Blog, Industrie 4.0

#194 – Austausch zwischen den Generationen

Die Wirtschaft braucht Erfahrung
Wir Senioren werden in der Schweizer Politik und in «Expertengremien» (trotz deren beträchtlichem Anteil alter weisser Männer) erneut stigmatisiert. Obwohl wir «Alten» uns durchaus jung fühlen, voller Temperament und ausgerüstet mit lebenslanger Erfahrung sind, zählt dort nur unser biologisches Alter (65+) als potenzielle Gefahr für das Gesundheitswesen. Seniorenorganisationen, wie zum Beispiel die staatlich geförderte Pro Senectute, gehen dabei seit Monaten auf Tauchstation und sind In der 70-köpfigen (!) «Task-Force» des Bundes nirgends zu finden. Die täglichen und grösstenteils widersprüchlichen Meldungen zur weltweiten Corona-Pandemie lassen uns beinahe vergessen, dass die Gesamtwirtschaft mehr oder weniger normal weiterläuft. Natürlich gibt es einige Verlierer in der gegenwärtigen Situation, doch die gibt es auch unter normalen Umständen immer wieder.

Julian Schnabel «Look to the Future» 2020, für die NZZ 22. 9. 2020, Bild: ProLitteris, Zürich

Auf die richtigen Partner setzen
Private Initiativen wie das Netzwerk «kompetenz60plus.ch» oder die Stellen-Plattform «seniors@work.ch» ermöglichen uns «Alten», unsere Kompetenzen für KMU’s sichtbar zu machen. Dabei gilt für uns besonders, eigenverantwortlich und professionell zu handeln. Kontaktanfragen von Firmen sind umgehend als kurze Rückmeldung zu beantworten, denn meist entstehen solche Angebote aus einer gewissen Dringlichkeit. Dass die Erfahrung von uns «Alten» erstaunlich hoch eingeschätzt wird zeigt sich immer wieder. So erreichte mich kürzlich eine Mailanfrage zur Beratung des Gründers einer Online-Plattform für Dienstleistungsaufträge im Segment «Handwerk» für Umbauen und Renovieren. Dem Team fehle es an Know-how aus der Bau- Ingenieur- und Architekturbranche zur Bearbeitung von alltäglichen Fragen privater Bauherrschaften. Dabei gehe es auch um die Entwicklung einer Strategie für Kunden, die zur Verwirklichung ihrer Projekte keine Architektur- oder Ingenieurleistungen wünschen.

Bereit für neue Erkenntnisse
Als gestandener Architekt mit internationaler Erfahrung verstehe ich natürlich auch die Gründe von Laien, die sich gegen die fachlich ausgewiesene Hilfe meiner Zunft entscheiden. Kosten- und Terminüberschreitungen, mangelnde Kommunikation oder fehlendes Verständnis sind Faktoren die solche Vorurteile am Leben erhalten. Ich entschied mich, auf das Angebot einzugehen und die Jungunternehmer zu treffen. Zum gegenseitigen Kennenlernen einigten wir uns auf eine persönliche Begegnung zu dritt, unter Einhaltung der Hygienevorschriften, Maskentragen und Sicherheitsabstand. Am grossen Konferenztisch entstand die Grundlage mit Themengebieten für das weitere Vorgehen und in der Folge die Unterzeichnung einer Vereinbarung für meine Beratungsleistungen auf Stundenbasis. Anfangs Januar 2021 wollen wir die angesprochenen Gebiete mittels digitaler Konferenzschaltung einzeln angehen. Die Führung und das technische Wissen liegen beim Startup, meine Aufgabe beschränkt sich auf das Einbringen meiner Erfahrung mit Architektur, Ingenieurwesen, Bau, Materialkenntnis und Nachhaltigkeit.

Bleiben wir trotz Covid-19 produktiv und professionell
Jammern bringt nichts, hadern ebenso wenig. Stattdessen können wir uns fragen, wie uns die Corona-Situation als Menschen reifen lässt, schreibt Rolf Dobelli (54), Gründer der Wissensgemeinschaft «world.minds» und Schriftsteller, im NZZ Feuilleton vom 7. November 2020. Verbannt im «Lockdown light», tun wir gut daran, uns mit den mentalen Werkzeugen vertraut zu machen, dank denen Seneca unter weit härteren Bedingungen bei geistiger Gesundheit blieb. Seneca war Stoiker, ein Anhänger jener praktischen Philosophie, deren Ziel die Erlangung von «ataraxia» ist, einem Zustand, den man am besten mit «Seelenruhe», «Gleichmut» oder «innerer Stabilität» übersetzt – oder, moderner, mit der Absenz von «toxischen Emotionen». Heute feiert der Stoizismus ein vorsichtiges Revival in undefinierten Kreisen in Europa, an der Ostküste der USA und im Silicon Valley. Das Coronavirus, dieses winzige Paket aus RNA und Eiweissen, kümmert sich einen Dreck um unsere Meinungen und Gefühle. Wir können das Virus nicht wegwünschen. Es ist komplett unnütz, ja geradezu idiotisch, sich um Dinge zu sorgen, die ausserhalb unserer Kontrolle liegen – und das sind die allermeisten Dinge. Also: Tun wir, was wir können (Masken, Social Distancing, Home-Office), ignorieren wir den unkontrollierbaren Rest, und geben wir uns Mühe, innerhalb unseres kleinen Einflussbereichs trotz Covid-19 produktiv und professionell zu bleiben. Frühere Generationen haben weit schlimmere Pandemien überstanden, dagegen sind diese paar Monate Covid-19 ein Klacks.

Kompetente «Alte» stellen ihre Erfahrung zur Verfügung
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Wir «Alten», Frauen und Männer, im Team auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen unsere Erfahrung mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

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