Blog, Industrie 4.0

#447 – Die Hypothek «Alter» Schule

Sinnhaftigkeit von Schule
Im Jahr 1946 wurde der Electronical Numerical Integrator and Computer (ENIAC) unter der Leitung von John Eckert und John Mauchly entwickelt und an der Moore School of Electrical Engineering der Universität von Pennsylvania USA gebaut. In den 1950er Jahren setzte die Produktion kommerzieller (Serien-)Computer ein. Beim Eintritt in die Primarschule in den 1950er Jahren, stand unser Lehrer kurz vor der Pensionierung. Wir waren seine letzte Schulklasse. Sein vermitteltes Wissen stammte aus der Zeit analoger Prozesse. Mein Sekundarlehrer war im Rahmen der schweizerischen militärischen Friedensförderung Hauptmann im Korea-Konflikt. Seine Wissensvermittlung in diesen Nachkriegsjahren war geprägt vom Übergang der Industrialisierung in eine Dienstleistungsgesellschaft. Entwicklungen in Computertechnologie waren höchstens am Rand ein Thema. Micha Pallesche (50), Rektor bei Ernst-Reuter-Gemeinschaftsschule im Deutschen Karlsruhe, publizierte am 18. November 2025 einen Beitrag zum Thema «Warum unser Schulsystem nicht mehr in die Welt von heute passt – und wie wir es neu denken müssen» auf LinkedIn. Die technologischen Fortschritte seit der Jahrtausendwende, akzentuiert während der Coronapandemie (2020-23) und der Veröffentlichung der künstlichen Intelligenz KI von ChatGPT durch OpenAI Ende 2022, veränderten unsere Diskussion über die Sinnhaftigkeit unseres Tuns nachhaltig.

Primarschule 1957: Stadt Basel

Von Wissensvermittlern zu Gestaltern von Lernprozessen
Wenn wir über Schule sprechen, sprechen wir oft über etwas, das sich erstaunlich wenig verändert hat. Die Struktur, die Begriffe, die Abläufe – vieles davon stammt aus einer Zeit, die mit unserer Wirklichkeit kaum noch etwas zu tun hat, stellt Pallesche fest. Menschen sollten funktional, verlässlich, diszipliniert und verwaltbar werden, nach dem Vorbild von Staat und Militär organisiert, mit klaren Befehlswegen, Kontrolle, Standardisierung und einer starken Betonung von Gehorsam. Persönliche Entwicklung, Kreativität oder Selbstwirksamkeit spielten im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert kaum eine Rolle. Parallel zur Entwicklung der Industrialisierung entstanden planbare Unterrichtseinheiten im 45-Minutentakt, die das Lernen in in kleine übersichtliche Portionen zerlegte. Die Glocke markiert bis heute den Schichtwechsel, nur eben in der Schule statt in der Fabrik. Auch die Fächerlogik stammt aus dieser frühen Phase. Wissen wurde nach Disziplinen sortiert. Jede Disziplin bekam ihre eigene Struktur, ihr eigenes Curriculum, ihre eigene Prüfung.

Gefangen in Excel-Tabellen
Das erinnert stark an die Entstehung von Excel-Tabellen. Diese bilden auch heute noch die Basis für die meisten digitalen Applikationen. Die Ursprünge von Excel reichen zurück bis 1979 – zu dem Zeitpunkt wurde die erste elektronische Tabelle von Dan Bricklin entwickelt, einem Harvard Studenten. Unter der Leitung des ungarisch-amerikanischen Informatikers Charles Simonyi (78), entstanden 1985 unter anderem die ersten Versionen der Tabellenkalkulationen Multiplan und dem Nachfolger Excel sowie die Textverarbeitung Word. Während der letzten 40 Jahre prägt Excel, mit seinen «Silos» (Tabellenkalkulationen), unser Denken. Doch die Realität der gegenwärtigen Berufswelt funktioniert nicht nach «Fächerschubladen». Niemand in der realen Welt arbeitet «nur Biologie» oder «nur Gemeinschaftskunde». Wir leben in einer Welt die hochkomplex und durch das allgegenwärtige (weltweite) Internet vernetzt, volatil, global und dynamisch ist. Mit einem («linear» aufgebauten) System, das auf Gehorsam, Selektion und Standardisierung ausgelegt ist, lassen sich diese Herausforderungen kaum noch bewältigen schreibt Pallesche.

Kinder und Schule 1950: Stadt Zürich

Chancen für Junge
«Eine Generation von Job-Hoppern: Gen-Z-Vertreter kündigen schon im ersten Jahr», schrieb die Wirtschaftsredaktorin Christin Severin (26), zu den Schwierigkeiten der Generation Z (Jahrgänge 1995 bis 2010), beruflich Fuss zu fassen in der NZZ vom 17. Oktober 2025. Junge Arbeitnehmende wechseln den Arbeitsplatz heute schneller als jede Generation zuvor. Der Absprung ist oft eine Reaktion auf unerfüllte Erwartungen. Dies ist das Resultat einer neuen Studie der Zeitarbeitsfirma Randstad. Sie stützt sich auf eine Umfrage unter 11’250 Talenten und die Analyse von über 126 Millionen Stellenausschreibungen weltweit. Die grosse Bereitschaft, schnell den Arbeitgeber zu wechseln, ist für die Firmen eine enorme Herausforderung. Umgekehrt ist die Zahl der offenen Stellen für Einstiegspositionen (0–2 Jahre Erfahrung) seit Januar 2024 weltweit um 29 Prozentpunkte zurückgegangen. Berufseinsteigerinnen und -einsteiger müssen deshalb häufiger Kompromisse eingehen. Drei von fünf Arbeitnehmenden der Generation Z gaben dabei an, dass sie einen Job annehmen würden, der nicht mit ihren persönlichen Werten übereinstimmt, wenn das Gehalt und die Sozialleistungen gut wären. Klare Vorteile gegenüber uns «Alten» verschafft sich die Gen Z mit ihrer Begeisterung für künstliche Intelligenz KI und Technologie. Gemäss der Studie sind in der Generation Z gefragte Fähigkeiten wie Datenanalyse, KI, Big Data und Programmierung weit verbreitet. Gerade den Jüngeren eröffnet KI die Möglichkeit, bereits zu einem frühen Zeitpunkt ihrer Karriere anspruchsvollere Aufgaben zu übernehmen.

Investitionen in Mitarbeitende
Es braucht vor allem Menschen, die Probleme lösen können, die es gestern noch gar nicht gab. Vernetztes Lernen soll vernetztes Denken fördern, Themenübergreifend, statt primär zu sortieren. Neue Rollen für Lehrkräfte, Ausbildner oder Manager fördern Eigenverantwortung, statt reine Wissensvermittlung oder Gehorsam. Anstatt an einer Welt weiterzubauen die es nicht mehr gibt, müssen wir lernen unsere Zukunft zu gestalten. Meine Lieblings-KI Claude von Anthropic findet dazu: «Künstliche Intelligenz und Quantencomputing in Kombination ist besonders spannend: Quantencomputer könnten KI-Systeme trainieren und deren Fähigkeiten exponentiell steigern, während KI dabei hilft, Quantencomputer zu steuern und ihre Fehler zu korrigieren». Traditionelle Schulungen genügen den Anforderungen der KI-Transformation nicht, schreiben Julie Bedard, Jessica Beidelman, Elizabeth Lyle, und Reinhard Messenböck im Newsletter der Boston Consulting Group BCG vom 10. November 2025. Um eine messbare Kapitalrendite zu erzielen, müssen Führungskräfte von der reinen Wissensvermittlung zur praxisorientierten Kompetenzentwicklung übergehen. Die effektivsten Programme integrieren Lernen dort, wo Wertschöpfung stattfindet. Um das volle Potenzial der KI auszuschöpfen, müssen wir in Mitarbeitende investieren.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#326 – Generation Z, X, Millenials und «Alte»

Wir sind immer auch ein Produkt unserer Zeit
Ein Berufskollege konnte kürzlich eine vakante Stelle neu besetzen, doch die Person hat nach wenigen Tagen wieder gekündigt, um eine «bessere» Aufgabe zu übernehmen. Auch wenn uns solches Verhalten ärgert und wir es gerne als Zeiterscheinung abtun, gab es dies schon früher. Aus eigener Erfahrung erinnere ich mich an eine Situation, wo ich an einem Tag gleich zwei neue Tätigkeiten aufnehmen sollte. Per eingeschriebenem Expressbrief kündigte ich der einen Arbeitgeberin und fuhr mit dem Zug ans andere Ende der Schweiz um meine «Wunsch-Stelle» anzutreten. Man ist sich selber eben immer am nächsten und Kompromisslösungen, wie beide Jobs in Teilzeit, existierten vor 40 Jahren schweizweit noch nicht.

Profitieren von Veränderungen
Unter dem Titel «Die Generation Z bewegt sich auf dem Arbeitsmarkt wie auf Tinder» in der NZZ vom 6. Juli 2023 spricht Christin Severin im Interview mit Dr. Eliza Filby, der britischen Generationen-Expertin. Filby untersucht die Gesellschaft aus der Optik des Alters – von den Babyboomern (geboren zwischen 1946-1964) bis zur Generation Alpha (geboren zwischen 2010-2023) und ist überzeugt, dass von den Veränderungen, die durch die Generation Z (geboren zwischen 1997-2012) angestossen wurden, alle profitieren könnten. Viele «Alte» würden das aber nicht erkennen. Zwar würden bei der Generationen-Analyse häufig lediglich Stereotype hervorgebracht, dabei hälfen die Kategorien Alter und Generation, die Menschen als Produkt ihrer Zeit zu sehen. Unternehmen die sich für «Diversity» stark machen, meinen meist die Geschlechterdurchmischung und nicht die Altersdiversität.

Design Bureau, USSR, 1960er Jahre, kurz vor dem Durchbruch von AutoCAD (Computer Aided Design)

Altersdiskriminierung ist ein Problem
Wir brauchen die «Alten»: produktiv, motiviert und nicht auf dem Abstellgleis. Die Wünsche der Babyboomer haben sich verändert. Sie wollen weniger arbeiten, denn die Covid-Pandemie hat vielen von ihnen gezeigt, dass sie nicht mehr jung sind. Covid war altersdiskriminierend. Plötzlich galten die Generation X (geboren zwischen 1965-1980) und die Boomer als verletzlich. Bleiben Sie zuhause, wenn Sie über 65 Jahre alt sind, proklamierte der Bundesrat recht überheblich. Das hat unseren Fokus vermehrt auf die Bedeutung der eigenen Gesundheit gelenkt. Kommt dazu, dass sich viele «Alte» emotional aus dem Arbeitsleben ausklinken, vor allem Männer. Die Gender-Debatte hat viele Männer entfremdet, auf ein Abstellgleis verfrachtet und verstummen lassen. Sie haben Sinn und Status verloren, konstatiert Eliza Filby.

Sich auf dem Arbeitsmarkt wie auf Tinder bewegen
Das Alter der Menschen ist sehr polarisierend. Es spaltet die Gesellschaft, und zwar mehr als das Geschlecht oder die Zugehörigkeit zu einer Ethnie. Das Alter hat in der Arbeitswelt lange den hierarchischen Status definiert. Je älter, desto höher. Diese Hierarchie wird aufgebrochen, beobachtet Filby. Die Jungen haben sehr viele Optionen. Sie spüren, dass sie am Arbeitsmarkt gefragt sind. Sie gelten als agiler, flexibler und billiger. Sie sind technologisch versiert. Zwei Drittel der Millennials (geboren zwischen 1981-1996) wollen selbst Unternehmerinnen und Unternehmer werden, aber nicht Angestellte in grossen Unternehmen. Das Interesse an der Generation Z hat aber auch Nachteile. Die Jungen wissen um ihren Wert und bewegen sich auf dem Arbeitsmarkt wie auf Tinder. Selbst wenn sie für einen Job zugesagt haben, schauen sie weiter. Sie sind hyperindividuell. Sie fragen nicht mehr: Was kann ich für das Unternehmen tun? Sie fragen: Was kann das Unternehmen für mich tun? Wo kann ich mich am besten verwirklichen.

Frauen am Arbeitsplatz der Nachkriegszeit, Bild: Pinterest

Die Jungen können von den «Alten» lernen
Die Generation Z ist mit weniger Formalität aufgewachsen. In der Arbeitswelt muss man ihnen zum Teil Regeln erst noch beibringen, die für andere selbstverständlich sind. Zum Beispiel das Telefon abzunehmen, wenn es klingelt. Die Generation Z ist es nicht mehr gewohnt, E-Mails zu beantworten. Kommuniziert wird per Slack oder mit Voice-Nachrichten, bemerkt Eliza Filby. Die Generation X und zum Teil auch die Boomer wollen sich ihrerseits nicht aus ihren Positionen verdrängen lassen. Sie wollen weiterarbeiten beziehungsweise müssen dies zum Teil auch aus finanziellen Gründen. Veränderungen gibt es aber auch für die Arbeitgebenden. Die Unternehmen müssen lernen, mit Angestellten zu leben, die ihr Einkommen aus mehreren Quellen beziehen. Die Jungen betreiben neben ihrem Job vielleicht noch einen kleinen Online-Shop. Die Älteren arbeiten zum Ende ihrer Karriere vermehrt reduziert auf Mandatsbasis. Das Erwerbsleben endet nicht mehr auf dem Höhepunkt. Der Ausstieg wird gleitender. Es wird Zeit brauchen, bis sich die Unternehmen daran gewöhnen. Die «jungen Wilden» können von den «Alten» zwischenmenschliche Fähigkeiten lernen. Die Fähigkeit, Beziehungen zu pflegen, Achtung zu zeigen und Formalitäten einzuhalten, wenn es das braucht. Die Jungen sind oft ungeduldig; sie können eine gewisse Art der Geduld und Gelassenheit lernen. Der vermehrte Einsatz von KI künstlicher Intelligenz wird uns dazu zwingen, unseren Fokus auf Ethik und menschliche Werte zu richten. Da haben wir «Alten» die Nase vorn.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#281 – Arbeitsethik in der Generation Z

j.m.@wyland (20 Minuten online-Kommentar)
«Kein Wunder fordern die Jungen mehr bei weniger Lohn. Mein letzter Projektleiter hat den PC als «rotes Tuch» bezeichnet und wusste nichtmal wie man eine Datei in einen Ordner verschieben kann. Er hat 180K im Jahr verdient zusätzlich noch ein 50% Pensum einer Assistentin benötigt die seine PC Arbeit erledigt hat und noch ein 50% Pensum eines Bauleiters verbraucht, der die ganze PL-Arbeiten erledigte. Am Ende des Tages war er 10h im Büro und hat dabei die Arbeit erledigt, für die ich max. 2h brauche (und ich bin über 30 und nicht so versiert mit dem PC wie die noch jüngere Generation). Klar er ist ein Extrembeispiel, aber die Effizienz ist in der heutigen Zeit fast wichtiger als Erfahrung, denn was bringen Erfahrungen in veralteten Methoden?»

«Alte» Mitarbeitende, Fluch oder Segen?
Der Kommentar ist meiner Meinung nach Ausdruck einer gewissen Ohnmacht gegenüber dem Status quo. Solche Chefs sind, gerade in KMU, leider immer noch anzutreffen. Dabei haben Unternehmen und deren Führung die Aufgabe, der Arbeit entsprechende Rahmenbedingungen zu geben, die es ermöglichen, dass die Mitarbeitenden diese Kriterien erleben können. Mikromanagement muss der Delegation von Tätigkeiten mit den entsprechenden Verantwortlichkeiten weichen. Was «j.m.@wyland» im Kommentar jedoch verwechselt, sind die zwei Begriffe: «Wissen und Erfahrung». Während unsere Erfahrung mit fortschreitendem Alter immer grösser wird, muss unser Wissen durch lebenslanges Lernen und den aktiven Austausch immer wieder aktualisiert werden. Die Jungen rennen vielleicht schneller, aber wir «Alten» kennen den Weg, sagte Marco Solari (78), Präsident des Internationalen Filmfestivals von Locarno, 2022 im Interview. Die Inputs von uns «Alten» seien nützlich, meint er, auch wenn wir die Sprache unserer Enkelkinder nicht mehr verstehen. Das Mentoring muss deshalb in beide Richtungen funktionieren. Durch «Reverse-Mentoring» sollen jüngere Fachkräfte, auf Augenhöhe mit uns «Alten», beispielsweise die Gelegenheit erhalten, digitale Prozesse zu erklären.

Herausfordernde Zielkonflikte
Der Generationenbeitrag von Fabian Pöschl und Nicolas Meister, 26.Juli 2022 auf 20 Minuten online unter dem Titel «Weniger arbeiten: Fährt die Generation Z den Schweizer Wohlstand an die Wand?», auf den sich der Kommentar von «j.m.@wyland» bezieht, stellt den Wert von Arbeit im Allgemeinen zur Diskussion. Die Generation Z will nicht mehr alles dem Job unterordnen, viel wichtiger sind Freizeit und Familie, auch wenn gemäss Ökonomen damit der Schweizer Reichtum gefährdet sei. Die Generation Z, die zwischen 1997 und 2012 auf die Welt gekommen ist, wolle Teilzeit und im Homeoffice arbeiten. Wenn die Arbeit ausnahmsweise mal bis ins Wochenende dauere, seien viele nicht bereit dazu, sagt Diana Gutjahr (38, SVP), Vorstandsmitglied des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Hart zu arbeiten für eine erfolgreiche Karriere, ist heute nicht mehr angesagt, konstatiert auch Prof. Dr. Christian Fichter (51), Sozial- und Wirtschaftspsychologe an der Kalaidos Fachhochschule. Beeinflusst habe den Wertewandel zu mehr Freizeit auch der Wohlstand in der Schweiz. Doch: «Wohlstand kommt nicht von Erholung, sondern von entbehrungsreichen Zeiten», so Fichter.

Gian Maria Tosatti (42) «Geschichte der Nacht» – Aufstieg und Fall des italienischen industriellen «Wunders», Venice Biennale ARTE 2022. Bild: Andrea Avezzù courtesy La Biennale di Venezia

Sinn und Zweck von Arbeit hinterfragen
Während wir «Alten» noch im Beruf «aufgingen», machen sich viele Junge Gedanken über den Sinn von Arbeit. Ralf Haase’s (58) Post on LinkedIn vom 30. Juli 2022 mit dem Titel: «Wieviel Purpose braucht sinnvolle Arbeit?» schreibt dazu: Purpose (Zweck) ist kaum mehr aus den «NewWork-Diskussionen» wegzudenken. Doch ist die Forderung an Führung und Unternehmen, einen übergeordneten Sinn und Zweck der mit und in ihnen geleisteten Arbeit zu suchen und zu definieren, auch wirklich sinnvoll? Nein findet er, denn Sinn lässt sich nicht verordnen. Umgekehrt ergäbe «wirklich jede Arbeit Sinn, sofern sie als Ganzes oder in wesentlichen Teilen diese fünf Voraussetzungen erfüllt: Sie ist vielfältig (1) und bedeutsam (2), kann von vorne bis hinten (3) und relativ autonom (4) ausgeführt werden und sie bietet Feedback (5). Jeder dieser fünf Faktoren steigert die Sinnhaftigkeit – und das deutlich mehr als jeder Purpose.»

Eine Bedrohung für die Wirtschaft?
Im Beitrag von Fabian Pöschl und Nicolas Meister fragen die Autoren nach der Bedeutung für die Wirtschaft, wenn Arbeitnehmende nicht mehr bereit sind, hundert Prozent und mehr zu arbeiten? Prof. Dr. Rudolf Minsch, Chefökonom des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, befürchtet, dass sich der Fachkräftemangel noch verstärke, weil es weniger qualifizierte Arbeitskräfte gebe. Dies hat Folgen für die Produktivität. Fehlende Arbeitskräfte seien neben Lieferengpässen die grösste Bedrohung der Wirtschaft.

Generation Z hilft gegen den Fachkräftemangel
Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger (61) von der Uni Freiburg hingegen glaubt nicht, dass es schade, wenn mehr Leute Teilzeit arbeiteten. «Früher ging der Mann arbeiten und die Frau machte den Haushalt, heute arbeiten beide, dafür reduziert. Das gleicht sich aus», so Eichenberger. Die Schweiz arbeite ohnehin viel. In anderen Nationen wie Dänemark seien 34-Stunden-Wochen Standard. Arbeitspsychologin Dr. Nicola Jacobshagen sagt, man könne die jüngste Generation nicht als Faulenzer abstempeln. «Sie haben andere Vorstellungen vom Leben und von der Arbeitskultur. Bei ihnen dreht sich nicht alles um die Arbeit». Ausserdem sei die Generation Z noch sehr jung und werde sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln. «Als digital natives werden viele von ihnen die Digitalisierung positiv beeinflussen und den Fachkräftemangel, zum Beispiel in der Informatik-Branche, verringern können», so Jacobshagen. Wirtschaft und Gesellschaft, aber auch die Politik (Gesetzgeber) müssen sich noch an die neue Arbeitshaltung der Generation Z anpassen.

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung aus der analogen, zusammen mit Erkenntnissen aus der digitalen Welt, sind wir «Alten» gerne bereit, diese mit KMU’s oder im Team mit jungen Forschenden und Wissenschaftern auf Augenhöhe zu teilen. Suchen Sie einen Mentor, eine Mentorin oder Coach, «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger