Blog, Industrie 4.0

#405 – Erinnerung, Moral, Stabilität – «Alte»

Erinnerung
Begriffe wie Erinnerung, Moral und Stabilität werden gerne mit uns «Alten» in Verbindung gebracht. Tugenden wie Moral, Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit oder Bescheidenheit stehen aktuell auf dem Prüfstand. «Jeder Mensch wird als Unikat geboren – doch die meisten von uns sterben als Kopie», schreibt Peter Zellermayer (67), österreichischer Kommunikationstrainer und Gestalttherapeut, Gründer von IROS Unternehmens-beratungs GmbH und dem Wiener VitalitätsManagement im aktuellen Buch (2025, für das er noch einen Titel sucht). Wie gelingt es uns, mit unseren Herausforderungen erfolgreich umzugehen, statt sie erfolgreich zu umgehen? Indem wir hinschauen. Indem wir uns trauen, die schwierigen Fragen zu stellen und uns den Antworten zu stellen – auch wenn sie unangenehm sind. Denn nur wer bereit ist, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, kann wachsen und sich verändern. Kürzlich traf ich einen Kollegen, wir beide stammen aus der gelichen Stadt. Beim Kaffee zeigte er mir das 65jährige Klassenfoto und Bilder unseres Schulhauses auf seinem Smartphone. Er trägt diese Erinnerungen mit sich herum, immer griffbereit, bei jeder Gelegenheit. Das hat mich erstaunt, denn er hat nie in einer anderen Kultur gelebt. Was uns daran hindert, wirklich zu leben, sind oft die Begrenzungen, die wir uns selbst auferlegen, schreibt Zellermayer. Wir hindern uns daran, das Leben in seiner vollen Fülle zu geniessen, weil wir in Mustern und Gewohnheiten gefangen sind, die uns Sicherheit versprechen – doch diese Sicherheit ist eine Illusion. Und das Schlimmste: Wir gewöhnen uns daran.

«Arche 2.0»
Der Schweizer Theaterdirektor Federico Emanuel Pfaffen (77) hatte die Idee: Wir bauen die «Arche 2.0», ein Schiff für unsere Zeit, als Symbol für einen neuen Anfang und als Hoffnungsanker in Zeiten der Unruhe und Perspektivenlosigkeit. Unter der Schirmherrschaft von Stadtpräsidentin Corine Mauch ist dieses Schiff nicht nur Objekt, sondern auch Bühne: ein Ort für einen Austausch mit der Stadt, mit vielen Stimmen aus Wissenschaft, Kultur, Kunst und Gesellschaft. Die «Arche 2.0» ist ein Projekt der Zürcher Altstadtkirchen und wird bis Oktober 2025 in der Wasserkirche beheimatet sein. Szenographie Simeon Meier (53).

«Arche 2.0», Federico Emanuel Pfaffen (77), Wasserkirche 2025: Stadt Zürich und Zürcher Altstadtkirchen

Woke Moral
Gesund essen, korrekt reden, richtig denken: Moral werde zum Statussymbol, sagt der deutsche Philosoph und Publizist Philipp Hübl (50) im Interview mit Thomas Ribi in der NZZ vom 30. Januar 2025. «Wir reden dauernd über Moral, aber in Wahrheit polieren wir nur das eigene Image»: Philipp Hübl kritisiert die digitale Empörungskultur. Der grösste Teil der Menschen hat aber gar keine Zeit, sich ständig auf den neuesten Stand zu bringen und englisches Fachvokabular zu lernen. Und wenn man vorgeschrieben bekommt, wie man zu reden hat, weckt das fast immer Widerwillen oder sogar Ressentiments. Dass sich Eliten durch den Sprachgebrauch abgrenzen, war schon immer so. Mentoringprogramme für Minderheiten im Tech- und Finanzsektor haben nachweislich den stärksten Effekt, aber sie signalisieren eben nicht «Diversität», weil die Mentoren die sprichwörtlichen «alten weissen Männer» sind. Viele Menschen ziehen sich aus der Diskussion zurück, aus Angst, missverstanden und an den Pranger gestellt zu werden. Zurück bleiben die Lauten und die mit antisozialen Neigungen, die in den Netzwerken rechts und links einen Kulturkampf inszenieren und so am meisten Aufmerksamkeit bekommen.

Balance bringt Stabilität
«Niemand ist mehr da, den du noch verantwortlich machen kannst.» schrieb Erica Jong (83), US-amerikanische Schriftstellerin. Trotz Fachkräftemangel fällt es Menschen über 50 zunehmend schwer, nach einem Stellenverlust wieder eine Anstellung zu finden. Woran das liegt, kann viele Gründe haben. Oft sind es die Begrenzungen, die wir uns selbst auferlegen, welche uns daran hindern bereit zu sein für neue Herausforderungen. Wir brauchen Balance – zwischen innerer Reflexion, spiritueller Ausrichtung und dem realen Handeln in der Welt. Diese Balance umfasst die körperliche Ebene, die emotionalen Erfahrungen, die gedankliche Klarheit, die spirituelle Ausrichtung und die sozialen Beziehungen. Ohne diese Balance verlieren wir uns in einem der Extreme und verpassen die Gelegenheit, wirklich zu wachsen. Solange wir «Alten» keine Angst vor Neuerungen haben und modernen Technologien gegenüber aufgeschlossen sind, werden wir immer gefragt bleiben. Indem wir uns weiterbilden und Verantwortung für unser Leben übernehmen, inspirieren wir andere, es uns gleichzutun. So tragen wir aktiv zu einer Kultur des Wachstums und der positiven Veränderung bei, die nicht nur uns selbst, sondern auch das Umfeld, in dem wir leben, bereichert.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

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#258 – Rückkehr der «Alten»

Neuorientierung nach der Zwangspause
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, Rituale bilden die Struktur im Alltag. Am Arbeitsplatz ist es beispielsweise der gewohnte Austausch beim Morgenkaffee. Dass dieser auf behördliche Anordnung plötzlich nicht mehr stattfinden durfte, traf uns alle. Wir «Alten» (Ü65) wurden von einem Tag auf den anderen zur Hypothek. Das chronologische anstelle des biologischen Alters, wurde in einem nie dagewesenen Masse strapaziert. Heute, nach zwei Jahren «Auszeit» müssen wir uns erneut zurechtfinden. Vieles ist nicht mehr wie es war, die Gesellschaft hat sich mit der Pandemie verändert und auch weiterentwickelt. Nach dem digitalen Austausch auf Distanz, müssen uns erst wieder an die neue Arbeitswelt nach Corona herantasten. Viele von uns bekunden Mühe mit Veränderungen, nicht nur vulnerable Personen tragen weiterhin Masken und möchten nicht mehr ins Büro zurückkehren.

Die Metapher der schöpferischen Zerstörung
Der in der NZZ vom 18.Februar 2022 publizierte Essay von Sergio Aiolfi über den österreichischen Nationalökonomen und Politiker Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) mit dem Titel «Der letzte Atemzug des Kapitalismus» passt zum absehbaren Ende der ausserordentlichen Lage in der Pandemiebekämpfung. Firmen, die sich im «unablässigen Kampfzustand» befinden, in einem «ewigen Sturm» stehen und «die Wirtschaftsstruktur unaufhörlich von innen heraus revolutionieren» und damit einen «Prozess dauernder Veränderung» auslösen: Diese dramatischen Umschreibungen der Existenz eines Unternehmens stammen von Joseph A. Schumpeter, einem der renommiertesten Ökonomen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bekannt war Schumpeter vor allem für seine Bewunderung der Schaffens- und Innovationskraft der Entrepreneure. Er wies allerdings auch darauf hin, dass Neuerungen die Tilgung von Altem zur Folge haben, und kreierte so das paradoxe Begriffspaar der «schöpferischen Zerstörung».

Gerhard Richter (90), deutscher Maler, Bildhauer und Fotograf. Fotoportrait Schniewind, 1964

Konflikt um Home-Office-Tage zeichnet sich ab
Das Team der online Plattform KMU_today vom 11. Februar 2022 schreibt dazu: Das Ende der Home-Office-Pflicht bedeutet nicht das Ende von Home-Office. Darüber, wie häufig die Arbeitnehmenden aber vor Ort sein sollen, gehen die Meinungen auseinander. Dass Home-Office auch über die Pandemie hinaus eine wichtige Rolle spielen wird, zeigt eine von JobCloud durchgeführte Umfrage, bei der mehr als 10’000 Arbeitnehmende sowie 800 Unternehmen teilgenommen haben. Demnach gaben über 30 Prozent der befragten Unternehmen an, dass die meisten Tätigkeiten ihrer Mitarbeitenden von den Voraussetzungen her im Home-Office erledigt werden könnten. Auf Seite der Arbeitnehmenden hingegen glaubt etwa die Hälfte, dass ihre Arbeit grundsätzlich im Home-Office verrichtet werden könnte. Auch wenn es Berufe gibt, die aus offensichtlichen Gründen nicht von zu Hause ausgeübt werden können, so hat sich bei vielen Stellen mit vermeintlich obligatorischer Präsenz am Arbeitsplatz gezeigt, dass diese teilweise aus der Ferne erledigt werden können, erklärt Davide Villa, CEO von JobCloud. Während nur 5 Prozent der Befragten vollständig auf Home-Office verzichten möchten, ist mit zunehmendem Alter der Wunsch nach Home-Office und Flexibilität grösser. Deutlich zurückhaltender sind dagegen die Arbeitgebenden. Nur ein Viertel von ihnen sind bereit, ihren Mitarbeitenden mindestens die Hälfte der Arbeitszeit im Home-Office zu gewähren. Unabhängig der Unternehmensgrösse wären jeweils 10 Prozent bereit, ihren Mitarbeitenden völlige Flexibilität zu gewähren, beziehungsweise eine Home-Office-Tätigkeit überhaupt nicht zu ermöglichen.

Kampfzone Home-Office. Bild: trendir.com

Coworking in der Schweiz
Die Pandemie hat Arbeitsgewohnheiten verändert und die Digitalisierung beschleunigt: «Nur jeder Achte will zurück ins Corporate Office», sagt Claudius Krucker, Co-Präsident des Verbands Coworking Switzerland. Mehr als die Hälfte will im Home-Office oder an anderen Orten arbeiten. Tatsächlich werden Flexibilität und Autonomie für Angestellte immer wichtiger. Wer als Arbeitgeber attraktiv bleiben will, muss reagieren – etwa mit neuen Arbeitsmodellen. Lange mieteten sich vor allem Selbstständige in Coworking Spaces ein. Dies hat sich gewandelt und das Angebot wird immer mehr von KMU genutzt. Coworking Spaces bieten flexible Arbeitsplätze – was permanente Büroräume einspart. Für ein Team-Meeting lässt sich der Raum in einem Coworking Space nach Bedarf anmieten. Mitarbeitende die nicht jeden Tag ins Büro pendeln wollen, finden alternativ flexibel anzumietende Arbeitsplätze in der Nähe ihres Wohnortes. Diese sind meist besser ausgestattet als das Home-Office und wenn ähnliche Branchen vertreten sind, ermöglichen mehr Austausch und eine bessere Vernetzung. Idealerweise sind die Standorte mit dem ÖV erreichbar oder befinden sich in der Nähe von Standplätzen für Mobility Fahrzeuge.

Die Mitarbeitenden ins Büro locken
In vielen Schweizer Unternehmen wird in diesen Tagen überlegt und entschieden, wie es in der Arbeitswelt nach Corona weitergehen soll. Unter dem Titel «zurück ins Büro» bis «volle Flexibilität»: Der Startschuss für die Arbeitswelt nach Corona ist gefallen, beleuchten Matthias Benz, Dominik Feldges, Giorgio V. Müller in der NZZ vom 18. Februar 2022 verschiedene Ansätze. Banken und Versicherungen möchten ihre Mitarbeitenden grundsätzlich wieder zurück im Büro haben. Die Gründe sind der persönliche Austausch zwischen Mitarbeitenden und Kunden, aber auch die gelebte Firmenkultur untereinander. Auch manche Klein- und Mittelbetriebe (KMU) finden, dass man die Mitarbeitenden ab März 2022 zurück ins Büro beordere. Das Arbeiten sei effizienter und der kreative Austausch grösser, wenn sich alle im Unternehmen befänden. Und doch wird bei fast allen beleuchteten Unternehmen, darunter auch Industriefirmen, Home-Office künftig ein Bestandteil sein. Mancherorts überlegt man sich sogar, wie man die Belegschaft am besten vom Home-Office zurück an die angestammten Büroarbeitsplätze locken könnte. Mittels attraktiv gestalteter «Begegnungszonen», gemeinsamem Frühstücken oder gratis Pizza am Mittag, versucht man die Unternehmenskultur und den Teamgeist, die während der Pandemie gelitten haben, zu stärken.

Herantasten an die neue Arbeitswelt
Insgesamt, so schreiben die Autoren, werden sich die Unternehmen in den nächsten Monaten an die neue Arbeitswelt nach Corona herantasten müssen. Manche haben schon klare Vorstellungen von den neuen Arbeitsmodellen, andere erarbeiten sie erst. Manche werden jedem Büromitarbeitenden einen fixen Arbeitsplatz im Unternehmen bieten, andere setzen auf das Modell von «shared desks», bei dem sich Teams oder Einheiten die Bürotische teilen. Klar ist aber: Die Möglichkeit zum Home-Office wird ihren Platz in der Arbeitswelt auch nach der Pandemie behalten.

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung aus der analogen, zusammen mit Erkenntnissen aus der digitalen Welt, sind wir «Alten» gerne bereit, diese mit KMU’s oder im Team mit jungen Forschenden und Wissenschaftern auf Augenhöhe zu teilen. Suchen Sie einen Mentor, eine Mentorin oder Coach, «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
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