Blog, Industrie 4.0

#166 – Gefangen in der Digitalisierung

Selbststudium für Senioren
Dank eines gefährlichen Virus entdecken plötzlich viele KMU die Digitalisierung. Lange hatte man sich schwer getan, obwohl die Technologie seit bald 40 Jahren unsere Welt prägt. Nun wächst plötzlich auch unter uns «Alten» das Interesse und der Wunsch, die Möglichkeiten digitaler Hilfsmitteln kennen zu lernen. In unzähligen Lernvideos kann man sich kostenlos auf den Gebieten Marketing, Programmierung oder Geschäftsmodelle weiterbilden. Inken Kuhlmann-Rhinow hat dazu auf Hubspot 13 wertvolle Fähigkeiten zum Selbststudium für Laien zusammengetragen. Alles was wir dazu brauchen ist Neugierde und einen Computer mit Internetanschluss.

Erkenntnisse aus der Krise
Diese breite Akzeptanz des Digitalen unter uns «Alten», auch unter Lehrpersonen oder Politiker*innen, ist das Resultat wochenlanger unfreiwilliger Abschottung. Wenn das Einkaufen oder der Zahlungsverkehr ohne Schlangestehen bequem von zuhause erledigt werden kann, gewöhnen wir uns sehr schnell an die unzähligen digitalen Vorteile, die wir auch nach der Krise weiterhin in unseren Alltag integrieren werden. Ein erster Entscheid darüber steht uns unmittelbar bevor, mit der Einführung von «Contact-Tracing», der digitalen Kontaktverfolgung zur Verhinderung weiterer Ansteckungen mit Sars-CoV-2 als Folge der schrittweisen Lockerung des Regimes. Hoffentlich haben wir etwas gelernt aus der Krise und sind nun eher bereit, uns auf dieses Experiment einzulassen. Oder hören wir weiterhin auf die Ewiggestrigen und misstrauen der Technik mit vorgeschobenen Argumenten wie dem Schutz der «Privatsphäre». Eine alternde Gesellschaft, die von den guten Erinnerungen lebt und die Welt nicht mehr gross verändern will.

Wir waren überhaupt nicht auf diese Katastrophe vorbereitet
Solche Pandemien werden uns auch zukünftig begleiten, das wissen wir nun mit Bestimmtheit. Auch nach der «Wiedereröffnung» der Wirtschaft bleibt die Angst um das Virus. Vor genau fünf Jahren beschrieb der Philanthrop und Microsoft-Gründer Bill Gates im Rahmen einer öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung (Bill Gates | TED2015 8:33′), was heutzutage wie ein Film abzulaufen scheint: «Wenn es etwas gibt, was in den nächsten Jahrzehnten mehr als zehn Millionen Personen töten kann, dann ist es sehr wahrscheinlich eher ein hochansteckendes Virus als ein Krieg», sagte er damals. Und er setzte noch einen drauf: «Wir haben Unmengen Geld in die nukleare Abschreckung investiert, aber kaum etwas in ein System, das eine Epidemie verhindern könnte. Wir sind überhaupt nicht darauf vorbereitet.»

Japan 2020. Bild: Athit Perawongmetha / Reuters

Durch Contact-Tracing-Apps Ansteckungsketten durchbrechen
Da Sars-CoV-2 sich durch körperliche Nähe übertragen könne, hätten Gesundheitsexperten festgestellt, dass die Contact-Tracing-Technologie ein nützliches Werkzeug im Kampf gegen die Verbreitung des Virus sei. Eine Schwachstelle dieses Ansatzes ist jedoch, dass er nur Personen berücksichtigen kann, die ein Smartphone besitzen – was vor allem bei älteren Personen oft nicht der Fall ist. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen sind vielfach einfachere Handymodelle beliebt, die nur das Telefonieren, aber nicht unbedingt die Bluetooth-Technologie oder entsprechende Apps unterstützen.

Tech-Konkurrenten entwickeln Werkzeug
Marie-Astrid Langer, San Francisco, NZZ vom 10.04.2020, schreibt: Apple und Google haben am Karfreitag angekündigt, gemeinsam Werkzeuge zu entwickeln, die Apps von Drittanbietern beim sogenannten Contact-Tracing helfen – also Programme, die alle Personen registrieren, mit denen eine mit Sars-CoV-2 infizierte Person in jüngster Zeit Kontakt hatte. Bereits in einem Monat sollen die ersten Ergebnisse den Nutzern zur Verfügung stehen. Die Zusammenarbeit macht Sinn, denn drei Milliarden Menschen weltweit verwenden entweder das iOS oder Android-Betriebssystem.

Taiwan macht es vor
Wie dem Beitrag in der NZZ vom 19.04.2020, Matthias Sander, Taipeh, zu entnehmen war, kontrolliert Taiwan bereits Eingereiste in Quarantäne mit einem System namens «elektronischer Zaun». Dafür interessierte sich angeblich auch die Deutsche Telekom. Taiwans grösster Telekom-Anbieter, Chunghwa Telecom, hat das System im Auftrag der Regierung entwickelt. Die Benutzeroberfläche sieht aus wie Google Maps – nur dass farbige Punkte nicht Hotels oder Restaurants anzeigen, sondern Personen in Quarantäne. Landesweit waren das letzte Woche 45 575 Leute. Dazu kamen 2825 Personen in ebenfalls 14-tägiger «Selbstisolierung», weil sie mit Infizierten in Kontakt gewesen waren. Wie auf einer Internet-Karte kann man jede dieser Personen heranzoomen, bis man genau sieht, wo sie sich gerade aufhält. Die Massnahmen funktionieren in Kombination mit einer Maskenpflicht. Dazu der Beitrag von Matthias Sander, Taipeh, NZZ vom 6. April 2020: «Was tun, wenn Masken fehlen? Taiwan hat es vorgemacht».

Fürstentum Liechtenstein geht eigene Wege
Laut einem Bericht von Sam Jones in der Financial Times, 16. April 2020, führt das Fürstentum Liechtenstein ein Pilotprojekt durch, um seine rund 40’000 Bürger mit biometrischen Armbändern auszustatten, welche die Entstehung potenzieller Fälle von Covid-19 in Echtzeit verfolgen. In einem Testversuch wurden an 2’000 Liechtensteiner die Armbänder verteilt, mit denen wichtigen Körperdaten wie Hauttemperatur, Atemfrequenz und Herzfrequenz zur Analyse an ein Schweizer Labor zurückgesandt werden. In einer zweiten Phase, die im Herbst beginnen wird, sollen der gesamten Bevölkerung Armbänder angeboten werden, sagte der liechtensteinische Sozialminister Mauro Pedrazzini gegenüber der Financial Times. «Dies ist Wissenschaft, und es gibt keine Garantie dafür, dass die Theorie funktioniert, aber es ist wahrscheinlich, dass sie sehr gut funktionieren könnte. Was wir und andere Regierungen brauchen, sind Frühwarnsysteme, um diese Krise zu bewältigen.» Das Projekt war die Idee von Lorenz Risch, Präsident der Dr. Risch Labors in der Schweiz. Die Armbänder für das Projekt werden von Ava geliefert, einem Schweizer Medizinaltechnikunternehmen, das weltweit Frauen dabei hilft, ihre Fruchtbarkeitszyklen genau zu überwachen.

Neue Organisationsprinzipien der Gesellschaft
Im Gastkommentar, NZZ 15.04.2020, schreibt Giorgio Agamben zum Umgang der liberalen Demokratien mit dem Coronavirus: ….«Wir haben bedenkenlos hingenommen, wiederum nur im Namen eines nicht näher zu bestimmenden Risikos, dass unsere Bewegungsfreiheit in einem Ausmass eingeschränkt wurde, wie dies zuvor nie in unserem Land geschah, nicht einmal während der beiden Weltkriege (die Ausgangssperre galt damals für bestimmte Stunden). Wir haben also hingenommen, im Namen eines nicht näher zu bestimmenden Risikos die Pflege unserer Freundschafts- und Liebesbeziehungen einzustellen, weil unser Nächster zu einer möglichen Ansteckungsquelle wurde.»… Denn dieselben Behörden, die den Notstand ausgerufen haben, erinnern uns ständig daran, dass dieselben Weisungen auch nach dem Ende des Notstands zu befolgen seien und dass das Social Distancing – wie man es in einem vielsagenden Euphemismus nennt – das neue Organisationsprinzip der Gesellschaft darstelle. Und dass das, was man – guten Glaubens oder wider besseres Wissen – zu ertragen akzeptiert hat, nicht rückgängig gemacht werden könne…

Leidenschaft und Erfahrung von «Alten» hilft
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte» Frauen und Männer im Team, auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

 

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