Blog, Industrie 4.0

#439 – Weiterbildung für «Alte» kein Mehrwert

Wenn die künstliche Intelligenz KI sich selbst zensiert
Beim Mittagessen in Zürich mit ehemaligen Studierenden der UCLA University of California at Los Angeles, sprachen wir über aktuelle Entwicklungen am Stellenmarkt. Wie schwierig es wird, wenn Jobapplikationen, die mittels künstlicher Intelligenz KI generiert wurden, in der Folge von KI-Programmen geprüft werden. Wie unterscheidet man sich in der Menge von Kandidaturen, um einen Schritt weiter zu kommen. Menschen mit Ideen werden Immer gefragt sein. Leute die kreativ denken, die neugierig sind und einen ausgeprägten Gestaltungswillen haben. Allein das biologische Alter eines Menschen ist dabei nicht wirklich ausschlaggebend. Es gibt genügend Junge, welche in antiquierten Denkmustern verharren. Erfahrene, gelassene, selbstsichere, reife und kompetente «Alte», braucht es als Mentoren oder Sparringspartner im Team mit Jüngeren.

In die Alleinstellungsmerkmale der Menschen investieren
Auch die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine ist ein Schlüssel. Um mit KI-Agenten die Arbeit von Menschen zu ergänzen, sind zum Trainieren der Programme auch soft Skills wie Agilität, Veränderungsbereitschaft und berufsübergreifendes Verständnis, anstelle von Silodenken wichtig. Bei der Auswahl von Kandidat:innen müsste man sich folglich auf Fähigkeiten, die Menschen von Maschinen unterscheiden fokussieren. Das gilt auch für die Schule und das Bildungssystem. Politik und Wirtschaft sollten dort investieren, wo Menschen Alleinstellungsmerkmale haben. Generell sollten wir uns auf Berufe konzentrieren, in denen emotionale und soziale Intelligenz zählt, sowie kritisches Denken, Ethik, Philosophie, Sinnstiftung, Kreativität und zwischenmenschliche Interaktion. Darin werden KI-Systeme auch künftig nie so gut sein wie die Menschen.

Wie die KI bezahlte Arbeit reduzieren wird
Im Kontakt mit dem Partner eines mittelgrossen Architektur- und Planungsbüros, vernehme ich wie man sich fürchtet Informationen mittels künstlicher Intelligenz KI zu teilen. Obwohl die Konkurrenten mit ihren Projekten gleichermassen auf den Zeitgeist reagieren und zu fast deckungsgleichen Erkenntnissen kommen, ziert man sich beim Thema KI mit Verweis auf den Datenklau. Die Vorbehalte erinnern stark an die Bedenken gegenüber computergestützten Zeichnungsprogrammen vor 50 Jahren. Zurückhaltung ist jedoch gefährlich, denn die Technologie entwickelt sich rasant. Im Interview mit Jan Bolliger und Joachim Laukenmann, Tagesanzeiger vom 25. September 2025 unter dem Titel: «Wegen KI werden bis zu 70 Prozent aller beruflichen Aufgaben wegfallen» sagt der Philosoph und Ethiker Peter G. Kirchschläger voraus, wie die digitale Transformation zusammen mit künstlicher Intelligenz KI zu einer massiven Reduktion bezahlter Arbeit führen werden.

Alexander Calder (1898-1976), amerikanischer Bildhauer, Calder Gardens Museum / Herzog & de Meuron, Philadelphia, Pennsylvania, USA 2025, © Iwan Baan, © 2025 Calder Foundation, New York / Artists Rights Society (ARS), New York

Wenn die KI ihre eigenen Aufgaben übernimmt
Kirchschläger, Leiter des Instituts für Sozialethik ISE an der Universität Luzern und Gastprofessor an der ETH Zürich, begründet in seinem neuen, auf Englisch erschienenen Fachbuch «Ethics and the Digital Transformation of Human Work», wie ein fundamentaler gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Systemwandel vonnöten sei. Er stellt fest, dass sich der aktuelle technologische Wandel grundlegend von früheren Umbrüchen, wie der Industrialisierung, unterscheidet. KI-Modelle – oder datenbasierte Systeme DS, wie er sie bezeichnet – können nicht nur heutige Aufgaben übernehmen. Sie entwickeln sich auch von selbst weiter und schaffen neue Aufgaben, welche sie gleich selbst übernehmen. Es wird uns Menschen für vieles schlicht nicht mehr brauchen, weil datenbasierte Systeme und Roboter unsere Jobs zwar nicht unbedingt besser, aber günstiger erledigen werden. Ein weiterer wichtiger Unterschied zu früheren technologischen Umbrüchen: Es werden praktisch alle Berufsgruppen unabhängig von der Qualifikation betroffen sein. Wenn wir davon ausgehen, dass wegen der KI 50 bis 70 Prozent aller beruflichen Aufgaben wegfallen würden, müssten wir jetzt handeln, denn unser Wirtschaftssystem kann die Vollbeschäftigung nicht mehr gewährleisten. Wir müssten uns davon verabschieden. Es wäre also unverantwortlich, den Leuten zu sagen, sie hätten nichts zu befürchten, wenn sie digital fit blieben. Wenn es wegen KI keine Aufgaben mehr gibt für Menschen, hilft auch keine Weiterbildung.

Mittels KI zu intelligenten Robotern
Zweifler an den aktuellen Technologien glauben immer noch, dass es sich lediglich um einen weiteren Hype handelt, den es auszusitzen gelte. Dabei erreichen uns fast wöchentlich Neuigkeiten zu weiteren Entwicklungen. In ihrer Präsentation vom April 2024 auf der TED-Plattform (12:54) in Vancouver BC, berichtete Daniela Rus (62), Direktorin des Computer Science & Artificial Intelligence Laboratory des MIT und Buchautorin, über ihre Forschungsarbeit mit dem Titel: «How AI will step off the screen and into the real world», wie die KI vom Bildschirm in die reale Welt tritt. Heute leitet Rus das Computer Science and AI Lab des MIT, die grösste Forschungseinheit am MIT. Zusammen mit brillanten und mutigen Forschern arbeitet sie an der Zukunft der Computertechnik und erfindet intelligente Maschinen. Künstliche Intelligenz und Robotik waren vor Jahren in der Computertechnik noch weitgehend getrennte Bereiche. KI hat uns mit ihrer Entscheidungsfindung und Lernfähigkeit beeindruckt, blieb aber auf Computer beschränkt. Roboter andererseits sind physisch präsent und können vorprogrammierte Aufgaben ausführen, aber sie waren nicht intelligent.

Die Mensch-Roboter-Beziehung
Diese Trennung beginnt sich zu ändern. KI muss sich von der zweidimensionalen Computerbildschirm-Interaktion lösen und in eine lebendige, physische 3D-Welt eintreten. Deshalb verschmelzen die Forschenden in Rus‘ Labor die digitale Intelligenz der KI mit der mechanischen Leistungsfähigkeit von Robotern. Rus nennt es physische Intelligenz, was bedeutet, dass die Fähigkeit der KI, Texte, Bilder und andere Online-Informationen zu verstehen, genutzt wird, um Maschinen in der realen Welt intelligenter zu machen. KI vorprogrammierte Roboter können ihre Aufgaben besser erledigen, indem sie Wissen aus Daten nutzen. Mit physischer Intelligenz befindet sich KI nicht nur in unseren Computern, sondern läuft, rollt, fliegt und interagiert auf überraschende Weise mit uns. Wir «Alten» müssen, aus unserer Erfahrung, die Entscheidungsfindung von Maschinen überdenken und dazu deren Konstruktion und Lernweise neu organisieren. Man kann es sich wie eine Mensch-Roboter-Beziehung vorstellen.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#169 – Postpandemische Notlösung der Notlösung

Neue Tatsachen
Grégoire Barbey, freiberuflicher Journalist, warnt in seinem Beitrag vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise, swissinfo.ch vom 5. Mai 2020. Obwohl es uns vorläufig gelungen ist, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, bleibt seine Präsenz bestehen. Wir werden also damit leben müssen, und dies wird Konsequenzen für die Wirtschaft haben. Unternehmen werden nicht in der Lage sein, mit den gleichen Freiheiten wie zuvor fortzufahren. Die bevorstehenden Einschränkungen werden den Erfolg vieler Sektoren belasten. Der Leiter der Société des Cafetiers, Restaurateurs et Hôteliers de Genève schätzt, dass rund ein Drittel der Betriebe aufgrund der Krise nicht wiedereröffnen können.

«Covid19 – Warum alles gleich bleibt»
In seinem lesenswerten Beitrag beschreibt Fabrikant Dr. Joël Luc Cachelin, Wissensfabrik vom 8. Mai 2020, ein Szenario, das wesentlich schlimmer als die Wiederholung des Lockdowns wäre: Wenn sich durch Covid19 nichts verändert. Dann sitzen wir noch für Jahrzehnte im Wartesaal der Zukunft – voll unerfüllter Hoffnungen auf nachhaltigen, sinn- und lustvollen Fortschritt. Folglich stellt sich die Frage, ob Covid19 ein genügend grosser Schock ist, um Fortschritt und Innovation aus der Bondage der Vergangenheit zu lösen. Oder ob alles gleich bleibt. Sieben Gründe in seinem Blog sprechen zugunsten der Fesseln der Vergangenheit.

Mediamatic Biotoop, distanziert auf der Insel Oosterdok, Amsterdam, Bild: ANP/AFP via Getty Images

Kreativität und Gestaltungswille sind gefragt
Produkte und Dienstleistungen müssen einen hohen Qualitätsanspruch erfüllen, daran haben wir uns gewöhnt. Einkaufs- und Freizeiterlebnisse wurden über die Jahre perfektioniert. Gute Küche, freundliche Bedienung aber auch die Atmosphäre sind uns wichtig beim Besuch eines Restaurants. Dann kam die behördliche Schliessung, für die meisten von uns völlig überraschend. Man improvisierte mit kurzfristigen Massnahmen und das wurde akzeptiert. Niemand wusste wie lange der Lockdown andauern würde. Doch im postpandemischen Alltag müssen wir uns neu ausrichten. Jede Krise bietet auch Möglichkeiten, scheinbar Unverrückbares neu zu denken. Uns «Alten» hilft in solchen Situationen die Erfahrung und ein, naturgemäss mit den Jahren, erweiterter Horizont. Durften wir doch In unserem Leben viele kreative Lösungen mitgestalten. In scheinbar ausweglosen Szenarien verfügen wir über die notwendige Distanz und eine gewisse Abgebrühtheit für neue Konzepte, auch Kreativität ist mehr denn je gefragt.

Nachhaltige Modelle statt Improvisation
Zwei Monate bei schönstem Wetter «zuhause» bleiben und vom Staat unterstützt werden macht auch träge. Deshalb müssen wir uns umgehend wieder proaktiv mit unserer Zukunft befassen. Keine einfache Aufgabe. Wir fragen uns: Sind unsere Geschäftsmodelle noch konkurrenzfähig. Was sind die Alleinstellungsmerkmale unserer Produkte und Dienstleistungen. Denn auf längere Sicht werden sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht ändern. Abstandmarkierungskleber auf dem Boden und Plastikbänder als Absperrung sind nicht mit unserem Qualitätsanspruch vereinbar. Die filigranen Plexiglasscheiben in ausgewählten Geschäften haben wenig gemeinsam mit den teilweise abenteuerlichen Konstruktionen an manchen Supermarktkassen. Um als Betrieb erfolgreich zu sein muss sich die Kundschaft trotz Sicherheitsmassnahmen wohl fühlen. Licht und Luft anstatt düstere Räume mit schummriger Beleuchtung. Im Vergleich zu den Einnahmeausfällen vergangener Monate sind die Mehrkosten für ansprechende Massnahmen relativ gering.

Leidenschaft und Erfahrung von «Alten» hilft
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte», Frauen und Männer im Team, auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung, auch in der Krise mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein uns registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger