DAS GLAS IST HALBLEER
Hoi Werner, schon gelesen? Der CEO eines befreundeten Startups machte mich kürzlich auf einen Gastkommentar in der NZZ am Sonntag vom 11. Mai 2024 aufmerksam. Mathias Binswanger (61), Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz und Privatdozent an der Universität St. Gallen beschreibt darin, wie die KI künstliche Intelligenz Staat und Wirtschaft erobert, aber sie macht unser Leben nicht einfacher, im Gegenteil: Alles wird komplizierter. Am Ende haben wir wohl weniger Freiheit und mehr Verwaltung. Der Beitrag stammt aus seinem Buch «Die Verselbständigung des Kapitalismus. Wie KI Menschen und Wirtschaft steuert und für mehr Bürokratie sorgt» Wiley-VCH; 1. edition (April 2024). Es sind solche Feststellungen, die uns «Alte» verunsichern und unsere vorgefassten Meinungen zur KI als Gefahr für die Menschheit beflügeln. Grundsätzlich hat Binswanger ja Recht, doch bringt uns das nicht weiter. Wir «Alten» sind Teil einer «Übergangsgeneration» und Zeugen der Entwicklung von analogen zu digitalen Prozessen, vielfach ohne unser Zutun.
Das Rennen um die Effizienzgewinne
Noch bestehen in fast allen Bereichen (teure) Doppelspurigkeiten, Papier/Digital. Während die Generation Z (geboren zwischen 1997 und 2012) sich im digitalen Dschungel automatisch zurechtfindet, denken viele von uns «Alten» immer noch «linear» (analog) und haben Mühe mit der weltweiten Vernetzung. Seit den 1970er Jahren arbeite ich mit Computern und verwende seither unzählige Stunden mit Updates, der Installation von Programmen, dem zusammensuchen von Passwörtern oder dem Lernen von neuen Anwendungen. Die Hoffnung, eines Tages von den Vorteilen dieser Digitalisierung profitieren zu können, stirbt jedoch nie. Es ist ein Rennen, das wir nicht gewinnen können. Die Jungen sprechen von Zeiteinsparung und wir «Alten» vergeuden unser halbes Leben damit, diese Systeme mit unserem analogen Denken zu begreifen. Wofür wir die eingesparte Zeit dann auch wirklich brauchen, sei dahingestellt. Oft fehlt es an fundierten Strategien beim Einsatz von künstlicher Intelligenz. Es herrscht eine naive Digitalisierungseuphorie, die davon ausgeht, dass Qualität und Effizienz mit dem Grad der Digitalisierung steigen, meint Binswanger.

Für jeden möglichen Fehler eine neue Regulierung
Eine andere grosse Herausforderung ist der Datenschutz, der mit grossangelegten Regulierungen wie der heute in der EU geltenden Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) garantiert werden soll. In der Realität bringt diese Verordnung aber weniger Datenschutz als vielmehr Datenschutzbürokratie. Internetnutzer müssen ständig Einwilligungen für Datennutzungen geben, wenn sie eine Website besuchen oder eine App verwenden. Das empfinden viele von uns als lästige Pflicht, während gleichzeitig die Unsicherheit bleibt, ob die Daten tatsächlich geschützt sind, bemerkt Mathias Binswanger. Cybersicherheit war auch ein Thema von rundumSIA, einer Veranstaltung organisiert vom SIA Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein, mit den Referenten Dr. Urs Wiederkehr, Leiter Fachbereich Digitale Prozesse beim SIA und Peter Vonesch, dipl. El.-Ing. ETH/SIA et lic. oec. HSG, Cybersicherheitsexperte des VBS. Auf spielerische Art und Weise diskutierten zwei Teams, die Angreifer und die Angegriffenen, über Massnahmen zum Schutz der Daten in KMUs. Fazit: die Schwachstelle ist IMMER der Mensch. Cybersicherheit ist deshalb Chefsache (Mitarbeitendenschulung). Angesichts der rasanten Entwicklung von KI sind jedoch viele Erkenntnisse bereits wieder überholt. Während Chat-Bots nur gelerntes weitergeben und relativ dumm sind, lernen KI-Agenten selbständig und sind fähig mit uns zu interagieren. Damit werden die Angriffsstellen für Cyberkriminelle meiner Meinung nach multipliziert.
DAS GLAS IST HALBVOLL
Für uns «Alte» sind die interaktiven Möglichkeiten von KI-Anwendungen eine riesige Erleichterung. Die rechtlichen Aspekte sollen diese Entwicklung nicht unnötig bremsen. Protektionismus soll die Zusammenarbeitsmöglichkeiten, beispielsweise durch KI-gestützte Programmierung zur Verwirklichung unserer Ideen, nicht behindern. Wir müssen offen sein für disruptive Szenarien. Nicht das machen, was alle anderen auch machen und wie man es schon immer gemacht hat. «Er ist witzig, charmant und schnell: OpenAIs neuer KI-Sprachassistent wirkt wie aus Hollywood» schrieb Marie-Astrid Langer, San Francisco im Technologiebeitrag der NZZ vom 14.Mai 2024. Mit der Präsentation im Livestream hat die Firma OpenAI Mitte Mai 2024 das neueste Update ihres KI-Modells «GPT-4o» vorgestellt. Der Buchstabe «o» in der Bezeichnung des Modells steht für das lateinische Wort «omni» (alle). Dieses zeigt eine erstaunliche Entwicklung und kann nun als menschliche Stimme mit Nutzern interagieren und auch zwischen verschiedenen Sprachen übersetzen, schrieb Langer.
Gespräche mit dem Computer
Auch kann der Sprachassistent nun zwischen Personen dolmetschen. Mira Murati (36) treibt als Cheftechnologin von OpenAI die künstliche Intelligenz voran und führte dies auf Italienisch und Englisch vor. Für welche Sprachen dies möglich sein wird, teilte OpenAI bisher nicht mit. Für Interessenten ohne Abo sollen die neuen Funktionen «in den nächsten Wochen» zur Verfügung gestellt werden. «Mit einem Computer zu reden, hat sich für mich nie natürlich angefühlt», schrieb Samuel Harris «Sam» Altman (39), CEO von OpenAI, nach der Produktpräsentation auf seinem privaten Blog. «Jetzt tut es das.» Er gab auch einen Vorgeschmack auf das, woran man bei OpenAI zurzeit offenbar tüftelt: «Wir arbeiten an Personalisierung, Zugriff auf Ihre Informationen, die Möglichkeit, für Sie Aufgaben auszuführen, und mehr – ich sehe eine aufregende Zukunft vor uns, in der Computer mehr für uns tun werden als je zuvor.» Wie «Bloomberg» jüngst berichtete, plant Apple eine Zusammenarbeit mit OpenAI. Angeblich soll die nächste Version des Betriebssystems für das iPhone Funktionen von Chat-GPT beinhalten.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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