Blog, Industrie 4.0

#438 – Innovative «Alte» in Aufsichtsgremien

Krisenerprobte Netzwerker gefragt
«In der Schweiz liegt die Zahl der Firmenkonkurse auf einem Rekordniveau – und die Folgen des Zollhammers kommen erst noch» schrieb Dominik Feldges in der NZZ vom 8. September 2025. Besonders Exportunternehmen leiden unter der schwachen Weltkonjunktur und der grossen Unsicherheit, welche die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sowie die zahlreichen Zoll- und Handelsstreitigkeiten auslösen. Wenn Kunden sich mit Investitionen zurückhalten, leeren sich die Auftragsbücher vieler Firmen bedenklich schnell. Die Welt wird immer komplexer, Globalisierung und Digitalisierung zwingen zu raschen Anpassungen und neuen Regulierungen. Oft sind die Folgen Investitionsstopps, obwohl sich gerade in solchen Situationen auch grosse Chancen auftun. Es ist eine gute Zeit, um seine Position im Markt zu hinterfragen. Anstatt über Tatsachen die man nicht ändern kann zu Jammern, lohnt sich die Betrachtung mittels kritischer Aussensicht. Nicht durch beratungsresistente Berater, mit ihren Checklisten und 08/15 Ratschlägen. Dafür haben neugierige und innovative «Alte» bereits verschiedene Krisen durchlebt und können Situationen besser einschätzen als ihre jüngeren Berufskolleg:innen. Als Mentor:innen, Coachs oder Berater:innen sorgen sie für Stabilität im Team, mit ausgeprägter Problemlösungskompetenz, Gestaltungswillen und einem breiten Netzwerk an Expertise.

Erwin Wurm (71), österreichischer Künstler: Fat Convertible, 2005, © Erwin Wurm/Bildrecht, Wien, 2024, Photo: Vincent Everarts

Zeit um etablierte Geschäftsmodelle zu hinterfragen
Claude Federer von Creditreform stellt fest, dass zurzeit jede fünfte Publikation eines Firmenkonkurses auf den Bausektor entfällt. Werde weniger investiert, spüre dies die Planungs- und Baubranche jeweils besonders heftig. Erschwerend kommt vor allem für das Bau-Nebengewerbe mit seinen vielen Handwerksbetrieben hinzu, dass die Eintrittsschwellen für neue Anbieter niedrig sind. Bei einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung reicht bereits ein Startkapital von 20’000 Franken. Firmen, die wie Strategieberater, Personalvermittler oder Planende Dienstleistungen erbringen, lassen sich mit wenig Aufwand gründen. «Als Ausrüstung genügen in der Regel ein Laptop und ein Telefon», sagt Federer. Die Konkurrenz in diesem Geschäftsfeld, in dem sich viele «Einmannbetriebe» tummeln, ist entsprechend gross. Als Mentor für junge Architekt:innen stelle ich immer wieder mangelnde Organisations- und Marketingkompetenz und eine Abneigung gegenüber Digitalisierung fest. «KI ist keine heisse Luft, sie bringt heute schon Effizienzgewinne», sagt Arthur Jurus, Anlagechef bei der Bank Oddo BHF im Beitrag von Fabrice Obrist , NZZ vom 20. September 2025, über die Rekordgewinne an der US-Börse. Entscheidend für weitere Gewinne werde sein, ob die Unternehmen mit der Implementierung von KI tatsächlich die erwarteten Produktivitätsgewinne realisieren können. Durch den Einsatz von KI nutzen erfolgreichen KMUs die Vorteile digitaler Transformation im Wettbewerb. Die KI übernimmt zeitaufwändige Standardtätigkeiten (Buchhaltung, Terminplanung, einfache Kundenanfragen), während sich die «Patrons» dank ihrer Ausbildung und Kreativität auf komplexe Projekte und strategische Aufgaben konzentrieren können. In Krisenzeiten lohnt es sich digitale Werkzeuge konsequent einzusetzen, neue Prozesse zu adaptieren oder lang etablierte Geschäfts- und Honorierungsmodelle zu hinterfragen.

Das Prinzip Hoffnung ist eine schlechte Strategie
Dr. Lukas Glanzmann, Partner bei der Anwaltskanzlei Baker McKenzie und Titularprofessor für Wirtschaftsrecht an der Universität St. Gallen stellt fest: Die meisten Unternehmen machen lieber weiter, bis sie den letzten Franken ausgegeben haben. Sie handelten, sagt der Rechtsprofessor, nach dem Prinzip Hoffnung – dass sie es irgendwie doch noch schafften, wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Karsten Lafrenz (47), der sich bei der Beratungsfirma Alix Partners schwergewichtig mit Restrukturierungen und Sanierungen beschäftigt, hält es derweil für legitim, dass sich viele Unternehmer auch in Krisenzeiten ihren Optimismus nicht nehmen lassen wollen. Wer nicht an die Zukunft glaube, könne keine Firma führen, sagt er. Dennoch findet Lafrenz, dass Unternehmen unbedingt einen Plan B für den Fall parat haben sollten, dass sich die erhoffte Besserung nicht einstelle. Er sieht dabei auch die Verwaltungsräte in der Pflicht. Die Aufsichtsgremien, sagt der Berater, seien oft aus erfahrenen «Alten» zusammengesetzt, die schon die eine oder andere Krise erlebt hätten. In den Geschäftsleitungen treffe man manchmal das Gegenteil an. Manche der heutigen Manager in der Schweiz, gibt Lafrenz zu bedenken, seien zu jung, um schon einmal Erfahrungen mit einem hartnäckigen Wirtschaftsabschwung gesammelt zu haben. «Jahrelang ging es für sie nur aufwärts.»

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

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#437 – Erfahrene «Alte» beim trainieren der KI

«Alte» im Team verfügen über breite Erfahrung
Wir «Alten» stehen oft vor besonderen Herausforderungen am Arbeitsmarkt, obwohl wir über enormes Wissen und wertvolle Erfahrungen verfügen. Wir fürchten uns vor einem Jobverlust durch den Einsatz von künstliche Intelligenz KI, auch wegen mangelnder Weiterbildung oder weil wir angeblich «zu teuer» sind. Im Austausch mit meiner Lieblings-KI CLAUDE von Anthropic suchten wir nach Möglichkeiten, wie man seine Lebenserfahrung erfolgreich vermarkten kann. CLAUDE ist der Meinung, statt das Alter zu verstecken, sollten wir unsere jahrzehntelange Expertise bewusst hervorheben. Als erfahrene Fachkräfte bringen wir Stabilität, ausgeprägte Problemlösungskompetenz und ein breites Netzwerk mit. Wir haben bereits verschiedene Herausforderungen durchlebt und können Situationen besser einschätzen. Als Mentor:innen, Coachs oder Berater:innen können wir jüngere Kolleg:innen anleiten und gleichzeitig neue Energie aus der Zusammenarbeit schöpfen.

KI als Verstärker für Erfahrungswissen
Durch den Einsatz von KI nutzen KMUs die Vorteile digitaler Transformation im Wettbewerb. Viele Unternehmen suchen nach Möglichkeiten, das Wissen erfahrener Mitarbeiter:innen, auch nach deren Weggang zu bewahren. Oft gibt es spezielle Bereiche, in denen Erfahrung besonders gefragt ist, wie beispielsweise in traditionellen Handwerkstechniken oder bei der Beratung zu bewährten Geschäftspraktiken. Anstatt zu versuchen, in allen Bereichen auf dem neuesten Stand zu bleiben, sollten wir «Alten» unsere persönlichen Interessen durch kontinuierliche Weiterbildung, gezielt auf neue Kompetenzen fokussieren. Dies erlaubt uns in Kombination mit bewährtem Wissen und neuen Erkenntnissen, Probleme strategisch anzugehen.

Bewahren und Weitergabe von traditionellen Werten
Mit «Alten» Mitarbeitenden im Betrieb stehen Kleinunternehmen oft vor dem Dilemma, Kosten senken zu müssen, ohne gleichzeitig deren wertvolles Erfahrungswissen zu verlieren. Wir «Alten» können dabei unser Fachwissen in KI-Tools einbringen und deren Outputs qualitätssichern. Ein routinierter Handwerker kann beispielsweise KI-generierte Kostenvoranschläge prüfen und um praktische Erfahrungswerte ergänzen – schneller als von Hand, aber präziser als reine KI. Eine weitere Möglichkeit die sich für uns «Alte» eröffnet ist die systematische Digitalisierung von unternehmens Know How. KI kann dabei helfen, das implizite Wissen erfahrener Mitarbeitenden zu strukturieren und zugänglich zu machen. Chatbots werden mit dem Erfahrungswissen «trainiert», das auch nach dem Ausscheiden einer Person verfügbar bleibt. «Alte» helfen dabei, Routine-Aufgaben zu automatisieren. Die KI übernimmt zeitaufwändige Standardtätigkeiten (Buchhaltung, Terminplanung, einfache Kundenanfragen), während sich erfahrene Mitarbeitende auf komplexe Beratung und strategische Aufgaben konzentrieren können.

Der Graubündner Künstler Not Vital (77) auf der Treppe seines Turms. Foto: Mayk Wendt 2018

Kompetenz-Matching optimieren
KI kann helfen zu identifizieren, welche spezifischen Fähigkeiten der erfahrenen Mitarbeitenden am wertvollsten sind und wo sie am effektivsten eingesetzt werden können. KI-Tools unterstützen hybride Arbeitsmodelle und ermöglichen auch uns «Alten» Mitarbeitenden, remote oder in flexiblen Arbeitszeiten produktiv zu bleiben – etwa durch automatisierte Berichterstattung oder KI-gestützte Kommunikation mit Kunden. KI kann personalisierte Lernpfade erstellen und dabei an das vorhandene Wissen von uns «Alten» anknüpfen, statt bei null zu beginnen.

«Alte» auf Augenhöhe im Team mit den Jungen
Viele Beteiligte – von Entscheidungsträgern bis zu den Teams vor Ort – zögern immer noch, digitale Werkzeuge konsequent einzusetzen, neue Prozesse zu adaptieren oder lang etablierte Geschäftsmodelle zu hinterfragen. Unternehmen müssen angesichts geopolitischer Komplexität, neuer Technologien und der Notwendigkeit operativer Geschwindigkeit auch den richtigen Ansatz für ihre Softwarelösungen wählen. Dies erfordert eine sorgfältige Bewertung anhand von strategischen Fragen. Andernfalls riskieren sie, eine Anwendungslandschaft zu schaffen, deren Wartung kostspielig ist und die Geschäftsanforderungen nicht erfüllt. Wir «Alten» müssen unsere jahrzehntelange Expertise bewusst als Mentor:innen für die Jungen und ihrem technischen Fachwissen in der Zusammenarbeit auf Augenhöhe einsetzen.

Welche Software-Strategie
Zwar beginnt echte Transformation nicht mit Software, sondern mit Visionen und dem Mut, das Mögliche neu zu denken. KI ermöglicht es Unternehmen, die Talententwicklung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und agile Innovation zu verbinden, um im nächsten Jahrzehnt die Nase vorn zu haben. Unter dem Titel: «Suite or Best of Breed: Seven Questions for a Smarter Applications Strategy» diskutieren Nipun Misra, Pierre Schatlowski, Daniel Schlecht, Florian Schmieg, Helena Touskova, und Miriam Walter im BCG Boston Consulting Group Newsletter vom 5. August 2025, sieben Fragen rund um eine intelligentere Anwendungsstrategie. Um wichtige Entscheide über zukünftige Applikationen zu treffen, müssen Unternehmen Cybersicherheit, regulatorische Berichtspflichten, schlecht integrierte Softwaresysteme und veraltete Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP) berücksichtigen. Grundsätzlich stehen zwei Ansätze oder Philosophien im Raum: Eine «Software-Suite» ist ein Bündel mehrerer Computerprogramme, die zusammen als ein einziges Produkt verkauft werden (Beispiel: Microsoft Office). Sie bietet eine umfassende Lösung für verschiedene Aufgaben, oft mit einer gemeinsamen Benutzeroberfläche und der Möglichkeit, Daten zwischen Anwendungen auszutauschen. Eine Komplettlösung mit integrierten Tools, erhöhter Sicherheit und einem gemeinsamen Datenmodell. Die Zusammenarbeit mit einem einzigen Anbieter kann zudem Komplexität und Risiken deutlich reduzieren.

Für optimale Flexibilität
Im Gegensatz dazu ist ein «Best-of-Breed-Softwareprogramm» die leistungsstärkste Anwendung in ihrer spezifischen, engen Nische oder Kategorie, die aufgrund ihrer speziellen Funktionen und ihrer überlegenen Leistung in einem bestimmten Geschäftsbereich ausgewählt wurde. Ein Unternehmen könnte eine spezialisierte Personalsoftware eines Anbieters, eine Customer-Relationship-Management-Plattform (CRM) eines anderen und ein separates Buchhaltungssystem verwenden, die alle integriert sind, um die beste Lösung für jede Funktion bereitzustellen. Best-of-Breed-Programme bieten mehr Flexibilität und strategische Möglichkeiten, da Unternehmen für jede Funktion die optimalen Anwendungen auswählen und so flexibel bleiben und schneller auf Branchen- und Unternehmensveränderungen reagieren können.

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#436 – Glückliche «Alte»

Früher war alles besser
«Die verzagte Generation: Früher war alles besser, sagen heute nicht mehr die «Alten» – sondern das denken insgeheim die Jungen» Nach den Klimastreiks und Corona ist es ruhig geworden um die junge Generation. Von der Politik wird sie derweil immer deutlicher benachteiligt, zugunsten der Babyboomer. Was für Auswirkungen hat das auf die Weltsicht junger Menschen? Davon handelt der Beitrag von Patrizia Messmer und Alain Zucker, NZZ am Sonntag vom 6. September 2025. Wir «Alten» (Babyboomer) haben Glück gehabt. In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg ging es wirtschaftlich und finanziell für die meisten von uns nur aufwärts. Wir konnten von unseren Eltern ein Vermögen erben und leben in sicheren Verhältnissen. Das Thema, dass Babyboomer nur auf sich selbst schauen – und Politik für die Alten machen, treibt die Jungen um. Es reicht von den Corona-Massnahmen bis zur 13. AHV-Rente, von der Abschaffung des Eigenmietwertes für Hauseigentümer bis zum Versuch, die Renten für Ehepaare zu erhöhen. Sie sehen, wo die Prioritäten liegen – sicher nicht bei ihnen. Statt des Klimas werden die Renten geschützt, dass Politiker das Wort «Generationengerechtigkeit» in den Mund nehmen, während sie den Jungen immer mehr Lasten aufbürden, halten viele nur noch für zynisch. Spricht man mit ihnen über ihren Frust, schwingt da auch immer eine Prise Eifersucht auf die Boomer mit, auf eine Zeit, die man selbst nie erlebt hat, aber von den Eltern und Grosseltern kennt. Es gibt unter den Jungen einen gewissen Neid auf die Stabilität, die die Boomer erlebt haben. Die Karriere war planbar, das Leben angenehm, gerade für die Männer, die nach Feierabend die Beine hochlagern konnten.

Niki de Saint Phalle (1930-2002): une balistique de l’objet, 1994, © Niki Charitable Art Foundation

Glück braucht harte Arbeit
«Glück ist kein Zufall, sondern harte Arbeit. Das Gute ist: Es gebe Regeln dafür, sagt ein weltweit führender Forscher» im Interview mit Nicole Althaus, NZZ am Sonntag vom 21. Juni 2025. Jeder Lebensabschnitt habe sein eigenes Rezept, sagt der Harvardprofessor und Sozialwissenschafter Arthur C. Brooks (61). Er weiss das. Nicht zuletzt, weil er selber lange unglücklich war. Er will Menschen inspirieren, nicht desillusionieren. Also kein Sarkasmus, kein Klagen über den Zustand der Welt, sondern Dinge machen die unsere Neugierde befriedigt oder uns herausfordert. Brooks ist sich durchaus bewusst, dass man sich das leisten können muss. Das Engagement für etwas jenseits des eigenen Bauchnabels macht jedoch glücklich. Wir «Alten» wissen aus Erfahrung, dass Glück eine Fähigkeit ist, in die man investieren muss. Die Jungen sind da besonders gefordert, in unserer Kultur, welche die Befindlichkeit ins Zentrum stellt. Langweile wird mit dem Smartphone oder Netflix ausgemerzt. Frust mit Shopping aus der Welt geschafft. Es ist heute sehr einfach geworden, jedes Bedürfnis sofort zu befriedigen. Jeder Kränkung aus dem Weg zu gehen. Glück aber gibt’s nicht schnell, schnell, schnell. Arthur C. Brooks erwähnt, basierend auf derzeit gültigen Forschungsdaten, wie Langeweile beziehungsweise Zeit, die nicht mit Ablenkung gefüllt ist, im Hirn das «default mode network» aktiviert, das es für den inneren Denkprozess und die Reflexion über Sinnfragen braucht. Sie sind wichtig. Denn im Unterschied zum Tier realisiert der Mensch eben auch, dass andere schöner, klüger, schneller sind und alles vergänglich ist. Das ist schmerzhaft, aber urmenschlich und braucht keinen Psychiater.

Glückliche «Alte» in der Zeit des Seins
Brooks rät seinen Studierenden, wenigstens einmal am Tag das Handy für ein, zwei Stunden zu Hause zu lassen, spazieren zu gehen und über eine wichtige Frage nachzudenken. Er rät jungen Menschen, Nächte durchzutanzen, tagelang mit Freunden zu philosophieren, sich zu verlieben, Körbe zu bekommen, vor Liebeskummer zu heulen wie ein Schlosshund, zu leben und zu leiden statt auf einer App auf ein Match zu warten, das auf ein paar ähnlich beantworteten Fragen und dem Äusseren beruht. Das Geheimnis vorab in der zweiten Lebenshälfte heisst Sein, nicht Machen, denn das englische Wort für Mensch ist «human being», nicht «human doing». Die Forschung zeigt: Mit etwa 39 erreicht die fluide Intelligenz ihren Höhepunkt, von da an geht’s abwärts. Geistig und körperlich. Das gilt es zu akzeptieren. Im Schatten der fluiden Intelligenzkurve baut sich jedoch die zweite, die kristalline Intelligenz langsam auf und nimmt bis Ende 50 stetig zu. Sie beruht auf Wissen, Erfahrung und dem Erkennen von Strukturen. Diese Form der Intelligenz passt besser zu uns «Alten», als zum dynamischen Unternehmer. Wir springen von der ehrgeizigen Ich-Kurve zur zwischenmenschlich orientierten Wir-Kurve. Wir können innerhalb unseres Jobs den Fokus wechseln, den jüngeren Kolleg:innen ein Mentor oder eine Mentorin sein. Diese zweite Intelligenzkurve macht glücklicher. Es ist die Zeit des Seins, des Nicht-mehr-alles-Müssens. Und es ist die Zeit der Ernte. Nur zu wissen, wie man glücklich wird, reicht eben nicht. Man muss sein Leben strategisch und konsequent danach ausrichten. Immer wieder neu.

Sich selbst als Marke positionieren
Auf LinkedIn, 3. September 2025, präsentierte Daniel Ruf, Karrierestrategien für Leaders & Executives, seine Einschätzung zum aktuellen Arbeitsmarkt. Unter dem Titel: «Schluss mit der Schokoladenseite des Arbeitsmarktes – es wird wieder härter» beschrieb er wie in den letzten Monaten die Bewerberzahlen rapide ansteigen. Während vor 12 bis 18 Monaten Unternehmen um Talente kämpften und überall die Rede von «Fachkräftemangel» war, hat sich das Blatt gewendet. Die Karten werden neu gemischt. Die Unsicherheit in der Wirtschaft spiegelt sich in der Dynamik des Arbeitsmarktes wider. Unternehmen haben plötzlich die Qual der Wahl, während Kandidat:innen sich intensiver beweisen müssen. Zwar besteht immer noch ein Fachkräftemangel, aber die Spielregeln bei der Stellensuche ändern sich schneller als viele dachten. Jetzt ist die Zeit, seine Strategie zu schärfen. Um die gewünschte Stelle zu erhalten, braucht es einen Lebenslauf der seine Stärken klar kommuniziert. Eine Erzählung, die im Kopf bleibt. Und eine Positionierung, die sich von der Masse abhebt. Ohne das wird es schwer. Denn wenn die Bewerberzahlen steigen, setzen sich am Ende nur diejenigen durch, die wissen, wie man sich als Marke präsentiert. Da ist es wichtig, seinen Wert zu kennen und sich selber gegenüber ehrlich zu sein. Eine Portion Glück gehört ohnehin dazu.

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