Blog, Industrie 4.0

#402 – Nachfolge: «Alte» im Geist der Jugend

Die neue Arbeitsmoral
Zum Jahreswechsel, wenn man sich im Familienkreis trifft und auf das vergangene Jahr zurückblickt, ziehen nicht wenige von uns «Alten» Bilanz und machen sich Gedanken zur Zukunft des eigenen Betriebs. Für manchen Patron, manche Firmeninhaberin, stellt sich altershalber die Frage nach einer Nachfolge. Man hört sich um in der Familie, sucht das Gespräch im Bekanntenkreis und stellt mit Ernüchterung fest, dass seine eigenen Werte bei weitem nicht von allen geteilt werden. Gerade die Generation Z, geboren nach 2000, die in einer Welt des Überflusses gross geworden ist, sieht im Unternehmertum vor allem Verzicht. Wieso fünf Tage und am Wochenende arbeiten? Für viele lohnt es sich, das Arbeitspensum zu reduzieren und sich so den Zugang zu subventionierten Gütern zu sichern. Im Kommentar von Christina Neuhaus, NZZ vom 4.Januar 2025, mit dem Titel «Kunstgeschichte studieren, weniger arbeiten, früher in Rente: Die Schweizer sind zu Konsumenten des Staats geworden», kommt Christoph Mäder, Präsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse in einem Interview mit der NZZ zu Wort: «Immer mehr Leute wollen weniger Wachstum, aber trotzdem einen grösseren Kuchen, von dem sie sich dann das grösste Stück abschneiden können. Sie wollen günstige Dienstleistungen, günstigen Wohnraum, leere Züge, freie Autobahnen, touristenfreie Innenstädte. Sie wollen früher in die Pension, nachdem sie Teilzeit gearbeitet und eine vom Staat finanzierte exzellente Ausbildung genossen haben. Sie wollen die besten Gesundheitsdienstleistungen, die aber bitte nicht viel kosten dürfen und vor allem in der Nähe liegen müssen.» Mit dieser Haltung untergraben wir unser System, findet er. Das Tempo des Weltlaufs überfordert sie, folgert Neuhaus. Kein Tag vergeht ohne neue Schreckensnachricht; kaum einer, an dem die Medien nicht über die jüngste Eroberung der künstlichen Intelligenz berichteten. Was wollen die Einzelnen schon ausrichten?

Georges Pierre Seurat (1859-1891) Französischer Impressionist, 1886 «Sonntagnachmittag auf La-Grande-Jatte»

Welche Nachfolge
Wenn ich mir Nachfolgelösungen für KMUs anschaue, denke ich unweigerlich auch an die aktuelle «Unternehmenskultur», die mir aus dem Kontakt mit Start-ups bekannt ist. Tradition und Berufsstolz von uns «Alten», kurz unsere Wertvorstellungen, haben darin wenig Platz. Überall wird geduzt, man kommt mit den Flip-Flops und im Hoodie in die Sitzung, junge Leute feiern die Work-Life-Balance: In vielen Unternehmen regiert eine neue Lässigkeit. Moderne Betriebe diktieren keine Umgangsregeln mehr, sie diktieren Lockerheit. In modernen Büros gibt es keine Regeln und schon gar keinen Dresscode. Sogar bei der schweizer Armee verzichtet man zukünftig auf das «Ausgangstenue», um Geld zu sparen. Doch aufgepasst, schreibt Nelly Keusch im NZZ Folio-Beitrag vom 3. Januar 2025. Was man trägt, entscheidet über den ersten Eindruck – und der soll weder langweilig noch unangenehm sein. Casual zu sein ist noch kein Verhaltenskodex. Im Gegenteil: Die neue Lässigkeit führt zu neuen Herausforderungen. Keusch beschreibt wie die Pandemie ihre Spuren hinterlassen hat. Für Videocalls mussten wir zu Hause nicht einmal eine Hose anziehen. Nun leiden wir darunter, wenn sich die Kolleg:innen im Büro wie zuhause benehmen und keine «Etikette» mehr besteht. Viele von uns «Alten» haben Mühe mit diesen Trends, auch weil wir darin einen Schlendrian erkennen, den wir nicht mehr kontrollieren. Wie kann man darauf das Vertrauen in die Nachfolge aufbauen, wenn die Einstellung zur Arbeit dermassen von seinen eigenen Werten divergiert. Die Stimmung am Arbeitsplatz beeinflusst nicht nur das Wohlbefinden und die Gesundheit der Angestellten, sondern wirkt sich auf den Erfolg des Unternehmens aus. Dennoch täuschen Lässigkeit und gewisse Verhaltensweisen oft über die Tatsache hinweg, mit welchem Ehrgeiz junge Leute an Problemlösungen herangehen. Sie hinterfragen Prozesse oder Marktauftritte, die beispielsweise mittels Einsatz künstlicher Intelligenz den Betrieb für die Zukunft befähigen. Im Resultat führt die Nachfolgeregelung zu einer notwendigen Neuausrichtung, die dank Aussensicht auch neues Potenzial erschliesst. Voraussetzung ist jedoch, dass die Firmeninhaber:innen von gewisse Vorstellungen «wie man es immer gemacht hat» loslassen, um positive Veränderungen zuzulassen.

Vom Risiko des Lebens
Adriana Galván präsentierte seine Sichtweise im TED Salon (7:19) vom November 2024 unter dem Titel «3 reasons to take risks like a teenager». Man solle sich eine Gruppe von Menschen vorstellen, die leicht lachen, schneller lernen können als wir alle und welche die Ungewissheit des Lebens akzeptieren. Wahrscheinlich würden wir sie als Übermenschen bezeichnen und uns wünschen, so zu sein wie sie. Tatsache ist, dass diese magische Gruppe von Menschen unter uns wandelt. Wir nennen sie Teenager oder Heranwachsende im Alter zwischen 10 und 25. Und obwohl diese Zeit im Leben tendenziell einen schlechten Ruf hat, können wir drei erstaunliche Dinge daraus lernen. Als Neurowissenschafterin hat Galván die letzten 25 Jahre damit verbracht, das jugendliche Gehirn zu erforschen und hat dabei herausgefunden, dass es in dieser Lebensphase zu einem explosionsartigen Wachstum kommt, das zu einigen ziemlich erstaunlichen Superkräften führt. So ist unser Gehirn beispielsweise – abgesehen von der Zeit als Baby – in der Pubertät am lernfähigsten, und das ist notwendig, damit wir erwachsen werden. Diese drei Eigenschaften können wir deshalb von Jugendlichen lernen: Erstens schrecken sie nicht vor Ungewissheiten zurück. Im Gegensatz zu den meisten Erwachsenen, geraten sie nicht in Panik und sehen in den Überraschungen des Lebens positive Lernmöglichkeiten. Zweitens sind Jugendliche gut darin, den Status quo in Frage zu stellen und Dinge aufzumischen. Das sind unglaubliche Führungsqualitäten, die sie zu visionären Botschaftern der Zukunft machen um sich über die Möglichkeit von Veränderungen zu freuen. Drittens gehen Teenager strategische Risiken zu ihrem Vorteil ein. Sie verlassen das Zuhause für ein neues Abenteuer oder stehen für Dinge ein, an die sie glauben. Wir «Alten» müssen diese Jungen zu positiver Risikobereitschaft ermutigen, um ihr Selbstvertrauen zu fördern und für uns selbst einen jugendlicheren Geist annehmen.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#396 – «Alte» als demographische Dividende

Babyboomer gehen in Rente, weniger Wachstum
Viele Pensionierungen, weniger Junge: 2035 könnten in der Schweiz laut einer neuen Studie massenweise Vollzeitbeschäftigte fehlen. Die Arbeitgebenden versprechen, das inländische Arbeitskräftepotenzial besser auszuschöpfen. An einer weiteren Zuwanderung führt aus ihrer Sicht aber kein Weg vorbei. Dies schreibt Christin Severin in der NZZ vom 7. November 2024. Das Horrorszenario der Schweizer Arbeitgebenden: Viel Arbeit – aber niemand da, der sie erledigen kann. Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer (geboren zwischen 1946 und 1964) werden pensioniert. Die Generation Z, geboren nach dem Jahr 2000, rückt in lediglich reduzierter Stärke nach. Die Wirtschaft braucht Arbeitskräfte, um Wohlstand erschaffen zu können. Dank der Personenfreizügigkeit können Stellen in der Schweiz weitaus besser besetzt werden, als dies bei geschlossenen Grenzen der Fall wäre. Doch die damit verbundene Zuwanderung beschäftigt und beunruhigt die Schweizer Bevölkerung.

Demografischer Gegenwind statt demografische Dividende
Unter dem Titel: Europas Bevölkerung schrumpft und altert: «Zuwanderung kann das demografische Problem nicht lösen, höchstens etwas kompensieren» schrieb Michael Ferber, in der NZZ vom 12. November 2024, wie gemäss einer Studie der Bank Morgan Stanley, sich das Wirtschaftswachstum in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren klar negativ entwicklen dürfte. Eine gut ausgebildete Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter mit genügend Arbeitsplätzen, bringt für ein Land wirtschaftliche Vorteile. Man spricht dabei von einer «demografischen Dividende». Dagegen sieht es bei der demografischen Entwicklung nicht gut aus. Die demografische Dividende wird sich dabei in einen demografischen Gegenwind umkehren. Um den wirtschaftlichen Herausforderungen durch den demografischen Wandel zu begegnen, empfiehlt Morgan Stanley, das gesetzliche Rentenalter anzuheben und dadurch die Zahl der Erwerbstätigen zu erhöhen. Auch eine verstärkte Zuwanderung mildert die negativen Folgen des demografischen Wandels. Zu berücksichtigen ist allerdings das Ausbildungsniveau für Wirtschaftssektoren, die auf Fachkräfte angewiesen sind. Dazu lohnt sich beim Umgang mit der demografischen Entwicklung ein Blick nach Japan. Dort ist die ältere Bevölkerung sehr gut in den Arbeitsmarkt integriert, und viele Menschen arbeiteten bis ins hohe Alter. Auch bei der Automatisierung sei Japan Europa weit voraus.

Überalterung, Automatisierung, Neuausrichtung
Anstatt über den Fachkräftemangel zu jammern, wäre ein Paradigmenwechsel angebracht. Nicht jede Stelle muss gleichwertig ersetzt werden. Verbesserte Attraktivität der Arbeit für Frauen, Weiterbeschäftigung von «Alten» und die Möglichkeit zur Produktivitätssteigerung durch Digitalisierung sind zu prüfen. In vielen KMUs muss die Automatisierung von Abläufen, auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz KI, priorisiert werden. Mit Blick auf den Markt wäre nicht selten auch eine Neuausrichtung der Organisation angebracht. Obwohl sich viele Unternehmen mit KI befassen: Sie geben Investitionen grünes Licht, stellen Talente ein und starten Pilotprojekte, bleibt das Resultat der digitalen Transformation durchzogen. Gemäss Studien der Boston Consulting Group BCG vom November 2024, sind nur 22% der KI-Anwender über den Beweis (proof of concept) für deren Einsatz hinausgekommen und haben tatsächlich Mehrwert geschaffen. Auch die Realität einer sogenannten «Zero-Gap-Mentalität», bei der die Betriebe lieber perfekte Kandidat:innen aus dem Ausland einstellen, anstatt bei 90-Prozent-Kandidat:innen aus der Schweiz die fehlenden Fähigkeiten anzutrainieren, steht einer besseren Ausschöpfung des inländischen Arbeitskräftepotenzials entgegen.

Belgien gegen Canada World Cup Fussball 2022, Ahmad Bin Ali Stadium in Al Rayyan, Qatar. Bild: Nathan Denette/The Canadian Press via AP

Schule und Lehre sind gefordert
Der Gedanke, die Bildung den veränderten Bedingungen einer digitalisierten Gesellschaft anzupassen und Schwerpunkte entsprechend zu setzen, scheitert oft an den starren Lehrplänen und mangelndem Interesse der Politik. Während jedes Jahr weltweit Milliarden in die Bildungsentwicklung fliessen, haben die meisten Schüler:innen immer noch Probleme mit grundlegenden Lernkonzepten, sagt Karthik Muralidharan (49), indischer Ökonom und Professor an der University of California, San Diego, im TEDtalk vom April 2024. Er beschreibt, wie eine intelligentere Ressourcenverteilung und evidenzbasierte Interventionen, wie etwa Lernsoftware, die dynamisch auf die Schüler:innen reagiert und auf dem für sie richtigen Niveau unterrichtet, die Bildung weltweit verbessern können – nicht durch mehr, sondern durch intelligentere Ausgaben. In den letzten zwei Jahrzehnten haben eine explosionsartige Zunahme der Verfügbarkeit von Daten, Rechenleistung und besseren Forschungsmethoden dabei geholfen, grosse Mengen von Interventionen zu identifizieren. Diese werden jedoch zu wenig umgesetzt und sind mit ein Grund, warum Standardmassnahmen wie die Verbesserung der Schulinfrastruktur, die Erhöhung der Gehälter für Lehrer:innen, die Bereitstellung kostenloser Lehrbücher oder sogar kostenloser Laptops oft keine grosse Wirkung entfalten. Denn sie befassen sich nicht mit der bindenden Einschränkung des Lernens, nämlich der Diskrepanz zwischen Unterricht und Verständnis.

«Alte» als Mentoren
Das Schweizer Modell der Berufslehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis EFZ oder die zweijährige berufliche Grundbildung mit dem eidgenössischen Berufsattest EBA, kommt für Immigranten aus rechtlichen Gründen scheinbar nicht in Frage. Lieber überlässt man diese Leute ihrem Schicksal und verbaut ihnen damit eine (Lebens-) Perspektive. Für uns «Alte» ergäben sich durchaus Möglichkeiten, diese jungen Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Als Mentoren oder Sparringspartner können wir ihnen Kompetenzen vermitteln, statt Abschlüsse und damit ihr Selbstwertgefühl fördern.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#393 – «Alte» treffen auf die Generation Z

Wohlstand
Trotz geopolitischer und wirtschaftlicher Veränderungen bestehen in der Schweiz nach wie vor paradiesische Zustände auf dem Arbeitsmarkt. Unser Reichtum und die freie Wahl lässt uns beinahe vergessen, wie sich eine grosse Anzahl von Menschen, täglich Sorgen über die Zukunft machen müssen. Wir «Alten» sind zu grossen Teilen für diese Situation verantwortlich, haben wir nach dem zweiten Weltkrieg doch massgeblich zum «bürgerlichen» Geschäftsmodell beigetragen. Durch unseren Einsatz, Innovationskraft, Zukunftsglaube und günstige Rahmenbedingungen sind wir Teil eines Systems geworden, um das uns viele beneiden. Als Folge der gegenwärtigen Digitalisierung, dem Einfluss künstlicher Intelligenz und dem gestiegenen Umweltbewusstsein, zeichnet sich auch bei uns ein Trend zur Deindustrialisierung ab. Bildung und Berufslehre erhalten einen neuen Stellenwert. Trotzdem waren die Möglichkeiten sich selbst zu verwirklichen noch nie so gross wie heute. Im Bericht auf KMU_today vom 24. Oktober 2024, wechselte gemäss Auswertung des Bundesamts für Statistik zum Geschäftsjahr 2023 jede siebte Person ihre Arbeitsstelle. Bei den Erwerbstätigen zwischen 15 und 24 Jahren war es nahezu jede vierte Person. Über 38% von ihnen erhielten in der neuen Funktion mindestens 10 Prozent mehr Lohn und 34,5 Prozent orientierten sich beruflich neu.

Wie es dazu kam
Andreas Rödder (57), Professor für neueste Geschichte an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, schrieb in der NZZ Pro vom 29. Oktober 2024 unter dem Titel «Die drei zentralen Herausforderungen der Gegenwart bedrohen die bürgerliche Gesellschaft. Was sie jetzt tun müsste» in seinem Beitrag, wie die liberale Ordnung des Westens von innen wie von aussen bedrängt wird. Die bürgerliche Gesellschaft war ein historischer Game-Changer. Im Kern: Nicht mehr Geburt und Stand, keine vorgegebene Hierarchie sollte über die Position der Einzelnen in der Gesellschaft entscheiden, sondern individuelle Qualifikation, Bildung, Leistung und der freie Wille. Dass die Einzelnen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen konnten, statt es in Empfang zu nehmen, setzte eine nie gekannte Dynamik und soziale Mobilität in Gang. Die Konsequenz waren gesellschaftliche Auseinandersetzungen und schliesslich die Emanzipation von Sklaven, Arbeitern, Frauen, Homosexuellen. Die bürgerliche Gesellschaft und die liberale Demokratie waren fähig zur Selbstkorrektur – wie es autoritäre oder totalitäre, autokratische Systeme nicht sind. Dynamik und Mobilität also ist die erste, Selbstkritik und Selbstkorrektur die zweite Charaktereigenschaft des bürgerlichen Gesellschaftsmodells.

Gen Z and Technology Lifestyle Art | Premium AI-generated vector 2024

Small talk, leichte beiläufige Konversation
«Was machst du beruflich? – Unterlassen Sie diese Frage besser. Sie könnte Ihr Gegenüber verletzen». Unter diesem Titel schrieb Birgit Schmid (50), Journalistin und Autorin, in der NZZ vom 7. Januar 2024 über die Generation Z, geboren seit dem Jahr 2000, welche in der Arbeit weniger Sinnerfüllung sieht. Neben der Frage nach der Herkunft und dem Alter ist deshalb auch jene nach dem Beruf tabu. Die Frage könnte das Gegenüber verletzen, indem sie es auf seinen Beruf reduziert. Ein Mensch, wird man belehrt, sei viel mehr als sein Beruf. Wer da in einem Vollzeitjob Sinnerfüllung findet, blamiert sich. Smalltalk wird damit zum Hindernislauf. Tatsächlich raten Business-Coachs, statt nach dem Job nach den Hobbys einer fremden Person zu fragen, um diese «wirklich» kennenzulernen. So stelle man eine gute Work-Life-Balance an erste Stelle bei sich und bei den anderen. Man beweist also Sensibilität, wenn man sein Gegenüber nach dem letzten Reiseziel oder dem Lieblingsessen fragt. Man bietet damit eine «sichere Umgebung». Denn das Gegenüber könnte im Job unglücklich sein, oder sich darüber schämen. Oder ist arbeitslos. Dabei wird verkannt, dass man sich immer ein Bild seines Gegenübers macht allein durch den äusseren Eindruck. Was jemand beruflich macht, bestimmt mit, wer er oder sie ist. Arbeit und Leben sind miteinander verschränkt.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger