Blog, Industrie 4.0

#442 – Digitale Bildung auch für uns «Alte»

Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten für die Bildung
Die gegenwärtige Diskussion über Vor- und Nachteile künstlicher Intelligenz KI lässt auch die aktuellen Zugriffe auf die Blogbeiträge «kompetenz60plus» in die Höhe schnellen. Vor allem auf dem Gebiet der Bildung herrschen geteilte Meinungen. Während das eine Lager die Technologie verteufelt und nach Verboten schreit, finden sich ebensoviele Verfechter von KI zur Inspiration im «Klassenzimmer». Einer davon ist der Deutsche Christian Pohl (50+), Lehrer bei Freistaat Bayern in seinem Blog «Serie: Wie künstliche Intelligenz Schule und Lernen neu erfindet». Mit umfangreicher Erfahrung von drei Jahrzehnten in der pädagogischen Arbeit, verfügt Pohl über ein breites Spektrum an Wissen und Fähigkeiten. Sein Schwerpunkt liegt auf digitaler Bildung, ein Bereich, in dem er sich besonders leidenschaftlich engagiert. Sein Ziel ist es, Pädagogen zu befähigen das Potenzial jedes Lernenden, egal welchen Alters, zu maximieren. Er ist fest davon überzeugt, dass das Zeitalter der Digitalisierung enorme Möglichkeiten für die Bildung eröffnet. Lebenslange Weiterbildung in der Ära von KI hat ihre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, unsere Arbeit und deren Sinnhaftigkeit. Künstliche Intelligenz wird unser Leben nicht einfach ein bisschen verändern – sie wird unsere Erfahrung von Grund auf transformieren. In den kommenden Jahren wird sich alles wandeln: wie wir arbeiten, wie wir lernen, wie wir Wissen prüfen, Feedback geben und Bildung überhaupt verstehen. Gemäss Pohl verbinden sich die Themen in seiner Blogreihe zu einer gemeinsamen Frage: Wie bleibt Bildung menschlich, wenn Intelligenz allgegenwärtig wird?

Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, Deutschland, 2025: Die automatisierte Bandbibliothek zur Langzeitarchivierung von Daten, verwaltet tausende magnetische Speicherbänder mittels Robotersystemen, um eine zuverlässige und energieeffiziente Sicherung wissenschaftlicher Daten über Jahrzehnte hinweg zu gewährleisten. Foto: Giulia Bruno / Architekturmuseum der TUM, 2025

Der Weiterbildungsbedarf für die Kompetenzen der Zukunft
Zusammen mit der KI ChatGPT von OpenAI, geht Pohl in der Folge verschiedenen Fragen zur Zukunft dieses Transformationsprozesses nach, so auch, wie die fortschreitende Digitalisierung und künstliche Intelligenz die Arbeitswelt tiefgreifend verändern wird. Studien zeigen, dass in den kommenden Jahren viele Arbeitsplätze einem Wandel unterliegen werden, während zugleich neue Berufsfelder entstehen. Ebenso gewinnen flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice an Bedeutung, was Produktivitätsaspekte und die Mitarbeitendenzufriedenheit beeinflusst. Gleichzeitig entsteht ein steigender Weiterbildungsbedarf, da Arbeitskräfte neue Kompetenzen für die Jobs der Zukunft benötigen: Laut dem Future of Jobs Report 2023 des Weltwirtschaftsforums werden bis 2027 voraussichtlich 23% aller Jobs Veränderungen erfahren, wobei rund 69 Millionen neue Stellen entstehen und 83 Millionen wegfallen könnten (Nettoverlust ca. 14 Millionen Jobs). Technologische Makrotrends (wie beispielsweise KI, respektive Automatisierung) treiben dabei den Wandel an und verursachen eine erhebliche Arbeitsmarkt-Dynamik, mit insgesamt dennoch leicht positivem Ausblick für neue Stellenprofile.

Auch «Alte» erhalten eine Rolle
Selbst wenn die Automatisierung mit ~34% der Aufgaben etwas langsamer verläuft als ursprünglich prognostiziert, rechnen Unternehmen mit einem 25% Arbeitsplatzabbau bis 2027. Viele Tätigkeiten werden jedoch auch weiterhin menschlich dominiert, besonders solche, die kognitive Fähigkeiten wie Kommunikation und Koordination erfordern. Vorteile wie Büroflächeneinsparung oder globales Recruiting, sowie die Verbesserung bei Remote-Technologien, welche flexible Arbeitsmodelle ermöglichen, werden die Zahl der Homeoffice-Tage in Firmen fördern. Durch den strukturellen Wandel am Arbeitsmarkt entsteht gleichzeitig ein erheblicher Weiterbildungs- und Umschulungsbedarf. Bis 2027 werden gemäss Weltwirtschaftsforum 6 von 10 Beschäftigten Weiterbildungen benötigen. Als kompetente und neugierige «Alte» begleiten wir diese «Reskilling-Revolution» zur Aktualisierung künftiger Anforderungen, als Mentoren und Sparringspartner in gemischten Teams mit den «Jungen Wilden».

Vielfalt und Inklusion am Arbeitsplatz
Verschiedene Studien stützen die These, dass Diversität, etwa hinsichtlich Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft oder Denkstile Innovationen fördert, Entscheidungen verbessert und die finanzielle Performance steigert. Gemäss dem Global Diversity & Inclusion Index gibt es einen kausalen Effekt: Unternehmen mit überdurchschnittlich diversen und inklusiven Teams sind tendenziell erfolgreicher in der Marktperformance. Vielfalt in Belegschaften bedeutet eine grössere Bandbreite an Perspektiven, Erfahrungen und Fähigkeiten. Dies kann die Kreativität und Problemlösungsfähigkeit deutlich erhöhen. So werden in heterogenen Teams Herausforderungen oft aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, was zu innovativeren Lösungsansätzen führt. Zudem korreliert Vielfalt mit höherer Mitarbeiterzufriedenheit und geringerer Fluktuation, was insgesamt zur Leistungssteigerung beiträgt. Vielfalt wird daher als wichtige Ressource und Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens angesehen. Dies wiederum hilft, die besten Talente anzuziehen und zu halten. Entsprechend bezeichnen Management-Studien eine ausgeprägte Diversitätskultur als unimitierbaren Erfolgsfaktor – Konkurrenten können ein eingespieltes diverses Team nur schwer kopieren.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#433 – Handwerk, Lehre, Bildung: Wir «Alten»

Ein Volk von Bürolisten
Unter dem Titel: «Die Schweiz braucht nicht nur Akademiker, sondern auch Handwerker und diese verdienen mehr Anerkennung» beleuchtet Dominik Feldges (54), in der NZZ vom 8. Juli 2025 einige Gründe für den Mangel an Handwerkern in der Schweiz. Zur Zeit der Hochkonjunktur Ende der 1960er Jahre, arbeitete noch rund ein Viertel der hiesigen Beschäftigten in einem Handwerksberuf. 2000 waren es knapp 15 Prozent. Mittlerweile ist der Anteil der Handwerker unter den Berufstätigen auf unter 10 Prozent gefallen. Ein grosser Teil des Rückgangs ist mit strukturellen Veränderungen der Wirtschaft zu erklären. Diese hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark in Richtung einer Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft gewandelt. Auch die starke Automatisierung in der Industrie ist mitverantwortlich dafür, dass heutige Fabriken weniger Logistiker oder Mechaniker beschäftigen.

«Handwerker» mit Hochschulabschluss
Wer heute noch in einer Fabrik arbeitet, hat sich nach der Berufslehre oft zum Techniker weiterbilden lassen oder besitzt gar einen Hochschulabschluss. Ohne solche zusätzlichen Qualifikationen wären Beschäftigte gar nicht in der Lage, die Roboter und anderen Anlagen in hochautomatisierten Schweizer Produktionsstätten zu beaufsichtigen, geschweige denn ihren Einsatz zu planen. Knapp die Hälfte der Erwerbsbevölkerung verfügt heute über einen tertiären Abschluss. Wenig überraschend bilden mit einem Anteil von fast 27 Prozent intellektuelle und wissenschaftliche Berufe mittlerweile die grösste Gruppe unter den Erwerbstätigen.

Aufwertung des Handwerks dank künstlicher Intelligenz KI
Wer als Lehrbetrieb schon Schüler:innen einhämmert, dass die Lehre nur ein Anfang ist, muss sich nicht wundern, wenn er seine besten Absolvent:innen rasch an weiterführende Schulen verliert. Dabei würden erfahrene Handwerker nicht nur die Qualität und die Innovationsfähigkeit eines Betriebs steigern helfen. Sie sind auch am besten geeignet, um junge Mitarbeitende anzuleiten und sie täglich für ihre Tätigkeit zu begeistern. Um Handwerker:innen länger in einem Betrieb zu halten, müssen Unternehmen aber für eine wertschätzende Kultur sorgen. In der zunehmend partizipativen Arbeitswelt kommt es schlecht an, wenn sich Chefs als allwissend aufspielen und Lernende oder Angestellte nicht mit dem nötigen Respekt behandeln. Vor allem in kleineren Handwerks- und Industriebetrieben kommt solches noch allzu häufig vor. Das Problem liegt meist daran, dass Kaderangestellte in Führungsfragen zu wenig geschult sind. Eine unerwartete Aufwertung könnten handwerkliche Berufe im Zuge des rasanten technologischen Wandels erfahren. Wer sich um sanitäre Anlagen kümmert, Böden verlegt oder in der Backstube steht, muss auf absehbare Zeit kaum damit rechnen, seinen Job wegen des zunehmenden Einsatzes künstlicher Intelligenz zu verlieren. Bei Büroangestellten, auch solchen mit akademischem Abschluss, sind die Unsicherheiten diesbezüglich viel grösser.

Leonardo da Vinci (1452-1519) und sein Verhälnis zu seinen Studenten und Lehrlingen

Der Anspruch auf eine sinnstiftende Arbeit
Unter dem Titel «Fitnessabo, bessere Löhne und mehr Ferien: So wollen Betriebe die Berufslehre retten» schreiben Jan Bolliger und Fabienne Riklin im Tagesanzeiger vom 22. Juni 2025 über das duale Bildungssystem als «Erfolgsmodell» in der Krise. Betriebe beklagen zunehmend Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Lehrstellen und Fachmittelschulen verzeichnen steigende Beliebtheit gegenüber der klassischen Berufslehre. Mehr als jede vierte Lehre wurde 2023 abgebrochen – ein neuer Rekord. Lehrmeister:innen klagen über verweichlichten Nachwuchs mit überrissenen Ansprüchen. Derweil geben 60 Prozent der Lernenden an, psychische Probleme zu haben, und die Gewerkschaften fordern in einem offenen Brief acht Wochen Ferien für alle Lehrlinge. Firmeninhaber:innen von KMUs haben Mühe, junge Leute für eine Lehrstelle zu begeistern. Doch wie schlecht steht es um die Generation Z? Ist sie tatsächlich so verweichlicht und hat keine Disziplin mehr? Dr. Thomas Bolli, Dozent an der ZHAW in Zürich, sagt: «Lernende schneiden beim Durchhaltewillen besser ab als Gymnasiasten.» Das zeige der nationale Bildungsbericht. Und dass Jugendliche eher eine Lehre abbrechen, als diese um jeden Preis zu Ende zu bringen, wertet der Bildungsforscher auch positiv. «Vor allem, wenn Jugendliche in einen Beruf oder eine Firma wechseln, die besser passen.»

Wir «Alten sind stehen in der Verantwortung
Zwar entscheiden sich noch immer 66 Prozent der Schulabgängerinnen nach der 9. Klasse für eine Lehre, doch der Anteil sinkt. Viele Lehren werden immer akademischer, verlangen zum Beispiel zunehmend Computerkenntnisse. Gerade für Jugendliche, die lieber mit den Händen arbeiten, würde die Lehre so einen Teil ihrer DNA und einen ihrer grössten Vorteile verlieren. Auch Branchen mit Abend- und Wochenendschichten und tiefen Löhnen kämpften jedes Jahr damit, alle Ausbildungsplätze zu besetzen. «Die Arbeitsbedingungen der Lernenden sind in manchen Unternehmen sehr hart. Wehren können sie sich oft nicht.» Die Jugendlichen beschäftige das stark, sagt Urban Hodel vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund. Besonders die vom Lehrlingsmangel betroffenen Branchen stehen unter Druck, etwas zu verändern. Anstelle von mehr Ferien oder gratis Fitnessabo um die Lehre wieder attraktiver zu machen, muss bessere Kommunikation im Fokus stehen. Wir «Alten» haben die Möglichkeit, unsere wertvolle Erfahrung an die nächste Generation weiter zu geben. Man muss sich Zeit nehmen für die Jungen und sie nicht einfach nur als billige Arbeitskraft behandeln. Gerade der Generation Z ist es wichtig, dass ihre Arbeit einen Sinn hat und sie diesen auch kennt. Und nicht zuletzt ist für die meisten 15-jährigen der Zeitpunkt für eine Berufsentscheidung noch viel zu früh, weshalb sich viele Junge für das Gymnasium entscheiden, um mehr Zeit zum Überlegen zu haben.

Leonardo da Vinci (1452-1519) als Lehrling, 14. Jahrhundert im Studio des Lehrmeisters Andrea del Verrocchio (Andrea di Michele di Francesco de‘ Cioni) in Florenz, Italien.

Viele Junge haben wenig Biss
«Heute erleben Kinder sehr viel Zuneigung, aber sie werden dauerkontrolliert», findet Margrit Stamm (75), Erziehungswissenschafterin, im Interview mit Samuel Tanner NZZ vom 12. August 2025, über die Lektionen ihres Lebens. In Studien zur Berufsbildung sehen wir, dass es nicht unbedingt die Gescheitesten an die Spitze schaffen, sondern jene, die sich durchbeissen können. Ihre Kritik am Bildungssystem ist: Wir betonen viel zu sehr Noten und Zertifikate – und zu wenig das, worauf es ankommt, überfachliche Kompetenzen. Am wichtigsten im Leben ist es, eine Leidenschaft zu finden und dieser nachzugehen. Margrit Stamm ist froh, eine Spätzünderin zu sein. So hatte sie länger Zeit, ihre Leidenschaft zu finden. Genauso wichtig ist das Scheitern. Sie ist vier Mal gescheitert in ihrem Leben und ist überzeugt, dass das Scheitern in der Schule zu wenig wertgeschätzt wird. Man darf nicht immer das Endziel anschauen, man muss einen Fuss nach dem nächsten setzen. Und plötzlich sieht man, dass Spuren hinter einem liegen. Alles andere ist eine Überforderung. Mit 75 arbeitet sie weiter, weil es sie glücklich macht und es ihr dabei nicht langweilig wird.

Gestalten wir die Zukunft mit KI
Aus dem BCG Boston Consulting Group Newsletter vom 12. August 2025: Die Möglichkeiten für den Einsatz von KI scheinen bereits heute grenzenlos. Stellen wir uns vor, wie der Einsatz von KI zur Gestaltung von morgen aussehen wird. Deshalb müssen Unternehmensleiter zu «Vordenkern» werden, welche die Breite und Tiefe des transformativen Potenzials von KI begreifen. Sie müssen bereit und in der Lage sein, ein Unternehmen der Zukunft zu erschaffen, das es heute noch gar nicht gibt. Kompetente «Alte» mit ihrem grossen Erfahrungsschatz dienen dabei als Sparringspartner. Ein Weg in eine KI-gesteuerte Zukunft besteht darin, bestehende Strukturen wie Arbeitsabläufe neu zu gestalten. Dabei sollten Teammitglieder grösser Denken, über inkrementelle Verbesserungen hinausdenken und ganze Prozesse neu konzipieren, disruptives Denken einführen und neue Modelle erforschen. Die Auseinandersetzung mit der Frage, was geschieht wenn wir alle traditionellen Engpässe beseitigen, eröffnet einen zweiten Ansatz, bei dem Teams den neuen Mehrwert erkunden, den ein Unternehmen auf den Markt bringen könnte.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#395 – Hoffnung: Auch «Alte» im Startup

Regierungsbildung als Startup
Die Wahl vom 5. November in den USA war auch ein Vertrauensvotum für uns umtriebige «Alte». Während man in der Schweiz den Fachkräftemangel bewirtschaftet und gleichzeitig kompetente «Alte» zwangsweise mit 65 Jahren in die Pension schickt, erleben wir in den Vereinigten Staaten beispielhaft die Zusammensetzung einer neuen Regierung, unabhängig von Geschlecht, Alter und Herkunft. Das «Transition-Team», mit der Regierungsbildung beauftragt, schaut sich beim besetzen der rund viertausend Beamtenstellen in der Verwaltung unzählige Kandidat:innen an. Auch wenn eine gewisse «Loyalität» zum Chef ausschlaggebend ist, sucht man vor allem nach fähigen und kompetenten Persönlichkeiten, die das Land weiterbringen dürften. Auch soll gleichzeitig der Kündigungsschutz von Beamten gelockert werden, um Sesselkleber oder Illoyale «nach Belieben» entlassen zu können. Täglich erhitzen sich die Gemüter der europäischen Medien über jede neue (disruptive) Nominierung zu Schlüsselpositionen im Kabinett. Souverän ist jedoch, wer imstande ist, glaubhaft zu drohen. Im Beitrag von Christian Weisflog (50), Washington, NZZ vom 13. November 2024, vergleicht dieser das Casting in Mar-a-Lago, Florida, mit dem Charakter eines Startups. Viele der Vorgeschlagenen sind «Quereinsteiger:innen» mit wenig Erfahrung im Politbetrieb von Washington, was auf frischen Wind hoffen lässt und als Wahlversprechen bereits vor acht Jahren im Raum stand, aber wegen fehlender Mehrheiten nicht umgesetzt werden konnte. Das «Unternehmen» geht neue Herausforderungen nach dem Prinzip des Einfach-mal-Machens an. Learning by doing.

Hans Rudolf Giger (1940-2014), schweizer Künstler. HR Giger Museum: Dunkle Kunst und fremdes Universum 1967 (aus Geburtsmaschine)

Der Visionär für eine neue Führungsrolle
Mit Elon Musk (53), dem Tesla- und SpaceX-Gründer, wird ein Visionär an die Schalthebel der Nation geholt. Dieser wird die Vorteile modernster Technologie zur Verbreitung von Wissen und Bildung, sein Netzwerk und seine Erfahrung zum Fortschritt für das Land nutzen. Gleichzeitig mischt der reichste Mann der Welt in der Innen- und Aussenpolitik mit. Damit verbindet sich auch das Ziel, einer ungebrochenen Führungsrolle der USA im internationalen Wettbewerb. Der Vorwurf, dass man ein Land nicht wie ein Unternehmen führen kann, greift dabei zu kurz. Musks Interessen sind vielschichtig und umfassen beispielsweise auch die Bildung und damit die Zukunft einer Gesellschaft. Da der technologische Fortschritt parallel zu den globalen Herausforderungen immer schneller wird, ist eine Umgestaltung der Bildungssysteme weltweit unumgänglich geworden. Von zentraler Bedeutung für diesen Wandel ist die zunehmende Bedeutung von MINT und MINT-Lehrplänen, bei denen es sich nicht nur um akademische Trends handelt, sondern um wichtige Ansätze, um Studierende mit den Kompetenzen auszustatten, die sie für eine sich schnell entwickelnde Zukunft benötigen. MINT vermittelt Inhalte, Methoden und Konzepte, die eine vertiefte Auseinandersetzung mit Wechselwirkungen in den Themenfeldern Natur, Umwelt und Technik an Hand ausgewählter Phänomene ermöglichen.

Eine einfache Gleichung
Ein Ansatz, wie solche Ziele erreicht werden können, zeigt der Beitrag von Lucy Berbeo im UCLA Magazine vom 7. October 2024. Im Olga Radko Endowed Math Circle, auch bekannt als ORMC, nimmt die nächste Generation grosser Mathematiker Gestalt an. Es ist 10 Uhr an einem strahlenden Sonntagmorgen an der UCLA University of California Los Angeles und Vivian Moy-Dinsons Studierende sind keine gewöhnlichen Campus-Schüler:innen. Einige tragen Zöpfe, ein paar tragen Superhelden-Rucksäcke. Die animierten Kindergarten- und Erstklässler sind Teil des UCLA ORMC, einem kostenlosen, wöchentlichen Förderprogramm für begabte Schüler:innen der Klassen K–12 aus einhundert Postleitzahlengebieten im Grossraum Los Angeles. Quasi ein Spielplatz für einige der klügsten jungen Köpfe in der Welt der Mathematik. Das Programm wurde 2007 als Leidenschaftsprojekt der verstorbenen UCLA-Mathematikprofessorin Olga Radko ins Leben gerufen und richtet sich an Schüler:innn, die eines gemeinsam haben: Sie haben Spass an Mathematik und sind darin hervorragend.

Sein eigenes Universum erschaffen
Im Gang vor Oleg Gleizers Büro herrscht ein reges Treiben, wenn Eltern und Schüler:innen vorbeikommen, um Hallo zu sagen. Achtzig Prozent der Arbeit von ORMC, sagt er, besteht einfach darin, die Kinder in Mathematik auf das College vorzubereiten. «Wir wissen, was sie in der Schule lernen, und wir wissen, was sie brauchen, um in meinem Unterricht erfolgreich zu sein, in dem ich als UCLA-Professor Studierende unterrichte», sagt Gleizer. Es gehe darum, etwas viel Grösseres zu lehren als das Lösen von Gleichungen – es gehe darum, Kindern zu ermöglichen, die innere Schönheit von Mathematik zu erkennen und zu entdecken. «Im Grunde erschaffen sie jedes Mal, wenn sie Mathe machen, einen Teil eines Universums – ihres eigenen Universums», sagt er. «Und sie werden anfangen, die Dinge auf eine ganz andere Weise zu betrachten.»
Das Beispiel steht für einige meiner Gedanken zur zukünftigen Entwicklung unserer Gesellschaft, bei der wir «Alten» einen wichtigen Beitrag leisten müssen. Dank unserer Weisheit, Gelassenheit, Erfahrung, Reife und Neugier sind wir kompetenten «Alten» als Mentor:innen, Coaches oder Sparringspartner, willkommene Ergänzungen in gemischten Teams.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger