Blog, Industrie 4.0

#359 – KI kann, könnte, muss aber nicht

Wenn Maschinen entscheiden
Was passiert, wenn Maschinen Entscheidungen für uns übernehmen, ist eine der fundamentalen Fragen im Zusammenhang mit KI künstlicher Intelligenz. Ruth Fulterer hat mit der Philosophin Ruth Chang von der Oxford Universität darüber gesprochen. Die NZZ vom 17. Februar 2024 publizierte das Interview unter dem Titel «Wir Menschen sind Herdentiere. Wir sind faul und befolgen gerne Befehle, auch die einer Maschine». Ruth Chang erforscht, wie man im Leben die richtigen Entscheidungen trifft, ob gross oder klein und untersucht nun, was passiert, wenn wir anfangen, solche Entscheidungen an Maschinen auszulagern. Sie nennt es das Paradoxon der Wahl, wenn es zu viele Alternativen gibt und wir das Gefühl haben: «Es gibt zu viele Informationen, ich kann keine Entscheidung treffen.» Algorithmen nehmen uns zunehmend Entscheidungen ab. Sie zeigen uns den Weg auf Google Maps, schlagen Partner vor und formulieren Texte für uns. Es ist es grossartig, wenn eine KI dies tut und uns damit wertvolle Zeit für die Recherche erspart. Im Leben funktionieren viele Entscheidungen aber nicht nur über Vor- und Nachteile, entweder-oder mit austauschbaren Alternativen, sondern verlangen nach einer menschlichen Intervention. Jemand muss eine einzige Option über alle Anderen bevorzugen, um die Menge relevanter Informationen zu reduzieren und so die Auswahl überschaubar machen.

Jenny Holzer (73), US-amerikanische Konzept- und Installationskünstlerin: «Demented Words» 2022, Text-generierte Ausstellung, Galerie Hauser & Wirth New York

«Alte» für die Entwicklung von KI-Standards
Ja, man kann Algorithmen als vermeintliche Experten einsetzen, um sich nicht durch eine kontroverse Entscheidung unbeliebt zu machen. Aber es könnte auch ein tieferes Problem mit der Verantwortung geben – insbesondere wenn es darum geht, was für ein Mensch, was für ein Unternehmen wir sein möchten. Man kann solche Fragen nicht einfach an die Technik auslagern. Vor allem, wenn nicht klar ist, auf welchen Werten die Entscheidung basieren soll. Da braucht es den «Menschen in der Schlaufe», was bei weitem der vielversprechendste Weg ist, KI mit unseren Werten in Einklang zu bringen. Insgesamt bringen kompetente «Alte» eine Fülle von Wissen, Erfahrung und Perspektive in die Entwicklung von KI-Standards ein, sodass ihr Engagement für die Erstellung wirksamer und ethischer Richtlinien für die Zukunft der KI von entscheidender Bedeutung ist. Wir «Alten» haben aus unserer Erfahrung ein tiefes Verständnis der Branchenpraktiken, kennen Vorschriften und verfügen über das Wissen historischer Zusammenhänge. Mit zunehmendem Alter kommt oft Weisheit, welche uns eine breitere Perspektive auf die möglichen Auswirkungen von KI-Technologien, einschliesslich ethischer, sozialer und kultureller Überlegungen ermöglicht.

Viel «Können» und wenig «Müssen»
Wir «Alten» haben möglicherweise frühere technologische Revolutionen oder Störungen erlebt und können Einblicke in potenzielle Risiken geben, die mit der KI-Entwicklung verbunden sind. Diese Eigenschaften können wichtige Erkenntnisse darüber liefern, welche Standards benötigt werden und wie sie formuliert werden sollten. Maschinen werden nicht durch Emotionen, Vorurteile oder Müdigkeit beeinflusst, was im Vergleich zu Menschen zu einer konsistenteren Entscheidungsfindung führen kann. Diese Konsistenz kann besonders in Bereichen wie Gesundheitswesen, Finanzen und Logistik von Vorteil sein. KI-Prozesse werden so optimiert, dass die Notwendigkeit menschlicher Eingriffe bei sich wiederholenden Aufgaben verringert werden, was auch zu Arbeitsplatzverlagerungen führen kann. KI-gestützte Entscheidungssysteme können Erkenntnisse und Muster in Daten aufdecken, die Menschen möglicherweise übersehen, und so zu innovativen Lösungen und Entdeckungen in verschiedenen Bereichen führen. Insgesamt hängt die Auswirkung der Entscheidungsübernahme durch Maschinen davon ab, wie diese Systeme konzipiert, implementiert und reguliert werden. Die Abwägung der Vorteile der Automatisierung mit ethischen Überlegungen sowie die Gewährleistung von Transparenz und Verantwortlichkeit sind für den nachhaltigen Einsatz automatisierter Entscheidungstechnologien von entscheidender Bedeutung.

2023 © Jenny Holzer (73) «READY WHEN YOU ARE», Hauser & Wirth West Hollywood, Los Angeles, Photo: Collin LaFleche

Technologischer Optimismus
Für uns «Alte», die wir möglicherweise nicht mit dieser Technologie sozialisiert wurden, stellt sich oft die Frage nach der Akzeptanz. Die Nutzung eines Computers an sich weist nicht unbedingt auf eine bestimmte Lebensphilosophie hin, sondern hängt davon ab, wie und warum man diesen nutzt. Ein Computer kann ein Werkzeug für verschiedene Zwecke sein, darunter Arbeit, Bildung, Unterhaltung, Kommunikation, Kreativität und mehr. Allerdings kann die Herangehensweise einer Person an die Nutzung von Technologie, einschliesslich eines Computers, Aspekte ihrer umfassenderen Philosophie oder Weltanschauung widerspiegeln. Manche Menschen sind begeistert von der Technologie und sehen darin ein Mittel zur Verbesserung ihres Lebens und der Gesellschaft als Ganzes. Andere stehen den Auswirkungen der Technologie auf die Gesellschaft möglicherweise eher skeptisch oder sogar ängstlich gegenüber und bevorzugen einen einfacheren oder traditionelleren Lebensstil. Manche sehen Technologie möglicherweise als Mittel zur Verbesserung der menschlichen Fähigkeiten und des menschlichen Wohlbefindens, indem sie menschliche Bedürfnisse und Werte in den Mittelpunkt der technologischen Entwicklung und Nutzung stellen. Andere nehmen möglicherweise eine eher technozentrische Perspektive ein und priorisieren technologischen Fortschritt und Innovation über alles andere. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Nutzung eines Computers selbst zwar nicht die Lebensphilosophie einer Person bestimmt, ihr Ansatz zum Einsatz von Technologie und ihre Einstellung dazu jedoch Einblicke in ihre umfassendere Weltanschauung und ihre Werte liefern können. KI wird unser Leben verändern, ob wir das wollen oder nicht. Dabei müssen wir mit allen Mitteln verhindern, dass KI menschliche Werte und Fähigkeiten untergräbt. Wir müssen die Werte der KI mit unseren eigenen in Einklang bringen und so gestalten, dass sie die schwierigsten und wichtigsten Entscheidungen im menschlichen Leben berücksichtigt.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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