Panik in der obersten Führung
Auslöser für den Beitrag von Madison Mohns auf TEDxWrigleyville im Juli 2023, mit dem Titel «Drei Möglichkeiten, KI zu nutzen, ohne seine Kolleg:innen zu ersetzen» war eine interne Mail des Managers ihres Managers (dritte Hierarchiestufe?). Bis am Ende des Tages wünschte er ein Dokument auf seinem Pult mit allen Angaben, woran ihr Team im Zusammenhang mit KI gearbeitet hat. Da herrschen grosse Wissenslücken. Der Vorstand eines grossen Unternehmens hat offensichtlich Gerüchte über dieses neue Ding namens ChatGPT vernommen und wollte wissen, was die «Untergebenen» dagegen tun. Die oberste Führungsebene hat Angst vor der Zukunft und will wissen, wie man dieses «technische Problem» löst.
Das Paradoxon im Umgang mit künstlicher Intelligenz
Madison Mohns, die jeden Tag mit Modellen des maschinellen Lernens arbeitet, weiss aus erster Hand, wie rasant sich die Technologie entwickelt und welche endlosen Möglichkeiten für Innovationen diese bietet. Sie weiss auch, wie die exponentielle Verbesserung bei KI-Systemen zu einer existenziellen Bedrohung für ihr Team wird. Dank einfacher Zugänglichkeit und unheimlich menschenähnlichen Ergebnissen, setzen Unternehmen auf Automatisierung, um die Effizienz zu steigern. Doch was oberflächlich betrachtet als grosse Vision erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als unangenehmes Paradoxon. Um die Leistungsfähigkeit von KI-Systemen zu nutzen, müssen diese trainiert und um den hohen Qualitätsstandards gerecht zu werden, fein abgestimmt sein. Aber wer definiert die Qualität und wer trainiert diese Systeme überhaupt? Das sind echte Fachexpert:innen und meist genau dieselben Leute, welche gerade diese Arbeit erledigen. Wie erklärt man also einem Team, die Systeme zu trainieren, die einem selbst ersetzen könnten. Uns «Alten» kommt dabei eine nicht zu unterschätzende Aufgabe zu, haben wir doch unsere Karriere meist abgeschlossen und müssen nicht mehr um unsere Stelle bangen. Dank unserer Erfahrung sind wir prädestiniert, im Team zusammen mit den «jungen Wilden» die Systeme auf ihre Robustheit zu prüfen.

Wenn Menschen sich selbst ersetzen
Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2023 von OpenAI zeigen, dass bei etwa 80 Prozent der US-Arbeitskräften, durch die Einführung von GPTs (Generative Pre-trained Transformer) bis zu 10 Prozent ihrer Tätigkeiten gefährdet sind, während rund 19 Prozent von Belegschaften bis zu 50 Prozent ihrer Aufgaben beeinträchtigt sehen könnten. Bei der Auslagerung von Tätigkeiten, diskriminiert die KI auch nicht zwischen dem immensen Ausbildungsaufwand oder dem Bildungsstand der Menschen. Berichte des Pew Research Center und der Brookings Institution haben ergeben, dass viele Hochschulabsolventen in besser bezahlten Bereichen stärker von KI-Auslagerungen betroffen sind. Treffen kann es uns alle und Aufhalten lassen sich solche Trends sowieso nicht. Aus der Geschichte wissen wir, wie sich während der industriellen Revolution ähnliche Situationen ergaben. Madison Mohns erwähnt dazu beispielsweise Henry Fords legendäre Automobilproduktionslinie für das Modell T, wo Arbeiter und Maschinen einen synchronen Tanz mit bestimmten und sich wiederholenden Aufgaben aufführen, während sich das Produkt entlang der Linie bewegte. Nicht unähnlich ist die Lage heute, wenn die Menschen selbst eine entscheidende Rolle bei der Schulung der Systeme spielen und so schliesslich ihre einst vielseitigen Rollen selbst ersetzen.

Drei ethische Prinzipien zur Einführung von KI
Der Mensch hat immer wieder Wege gefunden, sich anzupassen und zu innovieren. Während einige Rollen tatsächlich ersetzt wurden, entstanden neue Tätigkeiten mit erhöhten Fähigkeiten, wie Kreativität und kreative Problemlösung, welche die Maschinen einfach nicht reproduzieren konnten. Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine war schon immer ein heikler Balanceakt. Wir trainieren Maschinen darauf, uns zu ersetzen, während wir gleichzeitig für uns neue Möglichkeiten entdecken, um als Unternehmer nicht ins Hintertreffen zu geraten. Madison Mohns verlässt sich dabei auf drei von ihr definierten ethischen Prinzipien, um sicherzustellen dass Manager mit den Auswirkungen einer sich selbst ersetzenden Belegschaft klarkommen. Zuallererst muss die KI-Transformation transparent sein. Führungskräfte müssen den Dialog fördern und auf zentrale Anliegen eingehen. Zweck und potenzielle Herausforderungen bei der Implementierung von KI müssen erläutert werden, auch im Hinblick auf die Gestaltung seines eigenen beruflichen Schicksals. Zweitens muss darüber diskutiert werden, wie die KI als «Erweiterungswerkzeug» genutzt wird. Welche ungeliebten Tätigkeiten oder Routinearbeiten können an die Maschine delegiert werden, um das Potenzial und die Produktivität der Mitarbeitenden zu steigern. Schlussendlich müssen wir uns umschulen und weiterbilden um nicht ersetzt zu werden. Wir müssen mit entsprechenden Fähigkeiten und Kenntnissen ausgestattet sein um in einer KI-gestützten Zukunft erfolgreich zu sein. Dazu müssen wir die Technologie akzeptieren. Die KI zwingt uns in eine Kultur des kontinuierlichen Lernens, in der Umschulung von grösster Bedeutung ist. Die rasante Entwicklung der KI-Technologie birgt sowohl Chancen als auch Herausforderungen an Mitarbeitende und Führungskräfte. Wir müssen eine gemeinsam Zukunft gestalten, die den menschlichen Einfallsreichtum und den technischen Fortschritt harmonisch vereint und wo KI das menschliche Potenzial steigert, anstatt es zu ersetzen.
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