«Das ging überraschend schnell»
Eine Studie der KOF Ökonomen der ETH Zürich, Jeremias Klaeui und Michael Siegenthaler analysiert, welche Berufe besonders von der Einführung grosser Sprachmodelle wie ChatGPT betroffen sind und ob die künstliche Intelligenz KI bereits sichtbare Spuren auf dem Schweizer Arbeitsmarkt hinterlassen hat. Früher galt eine Stelle in der IT als sicher. Heute gibt es in der Branche immer mehr Arbeitslose. Und nicht nur dort, wie Malin Hunziker, und Florian Seliger, NZZ am Sonntag vom 26. Oktober 2025, in ihrer Datenanalyse feststellen. KI ersetzt in Zeiten von Fachkräftemangel repetitive Arbeiten. Sie übernimmt aber auch anspruchsvolle Tätigkeiten wie das Programmieren von Software, was die Nachfrage nach Programmierenden reduziert. KI-Modelle können nicht nur Codes verbessern, sie schreiben auch Zusammenfassungen aus E-Mails, bereiten Daten auf oder werten diese aus. Buchhalter:innen, Web-Entwickler:innen oder Datenbankadministratoren gehören zu den Berufen, bei denen KI am meisten Zeit einsparen kann und sind deshalb besonders von Arbeitslosigkeit betroffen. Betroffen sind auch Berufe wie Korrekturleser oder Autorinnen, aber auch bei Personalvermittlern und im Marketing findet die Studie einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit.
Die Illusion eines Neustarts
Eigentlich sollte man die Softwareprogramme mittels KI von Grund auf neu aufsetzen, was einem Neustart gleichkäme, höre ich im Austausch mit einem Softwareunternehmen. Denn zuerst müssten die Unzulänglichkeiten der Vergangenheit ausgemerzt werden um die Vorteile von KI zu nutzen. 80 Prozent der Entwickler sind gemäss einer Studie mit ihrem Job unzufrieden. Ein Grossteil der Aufgaben, denen sie sich täglich widmen müssen, ist das Ausmisten von Altlasten der Vorgänger. Sie sind sozusagen die digitale Müllabfuhr. Kein Wunder, vergeht ihnen die Lust am Programmieren. Doch die Unternehmen gehen den Weg des geringsten Widerstandes – wozu in perfekte Codes investieren, wenn es auch schneller und effizienter geht? Unter dem Strich sind wir alles digitale Analphabeten, denn die meisten von uns verstehen nur oberflächlich etwas, und die wenigen, die wirklich etwas verstehen, würden am liebsten das Weite suchen.

Wir Sklaven der Technologie
Die Komplexität der digitalen Welt übersteigt unseren Horizont, das war schon vor der Einführung von KI so. Eduard Kaeser (78) Physiker und promovierter Philosoph, schrieb im Gastkommentar «Murks happens» in der NZZ vom 27.11.2019 warum wir immer weniger verstehen werden, was wir tun: Selten kommt das, was wir technisch anpacken, so heraus, wie wir es uns gedacht haben. Technologie, unseren Köpfen entsprungen, wächst uns über den Kopf – buchstäblich. Wir überschauen und durchschauen sie immer weniger, uns fehlt der Kompass für den Kurs ihrer Entwicklung. Immer mehr Menschen beteiligen sich dank neuen technologischen Möglichkeiten am vermeintlichen Fortschritt. Dazu braucht es jedoch mehr als Programmier-Kompetenzen: Wir «Alten» bringen Erfahrung, Business-Verständnis und die Fähigkeit, KI-Systeme kritisch zu hinterfragen ins Team. KI-Tools übernehmen Routineaufgaben, erhöhen aber gleichzeitig die Anforderungen an Architektur, Code-Qualität und Wartbarkeit. Das sind Kompetenzen, die man nur durch Erfahrung erwerben kann.
«Alte»: Verständnis von Sicherheitsrisiken und menschlichen Bedürfnissen
Dass sich der Arbeitsmarkt so schnell verändert, liegt laut Siegenthaler womöglich auch an der Geschwindigkeit, mit der sich generative KI verbreitet. Nach der Einführung des ersten Bürocomputers dauerte es Jahre oder Jahrzehnte, bis Firmen die nötige Infrastruktur aufgebaut, die Prozesse umgestellt und den Mitarbeitenden das nötige Wissen vermittelt hatten. «Chat-GPT kam vor drei Jahren auf den Markt und hatte kurz darauf Hunderte Millionen von Nutzern», bemerkt Siegenthaler. Ein Branchenkenner sagt zu den gestiegenen Anforderungen eines Jobprofils: «Im Jahr 2000 genügte es, HTML zu kennen. 2020 reichte es, mit Python zu programmieren. Heute muss man Sprachmodelle weiterentwickeln können und maschinelles Lernen verstehen.» Laut Klaeui sind künftig Arbeitskräfte gefragt, die technisches Wissen mit sozialen Kompetenzen verbinden – also verstehen und entscheiden, was KI leisten soll. Und zugleich in der Lage sind, dies Mitarbeitenden aus anderen Fachbereichen und Kunden zu erklären. Denn KI kann Sachverhalte falsch einschätzen, aufgrund der Trainingsdaten voreingenommen sein oder halluzinieren, also Inhalte erfinden. Sie versteht weder die Bedeutung von Sicherheitsrisiken noch die Bedürfnisse von Kunden. Daher brauche es weiterhin erfahrene Menschen, auch «Alte», welche dank ihrer Seniorität und Erfahrung auch die Funktion des «sozialen Gewissens» erfüllen.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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