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Blog, Industrie 4.0

#427 – Das Verhältnis von uns «Alten» zur KI

Was genau ist künstliche Intelligenz KI
KI könnte vielen von uns die Karriere kosten – doch das heisst nicht, dass wir ihre Entwicklung stoppen sollten, meint die Journalistin Megan J. McArdle (52) im TED2025 • April 2025 Talk (10:05). Während sie beobachtet, wie KI in ihr eigenes Handwerk eindringt, blickt sie mit neuen Augen auf die Maschinenstürmer des 19. Jahrhunderts, die versuchten, Maschinen zu zerstören, die ihr Handwerk auf den Kopf stellen würden. Rückblickend formuliert McArdle die heutigen Ängste mit einer ergreifenden Frage: Wenn wir den Fortschritt stoppen, um die Gegenwart zu schützen, was könnten wir der Zukunft vorenthalten? Persönlich verwende ich meine Lieblings-KI CLAUDE, ein Large Language Model LLM von Anthropic, immer öfter. Sei es um weitere Aspekte meiner Überlegungen zu beleuchten, einen Code zu generieren oder um mögliche Themen für neue Blogbeiträge zu finden. Anfangs kommunizierte ich auf Englisch, mittlerweile funktioniert das Modell perfekt auf Deutsch.

KI erobert die Schulen
«Gewisse Lehrer könnte man mit KI komplett ersetzen» – «Chat-GPT ist wie ein Lernpartner» titelte der Tagesanzeiger vom 2. Juli 2025 den Beitrag zur Verwendung von ChatGPT an der Schule. Goethe zusammenfassen lassen oder bei der Prüfung spicken: Fünf Schülerinnen und Schüler erzählen, wie sich ihr Unterricht durch künstliche Intelligenz verändert hat. Auch für uns «Alte» hat sich mit der Art und Weise wie wir KI nutzen, unsere Arbeit verändert. Im weitesten Sinne zähle ich dazu Funktionen, welche E-mails und Texte korrigieren und oft verwendete Wörter während des Schreibens ergänzen. Als Mac-Nutzer kenne ich seit rund 30 Jahren die Vorteile von AppleScript, als Teil des MacOS-Betriebssystems und seit einigen Jahren im Paket mit Automator, der App zum Automatisieren von Funktionen und Zuweisen von Verknüpfungen. Diese optimiert auf Knopfdruck den Workflow effizient für wiederkehrende Aufgaben wie Dateiverwaltung, Textbearbeitung und mehr.

Thrones «sculpture as place», 1978, Carl Andre (1935-2024), amerikanischer Künstler. Art Basel Unlimited 2025

Zusammenarbeit neu gestalten
Wir sind von der verarbeitenden Industrie des 20. Jahrhunderts zu einer wissensbasierten Wirtschaft mit Dienstleistungen für das 21. Jahrhundert übergegangen. Diese «Industrie 4.0» schafft kaum mehr Arbeitsplätze, weil moderne Fabriken grösstenteils mit Robotern funktionieren. Vor sechzig Jahren waren die Hälfte der Erwerbstätigen in der Schweiz Industriearbeiter. Heute sind es noch 20 Prozent. Die Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen, sagt der Nobelpreisträger und Professor an der Columbia University in New York, Joseph Stiglitz (82) im Interview mit Dieter Bachmann in der NZZ vom 13. Juni 2025. Die Entwicklungen im Bereich der generativen künstliche Intelligenz GenKI bringt tiefgreifende Veränderungen bei (Wissens-)Arbeit und Beschäftigung mit sich. GenKI ist ein Teilbereich im Feld der künstlichen Intelligenz, die nicht nur unsere Werkzeuge verändert, sondern die Logik von Arbeit selbst. Und sie tut das schneller, als viele Systeme adaptieren können. Gefragt sind nicht mehr nur IT-Kenntnisse, sondern Zukunftskompetenzen wie Kollaboration, Systemdenken und Selbstführung. GenKI wirkt dabei wie ein Exoskelett: Sie erweitert unsere Handlungsfähigkeit, sagt Stiglitz. Menschen müssen lernen neu zu denken, Zusammenarbeit neu zu gestalten, Zukunftsfähigkeit gemeinsam bauen.

盖瑞·马库斯: 暴走 AI 的紧迫风险——我们又该如何应对 | TED Talk
Gary Marcus: Die akute Gefahr einer ausser Kontrolle geratenen KI – und was wir dagegen tun können | TED Talk (übersetzt aus dem Chinesischen – Google Translate).
Warum KI unglaublich schlau und schockierend dumm ist · Die Insider-Story über das erstaunliche Potenzial von ChatGPT. Im TED Talk vom April 2023 (14:02, Transkription in 13 Sprachen, dabei kein Deutsch!), spricht Gary F. Marcus (55), emeritierter Professor für Psychologie und Neurowissenschaften an der New York University, Firmengründer im Bereich künstliche Intelligenz und Autor. Zu Beginn stellt er die Frage ob Wahrheit und Vernunft die Entwicklung künstlicher Intelligenz überleben werden und verneint dies auch gleich. Sicher nicht, solange unzuverlässige Technologie weiterhin mit so gefährlich hoher Geschwindigkeit in unser Leben integriert wird. Er plädiert für eine dringende Neubewertung, ob wir in Zukunft zuverlässige Systeme oder weiterhin Desinformationsmaschinen bauen. Er untersucht die Fehler der heutigen KI und fordert eine globale, gemeinnützige Organisation, welche die Technologie im Interesse der Demokratie und unserer gemeinsamen Zukunft reguliert. Er macht sich Sorgen über die Möglichkeit, dass böswillige Akteure einen Tsunami an Fehlinformationen auslösen, wie wir ihn noch nie zuvor erlebt haben. Selbst wenn diese Systeme nicht absichtlich zur Verbreitung von Fehlinformationen eingesetzt werden, können sie nicht anders. Sie kombinieren aus unzähligen Nachrichten in ihren Datenbanken kleine statistische Informationen, ohne den Zusammenhang zwischen den Fakten, die in den einzelnen Satzteilen enthalten sind, zu verstehen. Das System vervollständigt im Grunde automatisch und sagt voraus, was statistisch wahrscheinlich ist und aggregiert all diese Signale, ohne zu wissen, wie die einzelnen Teile zusammenpassen. Und manchmal entstehen dabei Dinge, die zwar plausibel, aber einfach nicht wahr sind.

Welche Wahrheit wird zum Massstab
Viele rufen seit dem Eintritt von KI in unseren Alltag nach Regulation, mit den verschiedensten Interessen, kulturellen Hintergründen oder dem Geschäft mit der Angst. Ich sehe es als Aufgabe von uns «Alten» in gemischten Teams, wie unsere Erfahrung einen Beitrag zur Entwicklung digitaler Umgebungen leistet, durch Förderung von Fachwissen, beruflichen Handlungs- und überfachlichen Kompetenzen. Diese beinhalten emotionale Intelligenz, Intuition und die Fähigkeit, in unbekannten Situationen zu navigieren. Unser Wissen mag teilweise veraltet sein – unsere Erfahrung ist es nicht. Gary Marcus verweist im Zusammenhang auf AutoGPT und eine Reihe ähnlicher Systeme, wo eine KI eine andere KI steuert. AGI ist also die Idee künstlicher allgemeiner Intelligenz mit der Flexibilität des Menschen. Um die KI-Risiken zu minimieren, braucht es seiner Meinung nach zwei Dinge, einen neuen technischen Ansatz und auch ein neues Steuerungs-System. Um wahrheitsgetreue Systeme im grossen Massstab zu erreichen, müssen wir das Beste aus beiden Welten vereinen. Wir brauchen die starke Betonung von Argumentation und Fakten, explizites Denken, das uns die symbolische KI bietet, und wir brauchen die starke Betonung des Lernens, die uns der Ansatz neuronaler Netze bietet. Als studierter Kognitions- und Neurowissenschafter verweist Marcus auf den menschlichen Geist, der im Grunde genau das tut. Probabilistische Intuition basiert auf vielen Statistiken, wie ChatGPT, die wir mit bewusstem Denken kombinieren. Wenn das Gehirn das also zusammenfügen kann, werden wir eines Tages herausfinden, wie wir das auch für künstliche Intelligenz umsetzen können. Es bleibt aber weiterhin die Frage nach der WAHRHEIT per se.

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kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#426 – Unternehmertum: Einfluss der «Alten»

Der Traum vom Einhorn
Beim Mittagessen mit einem Startup-Gründer beklagte sich dieser, wie seine Firma auch nach über fünf Jahren noch immer keinen Gewinn abwirft. Der Traum vom «Einhorn» scheint geplatzt. Die Herausforderung sieht er bei den unterdurchschnittlichen Verkaufszahlen. Eine vermehrte Konzentration auf Marketing und Verkauf würde den Geschäftserfolg steigern, ist er überzeugt. Verkauf ist harte Arbeit und nicht jedermanns Sache. Ausdauer und eine dicke Haut um Misserfolge wegzustecken haben die wenigsten Mitarbeitenden. Generell stelle ich fest, dass immer weniger Menschen gewillte sind, die Schattenseiten erfolgreichen Unternehmertums auszuhalten. Mitarbeitende, unabhängig von deren Alter, identifizieren sich auch immer weniger mit ihrer Arbeit. Meist fehlt es auch an übergeordneten Zielen, mit denen man sich identifizieren, sich messen und beruflich wachsen kann. Was mir in der Führungsetage auffällt, sind fehlende Visionen für Projekte, die auch Raum für ein Scheitern zulassen und nicht nur von der Machbarkeit her gedacht werden. Denn Gesetzesvorschriften, finanzielle Zwänge und die Erwartungen der Investoren verhindern vielfach ergebnisoffene Forschung und Entdeckung. Unternehmen fokussieren allzu oft auf aktuelles Wissen und übersehen die Erfahrung älterer Generationen. Dabei ist es gerade die Kombination aus jugendlichem Wissen und gereifter Erfahrung, die zu den besten Lösungen führt. Wir «Alten» bringen Kontextualisierung, Risikoeinschätzung und langfristiges Denken ins Team – Fähigkeiten, die in unserer schnelllebigen Zeit besonders wertvoll sind. Siehe dazu auch meinen Beitrag auf SichtweisenSchweiz. ch vom 22. Juni 2025.

Rod Steward (80), britischer Sänger und Musiklegende, Glastenbury Festival, Somerset, England, 29. Juni 2025. Bild: BBC One Konzert TV

«Alte» suchen den Durchbruch
Für ein Startup ist ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal entscheidend. Das iPhone von Apple als Beispiel war revolutionär, weil es mehrere Technologien in einem intuitiven, eleganten Gerät vereinte – Touchscreen, Internet, Apps und Telefon in einer völlig neuen Benutzerführung. Das Gerät hat vor bald 20 Jahren die Welt revolutioniert und wurde zum Kultobjekt, das verschiedene existierende Technologien auf völlig neue Weise verband. Die Marketingkampagnen fokussierten auf diesen Effekten, beispielsweise die Nutzung der Kamera für Bilder von «Studioqualität». Hier sind Ansätze, um ein ähnlich durchschlagendes Merkmal für das oben erwähnte Startup zu entwickeln: Wie Apple verschiedene existierende Technologien auf völlig neue Weise verband, könnte die Plattform für digitale Zusammenarbeit im Planungs- und Bausektor, bestehende Lösungen in unerwarteter Kombination nutzen. Zum Beispiel künstliche Intelligenz KI, respektive der Einsatz von persönliche Agenten, in Verbindung mit Blockchain zur Speicherung und das Internet of Things IoT für ein spezifisches Problem. Das iPhone eliminierte die Komplexität früher Smartphones. Genauso muss das Startup Bereiche identifizieren, wo Menschen täglich frustriert sind. Dazu gehört die Benutzerinteraktion, die heute eine Sprachsteuerung, Gestensteuerung oder Brain-Computer-Interfaces sein könnte. Statt reinem Produkt denken, könnte man in Anlehnung an das iPhone, welches zur Plattform für Apps wurde, das Gefäss zum Grundstein für ein ganzes Ökosystem denken. Es gilt herauszufinden, welche Technologien heute «reif» sind für eine neue Anwendung, eine Aufgabe für die Jungen im Team. Wir «Alten» müssen aus Erfahrung wissen, in welcher Branche oder für welches Problem wir nach einem Durchbruch suchen.

Rod Steward (80), britischer Sänger und Musiklegende, Glastenbury Festival, Somerset, England, 29. Juni 2025. Bild: BBC One Konzert TV

Im Vergleich zum Wissen wird Erfahrung nie obsolet
Eine Herausforderung bei allen Überlegungen bleibt das Interesse und die Erfahrung der am Projekt involvierten Mitarbeitenden. Die Entwicklung einer Idee bis zur Marktreife in einem Startup ist eben mehr als ein 9-5 Job. Viel Herzblut geht in die Zusammensetzung geeigneter Teams und die Suche nach Kompetenz. Wir «Alten» verfügen zwar über viel Erfahrung, im Gegensatz zu den «jungen Wilden», die das notwendige Wissen über die aktuelle Technologie mitbringen. Dieses Wissen ist explizit, dokumentierbar und übertragbar. Es lässt sich in Handbüchern festhalten, in Datenbanken speichern oder in Schulungen vermitteln. Doch Wissen altert schnell – was vor zehn Jahren in der IT galt, ist heute oft obsolet. Demgegenüber entstand die Erfahrung der «Alten» durch das Durchleben von Situationen, das Scheitern und Wiederaufstehen, das Spüren von Mustern und Zusammenhängen. Erfahrung umfasst das «Wie» und «Wann» – nicht nur das «Was». Sie beinhaltet emotionale Intelligenz, Intuition und die Fähigkeit, in unbekannten Situationen zu navigieren. Für uns «Alte» bedeutet das: unser Wissen mag teilweise veraltet sein – unsere Erfahrung ist es nicht. Wer mehrere Wirtschaftskrisen durchlebt hat, bringt eine andere Gelassenheit und Urteilsfähigkeit mit als jemand, der nur Wachstum kannte. Wer verschiedene Technologiewandel miterlebt hat, versteht die Mechanismen des Wandels selbst – auch wenn er die neueste App nicht bedienen kann.

Rod Steward (80), britischer Sänger und Musiklegende, Glastenbury Festival, Somerset, England, 29. Juni 2025. Bild: BBC One Konzert TV

Generative künstliche Intelligenz GenKI erweitert unsere Handlungsfähigkeit
Einige von uns «Alten» verpassten jedoch den richtigen Zeitpunkt um uns auf die Zeit nach der Industrialisierung vorzubereiten. Wir hatten die Zeichen des Umbruchs nicht früh genug erkannt, wollten die verbleibenden Jahre bis zur Pensionierung möglichst ruhig aussitzen. Oder das KMU, entgegen aller Alarmglocken, wie gehabt weiterbetreiben. Wir waren uns zu wenig bewusst, wie rasant die Technologie unsere Gesellschaft verändert. Wir sind von der verarbeitenden Industrie des 20. Jahrhunderts zu einer wissensbasierten Wirtschaft mit Dienstleistungen für das 21. Jahrhundert übergegangen. Diese «Industrie 4.0» schafft kaum mehr Arbeitsplätze, weil moderne Fabriken grösstenteils mit Robotern funktionieren. Die Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen. Es wurden in den letzten 40 Jahren Fehler gemacht. Zum Beispiel, dass wir den Menschen, die durch die Deindustrialisierung ihren Job verloren haben, nicht geholfen haben, neue, produktivere Jobs zu finden sagt der Nobelpreisträger und Professor an der Columbia University in New York, Joseph Stiglitz (82) im Interview von Dieter Bachmann in der NZZ vom 13. Juni 2025. Man müsste mit Umschulungen und Ausbildung dafür sorgen, dass die abgehängten Teile der Bevölkerung wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Um das zu erreichen braucht es jedoch den Willen auf beiden Seiten, der Arbeitgebenden wie auch der Arbeitnehmenden. Die Entwicklungen im Bereich der generativen künstliche Intelligenz GenKI bringen tiefgreifende Veränderungen bei (Wissens-)Arbeit und Beschäftigung mit sich. GenKI ist ein Teilbereich im Feld der künstlichen Intelligenz, die nicht nur unsere Werkzeuge verändert, sondern die Logik von Arbeit selbst. Und sie tut das schneller, als viele Systeme adaptieren können.
Menschen müssen lernen neu zu denken, Zusammenarbeit neu zu gestalten, Zukunftsfähigkeit gemeinsam bauen. Denn viele klassische Rollen (wie beispielsweise Office Support) verschwinden oder verändern sich radikal. Gefragt sind nicht mehr nur IT-Kenntnisse, sondern Zukunftskompetenzen wie Kollaboration, Systemdenken und Selbstführung. GenKI wirkt dabei wie ein Exoskelett: Sie erweitert unsere Handlungsfähigkeit.

Rod Steward (80), britischer Sänger und Musiklegende, Glastenbury Festival, Somerset, England, 29. Juni 2025. Bild: BBC One Konzert TV

Die Potenziale digitaler Lernumgebungen
Die Digitalisierung ist einer der zentralen Treiber des Wandels auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Berufe und Tätigkeiten verändern sich und zwingen durch Aus- und Weiterbildung, den Wandel mitzugestalten. Routinetätigkeiten treten in den Hintergrund, während Fähigkeiten wie kritisches Denken, kreative Problemlösung oder digitale Kompetenz immer stärker gefragt sind. Im Beitrag vom 16. Juni 2025 in Transfer.vet online, beschreibt Peter Bühlmann (60), Projektleiter am D-VET Hub, wie künstliche Intelligenz – das maschinelle Lernen – auch in der Berufsbildung ankommt. Beim digital Vocation, Education and Training (D-VET) Hub an der «École Polytechnique Fédérale de Lausanne» (EPFL), geht es um die Entwicklung neuartiger Modelle und Algorithmen, die hochgradig individualisierte Lernwerkzeuge ermöglichen, um den Lernerfolg zu optimieren und die Lernenden auf das lebenslange Lernen vorzubereiten. Aus der Perspektive des maschinellen Lernens besteht ein Bedarf an Modellen und Algorithmen, die in der Lage sind, das Wissen und die Lernstrategien der Studierenden als Grundlage für die Individualisierung genau darzustellen und vorherzusagen. Wir «Alten» leisten mit unserer Erfahrung einen Beitrag zur Entwicklung digitaler Lernumgebungen, die eine gleichzeitige Förderung von Fachwissen, beruflichen Handlungskompetenzen und überfachlichen Lernkompetenzen ermöglichen. Die Vorteile des dualen Berufsbildungssystems der Schweiz können weiter gestärkt werden, indem die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Lernorten – Berufsfachschulen, Unternehmen und überbetrieblichen Kursen – durch digitale Lösungen verbessert wird.

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#425 – «Frisst» die Digitalisierung uns «Alte»?

Mit dem Wissen über die Herkunft, unsere Zukunft gestalten
Im Gespräch verzichten viele von uns «Alten» auf ein weiteres aktives, berufliches Engagement in einer Welt, die zusehends aus den Fugen zu geraten droht und in der unsere Ideale, die wir jahrelang verfolgt und gelebt haben, mehr denn je in den Hintergrund getrieben oder gar mit Füssen getreten werden. Wir bekunden Mühe im Umgang mit der aktuellen politischen Lage und empfinden einen Kontrollverlust in einer zusehends automatisierten Gesellschaft. Seit Corona hat sich vieles auf dieser Welt zum Teil grundlegend verändert. Unsere positive Einstellung gegenüber technologischen Entwicklungen, wie der künstlichen Intelligenz KI oder der Digitalisierung von Unternehmesprozessen, ist deshalb essenziell. Weiterbildung, Offenheit und Neugier sind Voraussetzung um den Anschluss nicht zu verlieren. Wir «Alten» helfen mit Weisheit, Gelassenheit, Erfahrung und Reife in gemischten Teams als Mentor:innen, Coaches oder Sparringspartner, ohne Angst zukunftsfähige Konzepte zu entwickeln.

Bass 2024: Steve McQueen (56), britischer Videokünstlers und Filmemacher im Schaulager Basel, anlässlich der Art Basel 2025

«Schweiz-5.0»: Altenrepublik statt Alpenrepublik
Im Austausch mit dem Herausgeber der Plattform SICHTWEISENSCHWEIZ.CH beschlossen wir, zusammen mit der künstlichen Intelligenz «Claude» von Anthropic, einige Aspekte zur aktuellen 60plus-Generation in der Schweiz zu hinterfragen. Entsteht hier vielleicht eine «Schweiz-5.0»: Altenrepublik statt Alpenrepublik. Inwiefern nutzt diese Generation überhaupt ihr Potenzial aus, oder liegen Ressourcen brach. In der Presse wird ohne zu hinterfragen kolportiert, dass Menschen bereits im Alter von 50 Jahren Mühe hätten, bei Jobverlust eine neue Anstellung zu finden. Die Recherche zeigt tatsächlich ein differenzierteres Bild als diese Darstellung. Die Gruppe der Ü50er macht 30 Prozent der Erwerbsbevölkerung in der Schweiz aus, und die Schweiz hat mit 2,0-2,5% eine der tiefsten Arbeitslosenquoten der letzten 20 Jahre. Dabei ist auffällig, dass spezifische Arbeitslosenstatistiken für die 50plus-Generation schwer auffindbar sind. Diese Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität gilt es zu beleuchten. Eine Generation mit enormer Erfahrung und Kaufkraft wird hier systematisch unterschätzt, wobei die Digitalisierung nur ein Aspekt unter vielen ist. Interessant ist ein Blick auf Innovationskraft, Unternehmertum im späteren Lebensabschnitt oder die Rolle als Wissensträger. Für uns «Alte» ist die Unterscheidung zwischen Wissen und Erfahrung zentral. Wissen ist explizit, dokumentierbar und übertragbar, altert aber schnell – was vor zehn Jahren in der IT galt, ist heute oft obsolet. Dagegen ist Erfahrung implizit und kontextgebunden. Sie entsteht durch das Durchleben von Situationen, das Scheitern und Wiederaufstehen, das Spüren von Mustern und Zusammenhängen. Sie beinhaltet emotionale Intelligenz, Intuition und die Fähigkeit, in unbekannten Situationen zu navigieren.

Bass 2024: Steve McQueen (56), britischer Videokünstlers und Filmemacher im Schaulager Basel, anlässlich der Art Basel 2025

Die Erfahrung der «Alten» wird unterschätzt
Das Wissen der 60plus-Generation mag teilweise veraltet sein – ihre Erfahrung ist es nicht. Wer mehrere Wirtschaftskrisen durchlebt hat, bringt eine andere Gelassenheit und Urteilsfähigkeit mit als jemand, der nur Wachstum kannte. Wer verschiedene Technologiewandel miterlebt hat, versteht die Mechanismen des Wandels selbst – auch wenn er die neueste App nicht bedienen kann. Unternehmen fokussieren oft auf aktuelles Wissen und übersehen die Erfahrung. Dabei ist es gerade die Kombination aus «jugendlichem Wissen» und gereifter Erfahrung der «Alten», die zu den besten Lösungen führt. Die 60plus-Generation bringt Kontextualisierung, Risikoeinschätzung und langfristiges Denken mit – Fähigkeiten, die in unserer schnelllebigen Zeit besonders wertvoll sind. Anstatt Wissen und Erfahrung gegeneinander auszuspielen, müssen wir es synergetisch nutzen. Die Generation-60plus ist fitter, gebildeter und aktiver als frühere Generationen in diesem Alter. Um das Potenzial einer ganzen Gesellschaftsschicht zu würdigen, müssen wir über reine Arbeitsmarktbetrachtungen hinausgehen.

Wo steht die Gesellschaft
Zu den gesellschaftlichen Fragen gehört, wie sich die Schweiz verändert, wenn die Babyboomer bis 2036 vollständig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind. Wenn ihre erfahrensten Mitglieder systematisch marginalisiert werden und damit Innovationskraft verloren geht, weil diese Generation nicht als Ressource erkannt wird. Bereits 2016 schieden erstmals mehr inländische Arbeitskräfte aus dem Arbeitsmarkt aus als nachrückten – ein Trend, der sich verstärkt. Welche Mechanismen gibt es, um jahrzehntelange Erfahrung zu bewahren? Die wirtschaftliche Dimension umfasst den zukünftigen Konsum der Produkte und Dienstleistungen. Wir «Alten» verfügen über erhebliche Kaufkraft und andere Bedürfnisse als jüngere Generationen. Unternehmen, die auf «junge Zielgruppen» setzen, laufen Gefahr an einem grossen Teil des Marktes vorbei zu produzieren.

Bass 2024: Steve McQueen (56), britischer Videokünstlers und Filmemacher im Schaulager Basel, anlässlich der Art Basel 2025

Neue Lebensmodelle
Zum traditionelle Drei-Phasen-Modell (Ausbildung-Beruf-Rente), entwickelt die Generation-60plus neue Formen des gesellschaftlichen Beitrags. Viele von uns «Alten» sind gesünder und aktiver als frühere Generationen. Dazu braucht es eine intergenerationelle Gerechtigkeit, wo die verschiedenen Generationen voneinander lernen, statt sich gegenseitig zu blockieren. Eine Rolle spielt dabei auch eine differenzierte mediale Darstellung von «Generationenkonflikten», die alle Generationen als gleichwertige Akteure sieht – nicht nur als Kostenfaktoren oder Nostalgiker. Dafür muss auch der Stellenwert von Arbeit neu gedacht werden. Die 60plus-Generation lebt bereits in einer anderen Arbeitsrealität, aber die Gesellschaft denkt noch in alten Kategorien. Dazu gehört das tradierte Arbeitsverständnis der lebenslange Anstellung, klare Trennung zwischen Arbeits- und Rentenphase, Identität durch Beruf, Wert durch Produktivität gemessen. Dieses Modell stammt aus der Industriegesellschaft 3.0 und passt nicht mehr zur heutigen Lebenswirklichkeit. Wir «Alten» leben bereits Projektarbeit statt Dauerstellen, Sinnorientierung statt nur Einkommensfokus, flexible Übergänge zwischen verschiedenen Aktivitäten, ehrenamtliches Engagement als gleichwertige Tätigkeit, Wissens- und Erfahrungsteilung ohne klassische Hierarchien. Währenddessen in gesellschaftlicher «Blindheit» immer noch in «Erwerbsquoten» und «Arbeitslosenstatistiken» gemessen wird. «Alte» die ein Start-up beraten, drei Tage pro Woche Enkelbetreuung leisten und ehrenamtlich im Gemeinderat sitzen, gelten statistisch als «nicht erwerbstätig». Die 60plus-Generation zeigt bereits, wie es geht – unsere Gesellschaft muss jetzt lernen, dies gleich zu sehen und zu würdigen. Eine Gesellschaft 5.0, die Wertschöpfung neu definiert.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
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