Altersbeschränkung macht wenig Sinn
Zwei Themen beschäftigen aktuell Politik und Wirtschaft: Die Altersbeschränkung und der Fachkräftemangel. Dass wir «Alten» (ab 50!) Mühe haben, nach einem Stellenverlust wieder in den Arbeitsmarkt zurückzufinden hat viele Ursachen. Oft wird die Altersbeschränkung als Vorwand für die wirklichen Sorgen vorgeschoben: Mangelndes Interesse an Weiterbildung oder wenig Verständnis für Veränderungen im Stellenprofil. Alter wird tendenziell auch mit Innovationsfeindlichkeit assoziiert. Aus Erfahrung wissen wir jedoch, dass das biologische Alter eines Menschen dafür nicht wirklich ausschlaggebend ist, auch weil es sich individuell höchst verschieden manifestiert. Ich kenne 40-Jährige, die weniger vital sind als 70-Jährige und in Sitzungen regelmässig einnicken. Regelungen wie eine Altersgrenze von beispielsweise 65 Jahren, halte ich deshalb für wenig sinnvoll. Die Praxis zeigt, wie es genügend Junge gibt, welche in antiquierten Denkmustern verharren und bereits aufgehört haben, neugierig zu sein. Das ist tragischer, als alt zu sein. Bei solch willkürlichen Entscheiden müssen wir «Alten» dagegenhalten, indem wir uns über Trends informieren. Erfahrung darf nicht zur Gewohnheit werden, während sich rund um uns die Welt verändert. Die Digitalisierung und damit die Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz braucht kompetente, weise und gefestigte «Alte», zusammen im Team mit den jungen Wilden.

Weniger Fachkräftemangel im IT Sektor
Im Interview mit Nelly Keusch, NZZ vom 11. Februar 2025, spricht Dr. Pascal Scheiwiller, CEO von Von Rundstedt & Partner Schweiz AG, dem schweizer Marktführer für Outplacement und Karriereberatung, über den Einfluss künstlicher Intelligenz KI auf den Arbeitsmarkt. «Der KI-Hype hat viel Dynamik in die Branche gebracht, viele Betriebe verändern sich, gerade für ältere Mitarbeitende kann das eine Herausforderung sein.» Die Auswertung aus Gesprächen mit 2700 Menschen, die von einer Kündigung betroffen waren zeigt, dass die Zeiten, in denen Arbeitnehmende entspannt die Füsse hochlegen und Forderungen stellen konnten, erst einmal vorbei sein dürften. «Wir sehen eine Normalisierung im Arbeitsmarkt, der grosse Fachkräftemangel hat sich beruhigt.» Man müsse unterscheiden zwischen einem konjunkturellen, einem strukturellen und einem demografisch bedingten Fachkräftemangel, so Scheiwiller. Gerade in der IT-Branche, die am lautesten über das Fehlen von Fachkräften klagt, haben die Kündigungen, aber gleichzeitig auch die Neueinstellungen zugenommen. Hier sehe ich das Bedürfnis für erfahrene «Alte», die sich mit Konzepten zur Umsetzung von Digitalisierungslösungen auskennen. Der Umgang mit künstlicher Intelligenz ist ein kreatives und kein reines IT-Problem.
Mitarbeitende umschulen – oder doch lieber ersetzen
Zwar gebe es (bislang) nur wenige Tätigkeiten, die vollständig von einer KI gemacht werden könnten, glaubt Denis Machuel (58), der neue CEO vom Personaldienstleister Adecco. «Aber viele fragen sich: Wenn die Hälfte meiner Aufgaben wegfällt, weil sie automatisiert werden können, was passiert dann mit meiner Stelle?» In Wirklichkeit weiss es niemand genau, welche Auswirkungen die KI auf die Arbeitswelt haben wird, zu dynamisch verändert sich die Technologie. Deshalb ist die Unsicherheit auch unter den Führungskräften gross, die oft nicht in der Lage sind mit den Herausforderungen durch KI umzugehen. Nur wenn die Verantwortlichen gut Bescheid wissen, können sie auch dafür sorgen, dass ihre Mitarbeitenden im Umgang mit der Technologie weitergebildet würden und neue Aufgaben wahrnehmen könnten, um weiterhin relevant zu bleiben, egal was kommt, meint Machuel. Pascal Scheiwiller gibt zu bedenken, dass die Umschulung von Mitarbeitenden zeitintensiv, teuer und auch riskant sei. «Der Anreiz oder auch Druck, interne Mobilität zu fördern und in Umschulungen zu investieren, ist häufig nur vorhanden, wenn es nicht genügend Fachkräfte gibt.» Das sei derzeit aber nicht der Fall: «Gegenwärtig sind genug Leute verfügbar, daher ist es oft einfacher, Mitarbeitende zu ersetzen.» Wir «Alten» haben dabei oft das Nachsehen. KI bringt vielleicht nicht den befürchteten Stellenabbau – aber sie öffnet die Schere zwischen Jung und Alt weiter.
kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!
Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger
