Urteilsvermögen.

Wenn sich Regeln verändern
In Gesprächen über Nachfolgeregelungen oder während der Suche nach (Junior-) Partnern in KMUs steht immer noch die klassische Stabsübergabe im Zentrum. (Auch «Alte») Berater mit ihren aus der Zeit gefallenen Checklisten und Exceltabellen versuchen diesen Prozess aufrecht zu erhalten. Ihnen fehlt es an Ideen, Abläufe sollen wie gehabt weiterbestehen, mit der Arbeitsteilung an die man sich gewöhnt hat. Gleiches Format mit neuen Leuten am alten Ort. Chancen für Veränderungen bleiben ungenutzt und Diskussionen über Sinnhaftigkeit sind selten.

Die Jungen suchen Sinn, die Alten haben Erfahrung – höchste Zeit, dass beide zusammen lernen. Denn KI ist kein Gegner, sondern ein Weckruf: Haltung, Erfahrung und Neugier gehören jetzt an denselben Tisch. Hanspeter Beerli, Zukunfts-Coach und Talentarchitekt

Es fehlt an Unternehmergeist
Unternehmen verlassen selten ihre gewohnten Pfade und folgen aus Angst vor dem Scheitern den gewohnten Mustern. Warum Europa kaum eigene Tech-Grössen hervorbringt, fragt Lorenz Honegger in der NZZ vom 6. Oktober 2025 im Interview die Tech-Investorin Cathie Wood (70). Ihre Antwort lautet: die Regulierung und die Kapitalmärkte, die nicht so ausgereift sind wie in den Vereinigten Staaten. Wood, Gründerin des Flaggschiff-Fond ARK Innovation ETF, mit Schwerpunkten in KI, Robotik, E-Commerce, Genomik und Fintech, ist eine der bekanntesten und umstrittensten Figuren der amerikanischen Finanzbranche. Sie bewundert Elon Musk, als einen der produktivsten Menschen der Welt. Er mische sich nie in Projekte seiner Firmen ein, solange diese ihre Meilensteine erreichten. «Wenn die Mitarbeitenden aber ihre Ziele verfehlen, dann schläft er unter dem Schreibtisch. Sie kenne keinen anderen Menschen, der leisten könnte, was er geleistet hat» findet Wood. Anstatt exorbitante Antrittsboni für Entwickler zu bezahlen bevorzugt sie selbst den Ansatz von Elon Musk, der lieber IT-Experten einstelle, die bereit seien, eine tiefere Entlöhnung zu akzeptieren, und dafür intrinsisch motiviert seien, «an den schwierigsten Projekten der Welt» mitzuarbeiten.

Keith Haring (1958-1990), Untitled. 1982 | MoMA

Digitaler Winter
In ihrem Beitrag zur Digitalisierung in Europa schreiben Tom Fairless und David Luhnow in der NZZ vom 5. September 2025, wie die risikoaverse Geschäftskultur und komplexe Regulierungen die Innovation auf dem Kontinent erstickt und seine Zukunft belasten. Nur vier der fünfzig weltweit führenden Technologieunternehmen sind europäisch, obwohl Europa eine grössere Bevölkerung und ein ähnliches Bildungsniveau wie die USA hat und 21 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung erbringt. Keines der zehn führenden Unternehmen, die in Quantencomputer investieren, hat seinen Sitz in Europa. Der Kontinent schafft es nicht, sich seinen Anteil an neuen, disruptiven Unternehmen zu sichern, die Märkte aufzumischen und Innovationen zu fördern. Ein wichtiger Grund, warum Europa nun im Rückstand ist, lässt sich mit mangelnder Geschwindigkeit zusammenfassen. Unternehmer klagen, dass in Europa alles länger dauere: Geld beschaffen, lokale Vorschriften einhalten, Mitarbeitende einstellen und entlassen. «Amerikaner treffen Entscheidungen sehr schnell. Europäer müssen mit allen reden – es dauert Monate.» sagt der italienische Technologieunternehmer Fabrizio Capobianco, der jahrzehntelang im Silicon Valley lebte. «Wenn Schweizer oder Deutsche über KI sprechen, ist das erste Thema Ethik und Regulierung». Gemäss einer Umfrage von Amazon geben Europäische Unternehmen 40 Prozent ihres IT-Budgets für die Einhaltung von Vorschriften aus.

Einsatz von künstlicher Intelligenz KI
Die Studie «Build for the Future 2025» von Jessica Apotheker, Vinciane Beauchene, Nicolas de Bellefonds, Patrick Forth, Marc Roman Franke, Michael Grebe, Nina Kataeva, Santeri Kirvelä, Djon Kleine, Romain de Laubier, Vladimir Lukic, Amanda Luther, Mary Martin, Jeff Walters, und Christoph Schweizer im BCG Boston Consulting Group Beitrag vom September 30, 2025 befasst sich mit der Kapitalrendite beim Einsatz von künstlicher Intelligenz KI. Die meisten Unternehmen setzen stark auf KI, doch nur wenige erzielen Renditen. Ihre Studie mit mehr als 1’250 Unternehmen zeigt, dass 60% trotz hoher Investitionen wenig bis gar keinen Mehrwert erzielen. Nur 5% sind «KI-zukunftsorientiert» – das heisst: Unternehmen, die frühzeitig reagierten, die richtigen Fähigkeiten entwickelten und nun in grossem Massstab Mehrwert erzielen. Die KI-Wertlücke vergrössert sich rasant. KI-Agenten verschärfen diese Kluft und machen im Jahr 2025 etwa 17% des gesamten KI-Werts aus. Zukunftsorientierte Unternehmen investieren 15% ihres KI-Budgets in diese Technologie. Um diese Lücke zu schliessen, bedarf es mutiger Führung, der Einführung von KI-Agenten und einer Neugestaltung von Arbeitsabläufen und Geschäftsmodellen.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger