Blog, Industrie 4.0

#363 – «Alte» mit positiver Einstellung

Es gibt kein Zurück
Rückmeldungen auf meine Beiträge zu künstlicher Intelligenz, zeigen teilweise Verunsicherung bis zu genereller Ablehnung. Jemand bemerkt die, für das Trainieren der Programme ausbeuterischen Arbeitsbedingungen der Gig-Worker in Drittwelt Ländern und fragt, ob man nicht durch die Nutzung von KI solche Arbeitsmodelle fördert. Grosskonzerne profitierten von wenig staatlicher Regulierung und würden Sozial- oder Steuerabgaben umgehen. Gibt es noch ein zurück? Wahrscheinlich nicht. Jede Technologie produziert Gewinner und Verlierer. Innovation entsteht nicht durch ihre präventive Regulierung oder mit dem Aufbau finanzieller Hürden. Vergessen geht manchmal auch der unglaubliche Beitrag von Forschung, Wissenschaft und menschlichem Vorstellungsvermögen, bei der Innovation und Produktion von Hardware (Chips), ohne welche die notwendigen Rechenleistungen nie möglich wären. Wie auch die zigtausend neuen Stellen, Berufsfelder und Aufgaben, welche im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz geschaffen werden. Dass wir uns in ungewollte Abhängigkeiten begeben, die schlecht kontrollierbar sind, ist der Vormachtstellung gewisser Konzerne und Regierungen im technologischen Wettbewerb zu verdanken. Die Folgen sind Risiken für unsere Wirtschaft und die Bedrohung unseres Wohlstands.

Die «einzige» Schwachstelle der KI
Rob Toews erklärt in seinem Beitrag auf TEDAI vom October 2023, wie die weltweit wichtigste Spitzentechnologie nahezu vollständig in einer einzigen Anlage hergestellt wird. Darüber hinaus befindet sich diese Einrichtung in einem der geopolitisch angespanntesten Gebiete der Erde, ein Bereich, in dem viele Analysten glauben, dass ein Krieg innerhalb dieses Jahrzehnts unvermeidlich ist. Die Zukunft der künstlichen Intelligenz steht auf dem Spiel. Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company, oder TSMC, stellt die weltweit fortschrittlichsten KI-Chips her. Moderne künstliche Intelligenz wäre einfach nicht möglich ohne diese hochspezialisierten Chips und TSMC ist weltweit die einzige Fabrik dafür. Die Chip-Fertigungsanlagen beziehungsweise «Fabs» von TSMC, also die Gebäude, in denen Chips physisch gebaut werden, liegen an der Westküste Taiwans, nur rund 180 Kilometer vom chinesischen Festland entfernt. Es wäre also verheerend für die Menschheit, die Fähigkeit dieser Produktion zu verlieren, was den Fortschritt in der KI tiefgreifend beeinträchtigen würde. Die Hoffnung, dass sich die Diplomatie durchsetzt ist deshalb gross.

Artifi.AI Art Generator, Google Play, Quelle BCG Boston Consulting Group
Bild: Creative mind imagination concept art exploding emotions out of head inner thought and dreams

Aufgaben auch für uns «Alte»
Die Aufgabe von generativer künstlicher Intelligenz GenKI besteht nicht darin, Menschen aus dem kreativen Prozess herauszunehmen, sondern sie darin zu verbessern, indem sie alte Annahmen prüft, welche uns einschränken und das Streben nach echter Innovation behindern. «So haben wir es schon immer gemacht» oder «so machen es alle» sollen hinterfragt werden. In ihrem BCG Boston Consulting Group Beitrag vom 6. März 2024, fokussieren Alan Iny, Justin Manly, and Luc de Brabandere auf den Nutzen der GenKI. Dieser liegt offensichtlich vor allem in der Ideengenerierung. Sie kann Organisationen dabei zu helfen, ihre strategischen Annahmen zu hinterfragen, indem GenKI die Perspektive von Aussenstehenden, (fast) frei von menschlichen Vorurteilen einbringt und die Maschine damit ein wertvolles «Mitglied» eines Innovationsteams wird. (Randbemerkung zur aktuellen Situation: Erste Erkenntnisse zur Apple Vision Pro, dem tragbaren Gerät, das unseren Raum mit Apps, Unterhaltung, Fotos, Videos und mehr verwandelt, verweisen auf eine Ära, in der die Art und Weise, wie Menschen, Maschinen und unsere Umwelt miteinander interagieren, neu definiert wird.) Auch wir «Alten» finden dort unsere Aufgabe. Während GenKI auf dem Weg zur Innovation eine erhebliche Hilfe sein kann, bleibt menschliches Wissen unerlässlich – sowohl für die Entwicklung neuer Ideen als auch für deren Verwirklichung. Schliesslich werden Organisationen immer noch von Menschen geführt und besetzt. Kompetenz, Erfahrung und Weisheit sind für die Umsetzung von Strategien essenziell. Wir «Alten» müssen deshalb die Technologie verstehen, unterstützen und uns für sie begeistern. Zusammen sind wir Teil des Innovations- und Kommerzialisierungsprozesses.

Wie wird man zum KI-Experten – die neuen Jobs
«Führungskraft mit Verantwortung für künstliche Intelligenz» sei derzeit der heisseste Job in der amerikanischen Firmenwelt, schrieb kürzlich die «New York Times». KI-Spezialisten sind scheinbar gefragt wie nie. Wer sich mit den Werkzeugen auskennt, kann profitieren, denn viele der benötigten Kenntnisse gibt es in der Form bislang kaum als Angebot auf dem Arbeitsmarkt. Doch manche Jobs könnten ebenso schnell wieder verschwinden. Der Fokus liegt deshalb nicht unbedingt auf Personen, die eine umfassende Ausbildung durchlaufen haben. Im Grundsatz geht es darum, Leute mit der richtigen Einstellung zu engagieren, die gegenüber KI offen und interessiert sind, findet Roman Hirsbrunner, Geschäftsführer der Zürcher Werbeagentur Jung von Matt im Interview mit Nelly Keusch, NZZ vom 25.März 2024. «Wenn man zwei Kandidaturen in der Auswahl hat, wird man sich eher für diejenige entscheiden, die in diesem Bereich hohes Engagement zeigt.» Das trifft auch auf uns «Alte» zu, wo wir dank lebenslangem Lernen, sowie unserer Neugierde und Erfahrung im Business-Bereich, als Bindeglied zwischen Wirtschaft und Technologie dienen können. Um auf der KI-Karrierewelle mitzureiten, muss man auch nicht Programmierer:in sein, denn die echten Spezialisten arbeiten sowieso bei Open AI. Hingegen werde es in fast allen Arbeitsbereichen Fachkräfte brauchen, die mit KI mindestens vertraut seien, sagte der Linkedin-COO Daniel Shapero kürzlich gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Welche Berufe werden bleiben?
Viele hätten inzwischen erkannt, dass die Technologie nicht angetreten sei, um Mitarbeitende zu ersetzen, schreibt Nelly Keusch weiter. «Einige Jobs werden anders aussehen, manche werden verschwinden, aber viele werden auch neu entstehen.» Die Linkedin-Chefökonomin Karin Kimbrough sagte im Gespräch mit der «New York Times» bereits das nahende Ende der KI-Berufe voraus. «KI wird sich durch viele Rollen ziehen und so tief verwurzelt sein, dass die spezifische Berufsbezeichnung KI verschwinden wird.» Und manche der KI-Berufe wie die der Prompt-Ingenieur:innen sind so spezifisch, dass sie durch die rasche Entwicklung der Technologie von selbst abgeschafft werden könnten. In einer Studie zur Frage, wie sich die Antworten von Sprachmodellen am besten optimieren lassen, war das verblüffende Resultat: Die Ergebnisse sind dann am besten, wenn das Sprachmodell aufgefordert wurde, sich selbst eine optimale Aufforderung auszudenken. Die beste KI-Expert:in ist also die KI selbst.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

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Industrie 4.0

#324 – 75 Jahre digitales Rechnen

Die Maschine die wir nie vollständig verstehen können
Gespräche mit Freunden und Bekannten aus der «Babyboomer»-Generation und ein Bericht über die Inbetriebnahme des experimentellen Computers «Manchester Baby» in England vor 75 Jahren, inspirierten meinen heutigen Blog-Beitrag. Ich staune immer wieder darüber, wie lange es dauert bis wir Menschen Veränderungen zulassen. Noch heute zweifeln viele «Alte» an den Vorteilen der Digitalisierung. Trotz jahrzehntelanger Forschung an programmierbaren Maschinen, die uns Menschen die Arbeit vereinfachen sollen, halten solche Erkenntnisse höchstens am Rande Einzug in unser Bildungswesen. Die Fähigkeit, ethisch und kritisch über das Verhalten einer Maschine nachzudenken, die man nie vollständig verstehen kann, wäre eigentlich unerlässlich. Susanne Gaschke fragt in anderem Kontext, zu den Gefahren für die Demokratie in Deutschland, NZZ vom 23. Juni 2023: «Funktionieren die Schulen so, dass die Kinder genug lernen, um ihr Leben später sinnvoll leben zu können? Bringen die Hochschulen Erfinder und Denker hervor oder nur noch Zertifikate?». In den späten 1960er Jahren war für uns im Studium immer noch der Rechenschieber das Mass aller Dinge, obwohl IBM seit 1952 mit Lochkarten programmierbare Grossrechner (IBM mainframe) produzierte.

Räumliches berechnen
Aktuell befinden wir uns mitten in der Diskussion um die Vor- und Nachteile im Umgang mit KI künstlicher Intelligenz und wie wir zukünftig mit unseren Endgeräten interagieren. Mit so viel Spannung ist wohl selten eine Hardware erwartet worden wie die von Apples erstem räumlichen Computer, Vision Pro, anfang Juni 2023. Obwohl die Brille in Europa erst nächstes Jahr auf den Markt kommen wird, dürfen wir uns auf eine total neue Erfahrung im Umgang mit Computern freuen, weg vom starren Blick auf den Desktop, hinaus in den Raum. Dabei entspricht die Idee, unseren Gedanken freien Lauf zu lassen und dank erweiterter Realität, die Wirklichkeit mit Virtualität zu überlagern, einem lange gehegten Wunsch von uns Menschen.

Apple visionOS Simulator – Erste Eindrücke, Bild: Heise.de-online, Juni 2023

Paradigmenwechsel im Umgang mit Maschinen
Trotz den Möglichkeiten zum Einsatz von KI in der Kommunikation behält das analoge Faxgerät nach wie vor einen Platz in manchem Betrieb. Das papierlose Büro, das uns vor über 30 Jahren versprochen wurde, ist heute immer noch nicht Realität. Gegen Vorurteile kämpfen Lösungen zum bargeldlose Bezahlen, das E-Voting oder das elektronische Patientendossier. Argumentiert wird zu oft mit Sicherheitsbedenken und dem Persönlichkeitsschutz. Doch die Hoffnung besteht, dass wir aus der Geschichte lernen und vermehrt über kreative Problemlösungen sprechen, anstatt über die technische Machbarkeit, welche sowieso nur von wenigen Menschen verstanden wird. Losgelöst von den Zwängen der vergangenen Jahrzehnte, einer unverständlichen Logik von Maschinen zu folgen, öffnet sich nun der Weg für einen Paradigmenwechsel. Wir «Alten» übernehmen darin dank unserer Seniorität, auch die Funktion des «sozialen Gewissens» und der Verantwortlichkeit. Viele von uns sind, entgegen gängiger Annahmen, technisch fit und offen für Neues. Rachel Manetsch, Gründungsmitglied von «FocusFuture», dem Netzwerk für die Gestaltung des dritten und vierten Lebensabschnitts, wünscht sich in diesem Zusammenhang keine «Altersheim-Romantik».

Detailansicht, Manchester University SSEM ‚Baby‘, Museum of Science and Industry in Manchester, GB. Bild: Wikipedia

Die Analyse der Analysemaschine
Ein Computer ist eine Maschine, die so programmiert werden kann, dass sie Abfolgen arithmetischer oder logischer Operationen (Berechnungen) automatisch ausführt. Moderne digitale elektronische Computer können generische Operationssätze, sogenannte Programme, ausführen. Der erste automatischen Digitalcomputer, der den modernen Maschinen ähnelte, wie wir sie heute kennen, wurde zwischen 1833 und 1871 vom englischen Mathematiker und Erfinder Charles Babbage (1791-1871) erfunden. Er entwickelte ein Gerät, die Analysemaschine, und arbeitete fast 40 Jahre lang daran. ENIAC Electronic Numerical Integrator and Computer wurde von der US-Armee, dem Ordnance Corps und dem Forschungs- und Entwicklungskommando unter der Leitung von Generalmajor Gladeon M. Barnes finanziert und war der erste programmierbare, elektronische Allzweck-Digitalcomputer, der 1945 fertiggestellt wurde. ENIAC wurde von John Mauchly, Physikprofessor am Ursinus College, und J. Presper Eckert von der University of Pennsylvania, entworfen und war in Aberdeen, im US Bundesstaat Maryland, bis 1955 in Betrieb.

Manchester University: SSEM ‚Baby‘ Nachbildung im Museum of Science and Industry in Manchester, GB. Bild: Wikipedia

Vorgängermodell der heutigen Miniaturisierung
Vor 75 Jahren, am 21. Juni 1948, war das Baby gebaut und funktionsfähig. Es war 5,20m lang, 2,24m hoch und wog fast eine Tonne. Die «Small-Scale Experimental Machine», genannt Manchester Baby (später Manchester Mark I), war der erste auf der Von-Neumann-Architektur basierende Computer, aufgebaut mit Röhren. Entwickelt wurde er ab 1945 an der Victoria University of Manchester von Frederic Calland Williams, Tom Kilburn und Geoff Tootill um Phänomene der Williamsröhre zu untersuchen. Diese wurde als Speicher nutzbar, nachdem Williams 1946 ein Verfahren entwickelte, den Speicher innerhalb von Millisekunden zu regenerieren. Im Juni 1948 wurde damit der Nachweis erbracht, dass sowohl Programm- als auch Arbeitsspeicher im Computer-Speicherwerk gehalten werden können. Das Baby hatte eine Wortlänge von 32 Bit und einen Speicher von 32 Wörtern (1 Kilobit, 1.024 Bit). Ein funktionsfähiger Nachbau der Small-Scale Experimental Machine befindet sich heute im Museum of Science and Industry in Manchester.

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#322 – Die intelligente Brille von Apple

Apple Vision Pro – Generation Null
Wir «Alten» können uns über diese neue Technologie freuen. Sie wird uns in Zukunft vom umständlichen Einloggen mit Passwörtern oder der einschränkenden Nutzung von Tastaturen und begrenzten Bildschirmformaten befreien. Auch wenn dies auf den ersten Blick noch nicht erkennbar ist, geht der Trend weg von umständlicher Hardware. Zwar haben wir uns daran gewöhnt, dass überall Menschen mit Blick auf ihre Smartphones herumlaufen und dabei die Umgebung völlig ausblenden. Der Tag wird kommt, wo die Technik auf die Grösse einer normalen Brille zusammen-schrumpft, womit ein riesiges, flexibles Display stets auf unserer Nase sitzt.

Dreidimensionales Computing
Apple als weltgrösster Konzern hat es bisweilen geschafft, unser Leben mit immer neuen Geräten zu verändern. 1984 mit dem ersten tragbaren Macintosh Computer (inklusive Rucksack), 2007 mit dem iPhone. Im Frühling 2023 tritt Apple Vision Pro nun in riesige Fussstapfen: Mac und iPhone haben nicht nur Geschichte geschrieben, sondern uns auch vorgegeben, wie und wo wir Computer verwenden und diese bedienen. «visionOS» und Apples erstes Extended-Reality-Headset «Apple Vision Pro» sollen Software nun aus begrenzten Bildschirmen lösen und dreidimensional greifbar machen, die Steuerung der Bedienoberfläche erfolgt vorrangig per Augen-Tracking, Handgesten und Spracheingaben. Der Konzern setzt dafür auf sehr teure Technik, inklusive einem neuen Betriebssystem und einer eigene Plattform, mit der Apple den Umgang mit Apps und Medien verändern will. Dabei bilden die iOS-Apps und der App Store die seit langem bewährte Basis. ⇲ Youtube Video (9:21 Minuten)

Die gesamte Front der Vision-Pro-Brille wird von laminiertem Glas bedeckt. Der Rahmen besteht aus leichtem Aluminium. Bild: Apple 2023

The next big thing
In seinem Kommentar zur neuen Brille von Apple auf heise.de-online vom 6. Juni 2023 glaubt Leo Becker, dass Apple Vision Pro der holprige Anfang vom Ende des iPhones sein könnte. Auch wenn vieles noch etwas unelegant erscheint, ist die Marschrichtung doch klar. Die Brille mit Konkurrenzprodukten zu vergleichen scheint müssig, denn mit den über 5’000 angemeldeten Patenten handelt es sich um einen entscheidenden technischen Sprung. Vision Pro stellt erst die Generation 0 dieser für Apple ganz neuen Produktkategorie dar. Geringe Latenz (schnelles Internet vorausgesetzt) und scharfe Textdarstellung machen den virtuellen Arbeitsplatz erstmals greifbar. Zur Steuerung verlässt sich der Hersteller auf Handgesten, Augen-Tracking und Sprache, aber auch klassische Eingabegeräte werden unterstützt – von der Bluetooth-Tastatur bis zum Game-Controller.

Da das Vision Pro das Gesicht des Trägers nicht komplett filmen kann, scannt sich dieser mit der umgedrehten Brille einmal selbst. Damit erhält man eine digitale «Kopie» des Gesichts, etwa für FaceTime. Bild: Apple 2023

Eine neue Computing-Ära
Statt am eigenen Ökosystem zu sägen, baut Apples neue Plattform in vollem Umfang auf dem bestehenden Erfolgsmodell auf, wie iOS-Apps, die im virtuellen Raum erscheinen. Der Anfang ist gemacht und Apple hat einen langen Atem und viel Geld, um das Gerät und die Plattform Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Was jetzt noch seltsam oder gar gruselig wirkt (die Projektion des eigenen Gesichts auf die Aussenseite der Brille für Chat-Funktionen), könnte jedenfalls der Anfang einer neuen räumlicheren Computing-Ära sein. Sollte es Apple in den nächsten Jahren gelingen, die Technik auf die Grösse einer normalen Brille zu schrumpfen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wofür man zusätzlich noch ein Smartphone oder Tablet herumschleppen sollte. Mit «Optic ID» sorgt ein biometrisches Verfahren dafür, dass nur Eigentümer der Brille etwa Apple Pay oder Passwort-Autofill nutzen können.

Apple Konzeptbrille 2020

Maschinelles Lernen statt künstliche Intelligenz
Apples CEO Tim Cook spricht ganz bewusst von maschinellem Lernen statt künstliche Intelligenz. Nutzer von MacOS erkennen diesen Mehrwert seit Jahren. Daniel Herbig, Heise.de_online 6. Juni 2023, erklärt in seinem Beitrag die Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit Apple Vision Pro: VR, AR, MR und Spatial Computing (räumliche Nutzung). Die genannten Techniken lassen Realität und Virtualität verschmelzen. In der Regel wird dafür das Sichtfeld mithilfe von Headsets («Brillen») ergänzt oder komplett ersetzt. Noch vor wenigen Jahren gab es ein klares Bild: Augmented Reality (AR) blendet Objekte in das reale Blickfeld eines Headset-Trägers ein, Virtual Reality (VR) ersetzt das Blickfeld komplett mit virtuellen Inhalten. Doch technische Fortschritte, Mischformen und Marketingnamen der verschiedenen Hersteller haben die Begrifflichkeiten in der Zwischenzeit derart verwässert, dass eindeutige Definitionen schwer geworden sind.

Arbeiten mit dem Computer wird intuitiv
Beim Apple Vision Pro-Headset, und das ist wichtig für uns «Alte», handelt es sich um eine räumliche Nutzung des Computers (spatial computing). Diese kombiniert sowohl virtuelle Information als auch die reale Welt zusammen mit Steuerungselementen zu einer erweiterten Realität (extended reality XR) vor unseren Augen. Apple Vision Pro ist ein eigenständiges System, ein Computer den man auf der Nase trägt und der von unseren Gewohnheiten im Umgang mit dem Gerät lernt, wie wir das beispielsweise aus Korrekturfunktionen bei Schreibprogrammen kennen. Auch wenn es anfangs noch etwas gewöhnungsbedürftig ist, wird auf lange Sicht die Nutzung von Computern dank intuitiver Interaktion für uns Menschen logischer und einfacher.

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