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#430 – Von der «Alten» Welt in die Neue: Werte

Weniger Regulierung und Staat
Im Beitrag von Marie-Astrid Langer (40) in der NZZ vom 24. Juli 2025 mit dem Titel «Mehr Investitionen, weniger Regulierung und schon gar keine Wokeness: Amerikas neue KI-Strategie ist der wahr gewordene Traum des Silicon Valley» beschreibt die Autorin, wie mittelfristig mehr Investitionen, weniger Regulierung und staatliche Unterstützung auf jeder Ebene, die Zurückhaltung der früheren Administration gegenüber der neuen Technologie beenden soll. Donald Trump (79), gerade einmal sechs Monate im Amt, hat eine lange erwartete Reihe von Massnahmen und Exekutivverordnungen vorgestellt, welche den USA die Führerschaft in künstlicher Intelligenz garantieren sollen. Zusammengenommen sichern sie Amerikas KI-Sektor einen massiven Ausbau von Infrastruktur und Staatsunterstützung zu, bei einem gleichzeitigen Abbau von Regulierungen und Umweltauflagen. Michael Kratsios (38), früherer Strategiechef der KI-Firma Scale AI, ist der Technologieberater des Präsidenten. Das Herz des Vorhabens ist der «KI-Aktionsplan», ein (nur) 28-seitiges Dokument, gemäss dem die künftige KI-Strategie Washingtons auf drei Säulen steht: einer Beschleunigung von KI-Innovationen, einem Ausbau der inländischen KI-Infrastruktur und einer weltweiten Führerschaft von KI «made in USA». Die Regierung übernimmt im Aktionsplan auch die Argumente von KI-Firmen wie Meta und Open AI, dass die USA im Wettrennen gegen China zurückfallen würden, wenn Regulierungen nicht reduziert werden.

1,5 Billionen Dollar an Investitionen
Wie Washington diese Ziele erreichen kann, wird anhand von 30 konkreten Handlungsanweisungen ausgeführt: etwa eine bessere Ausbildung von Fachkräften, eine beschleunigte Integration von KI im Staatsapparat oder Verbesserungen in den Lieferketten, um Roboter künftig in den USA produzieren lassen zu können, schreibt Langer. Auch der Export von KI-Chips soll begünstigt werden. Gleichzeitig müssen KI-Modelle künftig frei von «ideologischem Bias» (Voreingenommenheit) oder «woke» (Bewusstsein für soziale und politische Ungerechtigkeiten, insbesondere im Zusammenhang mit Rasse und Diskriminierung) sein. Das bedeutet konkret auch, dass sie nicht die sogenannte «critical race theory» (kritische Rassentheorie) vertreten dürfen – eine Theorie, die unter anderem strukturellen Rassismus in der Gesellschaft anprangert. Getreu der «America first»-Doktrin haben amerikanische Tech-Konzerne in den vergangenen Monaten dafür mehr als 1,5 Billionen Dollar an Investitionen in den USA in Aussicht gestellt.

Ende eines Traums – und der Überschall-Ära: Absturz der Concorde, 25. Juli 2000, dem fortschrittlichsten und schnellsten Verkehrsmittel, zeitlos attraktiv bis heute. Foto: Toshihiko Sato / AP

Künstliche Intelligenz: Der Swiss-Finish
Im Beitrag von Hanna Muralt Müller (78), vom 18. Juli 2025 im Online-Portal Infosperber, der Schweizerischen Stiftung zur Förderung unabhängiger Information, plädiert die Autorin für den Sonderfall Schweiz/EU, als «sauberes» Gegenmodell zu den Entwicklungen aus den USA. In ihrer Funktion als Vizekanzlerin im Bundeshaus von 1991 bis 2005 leitete Hanna Muralt Müller verschiedene Digitalisierungsprojekte. Nach der Pensionierung engagierte sie sich ehrenamtlich für die Digitalisierung im Bildungsbereich. Heute analysiert Muralt Müller Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz in ihren Newslettern. Unter dem Titel «ETH: Ein Sprachmodell im Dienste der Gesellschaft © ETH/KI-generiert» schreibt die Autorin über das Open-Source-Sprachmodell LLM basierend auf der Swiss AI Initiative der beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen, ETHZ und EPFL. Die Initiative wurde im Dezember 2023 gestartet, umfasst rund 800 Forscher und 70 Professuren aus 10 schweizerischen Institutionen. Im Februar 2025 verfügte das Projekt über ein Gesamtbudget von 37,4 Millionen Euro, ein Klacks im Vergleich zu den oben erwähnten 1,5 Billionen Dollar und einigen 10’000 KI-Expertinnen und Experten. Das Land muss meiner Meinung nach aufwachen, um mit dem Swiss-Finish nicht erneut in eine Sackgasse zu geraten. Man denke an die Milliarden verschleuderter Steuergelder für untaugliche proprietäre IT-Projekte bei Bund und Armee, beim E-Voting, dem elektronischen Patientendossier oder an die Sicherheitsprobleme mit Drittfirmen.

Der Geist entwich längst der Flasche
So soll im Spätsommer der Schweizer Beitrag innerhalb der europäischen Open-Source-Bewegung, die digitale Souveränität Europas fördern. Die europäischen Staaten verfolgen mit ihren Open-Source-Sprachmodellen eine eigene Strategie, weiss von Muralt Müller. Im Gegensatz zur US-Amerikanischen oder Chinesischen Konkurrenz, sollen diese vertrauenswürdiger sein und mehr Sicherheit bieten. Die Sprachmodelle der Europäischen Staaten werden den europäischen Werten entsprechen, ist Muralt Müller überzeugt. Alte Welt gegen Neue Welt? Wer bestimmt eigentlich die Werte der europäischen Staaten? Denn das Internet erkennt keine Landesgrenzen und die offenen Quelltexte sind eben öffentlich und nicht auf einen Kontinent beschränkt. Die Voreingenommenheit gegenüber den USA, ihrer Administration und den grossen Techfirmen erreicht dabei fast sektiererische Züge. Diese Entwicklung kann sowieso nicht rückgängig gemacht werden: «Der Geist ist längst aus der Flasche entwichen».

Die Wertediskussion – Eliten irren sich oft gewaltig
Im Interview von Yann Costa mit dem Buchautor Samuel Fitoussi (28) unter dem Titel «Die intellektuelle Elite irrt sich oft – und sogar gewaltig» auf der Plattform sichtweisenschweiz spricht Fitoussi über Werte und Pluralismus: «Es geht mir nicht darum, Pluralismus überall und um jeden Preis durchzusetzen. Aber in bestimmten Kontexten ist Pluralismus eine Voraussetzung für Rationalität. Wenn nämlich eine einzige Idee vorherrscht, sind die sozialen Kosten einer Abweichung so hoch, dass jeder psychologisch dazu angehalten ist, nicht nach der Wahrheit zu suchen, sondern den herrschenden Konsens zu rationalisieren. Wenn hingegen alle Meinungen vertreten sind, kann jeder seine Überzeugungen eher nach ihrem epistemischen als nach ihrem sozialen Wert auswählen.» Weiter findet er: «Die Unterscheidung zwischen Tatsachen und Meinungen ist oft unklarer als man denkt. Diejenigen, die behaupten, die Fakten zu verteidigen, haben manchmal selbst eine ideologische Lesart. Dass Covid-19 aus einem Labor stammt, galt lange Zeit als Fake News oder sogar als Verschwörungstheorie – heute ist es eine glaubwürdige Hypothese. Dies zeigt: Wer die Entscheidungsbefugnis inne hat, etwas als Tatsache zu definieren und zugleich den Diskurs darüber zu unterbinden, verfügt über eine exorbitante Macht. Diese steht heute häufig einer kulturellen, politischen oder technokratischen Elite zu. Was ich in meinem Buch zeige, ist, dass diese Elite nicht nur fehlbar ist – sie irrt sich sehr oft, und manchmal sogar gewaltig!»

Zum Erschaffen von intelligenten Computer
Wir dürfen die Erschaffung von künstlicher Intelligenz per se als Ziel, nicht aus den Augen verlieren. Nicht hemmende Regulierung, sondern weitere Erforschung sind wichtig. Wie erschaffen wir Intelligenz am Computer, ist der heilige Gral für künstliche Intelligenz. Aber wie gelangen wir dorthin? Wir betrachten uns selbst als hochintelligente Wesen. Das menschliche Gehirn enthält 86 Milliarden Neuronen. Jedes kommuniziert ständig mit Tausenden anderen und jedes hat seine eigenen individuellen Eigenschaften. Viel zu kompliziert! Deshalb erforscht Frances S. Chance, Computational Neuroscientist, Gehirnbasierende Computertechnologien durch das Studieren von Insekten, die wohl faszinierendsten Gehirne der Welt – TED2022 (9:32). Zwar ist es immer noch nicht einfach, einen Schaltkreis von nur einer Million Neuronen zu entschlüsseln, aber zwischenzeitlich sehr viel zielführender.

Zum KI-Einsatz in KMUs
Dem Bericht der BCG Boston Consulting Group vom Juli 2025 entnehmen wir: Um Arbeitsabläufe neu zu gestalten und KI optimal zu nutzen, benötigen Unternehmen das Engagement ihrer Belegschaft. Wenn Unternehmen in KI investieren und ihre Teammitglieder weiterbilden, um die KI-Lücke zu schliessen, erzielen sie eine höhere Produktivität, verbesserte Margen und einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil. Ein Beispiel hierfür ist Cursor, das Unternehmen, dessen KI-gestützter Code-Editor das Programmieren in einfachem Englisch ermöglicht. Die meisten Unternehmen benötigen Zeit für die Umstellung auf KI. Doch selbst wenn sie nicht KI-first sein können, sollten sie versuchen, frühzeitig KI-fähig zu sein. KI-Verfechter behaupten, dass Bots mit künstlicher allgemeiner Intelligenz (AGI) die kognitiven Fähigkeiten von Menschen bei nahezu jeder Aufgabe erreichen oder sogar übertreffen werden. BCGs Noah Broestl, Experte für die verantwortungsvolle Entwicklung und Nutzung generativer KI-Produkte zeigt auf, wie sich KI trotz Widerständen, auf erstaunliche Weise weiterentwickeln wird. Die Erfahrung von uns «Alten» als Mentoren oder Sparringspartner in gemischten Teams ist deshalb eine der Voraussetzungen beim Trainieren der Systeme.

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kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
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#429 – «Alte»: Gelassen in unsicheren Zeiten

Veränderte Ausgangslage
Jahrzehntelang bauten Unternehmen ihre globalen Strategien auf einer Reihe von Grundannahmen auf. Internationaler Handel und Investitionen würden immer freier werden, das globale BIP-Wachstum weiter vorantreiben und durch multilaterale Leitlinien und Institutionen geregelt werden. Um Kostenvorteile zu sichern, sollten Unternehmen eine umfassende globale Präsenz aufbauen, die es ihnen ermöglicht, in kostengünstigen Volkswirtschaften zu produzieren und zu beschaffen und auf nahezu jedem nationalen Markt zu verkaufen. Doch geopolitische Veränderungen, disruptive Technologien und sich weltweit verändernde Kostenstrukturen erschüttern spätestens seit der Corona-Pandemie die Annahmen des internationalen Geschäfts. Es bieten sich aber auch enorme Chancen für Unternehmen, die sich darin zurechtfinden und flexibel genug sind, sich anzupassen. Eine abwartende Haltung verschafft Unternehmen und Regierungen keinen Vorteil. Nicht wie die «offizielle» Schweiz um ihren «Deal» mit den USA zu bangen und unrealistische Forderungen zu stellen wie: SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel fordert, der Bundesrat solle Fifa-Chef Gianni Infantino bitten, seine guten Beziehungen zu Trump für einen Deal einzusetzen oder die Forderung der SP als Druckmittel einen Verzicht zum Kauf der amerikanischen F-35-Kampfjets und die FDP, den Vertrag zur Lieferung von Patriot-Abwehrsystemen zu sistieren. Anstatt in (meist unbegründete) Panik zu verfallen, braucht es auch für KMUs eine unaufgeregte Risikobewertung.

Initiativen zur Risikominderung
Der erste Schritt für Unternehmen besteht darin, ihre Produktions-, Liefer- und Vertriebsaktivitäten genau zu analysieren, um ihre Anfälligkeit gegenüber Änderungen der Handelsregeln zu bewerten, Zölle zu verstehen und flexibel auf die sich ständig verändernde Handelsdynamik zu reagieren. Kompetente «Alte» mit ihrem grossen Erfahrungsreichtum helfen im Team bei der Festlegung von Prioritäten. Eine Quantifizierung der potenziellen Auswirkungen auf Umsatz, Kosten und Produktionsanlagen entlang der gesamten Wertschöpfungskette hilft, diese Dynamik zu verstehen. Die proaktive Entwicklung eines Massnahmenkatalogs zur Minimierung von Risiken und der Identifizierung von möglichen Wettbewerbsvorteilen zeigt potenzielle Hebel als Reaktion auf handelspolitische Veränderungen. Zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens gehören auch kostengünstige Initiativen, wie der Einsatz von künstlicher Intelligenz KI, in den Massnahmenkatalog.

Vanessa Lemen (55), Malerin aus Carlsbad, Kalifornien: Allegorie der Liminalität 2020 – Kunst kann uns durch unsichere Zeiten helfen.

Künstliche Intelligenz KI: Ein abstraktes Konzept
Im Beitrag von KMU_today Team, am 4. April 2025 schreibt Reto Vogt (40), Schweizer Journalist mit Schwerpunkt auf Technologie und Digitalisierung und seit Oktober 2024 Studienleiter für Digitale Medien und Künstliche Intelligenz am MAZ in Luzern, wie KI Unternehmen unterstützen und effizienter machen kann. Unter dem Titel «Automatisch besser? Wie Schweizer Unternehmen KI für sich nutzen» beschreibt er deren Einsatz in drei Unternehmen. Auf der einen Seite verspricht künstliche Intelligenz Effizienz, Automatisierung und ein neues Business-Potenzial – auf der anderen Seite ist sie für viele KMU noch ein ungreifbares, abstraktes Konzept, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Zum Beispiel: Lohnt sich das auch für uns? Wie gehen wir das an, was kostet es und wie profitieren wir davon – wenn überhaupt? Die Antworten darauf sind nicht immer einfach und auch nicht allgemeingültig. Denn KI erfordert nicht nur Investitionen, sondern auch Know-how und eine klare Strategie. Doch sich damit auseinanderzusetzen lohnt sich für alle Unternehmen, denn wer sich gar nicht erst damit beschäftigt, läuft Gefahr, von der Konkurrenz überholt zu werden.

KI ersetzt nicht, sie entlastet
Zu den offensichtlichen Vorteilen von KI-Anwendungen zählen die Effizienzgewinne durch die Automatisierung von Routineaufgaben, wie das Erstellen oder Transkribieren von Berichten, auch in anderen Sprachen, wobei die KI eine nahezu fehlerfreie Übersetzung liefert. Generell bringen Anwendungen von KI im «schriftlichen Bereich» wie Korrespondenz, Administration, Tabellen und Buchhaltung grosse Vorteile. So soll beispielsweise ein KI-Agent interne Dokumente nutzen, um Medienanfragen effizienter zu beantworten oder Blogposts, Über­setzungen und Zusammenfassungen zu erstellen. Über Textarbeiten hinaus gehen Chatbot-Anwendungen für grund­legende Kundenanfragen, Systeme die gezielt auf die Markensprache und Tonalität eines Unternehmens trainiert wurden. Der erfolgreiche Einsatz von KI in KMUs soll nicht zufällig sein, sondern auf klaren Prinzipien beruhen. Dazu gehört der Grundsatz: Klein anfangen, gross denken, um schnell Effizienzgewinne zu erreichen. Doch KI ist kein Selbstläufer. Das Einbringen der Erfahrung von «Alten» im Team ist mitunter entscheidend, auch bei der Schulung von Mitarbeitenden, um Hemmschwellen abzubauen und Kompetenzen aufzubauen. Wer als KMU nicht ausprobiert und bereit ist, Fehler in Kauf zu nehmen, wird nicht vorankommen. KI-Projekte werden iterativ entwickelt – mit der Bereitschaft, zu lernen und nachzubessern. Perfektion von Anfang an soll nicht das Ziel sein. KI soll die Mitarbeitenden entlasten und effizienter machen, nicht ersetzen.

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#428 – Wohlstandsverlust: «Alte» wehren sich

Plädoyer eines «Alten» für uns «Alte»
Ein Kollege machte mich auf den Beitrag von Klaus Stöhlker (84), deutsch-schweizerischer PR-Berater, Publizist, Unternehmer und Autor, vom 4. Juli 2025 auf Inside Paradeplatz-online aufmerksam. Es ist das Plädoyer eines «Alten» für uns «Alte». Alte Männer und Frauen, die noch geistig beweglich und auch sonst körperlich fit sind, bilden die grosse, stille Reserve für unser Land. Ihm ist aufgefallen, mit welcher Verbissenheit die jüngeren Mitglieder der Gesellschaft auf ihre Vorgänger, die noch lebenden «Alten», einhacken. Viele alte Männer verstummen deshalb, sei es, dass sie eine Diskussion mit den nachwachsenden Generationen als wenig fruchtbar empfinden, weil sie dort kein Gehör mehr finden oder sie den Unterschied zwischen ihrer Welt und der Welt der Jungen zu gross finden.

Verlassen die «Jungen» die ausgetretenen Schuhe von uns «Alten»?
Weil Politiker und Unternehmer aber mehr denn je nach den «Alten» rufen, die jenseits der Pensionierungsgrenze noch anpacken möchten, vergönnt sich Stöhlker ein Lob auf die «Alten», die dem Land über die AHV-Grenze hinaus dienen. Aber nicht nur die «Jungen», auch die Frauen hat der alte weisse Mann gegen sich, hält er doch jene Positionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft besetzt, die es einzunehmen gilt. Der wohl mächtigste Mann der Welt, der amerikanische Präsident Donald Trump, ist gerade 79 Jahre alt geworden. Er setzte sich in den Wahlen klar gegen die 60-jährige Kamala Harris durch. Dazu ein aktueller Einschub meinerseits: «Was wir von Donald Trump lernen können – auch hier in der Schweiz», schreibt Michael Hermann (53), Politikwissenschafter, im Gastkommentar der NZZ vom 12. Juli 2025. Weiter mit Klaus Stöhlker: In der Schweiz, wo die eingeborene Bevölkerung in mehr als 12 Kantonen durch Todesfälle und mangels eigener Geburten laufend sinkt, müssen vielerorts wir «Alten» in die Ställe, in die Montagehallen und in die Redaktionsstuben einrücken, denn unsere Erfahrung ist Gold wert. Stöhlker präsentiert eine Auswahl von «Alten» schweizer Unternehmerpersönlichkeiten und stellt die rhetorische Frage ob bei uns die «Jugend», wie alt sie immer sein mag, Kraft genug hat, die ausgetretenen Schuhe ihrer Vorgänger zu verlassen. Diese Jugend ist nur so viel wert, wie sie in der Lage ist, Neues zu schaffen. Ob unser Nachwuchs jemals ein neues Silicon Valley in der Schweiz aufbauen wird, ist bisher nicht erwiesen. Bei allem Verständnis für den Hunger der Jungen nach Neuem, mögen sie es aber bitte vermeiden, uns «Alte», dabei aufzufressen.

Jaques Herzog (75), Schweizer Architekt und zusammen mit Pierre de Meuron (75), Gründer des, mittlerweile weltberühmten, Basler Architekturbüros Herzog & de Meuron in 1978. 8. Juli 2025 TeleZüri SommerTalk im Chapiteau des Zirkus Knie, Interview mit Michelle Steiner-Bernhard. Bild: ZeleZüri

Trend zu kürzerer Arbeitsdauer
Ein neuer OECD-Bericht (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) warnt vor «beispiellosem Einbruch»: Die tiefe Geburtenrate gefährdet den Wohlstand, schrieb Albert Steck in der NZZ vom 9. Juli 2025. Das wirtschaftliche Wachstum droht in den westlichen Ländern um 40 Prozent zurückzugehen. In der Schweiz könnte die Demografie zu einem noch stärkeren Rückgang führen. Eigentlich ist es eine Binsenwahrheit: «Damit die Wirtschaft wachsen kann, braucht es Arbeitskräfte, welche die nötige Wertschöpfung erbringen.» Statt eines Mangels an Jobs wie früher, erlebe die westliche Welt zunehmend einen Mangel an Arbeitskräften, hält die OECD fest – und warnt vor den tiefgreifenden Folgen dieses Wandels. Dieser hat zwei Gründe: In der Schweiz kommen pro Frau gerade noch 1,3 Kinder auf die Welt. Gleichzeitig findet eine Welle an Pensionierungen bei den geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer-Generation statt. Gemäss OECD wirkt sich dies direkt auf unseren Wohlstand aus, indem wir mit einem beispiellosen Einbruch des Pro-Kopf-BIP-Wachstums konfrontiert werden, was die Fähigkeit, den Lebensstandard zu verbessern, erheblich beeinträchtigen wird.

Potenzial der älteren Beschäftigten nutzen
Dank den Fortschritten der künstlichen Intelligenz KI könnte sich diese Voraussage jedoch als zu pessimistisch erweisen. KI kann viel. Sie verändert unser Denken, die Sprache, den Stellenwert von Arbeit. In den vergangenen Jahren haben digitale Technologien und die Automatisierung vor allem Routinetätigkeiten ersetzt – Aufgaben, welche nach klaren Vorschriften ausgeführt werden können. Vermehrt sind Leute gefragt, die Probleme analysieren und Entscheidungen treffen. Um dem Rückgang der Produktivität entgegenzusteuern müssten andererseits die Beschäftigten mehr Arbeitsstunden leisten. Die OECD empfiehlt deshalb, den bestehenden Pool an Arbeitskräften umfassender auszuschöpfen. Als mögliche Massnahmen nennt sie unter anderen eine fortschrittlichere Beschäftigungspolitik für uns «Alte». Zumal wir von einer besseren Gesundheit profitieren und auch der Anteil der körperlich anstrengenden Jobs zurückgeht. Zu diesem Zweck müssen die berufliche Mobilität und das lebenslange Lernen gefördert werden. Damit hilft man auch den Jungen, welche sonst die zusätzlichen Lasten aufgrund einer stagnierenden Wirtschaft zu tragen hätten. Gerade die Kombination aus «jugendlichem Wissen» und gereifter Erfahrung der «Alten», führt oft zu den besten Lösungen. Die «Alten» bringen Kontextualisierung, Risikoeinschätzung und langfristiges Denken mit – Fähigkeiten, die in unserer schnelllebigen Zeit besonders wertvoll sind. Anstatt Wissen und Erfahrung gegeneinander auszuspielen, müssen wir Synergien nutzen. Um das Potenzial einer ganzen Gesellschaftsschicht zu würdigen, müssen wir über reine Arbeitsmarktbetrachtungen hinausgehen.

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