Blog, Industrie 4.0

#454 – Frankenstein: Kompetenz der «Alten»

Künstliche Intelligenz KI und die Macht der dunklen Bereiche des Lebens
Der Beitrag von Dr. Iseult Gillespie (30), Schriftstellerin und Produzentin in TED-Ed • Februar 2017 (4:41), mit dem Titel «Everything you need to know to read Frankenstein», ist eine frühe Erzählung zur künstlichen Intelligenz KI und die Ungewissheit über das Ergebnis. Als Mary und Percy Shelley im Haus des britischen Poeten Lord George Gordon Byron (1788-1824), der Villa Diodati hoch über Cologny, am Lac Léman logierten, stellte dieser seinen literarischen Weggefährtinnen zum Zeitvertreib eine Aufgabe: Wer kann die schauerlichste Geistergeschichte schreiben? Das brachte die 18-jährige Mary auf eine Idee. In den nächsten Monaten erfand sie die Geschichte von Frankenstein. Das Buch zeichnet Dr. Victor Frankensteins vergebliches Streben nach, Leben zu schaffen und zu erhalten. Er konstruiert sein Monster Stück für Stück aus toter Materie und elektrisiert es zu einem Wesen mit Bewusstsein. Doch nach Beendigung des Experiments flieht er voller Entsetzen vor dem Ergebnis. Mary Wollstonecraft Shelley (1797-1851) war eine bekannte Romantikerin und nutzte mythische Bezüge, um die Reinheit der antiken Welt im Kontrast zur Moderne aufzuzeigen und betrachtete die Wissenschaft mit Argwohn. Für Shelly war «Frankenstein» eine der ersten Warnungen vor künstlicher Intelligenz, ein Horror aus dem Labor. Basierend auf ihrem persönlichen Trauma, kontrastiert sie im Roman «Frankenstein oder der moderne Prometheus» (1818), eine Bildwelt von Licht und Dunkel, einer Macht radikaler Ideen, die dunklen Bereiche des Lebens.

KI und das Monster von Dr. Frankenstein
In einer Zeit, in der KI unsere Arbeit und Freizeit beeinflusst, hilft uns Mary Shelleys Roman «Frankenstein», über die unerwarteten Folgen von Innovation nachzudenken, schreibt Sara Camilla Ibrahim (40+) in ihrem Artikel vom 14. Januar 2026 in SwissInfo online. Mit dem Titel «Frankensteins Monster: Was uns Mary Shelleys «Schweizer Kreatur» über KI lehrt» vergleicht sie Aspekte der Entwicklung künstlicher Intelligenz inhaltlich mit dem weltberühmten Roman. Eine aus Teilen menschlicher und tierischer Leichen zusammengesetzte Kreatur erwacht zum Leben – sehr zum Erstaunen und Ekel von Dr. Victor Frankenstein, ein Moment der sein Leben verändern wird. Es ist die Geschichte, in der die technologische Erfindung der menschlichen Kontrolle entgleitet. Die Kreatur flieht, lernt sprechen und rächt sich schliesslich an ihrem von Schuldgefühlen geplagten Schöpfer. Frankenstein ist seit über zwei Jahrhunderten das Spiegelbild der Ängste im Zusammenhang mit der Moderne und kulturellen Veränderungen, schreibt Ibrahim. Es mag deshalb verlockend sein, die Parabel von Frankenstein mit der künstlichen Intelligenz KI zu vergleichen. Die Ähnlichkeiten sind offensichtlich: Die Kreatur ist ein künstliches Wesen, das nach eigenem Willen handelt. Ihr Schöpfer ist ein selbstbewusster und ehrgeiziger Wissenschafter. Die Kreatur ist aus menschlichen Teilen zusammengesetzt, ebenso wie KI-Modelle anhand bestehender menschlicher Texte trainiert werden.

Bernie Wrightson (1948 – 2017) amerikanischer Künstler: Originales Cover-Artwork für die Marvel-Comics-Adaption von Frankenstein 1983

Wer ist verantwortlich: der Schöpfer oder das Geschöpf?
Ein zentrales Thema in Shelleys Roman ist die Verantwortung. Das Geschöpf von Victor Frankenstein ist anfangs harmlos. Es handelt in guter Absicht und wird erst gewalttätig, als es von seinem Schöpfer abgelehnt und von den Menschen angegriffen wird, denen es begegnet. Der Roman wirft die Frage auf, wer für die Handlungen des Geschöpfes verantwortlich ist: der Schöpfer, die Gesellschaft oder das Geschöpf selbst? Nachdem die Kreatur mehrere Verbrechen begangen hat, wendet sich Frankenstein an einen Richter in Genf, um Gerechtigkeit zu erlangen. Der Richter ist von der Erzählung zwar erschüttert, erklärt sich jedoch für machtlos: Er kann nichts tun, um eine Kreatur vor Gericht zu bringen, die «über Kräfte zu verfügen scheint, die alle meine Mittel wirkungslos machen». Eine Situation, die dem aktuellen rechtlichen Status grosser Sprachmodelle (LLM) sehr ähnlich ist. «Wenn Sie es mit einem nicht-menschlichen Wesen wie einem Chatbot zu tun haben und der Chatbot Ihnen Schaden zufügt, wer hat Ihnen dann Schaden zugefügt? Der Chatbot? Das Unternehmen, das ihn entwickelt hat? Sie selbst? Das sind sehr aktuelle Fragen», sagt Sarah Marsh (45+), Professorin für Englisch an der Seton Hill University in den USA. Aufgeschlossene, neugierige und kompetente «Alte» als Sparringspartner im Team mit jungen Entwicklern helfen auf Grund ihrer Erfahrung bei der Einordnung solcher Gefahren.

Die unbeabsichtigten Folgen der Technologie
«Wir Wissenschafter lösen oft Probleme, ohne über die Auswirkungen nachzudenken. Dieser Roman bietet uns die Möglichkeit, die unbeabsichtigten Folgen wissenschaftlicher Handlungen zu untersuchen», sagt Prof Andy Bell (50+), Leiter der Abteilung für Forschung und Innovation an der Universität Sheffield im Vereinigten Königreich. Die Entwicklung der KI schreitet so schnell voran, dass unbeabsichtigte Folgen unvermeidlich sind. Unternehmen wie OpenAI bemühen sich, die zahlreichen unvorhergesehenen Probleme anzugehen. Die Macht und Allgegenwärtigkeit dieser Technologie weckt Befürchtungen, dass sie uns letztendlich schaden könnte, indem sie beispielsweise Arbeitsplätze vernichtet, mit Rechenzentren ökologische Schäden verursacht oder apokalyptische Szenarien im Zusammenhang mit KI-gesteuerten Waffen realistisch macht. Daraus zu schliessen, dass die Technologie nicht weiter verfolgt werden soll, ist unrealistisch und kontraproduktiv.

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#453 – Intuition der «Alten»: Furcht, Warnen

Computer werden intelligenter sein als wir
Ilya Sutskever (39), Israelisch-Canadischer Computer Wissenschafter und Mitbegründer von OpenAI, behauptet in seiner Präsentation auf TEDAI 2023 • October 2023 (12:24), dass Menschen anfangen werden, aus Eigeninteresse in beispielloser Weise zusammenzuarbeiten. Unter dem Titel «The exciting, perilous journey toward Artificial General Intelligence AGI», {die aufregende, gefahrvolle Reise hin zur künstlichen allgemeinen Intelligenz AGI) erläutert er, wie der Tag kommen wird, an dem die digitalen Gehirne in unseren Computern so gut oder sogar besser sein werden als unsere eigenen biologischen Hirne. AGI wird dramatische und unglaubliche Auswirkungen auf jeden einzelnen Bereich menschlicher Aktivität haben. Die Technologie wird sich von den uns bekannten Technologien unterscheiden, indem sie sich selbst verbessern kann. Die technologische Entwicklung ist vergleichbar mit der industriellen Revolution, mit ihrem rasanten Anstieg und schnellen Wachstum, welche damals unser Leben auf verschiedenste Art veränderte. Mit AGI könnte etwas Ähnliches erneut geschehen, jedoch innert kürzerer Zeit.

Die KI nutzt globale «Schwarmintelligenz»
Der Britisch-kanadische Informatiker und Kognitionspsychologe Geoffrey Hinton (78) erklärt auf Reddit, wie LLMs nicht mehr nur das nächste Wort voraussagen – neue Modelle lernen durch logisches Denken und erkennen Widersprüche in ihrer eigenen Logik. Diese grenzenlose Selbstverbesserung wird sie letztendlich «viel intelligenter machen als uns». Agenten können Wissen in einem viel grösseren Umfang teilen als Menschen. 10’000 Agenten können verschiedene Themen studieren, ihre Lernergebnisse sofort synchronisieren und sich gemeinsam verbessern. «Stellen Sie sich vor, 10’000 Studenten belegen jeweils einen anderen Kurs, und wenn sie fertig sind, kennt jeder Student alle Kurse» meint Hinton.


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«When we forget things, where do they go?»
Wenn wir Dinge vergessen, wohin verschwinden sie dann?
Catherine Airey (32), aus ihrem Buch «Confessions»

Was ist Intelligenz?
Je klüger unsere Maschinen werden, desto argloser handeln wir. Zeit, über die menschliche Intelligenz nachzudenken. Und über die menschliche Dummheit. Unter dem Titel «Nuzte das Poetnzial deiner Itenlligenz!» stellt Peter Ackermann (54) in der NZZ vom 26. Dezember 2025 die Frage: Werden wir tatsächlich seit zwanzig Jahren dümmer, wie Untersuchungen nahelegen? Macht uns die künstliche Intelligenz KI dumm? Was ist Dummheit eigentlich? Und was menschliche Intelligenz? Schwergewichtig befasst sich der Artikel mit der Analyse des IQ-Test, dem Intelligenzquotienten. Gewiss ist: Der Mensch verfügt über Intelligenz. Doch er ist auch bereit, sie preiszugeben. Etwa indem er Denkarbeit auslagert. Wer mithilfe künstlicher Intelligenz einen Text formulieren lässt, spart zwar Zeit, lässt aber seine geistigen Fähigkeiten verkümmern, folgert Ackermann. Er verweist auf die Aussage des Psychologen Gerd Gigerenzer (78). Dieser findet, dass die Gefahr dabei weniger von der Maschine ausgeht, als von zwei menschlichen Quellen: «von denen, die KI kontrollieren, und von uns, die wir sie nutzen».

Die Warner
Warner gibt es viele, so auch der amerikanische Intelligenzforscher Robert Sternberg der behauptet: wer Denkarbeit auslagert, gibt kritisches Denken auf und nennt es daher «mutwillige Selbstverdummung». Peter Ackermann erwähnt den Wiener Intelligenzforscher Jakob Pietschnig (33) und dessen Unterscheidung zwischen «Dummheit erster und Dummheit zweiter Ordnung». «Diffuses Misstrauen verdrängt die rationale Abwägung», schrieb die forensische Psychiaterin Heidi Kastner (63), in ihrem Buch mit dem Titel «Dummheit». Gerade die Fähigkeit, Fakten zu kennen und dennoch falsch zu urteilen, macht die Dummheit zweiter Ordnung so gefährlich. Paradoxerweise verursachen insbesondere kluge Köpfe oft gravierende Fehler mit weitreichenden Folgen. Eine «Torheit der Intelligenten» nennt das Robert Sternberg. Wer scharf denkt, beherrscht zumeist die Kunst, Widersprüche auszublenden und nur das zu sehen, was der eigenen Weltsicht entspricht, ein Leben in der «Bubble».

Mehrdeutigkeit in der Kunst: Der belgische Künstler René Magritte (1898-1967), Le Retour 1940. Surrealismus – Realität und Fantasie.

Intuition kommt mit Erfahrung
Gerd Gigerenzer verweist auf den Gegensatz zur maschinellen Intelligenz: «Menschliche Intelligenz zeigt sich im klugen Entscheiden bei Unsicherheit.» Für ihn ist Intelligenz eine Werkzeugkiste voller einfacher Faustregeln, die helfen, mit wenig Wissen und unter Zeitdruck gute Entscheidungen zu treffen. In einer unsicheren Welt schlagen einfache Regeln oft komplexe Modelle, die sich zu genau an vergangene Daten anpassen und scheitern, wenn die Zukunft anders aussieht. Was wir Bauchgefühl nennen, beschreibt Gigerenzer als «Intelligenz des Unbewussten». «Wenn man sie unbewusst nutzt, ist es Intuition», sagt er. Intuition ist vor allem eine Frage der Praxis. Intuition entsteht, wenn das Unbewusste erkennt, welche Faustregel in welcher Situation funktioniert. «Wer sich intensiv und über längere Zeit mit einer Sache auseinandersetzt, entwickelt ein Gespür für das Richtige», ohne jeden Schritt bewusst analysieren zu müssen. So lernt das Unbewusste, welche Regel in welcher Lage trägt und welche nicht. Die Intuition von «Alten» Profis unterscheidet sich vom Bauchgefühl der Jungen durch Erfahrung

Die Neigung, neue Werkzeuge zuerst als Bedrohung zu fürchten
Verdichtetes Wissen, geformt durch Übung, Irrtum und Einsicht. Menschliche Intelligenz ist nicht allein angeboren und begrenzt, sondern kann sich bei jedem Menschen weiterentwickeln. Der Philosoph Kwame Anthony Appiah (72) nennt dies den «Übergang von Handfertigkeit zu Aufsicht». Künstliche Intelligenz verschiebt den Begriff von Expertise: weg vom Erzeugen, hin zum Bewerten. Die menschliche Urteilskraft wird damit zur Schlüsselkompetenz. Technologische Entwicklung bedeutet seit je Auslagerung menschlicher Intelligenz: vom Gedächtnis auf Schriftzeichen, vom Wissen auf Maschinen, von Erfahrung auf Algorithmen. «Die entscheidende Frage lautet nicht, ob unsere Fähigkeiten schwinden», sagt Gerd Gigerenzer, «sondern wie wir unsere Urteilskraft bewahren und die neuen Werkzeuge nutzen, ohne uns von deren Besitzern benutzen zu lassen.» Neugierige, aufgeschlossene und kompetente «Alte» in gemischten Teams garantieren eine Fortschreibung der Entwicklung neuer Werkzeuge ohne Furcht vor deren Bedrohung.

KI ist gefährlich – aber nicht aus dem Grund weshalb wir denken
Statt uns von künftigen existenziellen Risiken durch die KI ablenken zu lassen, sollten wir nach Ansicht der KI-Ethikforscherin Sasha Luccioni (36) einige negative Auswirkungen der Technologie nicht aus den Augen verlieren. Wie zum Beispiel die Kohlenstoffemissionen der Serverfarmen, die Verletzung von Urheberrechten und die Verbreitung verzerrter Informationen. In ihrer Präsentation auf TEDWomen 2023 • October 2023 (10:18) plädiert die Forscherin für praktische Lösungen zur Regulierung einer KI-geprägten, inklusiven und transparent gestalteten Zukunft. Denn die Wolke, auf der KI-Modelle leben, besteht aus Metall und Plastik und wird mit riesigen Mengen Energie betrieben. Allein das Trainieren eines KI-Sprachmodells wie ChatGPT verbraucht so viel Energie wie 30 Haushalte in einem ganzen Jahr und setzt 25 Tonnen Kohlendioxid frei, wie eine Autofahrt fünfmal um den Planeten.

Die Befürchtungen vor Voreingenommenheit
Grosse Sprachmodelle sind in den letzten fünf Jahren um das 2000-Fache gewachsen und damit auch die Kosten für die Umwelt. Neben Nachhaltigkeitsthemen stehen natürlich auch Urheberrechte im Fokus. So können etwa Künstler und Autoren nur schwer nachweisen, dass ihr Lebenswerk ohne ihre Zustimmung für das Trainieren von KI-Modellen verwendet wurden. Letztlich ist da noch die Voreingenommenheit. KI-Modelle kodieren Muster und Überzeugungen, die Stereotype, Rassismus und Sexismus darstellen können. Durch ihren Einsatz werden KI-Modelle mit dem Gefüge unserer Gesellschaften verwoben; unsere Handys, Social-Media-Feeds, sogar unsere Justizsysteme und Volkswirtschaften enthalten KI. Diese muss deshalb transparent und zugänglich bleiben, damit wir wissen wie sie funktioniert und wann nicht. Wir kompetenten «Alten» müssen zusammen im Team mit den technologisch gewieften Jungen den Weg in unsere Zukunft gemeinsam bauen und dabei entscheiden, welche Richtung wir einschlagen wollen.

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#452 – Skeptische «Alte»: Umgang mit Risiken

«Y2K-Bug», «Millennium-Bug» oder «Jahr-2000-Problem»
Vor 25 Jahren waren sich Wissenschaft und Wirtschaft uneins, was die Konsequenzen beim Jahreswechsel 2000 in einer digital vernetzten Welt auf Finanztransaktionen, kritische Infrastruktur, Flugverkehr, Navigations- oder militärische Systeme wären. Die Befürchtung entstand, weil viele ältere Computersysteme und Programme Jahreszahlen nur zweistellig speicherten, beispielsweise «99» für 1999 um Speicherplatz zu sparen. Man befürchtete, dass beim Übergang von «99» auf «00» die Systeme das Jahr als 1900 statt 2000 interpretieren würden – mit potenziell katastrophalen Folgen. Im Vorfeld wurden weltweit, zur Freude der Computerindustrie, enorme Ressourcen mobilisiert. Milliarden wurden investiert, um Software zu überprüfen und anzupassen. Als dann tatsächlich Mitternacht am 1. Januar 2000 kam, passierte… relativ wenig. Es gab nur vereinzelte kleinere Probleme, aber keine grossen Katastrophen. Bis heute wird debattiert, ob die massiven Vorbereitungen die Katastrophe verhindert haben oder ob die Gefahr von Anfang an übertrieben war. Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem – viele kritische Systeme wurden tatsächlich rechtzeitig gepatcht, während die apokalyptischen Szenarien wohl etwas überzeichnet waren. Diese Erfahrung lehrt uns «Alte», einen differenzierten Umgang mit den gegenwärtigen Ängsten um die negativen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz KI auf unsere Zukunft.

TED erklärt die Welt mit dem Politikwissenschafter Ian Bremmer (56), Januar 2026 (erfrischenderweise ohne Bücherwand im Hintergrund!)

Die grössten globalen Risiken für 2026
«kompetenz60plus» ist nicht bekannt für politische Diskussionen. Mit Blick auf die aktuellen weltweiten Geschehnisse und vor dem Hintergrund der technologischen Veränderungen durch die künstliche Intelligenz KI, ist jedoch eine weitergehende Betrachtung der gegenwärtigen Situation angebracht. Das Assessment der US-Regierung nach einem Jahr unter Präsident Trump erstaunt vor allem wegen der Geschwindigkeit und der weltweiten Wirkung von Beschlüssen und Aktionen. Entgegen den meist oberflächlichen oder reisserischen Analysen westlicher Medien, steht meiner Meinung nach hinter den Veränderungen jedoch ein grösserer Plan. Im bemerkenswerten Interview von Helen Walters (50+), Leiterin Medien und Kuratorin der Plattform TED vom 5. Januar 2026 (50:42), mit dem Politikwissenschafter Ian Bremmer (56), Gründer der Eurasia Group, spricht dieser von einem Wendepunkt in der Geschichte. Er beleuchtet die grössten Risiken, welche die Welt im 2026 erwarten, analysiert die US-Militäroperation gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und erklärt, warum US-Präsident Donald Trumps Übernahme der «Donroe-Doktrin» das unsicherste geopolitische Umfeld seit Jahrzehnten herbeiführt. (Erklärung: Die Monroe-Doktrin ist eine US-amerikanische Aussenpolitik, die 1823 von Präsident James Monroe verkündet wurde und die westliche Hemisphäre als eigenständigen Einflussbereich definierte, indem sie europäische Kolonialisierung und Einmischung in die Angelegenheiten Amerikas ablehnte und im Gegenzug Nichteinmischung in europäische Angelegenheiten versprach; ihre Kernprinzipien sind getrennte politische Sphären (Europa vs. Amerika), Nicht-Kolonialisierung und Nichteinmischung).

Künstliche Intelligenz KI als Chance
Bremmers eindringliche Prognosen zu den Entwicklungen in Europa, Russland und China schaffen einen unverzichtbaren Einblick in eine instabile Weltordnung. Dass dieses Geschehen mit dem rasanten technologischen Fortschritt der KI zusammenfällt ist wohl kein Zufall und muss folglich gemeinsam betrachtet werden. Der tschechisch-amerikanischen Ökonomen Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) fand den Begriff «kreative Zerstörung», welcher einen wesentlichen Aspekt disruptiver Innovation beschreibt. Man könnte das Konzept auch als «schöpferische Erneuerung» oder «transformative Umgestaltung» bezeichnen und damit stärker den konstruktiven Aspekt des Prozesses betonen – dass aus der Zerstörung des Alten etwas Neues und oft Besseres entsteht. Zur Beurteilung dieser Verschiebungen müssen wir uns von der bekannten Ordnung lösen und uns auf die Kreativitätsebene begeben. KI wird das noch verstärken, in einem Ausmass das wir uns wahrscheinlich noch kaum vorstellen können. KI eröffnet theoretisch unendlich viele Möglichkeiten, unsere Kreativität auszuleben. Menschen werden anfangen, aus Eigeninteresse in beispielloser Weise zusammenzuarbeiten. Die Erfahrung, Neugier und Reife von uns «Alten» als Sparringspartner im Team, zusammen mit dem technischen Wissen der Jungen, ist deshalb entscheidend, um allenfalls korrigierend einzugreifen.

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