Blog, Industrie 4.0

#452 – Skeptische «Alte»: Umgang mit Risiken

«Y2K-Bug», «Millennium-Bug» oder «Jahr-2000-Problem»
Vor 25 Jahren waren sich Wissenschaft und Wirtschaft uneins, was die Konsequenzen beim Jahreswechsel 2000 in einer digital vernetzten Welt auf Finanztransaktionen, kritische Infrastruktur, Flugverkehr, Navigations- oder militärische Systeme wären. Die Befürchtung entstand, weil viele ältere Computersysteme und Programme Jahreszahlen nur zweistellig speicherten, beispielsweise «99» für 1999 um Speicherplatz zu sparen. Man befürchtete, dass beim Übergang von «99» auf «00» die Systeme das Jahr als 1900 statt 2000 interpretieren würden – mit potenziell katastrophalen Folgen. Im Vorfeld wurden weltweit, zur Freude der Computerindustrie, enorme Ressourcen mobilisiert. Milliarden wurden investiert, um Software zu überprüfen und anzupassen. Als dann tatsächlich Mitternacht am 1. Januar 2000 kam, passierte… relativ wenig. Es gab nur vereinzelte kleinere Probleme, aber keine grossen Katastrophen. Bis heute wird debattiert, ob die massiven Vorbereitungen die Katastrophe verhindert haben oder ob die Gefahr von Anfang an übertrieben war. Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem – viele kritische Systeme wurden tatsächlich rechtzeitig gepatcht, während die apokalyptischen Szenarien wohl etwas überzeichnet waren. Diese Erfahrung lehrt uns «Alte», einen differenzierten Umgang mit den gegenwärtigen Ängsten um die negativen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz KI auf unsere Zukunft.

TED erklärt die Welt mit dem Politikwissenschafter Ian Bremmer (56), Januar 2026 (erfrischenderweise ohne Bücherwand im Hintergrund!)

Die grössten globalen Risiken für 2026
«kompetenz60plus» ist nicht bekannt für politische Diskussionen. Mit Blick auf die aktuellen weltweiten Geschehnisse und vor dem Hintergrund der technologischen Veränderungen durch die künstliche Intelligenz KI, ist jedoch eine weitergehende Betrachtung der gegenwärtigen Situation angebracht. Das Assessment der US-Regierung nach einem Jahr unter Präsident Trump erstaunt vor allem wegen der Geschwindigkeit und der weltweiten Wirkung von Beschlüssen und Aktionen. Entgegen den meist oberflächlichen oder reisserischen Analysen westlicher Medien, steht meiner Meinung nach hinter den Veränderungen jedoch ein grösserer Plan. Im bemerkenswerten Interview von Helen Walters (50+), Leiterin Medien und Kuratorin der Plattform TED vom 5. Januar 2026 (50:42), mit dem Politikwissenschafter Ian Bremmer (56), Gründer der Eurasia Group, spricht dieser von einem Wendepunkt in der Geschichte. Er beleuchtet die grössten Risiken, welche die Welt im 2026 erwarten, analysiert die US-Militäroperation gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und erklärt, warum US-Präsident Donald Trumps Übernahme der «Donroe-Doktrin» das unsicherste geopolitische Umfeld seit Jahrzehnten herbeiführt. (Erklärung: Die Monroe-Doktrin ist eine US-amerikanische Aussenpolitik, die 1823 von Präsident James Monroe verkündet wurde und die westliche Hemisphäre als eigenständigen Einflussbereich definierte, indem sie europäische Kolonialisierung und Einmischung in die Angelegenheiten Amerikas ablehnte und im Gegenzug Nichteinmischung in europäische Angelegenheiten versprach; ihre Kernprinzipien sind getrennte politische Sphären (Europa vs. Amerika), Nicht-Kolonialisierung und Nichteinmischung).

Künstliche Intelligenz KI als Chance
Bremmers eindringliche Prognosen zu den Entwicklungen in Europa, Russland und China schaffen einen unverzichtbaren Einblick in eine instabile Weltordnung. Dass dieses Geschehen mit dem rasanten technologischen Fortschritt der KI zusammenfällt ist wohl kein Zufall und muss folglich gemeinsam betrachtet werden. Der tschechisch-amerikanischen Ökonomen Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) fand den Begriff «kreative Zerstörung», welcher einen wesentlichen Aspekt disruptiver Innovation beschreibt. Man könnte das Konzept auch als «schöpferische Erneuerung» oder «transformative Umgestaltung» bezeichnen und damit stärker den konstruktiven Aspekt des Prozesses betonen – dass aus der Zerstörung des Alten etwas Neues und oft Besseres entsteht. Zur Beurteilung dieser Verschiebungen müssen wir uns von der bekannten Ordnung lösen und uns auf die Kreativitätsebene begeben. KI wird das noch verstärken, in einem Ausmass das wir uns wahrscheinlich noch kaum vorstellen können. KI eröffnet theoretisch unendlich viele Möglichkeiten, unsere Kreativität auszuleben. Menschen werden anfangen, aus Eigeninteresse in beispielloser Weise zusammenzuarbeiten. Die Erfahrung, Neugier und Reife von uns «Alten» als Sparringspartner im Team, zusammen mit dem technischen Wissen der Jungen, ist deshalb entscheidend, um allenfalls korrigierend einzugreifen.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#415 – Der Kompass der «Alten» in der Krise

Die Zeitenwende
Die aktuelle US-Regierung macht genau das, was ihr Präsident vor der Wahl versprochen hat. Eine Verschlankung der Verwaltung, tiefere Steuern, mehr industrielle Produktion in die USA zurückholen und die Selbstversorgung sicherstellen. Insofern waren wir alle vorgewarnt und sind höchstens über den Umfang und die Auswirkungen der Massnahmen erstaunt. Damit ist die unipolare US-zentristische Weltordnung fürs Erste beendet und die Welt braucht eine neue Ordnung, sagt der Schweizer Hedge-Fund-Manager Felix Zulauf (74) im Gespräch mit Albert Steck in der NZZ vom 8. April 2025. Da die EU zentralistisch aufgebaut wurde und der Kontinent als Regulierungsweltmeister die Wettbewerbsfähigkeit einschränkt, ist Europa nicht wirklich stark genug für diese Zeitenwende und die europäischen Länder werden sich wieder auf ihre nationalen Interessen fokussieren. Bei den erratischen US-Zollmassnahmen handelt es sich meiner Meinung nach (hoffentlich) um Teile eines grösseren Plans. Etwas das auch Erich Gujer in seinem anderen Blick vom 11. April 2025 in der NZZ zu verkennen scheint. Gerne verweise ich dazu auf den Gastkommentar von Eduard Kaeser (77), Physiker und promovierter Philosoph, unter dem Titel «Murks happens – warum wir immer weniger verstehen werden, was wir tun», in der NZZ vom 27. November 2019. Wir «Alten» haben ein System geschaffen, das wir nicht mehr überblicken können. Immer mehr Menschen beteiligen sich dank neuen technologischen Möglichkeiten am vermeintlichen Fortschritt. Kaeser nennt es Akkretion, ein Zustand der durch das Hinzufügen von immer mehr Systemkomponenten und deren Verknüpfungen entsteht. Dabei handelt es sich um eine zusammengeflickte, behelfsmässige, temporäre, mitunter unnötig komplizierte Lösung eines Problems, kurz, ein «Murks». Die menschliche Gabe, die Tatsachen den Meinungen zu unterwerfen, ist nahezu unerschöpflich; vor allem wenn die Akteure Überzeugungstäter sind wie das Mastermind der US-Zollpolitik, Peter Navarro, und sein Präsident, schreibt Gujer.

DADA-ismus: Der mechanische Kopf (Der Geist unserer Zeit), 1920 von Raoul Hausmann (1886-1971), Centre Georges Pompidou Paris

Durchstehen lautet die Parole
Manche KMUs stehen deshalb vor grossen Herausforderungen. Man hat sich über die letzten Jahrzehnte an eingespielte Abläufe gewöhnt. Schrittweiser Fortschritt und planbare Rahmenbedingungen verleiten zu einer gewissen Trägheit, zu Überregulierungen oder zu hohen Erwartungen. Dass die arbeitsintensive Fertigung in einem Hochpreisland wie der Schweiz immer weniger Zukunft hat, wissen wir auch schon seit geraumer Zeit. Schon heute stammt deshalb ein wachsender Anteil der Umsätze von Industrieunternehmen aus produktbegleitenden Dienstleistungen wie Beratung, Schulung, Instandhaltung oder Logistik. Das wirkt sich positiv auf die Wertschöpfung von Branchen aus. Daneben sind Ideen für wegweisende neue Innovationen gefragt, auch bei der Digitalisierung, denn eine kurzfristige Veränderung der gegenwärtigen Situation scheint wenig realistisch. Zu sehr ist die aktuelle Disruption gewollt und zielt auf ein Hinterfragen bestehender Systeme. Der tschechisch-amerikanischen Ökonomen Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) fand dafür den Begriff «kreative Zerstörung», welcher einen wesentlichen Aspekt disruptiver Innovation beschreibt. Es ist ein natürlicher Teil wirtschaftlicher Evolution und technologischen Fortschritts. Man könnte das Konzept auch als «schöpferische Erneuerung» oder «transformative Umgestaltung» bezeichnen und damit stärker den konstruktiven Aspekt des Prozesses betonen – dass aus der Zerstörung des Alten etwas Neues und oft Besseres entsteht. Durchstehen lautet die Parole.

Mit erfahrenen und kompetenten «Alten» die Disruption meistern
Wir «Alten» haben im Laufe unserer Karriere zahlreiche disruptive Situationen erlebt und bringen demzufolge eine wertvolle historische Perspektive zu den gegenwärtigen Herausforderungen. Nicht wenige von uns verbrachten Teile unseres Lebens im Ausland, lernten andere Kulturen kennen und sprechen mehrere Sprachen. Damit bilden wir ein wichtiges Gegengewicht zu der oft ahistorischen Sichtweise der «jungen Wilden», welche nicht alle Konjunkturzyklen oder technologischen Umbrüche miterlebt haben. Wir «Alten» haben die Fähigkeit, Ähnlichkeiten zwischen aktuellen Herausforderungen und vergangenen Situationen zu erkennen. Wir sind emotional belastbarer und haben die Fähigkeit, in turbulenten Zeiten die Fassung zu bewahren. Wir haben die strategische Geduld und das Verständnis dafür, dass sich Disruptionen letztendlich stabilisieren. Auch eine gute Portion Skepsis gegenüber Hypes, lässt uns erkennen, dass nicht jede «revolutionäre» Veränderung tatsächlich transformativ ist. Schlussendlich verfügen wir über die notwendige Wertschätzung für Grundlagen und fokussieren auf zentrale Geschäftsprinzipien, die trotz oberflächlicher Veränderungen konstant bleiben.

DADA-Gründungsmitglied Hugo Ball (1886-1927), Dada Manifesto 1916: Cabaret Voltaire Zürich veränderte den Kurs der Kunstgeschichte

Technologische Revolution erfordert Agilität
Wir waren Zeugen technologischer Umbrüche – von der Schreibmaschine zum PC, von der Papierablage zu digitalen Datenbanken und vom Festnetz zum Smartphone. Wir haben hautnah erlebt, wie Innovationen, die zunächst bedrohlich wirkten, letztlich neue Chancen eröffneten, wenn auch oft mit schmerzhaften Übergangsphasen. Veteranen der Arbeitswelt haben Rezessionen, Börsencrashs und Branchenzusammenbrüche überstanden. Die Ölkrise der 1970er Jahre, der Schwarze Montag von 1987, das Platzen der Dotcom-Blase im März 2000, die Finanzkrise von 2008 oder die Corona-Pandemie in 2020 lehrten uns wertvolle Lektionen über Resilienz und Anpassungsfähigkeit. Wir haben miterlebt, wie wirtschaftliche Umbrüche Branchen und Karrierewege nachhaltig verändern können. Als langjährige Fachkräfte haben wir in der Regel mehrere Umstrukturierungen, Fusionen, Übernahmen und Führungswechsel miterlebt. Wir haben ein Verständnis dafür entwickelt, wie wir in Zeiten institutioneller Unsicherheit unsere Produktivität und Konzentration aufrechterhalten können. Wir haben auch miterlebt, wie ganze Branchen ins Ausland verlagert, Lieferketten transformiert und Wettbewerb aus unerwarteten Teilen der Welt aufkam. Diese Erfahrung hat uns gelehrt, wie man sich an veränderte Marktdynamik und daraus entwickelnden Arbeitsanforderungen anpasst. Auch kulturelle und soziale Veränderungen haben wir «Alten» miterlebt. Von der sich verändernden Arbeitsplatzdemografie bis hin zu sich entwickelnden Kommunikationsstilen und Führungsphilosophien mussten wir uns im Laufe unserer Karriere an die Arbeitskultur und die sozialen Normen anpassen.

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