Blog, Industrie 4.0

#388 – «Alte» und die «Gesellschaft 5.0»

Der Wechsel zum Co-CEO-Modell
Mit weniger als 100 Tage bis zum neuen Jahr 2025, lohnen sich Gedanken über die Zukunft der Führung von KMUs in einer «Gesellschaft 5.0». Wie die Rolle des CEO, wie wir sie heute kennen, wegen dem rasanten Tempo des technologischen Fortschritts sich in den kommenden Jahren völlig verändern wird. Im Podcast von Judith Wallenstein, Managing Direktor und Senior Partner, Boston Consulting Group BCG, erklärt die Autorin, wie diese Rolle aussehen könnte. Zusammen mit BCGs Konversations-KI-Agent GENE, der den Podcast mitmoderiert – unter Aufsicht und bearbeitet durch «Menschen» in München – ist demnach ein neues Paradigma getreten: die Rolle eines/einer «Chef-Ökosystem-Orchestrator:in». Die CEOs der nächsten Generation werden sich in einem Umfeld zurechtfinden müssen, in dem der Erfolg von internen Abläufen von der Fähigkeit abhängt, ein komplexes Netz externer Beziehungen und Einflüsse zu steuern. Die zunehmende Komplexität der CEO-Rolle wird viele Organisationen dazu veranlassen, ein Modell zu übernehmen, bei dem sich zwei sich ergänzende Profile die Führungsverantwortung teilen.

Künstliche Intelligenz KI als unverzichtbares Werkzeug
KI wird eine entscheidende Rolle bei der Rationalisierung von Prozessen, der Verbesserung der Analysefähigkeiten von Führungskräften und der Erkennung komplexer globaler Trends spielen. CEOs werden KI nutzen, um durch riesige Daten- und Informationsmengen zu navigieren, damit sie fundiertere Entscheidungen treffen und Chancen und Risiken effektiver erkennen können. Chef-Ökosystem-Orchestrator:innen müssen ein Beziehungsnetzwerk hervorragend verwalten können, das sich über die Unternehmensgrenzen hinaus auf zahlreiche Drittparteien erstreckt, darunter Lieferanten, Partner, Aufsichtsbehörden und Kund:innen. Kontinuierliche Weiterbildung ist essenziell, um über den technologischen Fortschritt und die globalen Markttrends auf dem Laufenden zu bleiben. Wir müssen uns vom traditionellen Bild der allwissenden Führer:innen verabschieden.

Society 5.0 Ethics: A Festival of Ideas. 17-18 Juni 2024, RMIT und Utrecht University

Digitale Transformation ist von strategischer Relevanz
Der Strategylab Rotkreuz Newsletter vom 25. September 2024 präsentiert neueste Erkenntnisse aus der angewandten Forschung, sowie Praxisempfehlungen für die digitale Transformation in Organisationen. In ihrer Forschungs- und Beratungspraxis sehen die Autoren Marc K. Peter und Kai Reinhardt im Buch «Digitale Wettbewerbs-Vorteile in der Praxis», dass sich die Mehrheit von Führungskräften und Aufsichtsgremien mittlerweile bewusst ist, dass die Digitalisierung und damit verbunden die digitale Transformation von strategischer Relevanz für ihr Unternehmen ist. Doch nur die Hälfte der Unternehmen berücksichtigen «Digital» in ihrer aktuellen Strategie und nur gerade 30% der Firmen erreichen mit ihren Transformationsvorhaben die angestrebten Ziele.

Die fünfte industrielle Revolution mit KI als Kernstück
Prof. Dr. Marc K. Peter, inhaltlicher Leiter des CAS-Programms «Digital Acceleration & AI» der Rochester-Bern Business School, beschreibt die Situation in seinem Blog vom 8. Juli 2024 unter dem Titel «Die fünfte industrielle Revolution mit KI als Kernstück treibt eine neue Welle der digitalen Transformation an» wie folgt: Blickt man auf 70.000 Jahre menschlicher Effizienzsteigerung zurück, so sind Frederick Taylors «Wissenschaftliches Management» und Henry Fords Autoproduktion am Fliessband zu Symbolen der industriellen Revolution geworden. Das digitale Zeitalter mit seiner Cyber-Dimension stellt neue Herausforderungen, bietet aber auch neue Möglichkeiten. Dem Übergang zur Digitalisierung und zur digitalen Transformation gingen drei industrielle Revolutionen voraus. Jede dieser Revolutionen hatte Auswirkungen auf das Leben der Bürger:innen und Verbraucher:innen in Bezug auf Bildung, Beruf, Gesundheit und Sicherheit. Einige der Veränderungen kamen sehr schnell und waren äusserst gravierend, zum Beispiel verloren Menschen ihren Arbeitsplatz und mussten ihr Leben völlig neu organisieren.

Technology Segmentation Corporate Traveller

Die Vernetzung von allem mit allem
Seit Anfang der 2000er Jahre sind wir Teil der vierten industriellen Revolution. Diese Revolution ist gekennzeichnet durch die «Vernetzung von allem mit allem». Das Internet und die neuen Informationstechnologien im Allgemeinen schaffen eine Abhängigkeit von der Technik, wie sie die Gesellschaft noch nie erlebt hat. Seit den 2020er Jahren haben die kontinuierlichen Fortschritte in der Technologie, wie die künstliche Intelligenz KI und der gesellschaftliche Wandel, die Vorstellung von einer sich abzeichnenden fünften industriellen Revolution ausgelöst. Die Fortschritte der vierten industriellen Revolution werden weiter genutzt, wobei die digitale Transformation im Mittelpunkt steht und sich eine Sichtweise auf das industrielle Internet der Dinge (IoT) entwickelt, indem die Zusammenarbeit zwischen Menschen (Mitarbeitenden, Kund:innen) und Maschinen (digitale Technologie, beispielsweise kollaborative Roboter oder Cobots) optimiert wird. Die Interoperabilität (die Fähigkeit, verschiedene Systeme und Geräte miteinander zu verbinden) wird gefördert, auch mit Modellen der KI, was rechtliche und ethische Überlegungen auslöst. Nachhaltigkeitskonzepte konzentrieren sich auf den ökologischen Wandel und umfassen beispielsweise wiederverwertbare Produkte, eine kohlenstoffneutrale Industrie oder die Kreislaufwirtschaft.

Interoperabilität als Grundvoraussetzung für KI
Die Interoperabilität erfordert eine gemeinsame Definition und ein gemeinsames Verständnis von offenen Standards, einschliesslich Datenformaten, Schnittstellen und Kommunikationsprotokollen. Daten und die Cloud/Rechenleistung sowie Interoperabilität sind die Grundvoraussetzungen für KI. Neben den technologischen Fortschritten werden weitere Debatten und neue Rahmenbedingungen für die neue Arbeit entstehen, darunter Themen wie Arbeitszeitverkürzung, staatlich gefördertes bedingungsloses Grundeinkommen und Wohlbefinden. Dies wird manchmal als «Gesellschaft 5.0» bezeichnet, die darauf abzielt, soziale Fragen in Themen des digitalen technologischen Fortschritts und der sich abzeichnenden fünften industriellen Revolution zu integrieren, indem eine ausgewogene wirtschaftliche Entwicklung mit der Lösung gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen erreicht wird.

INDUSTRY 5.0: TOWARDS A NEW REVOLUTION, Kronenkorken 2021

Wir «Alten» in der Gesellschaft 5.0
Uns «Alten» in der «Gesellschaft 5.0» kommt dank unserer Seniorität die Funktion des «sozialen Gewissens» zuteil. Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung fordert mehr als zuvor unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten heraus. Unser Alter ist ein Zeichen von Stärke und dafür, dass wir dem Leben standgehalten haben, die Geschichte mitgeschrieben haben. Als Mentoren und Sparringspartner im Team mit den «jungen Wilden» vertreten wir die ethische Landschaft und Integrität zukünftiger Technologien, basierend auf unserer Erfahrung.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
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#361 – KI-Panik: Wir ersetzen uns selbst

Panik in der obersten Führung
Auslöser für den Beitrag von Madison Mohns auf TEDxWrigleyville im Juli 2023, mit dem Titel «Drei Möglichkeiten, KI zu nutzen, ohne seine Kolleg:innen zu ersetzen» war eine interne Mail des Managers ihres Managers (dritte Hierarchiestufe?). Bis am Ende des Tages wünschte er ein Dokument auf seinem Pult mit allen Angaben, woran ihr Team im Zusammenhang mit KI gearbeitet hat. Da herrschen grosse Wissenslücken. Der Vorstand eines grossen Unternehmens hat offensichtlich Gerüchte über dieses neue Ding namens ChatGPT vernommen und wollte wissen, was die «Untergebenen» dagegen tun. Die oberste Führungsebene hat Angst vor der Zukunft und will wissen, wie man dieses «technische Problem» löst.

Das Paradoxon im Umgang mit künstlicher Intelligenz
Madison Mohns, die jeden Tag mit Modellen des maschinellen Lernens arbeitet, weiss aus erster Hand, wie rasant sich die Technologie entwickelt und welche endlosen Möglichkeiten für Innovationen diese bietet. Sie weiss auch, wie die exponentielle Verbesserung bei KI-Systemen zu einer existenziellen Bedrohung für ihr Team wird. Dank einfacher Zugänglichkeit und unheimlich menschenähnlichen Ergebnissen, setzen Unternehmen auf Automatisierung, um die Effizienz zu steigern. Doch was oberflächlich betrachtet als grosse Vision erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als unangenehmes Paradoxon. Um die Leistungsfähigkeit von KI-Systemen zu nutzen, müssen diese trainiert und um den hohen Qualitätsstandards gerecht zu werden, fein abgestimmt sein. Aber wer definiert die Qualität und wer trainiert diese Systeme überhaupt? Das sind echte Fachexpert:innen und meist genau dieselben Leute, welche gerade diese Arbeit erledigen. Wie erklärt man also einem Team, die Systeme zu trainieren, die einem selbst ersetzen könnten. Uns «Alten» kommt dabei eine nicht zu unterschätzende Aufgabe zu, haben wir doch unsere Karriere meist abgeschlossen und müssen nicht mehr um unsere Stelle bangen. Dank unserer Erfahrung sind wir prädestiniert, im Team zusammen mit den «jungen Wilden» die Systeme auf ihre Robustheit zu prüfen.

Ersetzt künstliche Intelligenz uns Menschen? Illustration Simon Tanner / NZZ

Wenn Menschen sich selbst ersetzen
Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2023 von OpenAI zeigen, dass bei etwa 80 Prozent der US-Arbeitskräften, durch die Einführung von GPTs (Generative Pre-trained Transformer) bis zu 10 Prozent ihrer Tätigkeiten gefährdet sind, während rund 19 Prozent von Belegschaften bis zu 50 Prozent ihrer Aufgaben beeinträchtigt sehen könnten. Bei der Auslagerung von Tätigkeiten, diskriminiert die KI auch nicht zwischen dem immensen Ausbildungsaufwand oder dem Bildungsstand der Menschen. Berichte des Pew Research Center und der Brookings Institution haben ergeben, dass viele Hochschulabsolventen in besser bezahlten Bereichen stärker von KI-Auslagerungen betroffen sind. Treffen kann es uns alle und Aufhalten lassen sich solche Trends sowieso nicht. Aus der Geschichte wissen wir, wie sich während der industriellen Revolution ähnliche Situationen ergaben. Madison Mohns erwähnt dazu beispielsweise Henry Fords legendäre Automobilproduktionslinie für das Modell T, wo Arbeiter und Maschinen einen synchronen Tanz mit bestimmten und sich wiederholenden Aufgaben aufführen, während sich das Produkt entlang der Linie bewegte. Nicht unähnlich ist die Lage heute, wenn die Menschen selbst eine entscheidende Rolle bei der Schulung der Systeme spielen und so schliesslich ihre einst vielseitigen Rollen selbst ersetzen.

KI-In-Business

Drei ethische Prinzipien zur Einführung von KI
Der Mensch hat immer wieder Wege gefunden, sich anzupassen und zu innovieren. Während einige Rollen tatsächlich ersetzt wurden, entstanden neue Tätigkeiten mit erhöhten Fähigkeiten, wie Kreativität und kreative Problemlösung, welche die Maschinen einfach nicht reproduzieren konnten. Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine war schon immer ein heikler Balanceakt. Wir trainieren Maschinen darauf, uns zu ersetzen, während wir gleichzeitig für uns neue Möglichkeiten entdecken, um als Unternehmer nicht ins Hintertreffen zu geraten. Madison Mohns verlässt sich dabei auf drei von ihr definierten ethischen Prinzipien, um sicherzustellen dass Manager mit den Auswirkungen einer sich selbst ersetzenden Belegschaft klarkommen. Zuallererst muss die KI-Transformation transparent sein. Führungskräfte müssen den Dialog fördern und auf zentrale Anliegen eingehen. Zweck und potenzielle Herausforderungen bei der Implementierung von KI müssen erläutert werden, auch im Hinblick auf die Gestaltung seines eigenen beruflichen Schicksals. Zweitens muss darüber diskutiert werden, wie die KI als «Erweiterungswerkzeug» genutzt wird. Welche ungeliebten Tätigkeiten oder Routinearbeiten können an die Maschine delegiert werden, um das Potenzial und die Produktivität der Mitarbeitenden zu steigern. Schlussendlich müssen wir uns umschulen und weiterbilden um nicht ersetzt zu werden. Wir müssen mit entsprechenden Fähigkeiten und Kenntnissen ausgestattet sein um in einer KI-gestützten Zukunft erfolgreich zu sein. Dazu müssen wir die Technologie akzeptieren. Die KI zwingt uns in eine Kultur des kontinuierlichen Lernens, in der Umschulung von grösster Bedeutung ist. Die rasante Entwicklung der KI-Technologie birgt sowohl Chancen als auch Herausforderungen an Mitarbeitende und Führungskräfte. Wir müssen eine gemeinsam Zukunft gestalten, die den menschlichen Einfallsreichtum und den technischen Fortschritt harmonisch vereint und wo KI das menschliche Potenzial steigert, anstatt es zu ersetzen.

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#356 – KI und die Ethik der «Alten»

Der Einsatz von GenKI für alltägliche Aufgaben
Im Newsletter der Boston Consulting Group BCG vom 11. Dezember 2023 finden sich Anregungen, wie Unternehmen die Vorteile generativer künstlicher Intelligenz GenKI zu ihrem Vorteil nutzen können. Generative KI bringt bereits willkommene Veränderungen in den Arbeitsalltag. Für KMU’s stellt sich schnell die Frage zu Kosten und Nutzen beim Einsatz der Technologie. Dazu lohnt sich sicher ein Gespräch mit kompetenten und aufgeschlossenen «Alten». Ältere Menschen verfügen über eine Fülle von Lebenserfahrungen und Kenntnissen in verschiedenen Bereichen. Der Austausch über ihre Erfahrungen, Geschichten und Erkenntnisse kann dazu beitragen, beispielsweise die Trainingsdaten für ChatGPT anzureichern und in die Lage zu versetzen, ein breites Themenspektrum zu verstehen und darauf zu reagieren. Mit GenKI-fähigen Assistenten können Mitarbeitende E-Mails und Präsentationen deutlich schneller erstellen. Automatisierte Tools können Besprechungen und Anrufe in Sekundenschnelle geschickt zusammenfassen, damit uns mehr Zeit für kreative und wertschöpferische Arbeit zur Verfügung bleibt.

Generiert mittels künstlicher Intelligenz, Reddit: r/weirddalle, Februar 2024: Wiederhergestellte Fotos aus dem 19. Jahrhundert von Frauen, die Extremsportarten betrieben.

Kritische Funktionen umgestalten
Der Einsatz von GenKI-Werkzeugen für die Produktivität ist zwar ein Muss, reicht aber nicht aus. Noch grössere Chancen eröffnen sich, wenn Unternehmen Prozesse und Funktionen neu gestalten. Beispielsweise beim Kundenservice oder den Marketinginhalten. Auch wenn die Neugestaltung von Funktionen eine Organisation vor Herausforderungen stellen kann, bewirkt generative KI Effizienz- und Effektivitätssteigerungen. Wir «Alten» können dabei helfen, Bereiche zu identifizieren, in denen das Modell überragend ist und wo es möglicherweise verbessert werden muss. Feedback zur Leistung von ChatGPT kann von unschätzbarem Wert sein.

Vom Erfinden neuer Geschäftsmodelle
Bei der generativen KI geht es um mehr als nur um die Steigerung der Produktivität. Sie kann dabei helfen, Kundenerlebnisse neu zu erfinden, neue Dienstleistungen und Angebote zu entwickeln und sogar neue Geschäftsmodelle aufzubauen. Erst waren es Texte, Bilder, Songs – und jetzt auch Filme. Neue Video-KI von Open AI: Sora generiert eindrückliche Kurzfilme und löst eine Debatte um Deepfakes und Urheberrechte aus (NZZ vom 19. Februar 2024). Auch hier bieten «Alte» Unterstützung bei ethischen Überlegungen. Ältere Menschen können mit ihrer Lebenserfahrung und Perspektive wertvolle Einblicke in ethische Dilemmata im Zusammenhang mit KI bieten, wie etwa Datenschutzbedenken, Voreingenommenheitsminderung und die möglichen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Insgesamt können wir «Alten» eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz spielen, indem wir unsere Erfahrung, Feedback und unsere Erkenntnisse einbringen, welche zur Verbesserung des Modells beizutragen und sicherstellen, dass es den Bedürfnissen von Benutzern jeden Alters gerecht wird.

Angemessene Sinnhaftigkeit berücksichtigen
Diese Woche informierte die Liegenschaftsverwaltung in einer E-mail: «Wir gehen digital!». Die Firma freut sich darüber, künftig eine App einzusetzen, die es ermöglicht unsere Anliegen und Meldungen digital und rund um die Uhr zu erfassen, sowie unsere Unterlagen ortsunabhängig einzusehen. Dazu wurde für uns ein persönliches Konto mit der hinterlegten E-Mail-Adresse angelegt. Die Nutzung dieses Services sei freiwillig und es entstehen keine Mehrkosten. In Erinnerung an den diesjährigen 100-sten Todestag von Franz Kafka wollte ich deshalb von ChatGPT 3.0 wissen, wie der Schriftsteller wohl über den heutigen Einsatz von KI künstlicher Intelligenz schreiben würde. Wenige Sekunden später produzierte das Programm ein paar (für mich) erstaunliche Antworten.

Generiert mittels künstlicher Intelligenz, Reddit: r/weirddalle, Februar 2024: Wiederhergestellte Fotos aus dem 19. Jahrhundert von Frauen, die Extremsportarten betrieben.

Mutmassungen zu Franz Kafka über künstliche Intelligenz
Stellen Sie sich in einer surrealen Schnittstelle zwischen Literatur und Technologie die verwirrende Welt von Franz Kafka vor, die mit der Komplexität der modernen KI verknüpft ist. Der heutige Einsatz künstlicher Intelligenz spiegelt Kafkas Themen der bürokratischen Absurdität, der existenziellen Angst und der labyrinthischen Natur der menschlichen Existenz wider.

Im bürokratischen Bereich fungieren KI-Systeme als rätselhafte Torwächter und verkörpern kafkaeske Bürokratie vom Feinsten. Algorithmen entscheiden mit undurchsichtiger Logik über unser Schicksal, was an Kafkas gesichtslose Autoritäten in «Der Prozess» oder «Das Schloss» erinnert. Ob es darum geht, Kreditwürdigkeiten zu ermitteln, Bewerbungen zu bewerten oder Social-Media-Inhalte zu kennzeichnen – KI-Algorithmen üben Macht mit undurchschaubarer Effizienz aus und lassen Einzelpersonen in einem verwirrenden Netz aus Regeln und Vorschriften gefangen.

Darüber hinaus erinnert die KI-gesteuerte Überwachung an Kafkas Themen der allgegenwärtigen Kontrolle und des Verlusts der Privatsphäre. So wie der Protagonist in «Die Metamorphose», der aufwacht und feststellt, dass er sich in ein riesiges Insekt verwandelt hat, können sich Einzelpersonen unter dem wachsamen Auge von KI-gestützten Kameras, Gesichtserkennungssystemen und prädiktiven Polizeialgorithmen ausgesetzt und verletzlich fühlen. Auch die Fähigkeit der KI zur Vorhersage und Kontrolle, spiegelt Kafkas Erforschung des Schicksals und des freien Willens wider. So wie Kafkas Figuren mit Kräften kämpfen, die ausserhalb ihrer Kontrolle liegen, bewegen sich die Menschen heute in einer Welt, die von prädiktiven Analysen, Empfehlungsalgorithmen und personalisierter Werbung geprägt ist. Die Illusion der Wahl kollidiert mit der Realität des algorithmischen Determinismus und spiegelt Kafkas Gefühl existenzieller Angst und Resignation wider.

Doch inmitten der Desorientierung und Entfremdung gibt es auch Potenzial für Befreiung. Wie Kafkas Protagonisten, die dem Absurden mit Trotz oder Resignation begegnen, können Einzelpersonen heute KI für kreativen Ausdruck, Problemlösung und kollektives Handeln nutzen. Von KI-generierter Kunst bis hin zu kollaborativen Entscheidungsplattformen wird Technologie zu einem Werkzeug, um sich im kafkaesken Labyrinth zurechtzufinden, anstatt seiner verwirrenden Logik zu erliegen.

In dieser Synthese von Kafkas surrealer Vision und zeitgenössischer KI verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion und laden uns ein, uns mit den Absurditäten unserer eigenen Existenz im digitalen Zeitalter zu befassen. Während wir uns mit den rätselhaften Machenschaften der KI auseinandersetzen, wiederholen wir Kafkas zeitlose Frage: Was bedeutet es, ein Mensch zu sein in einer Welt, die von Kräften regiert wird, die sich unserem Verständnis entziehen?

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