Blog, Industrie 4.0

#462 – «Alte» als Teil der digitalen Revolution

Der richtige Zeitpunkt ist jetzt
Als Mentor begleite ich Architekt:innen bei ihrer Suche nach einer Neuausrichtung. Spätestens Mitte 40 sollte man seine berufliche Karriere aufgegleist haben um in leitender Stellung über seine Zukunft mitbestimmen zu können. Doch solche «lineare» Entwicklungen treffen für jüngere Generationen immer weniger zu. Die Gründe dafür sind vielseitig. Restrukturierungen und Entlassungen sind mitunter auch das Resultat eines veränderten Marktumfelds. Dass künstliche Intelligenz und das Aufkommen digitaler Agenten in den letzten fünf Jahren viele Berufsbilder verändert haben, konnte man zu einem gewissen Grad vorausahnen. Die Frage dabei ist immer, wie seriös wir das «writing on the wall», die vorauseilenden Indikatoren als Wink mit dem Zaunpfahl einschätzen und wie konsequent wir mit unserer eigenen Biografie darauf reagieren. Sind wir als naive Optimisten der Meinung, solche Disruptionen werden sich schlussendlich wieder einrenken und uns erlauben im gewohnten Mass weiter zu funktionieren. Mit den immer gleichlautenden Stelleninseraten, auf die man sich elektronisch, nicht digital (!), bewerben soll, suchen Arbeitgebende hoffnungsvoll die kostengünstige «eierlegende Wollmilchsau» als Übergangslösung. Das ist der Zeitpunkt, um das Lager zu wechseln und sich aus Eigeninteresse beispielsweise in einem verwandten Zukunftsgebiet zu spezialisieren. Dazu braucht es Mut und Überzeugung, um aus dem gewohnten Rhythmus auszubrechen und für sich eine Vision der Entwicklung für die nächsten Jahre in seine Biografie einzubauen. Nur so differenziert man sich vom Gros der Bewerbungen, in der Hoffnung, dass die Personalverantwortlichen bei ihrer Auswahl über eine ebensolche Weitsicht und intellektuelle Kapazitäten verfügen.

Den selektiven Fokus kultivieren
In der NZZ vom 19. März 2026 sprach Marc Tribelhorn mit dem emeritierte Stanford-Professor Hans Ulrich Gumbrecht (77) und schaut auf dessen Leben als transatlantischer Intellektueller zurück. Gumbrecht erklärt dabei, wieso er fast nie ein Buch zu Ende gelesen hat. Sowohl von seinem Habitus als auch von seinem Naturell her ist er nicht der klassische Geisteswissenschafter. Ein leidenschaftlicher Leser war er tatsächlich nie gewesen, so oft, gerne und hartnäckig er das auch behauptet habe. Damit entspricht er dem Profil vieler «Babyboomer» aus dem «kompetenz60plus.ch» Biotop. Es ist bis heute ein Tabu, so zu reden. Doch als Emeritus kann er ja ehrlich sein. Der amerikanische Literaturkritiker Harold Bloom hat einmal ausgerechnet, dass die maximale Zahl an Büchern, die man im Leben vollständig lesen kann, bei rund 3’000 liegt. Jeder Literaturwissenschafter, der sich für eine Stelle bewirbt, muss aber so tun, als hätte er 20’000 gelesen. Dabei ist der selektive Fokus ein notwendiges Talent. Auch Querlesen ist wichtig, die Intuition, jene Stellen zu finden, die interessant und charakteristisch sind. Auch ich höre zu lesen auf, sobald ich gefunden habe, was ich von einem Beitrag oder Buch wissen wollte und musste, oder auf eine Idee gestossen bin, die das Denken in Gang bringt. Diese Fähigkeit sollte man kultivieren, statt sie zu leugnen.

Lebenslanges Lernen
Im Interview mit Peter A. Fischer und Lorenz Honegger in der NZZ vom 14. März 2026 äussert sich der WEF-Gründer Klaus Schwab (87) zu seinen Zukunftsplänen. Seine Faszination gilt dem intelligenten Zeitalter: Dabei geht es nicht nur um künstliche Intelligenz, sondern um ein Bündel neuer Technologien, die unsere Intelligenz erweitern und unser Leben verändern werden. Darum müssen wir auch Bildung, Langlebigkeit und Pensionierung neu denken. Seine Überzeugung: Wir lernen künftig nicht mehr fürs Leben, sondern ein Leben lang. Mit der Schwab Academy will er führende Universitäten zusammenbringen, um neue Angebote für lebenslanges Lernen zu entwickeln.

Grenzüberschreitende Infrastruktur der Welt. Strassen, Pipelines, Datenkabel. Parag Khanna Karte 2025

Eine neue Ordnung ersetzt dysfunktionale Strukturen
Parag Khanna (48), indisch-amerikanischer Politikwissenschaftler, Strategieberater und Publizist im Interview mit Leon Igel, NZZ vom 10. Februar 2026, blickt für Europa trotz aktueller Konflikte optimistisch in die Zukunft. Der Geostratege ist in Indien geboren, in Amerika und Abu Dhabi aufgewachsen, er ging in Deutschland zur Schule. Heute lebt er in Singapur. Khanna hat einen besonderen Blick auf die Welt, wo Strassen verschiedene Länder miteinander verbinden, wo Datenkabel und Schiffsverbindungen die Ozeane durchqueren. Er sagt: «Die Infrastruktur wächst weiter, die Globalisierung ist noch lange nicht am Ende.» Seine Karte zeigt den Anteil jedes Kontinents am Welthandel. Sie zeigt die grenzüberschreitende Infrastruktur der Welt. Strassen, Pipelines, Datenkabel. Die Reichweite grenzüberschreitender Infrastruktur ist gigantisch, und sie wächst jedes Jahr. Er aktualisiert seine Karte jedes Jahr, die empirisch wie die Globalisierung jedes Jahr wächst. Unternehmen bauen an vielen Orten neue Produktionsstätten, um von Risiken durch Konflikte unabhängiger zu werden. Geopolitische Konflikte treiben die Globalisierung voran, die Welt vernetzt sich weiter. Grossmächte fördern den Export der eigenen Wirtschaft und suchen einen Zugang zu fremden Lieferketten. Durch wirtschaftliche Abhängigkeiten anderer Länder wollen sie ihre Macht erweitern. Statt an dysfunktionalen Strukturen festzuhalten, müssen wir uns fragen: Wie können wir eine neue Ordnung gestalten, die der Realität der Macht gerecht wird?

Bereiten Sie sich auf 6G vor um Intelligenz überall zu ermöglichen.
Die Schlagzeile im Boston Consulting Group BCG Beitrag vom 26. Februar 2026 mit dem Titel: «Das 6G-Netzwerk ist die Zukunft der KI» lassen aufhorchen. Die Autoren Shashank Modi, Simonas Matulionis, Michael Kleeman, Ernesto Wandeler, John Fleury, Jaison Justin, Heinz T. Bernold, und Braden Holstege beschreiben, wie das KI-Jahrzehnt 6G braucht, um Intelligenz überall zu ermöglichen. Die kommerzielle Einführung von 5G im Jahr 2019 leitete einen Strukturwandel in der drahtlosen Vernetzung ein, der nun die Grundlage für das nächste Jahrzehnt bildet. Anfängliche Implementierungen konzentrierten sich auf eine breite Netzabdeckung und höhere Geschwindigkeiten; mit dem Ausbau der Netze und der Modernisierung der Architekturen wurden zusätzliche Funktionen eingeführt. Die 5G-Standards definieren, wie Netze konzipiert, betrieben und monetarisiert werden, und bilden die technische und operative Basis für 6G, dessen Einführung für Ende 2029 und Anfang 2030 erwartet wird. 6G wird mehr leisten als nur die Konnektivität zu beschleunigen. Es wird Netzwerke zu einer KI-nativen Infrastruktur ausbauen, welche die physische und die digitale Welt integriert.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#460 – «Alte»: Mehrgenerationen-Arbeitsplatz

Fünf Generationen am Arbeitsplatz
Unter dem Titel «Wie Generationsstereotypen uns im Job zurückhalten» sprach die Sozialpsychologin Dr. Leah Georges auf der TEDxCreightonU Plattform vom April 2018 zum Thema Mehrgenerationen-Arbeitsplatz. Leah Georges ist Professorin und Forscherin und arbeitet mit Organisationen zusammen, um die hartnäckige Legende vom Generationenkrieg bei der Arbeit zu entkräften. Zum ersten Mal in der neueren Geschichte interagieren fünf Generationen am Arbeitsplatz. Die Veteranen, die zwischen1922 und 1943, nach dem ersten Weltkrieg geboren wurden. Sie sind bekannt für ihre Selbstaufgabe und ihren Respekt für Autorität. Für sie ist Arbeit gleich Anerkennung. Die Babyboomer, geboren zwischen 1944 und 1960, und nach dem zweiten Weltkrieg sozialisiert, zeichnen sich durch harte Arbeit aus. Dieser Generation haben wir den Ausdruck «Workaholic» zu verdanken. Sie schätzen Konkurrenz und haben nur Fortschritt erlebt. Generation X ist die verlorene Generation der Schlüsselkinder, die zwischen 1961 und 1980 geboren wurden. Sie ist die kleinste Generation, gefolgt von der Generation Y, den Millennials geboren zwischen 1981 und 2000. Für sie war Technologie zu Hause immer präsent. Sie sind voller Hoffnung und entschlossen die Welt zu verändern. in den letzten paar Jahren überholten die Millenials die Generation X und sind damit die grösste Generation in der Arbeitswelt. In den Vereinigten Staaten gehört jede dritte Arbeitsstelle zu dieser Gruppe. Und bald gesellt sich Generation Z dazu, geboren seit 2000, unsere Lernenden, Praktikant:innen oder Maturand:innen.

Wir haben mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede
Menschen wollen Arbeit, die zählt, und Flexibilität, sie wollen Unterstützung und Anerkennung und besseren Kaffee. Aber nichts davon gilt nur für eine Generation. Dieser Fokus auf Generationen, auf Personengruppen, hat dazu geführt, dass wir vergessen, dass Menschen Menschen sind. Um zu lernen, wer sie wirklich sind, mit wem wir arbeiten, sind bessere Lösungen nötig beim Mehrgenerationen-Arbeitsplatz. 80-Jährige schreiben SMS und 23-Jährige häkeln Decken. Deshalb müssen wir den Menschen in ihrer Einmaligkeit begegnen, genau dort, wo nur wir uns befinden, als Teil unserer einzigartigen Geschichte, unserer Erfahrungen und Hoffnungen. Aber dies erfordert Flexibilität und Neugier. Denn wenn man Menschen in deren Einzigartigkeit trifft, dort in der Welt, wo nur sie stehen, sprechen wir nicht mehr über eine Generation. Unsere Aufgabe ist es in den Personen deren Einzigartigkeit zu entdecken. Wir lernen dabei was nur diese Person einbringen kann, denn das bereichert unsere Arbeit. Wenn wir diese Erkenntnis erneut wiederholen, immer wieder, dann arbeiten wir eines Tages nicht mehr mit Generationen. Wir arbeiten mit Menschen. Um die Schönheit des Mehrgenerationen-Arbeitsplatzes zu verstehen, müssen wir die Leute nur da treffen, wo sie sind.

Mehrgenerationen-Tanztheater-Projekt «Mater» 2024 im Ringlokschuppen Ruhr, Deutschland, unter der Leitung der italienischen Tanzpädagokin Eloisa Mirabassi (52). Foto: Björn Stork.

Die KI-Fachkompetenzschwelle
Kritisches Denken ist überbewertet. Ohne Fachwissen ist es nur Raten mit Methode. Und genau deshalb versagt unsere beliebteste Zukunftskompetenz gegen KI-Halluzinationen. Barbara Geyer, Professorin, Programm Direktorin für Instructional Design, schreibt auf LinkedIn: Während 2006 in einem Experiment noch sechs Siebtklässler auf einer Webseite eine Fälschung erkannten, waren es 12 Jahre später nur noch deren zwei. Nicht das Jahrzehnt Medienkompetenz-Unterricht, sondern das fehlende Hintergrundwissen sind dafür verantwortlich. Sie nennt das Phänomen die KI-Fachkompetenzschwelle. Eine Grenze des Vorwissens, unterhalb derer KI-Nutzung nicht nur wirkungslos wird, sondern kontraproduktiv. Dabei ist das Fatale, dass der KI-Output keine Warnsignale aussendet. Er hat korrekte Grammatik und überzeugende Argumentationsstrukturen. Wer zu wenig weiss, um den Fehler zu erkennen, weiss auch nicht, dass er zu wenig weiss.

KI braucht «Alte» als Brückenbauer:innen
Die sinnvolle Nutzung von KI baut auf zwei Fundamenten auf. Erstens Fachwissen, denn nur wer das Gebiet kennt, erkennt die Fälschung. Zweitens Medienkompetenz, denn wer sich im digitalen Raum nicht souverän bewegen kann, wird auch KI nicht produktiv einsetzen. Erst auf diesen beiden Fundamenten entfaltet KI-Nutzung ihr Potenzial. Ohne sie wird sie zum Risiko. Die KI ist kein guter Recherche-Sparringspartner, wenn wir zuwenig Vorwissen haben. Dann landet man schnell bei Plattitüden oder ist eher damit beschäftigt, herauszufinden, ob das überhaupt stimmt, was vorgeschlagen wird. Wer das entsprechende Grundwissen hat, kann auch konkreter prompten und spannende, realistische Vorschläge identifizieren. Selbst hervorragende Studienabschlüsse garantieren heute keinen reibungslosen Berufseinstieg mehr. Immer häufiger fehlen nicht Wissen oder Noten, sondern Erfahrung, Orientierung und überfachliche Kompetenzen. Heutzutage braucht es auf dem Arbeitsmarkt zunehmend Soft Skills wie Flexibilität, Resilienz oder Teamfähigkeit. Unternehmen setzen stärker auf Praxiserfahrung, weil niemand weiss, welche Technologien morgen gefragt sein werden. «Alte» mit Berufserfahrung und Leidenschaft als Mentor:innen, Coaches oder Sparringspartner in altersgemischten Teams, agieren als Brückenbauer:innen im Umgang mit künstlicher Intelligenz.

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#459 – Auch KI ist für uns «Alte» kein Ersatz

KI kann Muster erkennen, nur wir Menschen verstehen den Kontext
Künstliche Intelligenz KI ist hervorragend darin, Muster zu erkennen. Sie versteht Daten. Wir Menschen sind hervorragend darin, zu verstehen, was diese Muster in der komplexen Welt menschlichen Verhaltens bedeuten. Und selbst wenn diese Modelle und Algorithmen mit der Zeit immer leistungsfähiger werden, wird dies weiterhin gelten. Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung fordert deshalb mehr als zuvor unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten heraus. Neugierige, weise, aufgeschlossene und kompetente «Alte» sind deshalb ideale Entwicklungspartner in gemischten Teams. Dabei ist das biologische Alter eines Menschen nicht wirklich ausschlaggebend. Im Gegenteil, gerade wenn es um ethische Fragen geht ist die Erfahrung von uns «Alten» ausserordentlich wichtig, weil wir Dinge verstehen, die sich nicht quantifizieren lassen. Das tiefe Verständnis über Kontext, Absicht, unausgesprochene Emotionen oder kulturelle Nuancen entspringt gelebten Erfahrungen, welche die KI nicht nachbilden kann.

Unsere Fähigkeit, Emotionen zu deuten ist unersetzlich
Unter dem Titel «Was die künstliche Intelligenz nicht weiss» präsentierte Priyanka Vergadia (39), Senior Director of Global Developer Engagement bei Microsoft, ihren Beitrag im November 2025 auf der TEDNext 2025 Plattform. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, nicht mit der KI zu konkurrieren, sondern mit ihr zusammenzuarbeiten und dabei unersetzlich menschlich zu bleiben. Wir müssen die Antworten und die Empfehlungen der KI hinterfragen um erfolgreich zu sein. Wenn die KI Aktivitäten identifiziert, ohne Gewichtung und Hintergrundwissen, muss jemand die Bedeutung dieser Aktivitäten analysieren. Nur der Mensch kann die Atmosphäre im Raum erfassen, über den Bildschirm hinaus. Man muss die Mikroexpressionen, die sozialen Signale im Raum verstehen, was die Leute sagen, wie sie nicken. Wir alle kennen Meetings, in denen jemand sagt: «Das ist interessant.» Ist dies höflich, abweisend oder wirklich neugierig gemeint? Unser emotionales Gespür erkennt das. Die KI nicht. Die KI erkennt die Qualität von Produkten nicht. Sie versteht die Inhalte unserer Geschichten über deren Entstehungsprozess oder Nachhaltigkeit nicht, nur wir Menschen können das. Die Zukunft gehört weder den Menschen noch der KI. Sie gehört den Menschen, die eng mit der KI zusammenarbeiten und dabei unentbehrlich menschlich bleiben. Unsere Fähigkeit, die Stimmung zu erfassen und die Fähigkeit, Emotionen zu deuten ist unersetzlich. Unsere Fähigkeit, uns in andere Menschen hineinzuversetzen, ist unverzichtbar.

John Howe (68), Illustrator und Konzeptdesigner aus Vancouver, British Columbia, Canada: Der grosse Seedrache Tintaglia aus dem Roman «Ship of Destiny», 2000, der amerikanischen Schriftstellerin Robin Hobbs (73).

Der grösste Nutzen der KI erschliesst sich durch den Menschen
«Die Transformation durch KI ist eine Transformation der Belegschaft» ist der Titel des Beitrags auf der Boston Consulting Group BCG Plattform vom Februar 2026 von Julie Bedard, Managing Director & Partner; BCG Henderson Institute Fellow, Boston und Vinciane Beauchene, Managing Director & Partner, Paris. In der aktuellen globalen Studie «Build for the Future x AI 2025» von BCG, in der Führungskräfte der obersten Ebene den KI-Reifegrad ihrer Unternehmen bewerten, konnten nur etwa 5% der Organisationen substanzielle finanzielle Vorteile aus KI nachweisen. Diese zukunftsorientierten Unternehmen ziehen den Wert nicht nur aus der Technologie selbst, sondern auch daraus, wie sie ihre Mitarbeitenden befähigen, diese optimal zu nutzen. In den Fallstudien von BCG mit Hunderten von Unternehmen stammen etwa 10% des KI-Wertes aus den Algorithmen selbst und weitere 20% aus der für deren Implementierung erforderlichen Technologie. Die verbleibenden 70% ergeben sich aus der Neuausrichtung der Mitarbeitenden.

Führungskräfte und Manager einbeziehen
Das Engagement der Führungskräfte ist einer der stärksten Indikatoren für ein ausgereiftes KI-Umfeld. Unternehmen, die KI als Priorität auf CEO-Ebene behandeln – und nicht nur als Technologieinitiative –, wachsen schneller und generieren mehr Wert. Mitarbeitende in diesen Unternehmen sehen KI als etwas, das ihre direkten Vorgesetzten täglich nutzen. Führungskräfte müssen den Mitarbeitenden die Gründe für den Einsatz von KI konsequent und inspirierend vermitteln, um ihre Rolle in diesem Wandel zu klären. Die transformative Wirkung von KI auf die Arbeitswelt ist gut dokumentiert. Routineaufgaben in vielen Bereichen werden automatisiert, wodurch sich die Anforderungen vieler Einstiegspositionen verändern. Dieser Wandel erfordert von Unternehmen innovative Karrierewege und Ausbildungsmodelle für Hochschulabsolventen, die zunehmend für die Verwaltung KI-gestützter Systeme benötigt werden. Insgesamt werden sich Arbeitsplätze weiterentwickeln und durch effektive Mensch-KI-Partnerschaften neue Möglichkeiten geschaffen. Solche grundlegenden Veränderungen erfordern sorgfältige Voraussicht und Planung, nicht zuletzt, weil sich die Technologie rasant weiterentwickelt, während Verhaltensänderungen Zeit brauchen. Erfahrene und aufgeschlossene «Alte» finden sich in der Rolle als Mentoren.

Einen ganzheitlichen Weiterbildungsansatz verfolgen
Die Vermittlung dieser wichtigen KI-Kompetenzen im grossen Umfang gelingt nur, wenn beispielsweise das Lernen im Arbeitsalltag integriert ist. Mitarbeitende lernen am besten, wenn neue Fähigkeiten in den Arbeitsablauf eingebunden werden. Mitarbeitende müssen sich auf Führungskräfte verlassen, die Veränderungen vorleben und die Gründe dafür vermitteln um frühzeitig Erfolge erleben. Nicht nur der Erwerb von «Weiterbildungsdiplomen», sondern die Fortschritte bei der Entwicklung neuer Kernkompetenzen, die für zukünftige Aufgaben unerlässlich sind, sollen berücksichtigt werden. Weiterbildung soll mehr als nur eine Lernmassnahme sein, sondern integraler Bestandteil der Unternehmensentwicklung. Indem Unternehmen ihre Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellen, können sie ihnen die Fähigkeiten und das Selbstvertrauen vermitteln, die Technologie zu nutzen und ihre Arbeitsweise – und damit letztendlich auch die Wertschöpfung des Unternehmens – zu verändern.

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