Blog, Industrie 4.0

#429 – «Alte»: Gelassen in unsicheren Zeiten

Veränderte Ausgangslage
Jahrzehntelang bauten Unternehmen ihre globalen Strategien auf einer Reihe von Grundannahmen auf. Internationaler Handel und Investitionen würden immer freier werden, das globale BIP-Wachstum weiter vorantreiben und durch multilaterale Leitlinien und Institutionen geregelt werden. Um Kostenvorteile zu sichern, sollten Unternehmen eine umfassende globale Präsenz aufbauen, die es ihnen ermöglicht, in kostengünstigen Volkswirtschaften zu produzieren und zu beschaffen und auf nahezu jedem nationalen Markt zu verkaufen. Doch geopolitische Veränderungen, disruptive Technologien und sich weltweit verändernde Kostenstrukturen erschüttern spätestens seit der Corona-Pandemie die Annahmen des internationalen Geschäfts. Es bieten sich aber auch enorme Chancen für Unternehmen, die sich darin zurechtfinden und flexibel genug sind, sich anzupassen. Eine abwartende Haltung verschafft Unternehmen und Regierungen keinen Vorteil. Nicht wie die «offizielle» Schweiz um ihren «Deal» mit den USA zu bangen und unrealistische Forderungen zu stellen wie: SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel fordert, der Bundesrat solle Fifa-Chef Gianni Infantino bitten, seine guten Beziehungen zu Trump für einen Deal einzusetzen oder die Forderung der SP als Druckmittel einen Verzicht zum Kauf der amerikanischen F-35-Kampfjets und die FDP, den Vertrag zur Lieferung von Patriot-Abwehrsystemen zu sistieren. Anstatt in (meist unbegründete) Panik zu verfallen, braucht es auch für KMUs eine unaufgeregte Risikobewertung.

Initiativen zur Risikominderung
Der erste Schritt für Unternehmen besteht darin, ihre Produktions-, Liefer- und Vertriebsaktivitäten genau zu analysieren, um ihre Anfälligkeit gegenüber Änderungen der Handelsregeln zu bewerten, Zölle zu verstehen und flexibel auf die sich ständig verändernde Handelsdynamik zu reagieren. Kompetente «Alte» mit ihrem grossen Erfahrungsreichtum helfen im Team bei der Festlegung von Prioritäten. Eine Quantifizierung der potenziellen Auswirkungen auf Umsatz, Kosten und Produktionsanlagen entlang der gesamten Wertschöpfungskette hilft, diese Dynamik zu verstehen. Die proaktive Entwicklung eines Massnahmenkatalogs zur Minimierung von Risiken und der Identifizierung von möglichen Wettbewerbsvorteilen zeigt potenzielle Hebel als Reaktion auf handelspolitische Veränderungen. Zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens gehören auch kostengünstige Initiativen, wie der Einsatz von künstlicher Intelligenz KI, in den Massnahmenkatalog.

Vanessa Lemen (55), Malerin aus Carlsbad, Kalifornien: Allegorie der Liminalität 2020 – Kunst kann uns durch unsichere Zeiten helfen.

Künstliche Intelligenz KI: Ein abstraktes Konzept
Im Beitrag von KMU_today Team, am 4. April 2025 schreibt Reto Vogt (40), Schweizer Journalist mit Schwerpunkt auf Technologie und Digitalisierung und seit Oktober 2024 Studienleiter für Digitale Medien und Künstliche Intelligenz am MAZ in Luzern, wie KI Unternehmen unterstützen und effizienter machen kann. Unter dem Titel «Automatisch besser? Wie Schweizer Unternehmen KI für sich nutzen» beschreibt er deren Einsatz in drei Unternehmen. Auf der einen Seite verspricht künstliche Intelligenz Effizienz, Automatisierung und ein neues Business-Potenzial – auf der anderen Seite ist sie für viele KMU noch ein ungreifbares, abstraktes Konzept, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Zum Beispiel: Lohnt sich das auch für uns? Wie gehen wir das an, was kostet es und wie profitieren wir davon – wenn überhaupt? Die Antworten darauf sind nicht immer einfach und auch nicht allgemeingültig. Denn KI erfordert nicht nur Investitionen, sondern auch Know-how und eine klare Strategie. Doch sich damit auseinanderzusetzen lohnt sich für alle Unternehmen, denn wer sich gar nicht erst damit beschäftigt, läuft Gefahr, von der Konkurrenz überholt zu werden.

KI ersetzt nicht, sie entlastet
Zu den offensichtlichen Vorteilen von KI-Anwendungen zählen die Effizienzgewinne durch die Automatisierung von Routineaufgaben, wie das Erstellen oder Transkribieren von Berichten, auch in anderen Sprachen, wobei die KI eine nahezu fehlerfreie Übersetzung liefert. Generell bringen Anwendungen von KI im «schriftlichen Bereich» wie Korrespondenz, Administration, Tabellen und Buchhaltung grosse Vorteile. So soll beispielsweise ein KI-Agent interne Dokumente nutzen, um Medienanfragen effizienter zu beantworten oder Blogposts, Über­setzungen und Zusammenfassungen zu erstellen. Über Textarbeiten hinaus gehen Chatbot-Anwendungen für grund­legende Kundenanfragen, Systeme die gezielt auf die Markensprache und Tonalität eines Unternehmens trainiert wurden. Der erfolgreiche Einsatz von KI in KMUs soll nicht zufällig sein, sondern auf klaren Prinzipien beruhen. Dazu gehört der Grundsatz: Klein anfangen, gross denken, um schnell Effizienzgewinne zu erreichen. Doch KI ist kein Selbstläufer. Das Einbringen der Erfahrung von «Alten» im Team ist mitunter entscheidend, auch bei der Schulung von Mitarbeitenden, um Hemmschwellen abzubauen und Kompetenzen aufzubauen. Wer als KMU nicht ausprobiert und bereit ist, Fehler in Kauf zu nehmen, wird nicht vorankommen. KI-Projekte werden iterativ entwickelt – mit der Bereitschaft, zu lernen und nachzubessern. Perfektion von Anfang an soll nicht das Ziel sein. KI soll die Mitarbeitenden entlasten und effizienter machen, nicht ersetzen.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

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#418 – Resilienz und Gelassenheit von «Alten»

Das Undenkbare denken
Das Assessment der US-Regierung nach 100 Tagen der neuen Präsidentschaft erstaunt vor allem wegen der Geschwindigkeit und der weltweiten Wirkung von Beschlüssen. Es wird gerätselt ob hinter den Veränderungen ein grösserer Plan steht, oder ob die Regierung nach dem Prinzip – Trial and Error (Versuch und Irrtum) agiert. Der tschechisch-amerikanischen Ökonomen Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) fand den Begriff «kreative Zerstörung», welcher einen wesentlichen Aspekt disruptiver Innovation beschreibt. Man könnte das Konzept auch als «schöpferische Erneuerung» oder «transformative Umgestaltung» bezeichnen und damit stärker den konstruktiven Aspekt des Prozesses betonen – dass aus der Zerstörung des Alten etwas Neues und oft Besseres entsteht. In ihrem Kurzreferat (5:41) auf der Plattform TEDNext 2024 • October 2024, spricht Jane McGonigal (47), amerikanische Autorin und Spieleentwicklerin in drei hypothetischen Szenarien darüber, wie man die Zukunft voraussieht – und sich darauf vorbereitet. Als Futuristin, die Menschen hilft, sich auf alle möglichen Möglichkeiten vorzubereiten, ist Jane McGonigal der Meinung, dass wir Wörter wie «undenkbar» und «unvorstellbar» überstrapazieren. Sie zeigt auf, wie man die Fähigkeit zum kreativen Denken fördern, neue Risiken antizipieren und sich auf alles vorbereiten kann, was die Zukunft bringen mag. Wir «Alten» kennen solche Situationen aus der Geschichte und waren in unserem Leben Zeugen vieler Disruptionen. Diese Erfahrung befähigt uns, zusammen im Team mit den «jungen Wilden», als Mentoren oder Sparringspartner, «Krisen» mit Gelassenheit kreativ zu begleiten.

David Hockney (87): Bigger & Closer (not smaller & further away) | Factory International, LIGHTROOM Produktion, North Warehouse, Aviva Studios, Manchester GB, 2025

Resilienz aus Kontingenz
Dabei leben wir in einer Zeit, wo schon kleinste Störungen unseren Alltag durcheinander wirbeln können. Unsere Resilienz ist geschwächt, «Jeder fühlt sich heute gedemütigt» findet der Soziologe Heinz Bude (71) und fragt, wo unser Lebensmut geblieben ist. Im Kommentar von Birgit Schmid, Berlin, NZZ vom 30. April 2025 stellt sie sich Heinz Bude als Boomer vor. Einen Boomer, wie er, der Soziologe, ihn selber definiert: einen Menschen von heiterer Gelassenheit selbst angesichts von Krisen und Katastrophen. Er nennt es «lakonischen Existenzialismus». Dieser zeichne die Generation der geburtenstarken Jahrgänge aus. Mit Geburtsjahr 1954 zählt sich Bude knapp noch zu der Kohorte, die so schnell nichts umwirft. Der emeritierte Professor ist einer der bedeutendsten Soziologen Deutschlands. Er hat Bücher über die Gesellschaft der Angst, über Solidarität und die Macht von Stimmungen geschrieben. Gelassen seziert er die Gegenwart, in der sich so viel ereignet, dass es vielen «zu viel» wird. Seit ein paar Jahren konstatiert Bude eine «grosse Gereiztheit» in der Gesellschaft. Die Menschen sähen sich technologischen Entwicklungen ausgeliefert, sie fühlten sich verlassen, bevormundet, übergangen. Abstiegsängste plagten sie, Erschöpfungsdepressionen, und die Politik verdriesse sie nur noch. Allerdings reklamiert Bude für seine Generation eine Haltung, die zum Vorteil werden kann in einer Zeit der Polykrisen. Weshalb also gelingt es uns «Alten» besser, mit den Zumutungen der Gegenwart umzugehen, während die Jüngeren das Weltgeschehen zunehmend zu bedrücken scheint? Den Blick der Boomer auf die Welt hätten zwei Krisen in den 1980er Jahren geprägt, so Bude: Aids und Tschernobyl. Dies habe zu einer «Resilienz aus Kontingenz» geführt. Damit meint er eine psychische Robustheit, die man sich zulegt, weil man jederzeit mit etwas Unvorhergesehenem rechnet. Weil wenig sicher ist, kann vieles anders werden und das schütze vor Resignation und Verbitterung.

David Hockney (87): Bigger & Closer (not smaller & further away) | Factory International, LIGHTROOM Produktion, North Warehouse, Aviva Studios, Manchester GB, 2025: 19.20mx10.80m

Inklusion fördert Produktivität und Engagement
Inklusion nicht aktiv zu fördern, ist ein strategischer Fehler, schrieb Jérôme Oguey, Betriebsökonom FH und Coach, Gründer und Geschäftsführer von INLEAD® in KMU_today online am 1. April 2025. Ohne Inklusion bleibt das Innovations- und Leistungspotenzial von Vielfalt ungenutzt. Noch kritischer: Talente könnten das Unternehmen schneller verlassen, was den Fachkräftemangel weiter verschärft. Auch KMU können Inklusion schrittweise und mit geringen Mitteln fördern. Inklusion wird häufig im Zusammenhang mit Vielfalt, Diversität oder auch Heterogenität genannt und in Bezug auf unterrepräsentierte Gruppen und Diskriminierung diskutiert. Dies ist zwar richtig, greift aber zu kurz. Auch wir «Alten» müssen im Zusammenhang mit Inklusion genannt werden. Studien zeigen, dass Inklusion auch unabhängig vom Diversitätsmanagement Vorteile bietet. Inklusive Arbeitskulturen basieren auf Offenheit, Respekt, Vertrauen, Transparenz und psychologischer Sicherheit. Hier fühlen sich Führungskräfte und Mitarbeitende wertgeschätzt und sicher, ihre Meinung zu äussern und einen konstruktiven Beitrag zum grossen Ganzen zu leisten. Studien zeigen, dass Produktivität und Engagement in solchen Kulturen höher sind als in weniger inklusiven.

Dienst nach Vorschrift
Laut einer Pressemitteilung am 23. April 2025 in KMU_today sind mit 45 Prozent nicht einmal mehr die Hälfte der schweizer Beschäftigten zufrieden und zuversichtlich mit dem eigenen Leben. Zudem sind nur wenige im Job voll engagiert. An der Umfrage des Beratungsunternehmens Gallup zwischen April 2024 und Dezember 2024 nahmen 227’000 Beschäftigte in 149 Ländern teil, davon über 52’000 in Europa. Die Schweiz belegt im europäischen Vergleich Platz 22. Seit der Aufhebung des Lockdowns nach der Corona-Pandemie ging es auch in den Nachbarländern Deutschland und Österreich markant bergab. Die nordischen Staaten wie Finnland, Island, Schweden, Niederlande oder Dänemark gehören weiterhin zu den Top Ländern in Sachen Zufriedenheit und Zuversicht in Europa. Laut dem Gallup-Forschungsleiter für Europa, Marco Nink, sind die Gründe für unsere Unzufriedenheit die steigenden Lebenshaltungskosten, schwindendes Vertrauen in die Politik und Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung. Im Gegensatz zu vielen von uns «Alten», die sich nach wie vor in ihrem Job engagieren, hat die emotionale Bindung an die Arbeitgebenden generell abgenommen. Nur acht Prozent der schweizer Beschäftigten sind mit ihren Chefs zufrieden. Dagegen machen 83 Prozent nicht mehr als nötig und fast zehn Prozent hätten innerlich bereits gekündigt, was die Volkswirtschaft belastet. Angesichts dem scheinbar grassierenden Fachkräftemangel ist die Zeit für uns «Alte» gekommen. Auf Grund unserer Erfahrung, Kompetenz, Loyalität und Ausdauer sind wir ideale Partner, auch für Interimslösungen in KMUs ohne lange Einarbeitungszeit.

David Hockney (87), Bigger Trees near Warter, Post-Photographie-Bearbeitung, 2007, 50 parts, à 91.4 × 121.9 cm, total 457.2 × 1219.2 cm Bild: © David Hockney, Fondation Louis Vuitton, Paris, 2025

Konkurrenz als Antrieb
Damals waren die Boomer zu viele sagt Heinz Bude, und aus diesem Gefühl erwuchs eine hohe Leistungsbereitschaft. Denn die Zahl der Konkurrenten ist gross, also braucht es einen starken inneren Antrieb, um etwas zu erreichen. Nur fünf Prozent der Boomer-Jahrgänge hätten keinen Berufsabschluss. Heute liege die Zahl in Städten wie Berlin bei 20 Prozent. Man musste besser sein, sich gegen den Banknachbarn durchsetzen. «Gleichzeitig war da das tröstliche Gefühl, dass es anderen auch so geht und man nicht alleine ist.» Mit Blick auf die «jungen Wilden» lässt er deren identitätspolitischen Eifer jedoch nicht durchgehen. Bude spricht von der «Verrechtlichung der Lebenswelt», dem Wunsch, alles geregelt zu haben. Damit nichts Ungerechtes geschieht, erkennt er eine Verzagtheit und Verlorenheit, die bei uns «Alten» seltener anzutreffen ist. Glücklicherweise wendet sich der Zeitgeist und das vernünftige Argument könnte wieder mehr gelten als verletzte Gefühle.

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#163 – Disruptive Entwicklungen?

Das Auftauchen des Corona-Virus
«Nein warten Sie hier, dies ist der Ausgang, nicht der Eingang. Ich sage Ihnen dies zu ihrem eigenen Schutz, Sie sind gefährdet, nicht ich», gestikulierte der Sicherheitsmitarbeiter beim Supermarkt, überfordert mit der Konsequenz seiner Behauptung. Er kam mir dabei so nahe, dass ich einzelne gelierte Haare unterscheiden konnte. Wir «Alten» werden dieser Tage oft recht rüpelhaft zurechtgewiesen. Dies ist auch Ausdruck einer allgemeinen Ohnmacht, der unsere Gesellschaft momentan ausgesetzt ist. Plötzlich sollen wir Senioren möglichst nicht mehr in der Öffentlichkeit sichtbar sein, wir stellen eine vermeintliche Gefahr für die Allgemeinheit dar. (Die Gefahren für das Gesundheitswesen mit überfüllten Intensivstationen sind reell, aber nicht Teil dieser Betrachtung). Auch in den sozialen Medien ärgert man sich darüber, dass «Alte» an der frischen Luft spazieren gehen und damit die Jungen beim Joggen stören. Dass wir «Boomer» genau diesen Jungen monatelang die Windeln wechseln und nebenbei auf vieles verzichten mussten, bleibt unerwähnt.

Die Folgen der Pest von 1348 in Venedig. (Gravur nach einem Gemälde von Luigi Sabatelli, 1772–1850). Bild: Prisma / Dukas, NZZ am Sonntag 20.03.2020

Disruptive Entwicklungen?
Eminenzen die selber einer «Risikogruppe» angehören, wie der 79-jährige Dr. Anthony Fauci, Immunologe und Amerikas Top-Experte für ansteckende Krankheiten bleiben sachlich, während einige selbsternannte, ebenfalls ältere, «Experten» hierzulande im Interview wiederholt von den rund 25% der schweizer Bevölkerung eine selbstauferlegte Isolation sugerrieren. Umso mehr müssen wir auch in dieser schwierigen Zeit dagegenhalten und das Image von Senioren positiv darstellen und dürfen sie allein wegen ihres Alters nicht abstrafen. Die gegenwärtige Lage mit ihrer zusätzlichen Komplexität führt unweigerlich in eine Phase der Verpolitisierung. Schon vor Ausbruch der Pandemie wurden wir nicht mehr zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, die aktuelle Situation leistet Vorschub für eine noch weiterreichende Stigmatisierung von uns «Alten» am Arbeitsmarkt. Das wird sich im Nachgang der Krise schon aus finanziellen Gründen nicht so schnell ändern. Man sollte deshalb nicht glauben, dass wir bezogen auf ältere Fachkräfte, eine Phase des Wandels durchleben. Vieles wird trotz vermeintlicher Disruption im Anschluss schnell und noch pronozierter wieder in die alten Bahnen zurückkehren. Als «Alte» sind wir deshalb in der Pflicht, die Vorteile von gemischten Teams hervorzuheben, indem wir auf die Jungen zugehen und unkompliziert unsere Hilfe anbieten.

Ältere reagieren gelassener
Oft wird angenommen, dass vor allem ältere Menschen mit ausserordentlichen Massnahmen Mühe haben, dabei reagieren wir einfach gelassener, im Sinne von: «Jetzt gilt es halt ein weiteres Regime auszuhalten». Mit dem Alter kommt auch eine gute Portion Weisheit, gesammeltes Wissen wird «Be-Greifbar». Ältere Menschen haben mehr Kraft, mit Druck umzugehen, und können ihn durch ihre Erfahrungen abfedern. Erfahrung beruht ja bekanntlich auf der Vergangenheit und im Alter verfügt man über einen grossen Rucksack davon. Gepaart mit Empathie, einer inneren Ruhe und Verantwortungsbewusstsein haben wir «Alten» definitiv die Nase vorn. Gerade in Zeiten von grosser Unsicherheit hilft unser Wissen um die Mechanismen der analogen Techniken auch bei der digitalen Umsetzung von Massnahmen. Wir «Alten» verfügen dank unserer Erfahrung auch oft über ein industrieübergreifendes Beziehungsnetz, Hilfsbereitschaft und ein Höchstmass an Begeisterungsfähigkeit.

Vorurteile gegenüber älteren Mitmenschen
Man kann als biologisch älterer Mensch bekanntlich geistig noch sehr jung sein. Im Gegensatz dazu gibt es Dreissigjährige, die bereits aufgehört haben, neugierig zu sein. Wir «Alten» wurden in den letzten 40 Jahren mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert. Als Gesprächspartner verfügen wir deshalb über die notwendige Empathie für die Ängste in Krisenzeiten. Unsere Karriere haben wir erfolgreich hinter uns und sind gerne bereit unsere Kompetenz, mit vollem Ehrgeiz, im Team zusammen mit jungen, wilden und allenfalls katastrophenunerfahrenen Personen, zugunsten innovativer Projekte erfolgreich umzusetzen. Gefragt sind vor allem hohe Selbstverantwortung und Flexibilität. Der «Altersbonus» erlaubt uns, ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten, auch weniger populäre Meinungen zu vertreten.

Wir «Alten»
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte» Frauen und Männer im Team, auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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