Blog, Industrie 4.0

#230 – Spielerische Zusammenarbeit

Corona verändert unser Leben
Am 20. Juli 2021 wurde auf SRF das erste von fünf Segmenten im SommerCLUB ausgestrahlt. Diskutiert wurden, unter geladenen Fachleuten, die bisherigen Erkenntnisse aus dem Pandemie-Management. Neben der fehlenden oder mangelhaften Digitalisierung auf allen Ebenen, war man vor allem erstaunt über die Abhängigkeit vom Ausland in unserer global organisierten Wertschöpfungskette. Dies zeigte sich beispielsweise in der unerwarteten Knappheit von wichtigen Medikamenten, dem plötzlichen Mangel an chemischen Grundstoffen oder fehlenden Laborreagenzen im Gesundheitswesen. Zwar gab es anfänglich leere Regale in den Supermärkten, aber eine eigentliche Knappheit an Lebensmitteln bestand nie. Die Pandemie deckte vor allem Mängel in der Kommunikation auf. Wie diese mit Hilfe vorhandener Technologien verbessert werden könnte, zeigt das folgende Beispiel aus der Planungs- und Baubranche.

Der virtuelle Arbeitsplatz, mehr als «Homeoffice»
Seit März 2020 ist der Geschäftsverkehr stark beeinträchtigt. Dies hat einen grossen Einfluss auf die Architektur- und Designwelt, in der die Kommunikation zwischen Bauherrschaften, Fachplanenden, Produzierenden und Bauunternehmungen grosser, komplexer Projekte über Zoom fast unmöglich ist. Als Berater, Coach und Mentor fehlt auch mir der «grosse Tisch» zum spontanen Austausch mit Notizen und Skizzen. Zuviel Zeit und Ressourcen werden mit einer nur bedingt «reibungslosen» Technik für die Zusammenarbeit aufgewendet. Schon in den 1990-er Jahren war ich als Experte im ETH Projekt «A Tool Set for the Virtual AEC Company» mit Prof. Dr. Gerhard Schmitt, Lehrstuhl CAAD involviert. Da präsentierte sich die folgende Pressemitteilung im ARCHITECTURE Magazine vom 15. Juli 2021 als grosser Lichtblick. Die darin beschriebene Kollaborations-Plattform zur Entwicklung von Bauprojekten, lässt sich durchaus an die Bedürfnisse anderer Industrien anpassen. Gemäss dem Bericht investieren UNStudio und BIG – Bjarke Ingels Group in «SpaceForm», einem virtuellen Arbeitsplatz, der in der Cloud gehostet wird, eine Plattform, die Teams in Projekte auf jedem Gerät eintauchen lässt, entwickelt vom Londoner Studio Squint/Opera. (Video 1:40 Minuten)

Die Partner
Die Partner haben sich mit SpaceForm zusammengetan, um gemeinsam eine virtuelle Echtzeit-Meeting- und Präsentationsplattform zu entwickeln, die auf über 30 Jahre Erfahrung in der Projektzusammenarbeit aufbaut. Ein integrativer Designprozess, bei dem alle Beteiligten eine Stimme haben ist von grösster Bedeutung. SpaceForm ermöglicht eine verbesserte Teamkommunikation und vereinfacht die Interaktion mit Kunden auf Distanz. Arbeitssitzungen simulieren die physischen Möglichkeiten im Austausch zum Designprozess mittels raffinierter Technik und intuitiver Bedienung. Mit Blick auf die Zukunft kann es globalen Teams helfen, aus der Ferne effektiver zu präsentieren und zu entwerfen und so den Reisebedarf zu reduzieren.

UNStudio, 1988 von Ben van Berkel (64) und Caroline Bos (62) gegründet, ist ein internationales Netzwerk, das sich auf Architektur, Innenarchitektur, Produktdesign, Städtebau und Infrastrukturprojekte spezialisiert hat. UNStudio hat sechs Büros in Amsterdam, Shanghai, Hongkong, Frankfurt, Dubai und Melbourne mit über 200 Mitarbeitenden aus 27 Ländern.

Der Däne Bjarke Ingels (47) gründete BIG in 2006, mit Büros in Kopenhagen, New York, London und Barcelona. Die Gruppe umfasst Leute aus den Gebieten Architektur, Design, Städtebau, Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur und Produktdesign sowie Forschung und Entwicklung. Geführt wird das Büro von 24 Partnerinnen, 54 Assoziierten und 18 Direktorinnen.

Der virtuelle Arbeitsplatz in der Realität. Bild: SpaceFrom, UNStudio

Die Software
Der erste Prototyp von SpaceForm wurde 2018 gebaut, seitdem wurde er mit Hilfe des Epic MegaGrant und den Rückmeldungen vieler Architektinnen und Designerinnen weiterentwickelt. Der aktuelle Prototyp ist eine 3D-Multi-User-Plattform zur Präsentation von Architekturentwürfen und digitalen Zwillingsdaten in Echtzeit. Jan Heuff (40), Squint/Opera Director und SpaceForm CEO sagt darüber: «Wir haben einen Gaming-Technologie-Stack verwendet, der Fortnite sehr ähnlich ist, und ihn auf die Welt der Architektur und des Designs angewendet». Der Einsatz immersiver Echtzeit-Gaming-Technologie in der gebauten Umgebung ist aufregend, da sie neue Wege eröffnet, die noch unbebaute Welt zu erkunden und mit ihr in Kontakt zu treten. Echtzeitumgebungen ermöglichen es den Leuten, zu fühlen, wie ein Raum aussehen könnte, wenn Sie diesen Raum mit Ihrem Team und Ihren Kunden gemeinsam auf jeder Plattform erkunden können – dies ist ein Game-Changer. Zu den wichtigsten innovativen Funktionen von SpaceForm gehören vor allem die nahtlosen Verbindungen zu anderen Visualisierungsplattformen und die Teilnahme von bis zu 100 Personen für gemeinsame Präsentationen und Rezensionen.

Der virtuelle Arbeitsplatz, tatsächliche und fiktionale Realitäten. Bild: SpaceFrom, UNStudio

Die kollaborative Umgebung der Zukunft
Die jüngste Verschiebung zur Telearbeit hat neue Möglichkeiten eröffnet. SpaceForm lässt die richtigen Plattformen intuitiv zusammenlaufen und reduziert dabei viele Geschäftsreisen. Dazu meint Ben van Berkel von UNStudio: «SpaceForm bietet eine Plattform für das Geschichtenerzählen und die Möglichkeit für Designteams, ein Projekt in ein interaktives Erzählerlebnis zu verwandeln. Es ist die erste Online-Plattform, die umfassende Design-Reviews mit Kunden ermöglicht». Und Bjarke Ingels ergänzt: «In Zukunft wird jedes physische Objekt miteinander verbunden sein, sich gegenseitig und alles dazwischen wahrnehmen. Für jedes physische Objekt wird es einen digitalen Zwilling geben. Für jeden physischen Raum einen virtuellen Raum. SpaceForm ist die erweiterte, kreative, kollaborative Umgebung der Zukunft, die einen sofortigen Zusammenfluss von tatsächlichen und fiktionalen Realitäten ermöglicht – die Gegenwart und die Zukunft verschmelzen in unserem erweiterten Realitätssinn».

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung und Engagement aus der analogen Welt sind wir «Alten» gerüstet, im Team zusammen mit dem digitalen Wissen der «jungen Wilden», Prioritäten und Ideen mit Engagement und auf Augenhöhe in Ergebnisse umzusetzen. «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

 

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