Die Zeitenwende
Die aktuelle US-Regierung macht genau das, was ihr Präsident vor der Wahl versprochen hat. Eine Verschlankung der Verwaltung, tiefere Steuern, mehr industrielle Produktion in die USA zurückholen und die Selbstversorgung sicherstellen. Insofern waren wir alle vorgewarnt und sind höchstens über den Umfang und die Auswirkungen der Massnahmen erstaunt. Damit ist die unipolare US-zentristische Weltordnung fürs Erste beendet und die Welt braucht eine neue Ordnung, sagt der Schweizer Hedge-Fund-Manager Felix Zulauf (74) im Gespräch mit Albert Steck in der NZZ vom 8. April 2025. Da die EU zentralistisch aufgebaut wurde und der Kontinent als Regulierungsweltmeister die Wettbewerbsfähigkeit einschränkt, ist Europa nicht wirklich stark genug für diese Zeitenwende und die europäischen Länder werden sich wieder auf ihre nationalen Interessen fokussieren. Bei den erratischen US-Zollmassnahmen handelt es sich meiner Meinung nach (hoffentlich) um Teile eines grösseren Plans. Etwas das auch Erich Gujer in seinem anderen Blick vom 11. April 2025 in der NZZ zu verkennen scheint. Gerne verweise ich dazu auf den Gastkommentar von Eduard Kaeser (77), Physiker und promovierter Philosoph, unter dem Titel «Murks happens – warum wir immer weniger verstehen werden, was wir tun», in der NZZ vom 27. November 2019. Wir «Alten» haben ein System geschaffen, das wir nicht mehr überblicken können. Immer mehr Menschen beteiligen sich dank neuen technologischen Möglichkeiten am vermeintlichen Fortschritt. Kaeser nennt es Akkretion, ein Zustand der durch das Hinzufügen von immer mehr Systemkomponenten und deren Verknüpfungen entsteht. Dabei handelt es sich um eine zusammengeflickte, behelfsmässige, temporäre, mitunter unnötig komplizierte Lösung eines Problems, kurz, ein «Murks». Die menschliche Gabe, die Tatsachen den Meinungen zu unterwerfen, ist nahezu unerschöpflich; vor allem wenn die Akteure Überzeugungstäter sind wie das Mastermind der US-Zollpolitik, Peter Navarro, und sein Präsident, schreibt Gujer.

Durchstehen lautet die Parole
Manche KMUs stehen deshalb vor grossen Herausforderungen. Man hat sich über die letzten Jahrzehnte an eingespielte Abläufe gewöhnt. Schrittweiser Fortschritt und planbare Rahmenbedingungen verleiten zu einer gewissen Trägheit, zu Überregulierungen oder zu hohen Erwartungen. Dass die arbeitsintensive Fertigung in einem Hochpreisland wie der Schweiz immer weniger Zukunft hat, wissen wir auch schon seit geraumer Zeit. Schon heute stammt deshalb ein wachsender Anteil der Umsätze von Industrieunternehmen aus produktbegleitenden Dienstleistungen wie Beratung, Schulung, Instandhaltung oder Logistik. Das wirkt sich positiv auf die Wertschöpfung von Branchen aus. Daneben sind Ideen für wegweisende neue Innovationen gefragt, auch bei der Digitalisierung, denn eine kurzfristige Veränderung der gegenwärtigen Situation scheint wenig realistisch. Zu sehr ist die aktuelle Disruption gewollt und zielt auf ein Hinterfragen bestehender Systeme. Der tschechisch-amerikanischen Ökonomen Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) fand dafür den Begriff «kreative Zerstörung», welcher einen wesentlichen Aspekt disruptiver Innovation beschreibt. Es ist ein natürlicher Teil wirtschaftlicher Evolution und technologischen Fortschritts. Man könnte das Konzept auch als «schöpferische Erneuerung» oder «transformative Umgestaltung» bezeichnen und damit stärker den konstruktiven Aspekt des Prozesses betonen – dass aus der Zerstörung des Alten etwas Neues und oft Besseres entsteht. Durchstehen lautet die Parole.
Mit erfahrenen und kompetenten «Alten» die Disruption meistern
Wir «Alten» haben im Laufe unserer Karriere zahlreiche disruptive Situationen erlebt und bringen demzufolge eine wertvolle historische Perspektive zu den gegenwärtigen Herausforderungen. Nicht wenige von uns verbrachten Teile unseres Lebens im Ausland, lernten andere Kulturen kennen und sprechen mehrere Sprachen. Damit bilden wir ein wichtiges Gegengewicht zu der oft ahistorischen Sichtweise der «jungen Wilden», welche nicht alle Konjunkturzyklen oder technologischen Umbrüche miterlebt haben. Wir «Alten» haben die Fähigkeit, Ähnlichkeiten zwischen aktuellen Herausforderungen und vergangenen Situationen zu erkennen. Wir sind emotional belastbarer und haben die Fähigkeit, in turbulenten Zeiten die Fassung zu bewahren. Wir haben die strategische Geduld und das Verständnis dafür, dass sich Disruptionen letztendlich stabilisieren. Auch eine gute Portion Skepsis gegenüber Hypes, lässt uns erkennen, dass nicht jede «revolutionäre» Veränderung tatsächlich transformativ ist. Schlussendlich verfügen wir über die notwendige Wertschätzung für Grundlagen und fokussieren auf zentrale Geschäftsprinzipien, die trotz oberflächlicher Veränderungen konstant bleiben.

Technologische Revolution erfordert Agilität
Wir waren Zeugen technologischer Umbrüche – von der Schreibmaschine zum PC, von der Papierablage zu digitalen Datenbanken und vom Festnetz zum Smartphone. Wir haben hautnah erlebt, wie Innovationen, die zunächst bedrohlich wirkten, letztlich neue Chancen eröffneten, wenn auch oft mit schmerzhaften Übergangsphasen. Veteranen der Arbeitswelt haben Rezessionen, Börsencrashs und Branchenzusammenbrüche überstanden. Die Ölkrise der 1970er Jahre, der Schwarze Montag von 1987, das Platzen der Dotcom-Blase im März 2000, die Finanzkrise von 2008 oder die Corona-Pandemie in 2020 lehrten uns wertvolle Lektionen über Resilienz und Anpassungsfähigkeit. Wir haben miterlebt, wie wirtschaftliche Umbrüche Branchen und Karrierewege nachhaltig verändern können. Als langjährige Fachkräfte haben wir in der Regel mehrere Umstrukturierungen, Fusionen, Übernahmen und Führungswechsel miterlebt. Wir haben ein Verständnis dafür entwickelt, wie wir in Zeiten institutioneller Unsicherheit unsere Produktivität und Konzentration aufrechterhalten können. Wir haben auch miterlebt, wie ganze Branchen ins Ausland verlagert, Lieferketten transformiert und Wettbewerb aus unerwarteten Teilen der Welt aufkam. Diese Erfahrung hat uns gelehrt, wie man sich an veränderte Marktdynamik und daraus entwickelnden Arbeitsanforderungen anpasst. Auch kulturelle und soziale Veränderungen haben wir «Alten» miterlebt. Von der sich verändernden Arbeitsplatzdemografie bis hin zu sich entwickelnden Kommunikationsstilen und Führungsphilosophien mussten wir uns im Laufe unserer Karriere an die Arbeitskultur und die sozialen Normen anpassen.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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