Industrie 4.0

Ultima Ratio

Die Ultima Ratio (von lat.: ultimus, hier: «letzter», «äusserster»; sowie ratio, hier: «Mittel», «Möglichkeit») ist seit wenigen Wochen das «Buzzword» in den Medien und bezeichnet den letzten Lösungsweg, das letzte Mittel oder den letzten Ausweg in einem Interessenkonflikt, wenn zuvor alle sonstigen im ethischen Sinne vernünftigen Lösungsvorschläge verworfen wurden, da mit ihnen keine – oder angeblich keine – Einigung erzielt werden konnte.

Lässt sich allenfalls der Begriff auf die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt übertragen, denn es gibt Anzeichen, dass uns die Arbeit bald ausgeht? Am diesjährigen WEF (World Economic Forum) wurden düstere Szenarien gezeichnet, in denen Automatisierung und Digitalisierung zum Wegfall von hunderttausenden Arbeitsstellen führen könnten. Man macht sich Gedanken zum Wohlbefinden der Arbeitnehmenden, zur optimalen Arbeitsumgebung und spricht über die Flexibilisierung von Arbeitsmodellen. Immer mehr Unternehmen wollen ihre Strukturen so gestalten, dass Mitarbeitende mehr Freiräume erhalten. Damit sollen die Rahmenbedingungen für Innovationen verbessert werden. In der Schweiz wird in Kürze über ein Grundeinkommen abgestimmt, das wiederum von Technologie-Pionieren im Silicon Valley als zukunftsweisende «soziale» Innovation angekündigt wird.

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Pegatron, China: Produktion von iPhones, 50’000 Mitarbeitende

Speziell in einem Land wie die Schweiz ist Innovation eine Grundvoraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand. Darüber hinaus ist es für die Entwicklung von brauchbaren Lösungen in vernetzten Systemen zentral, Innovation breiter als bislang zu definieren, also über einen reinen Fokus auf das Produkt hinaus. Innovation sollte vielmehr auch als Prozess- oder Systemerneuerung verstanden werden, die nicht nur eine höhere Produktivität, sondern auch gesellschaftliche Mehrwerte und Fortschritte für den Nutzer ins Zentrum stellt.

Solche Überlegungen fördern die polaren Debatten zwischen Revolutionären und Konservativen. Sie führen zum konstruktiven Nachdenken darüber, welche Bedeutung Arbeit in der Gesellschaft haben soll und wie wir die Zukunft der Arbeit gestalten können. W.I.R.E. (Web for Interdisciplinary Research & Expertise) ist ein Think Tank für Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft in Partnerschaft mit der Bank Julius Bär, dem Collegium Helveticum der ETH Zürich und der Universität Zürich. In ihrem letzten Newsletter geht W.I.R.E. den Fragen nach, ob die Automatisierung tatsächlich den befürchteten Wegfall von Jobs nach sich zieht, inwiefern sich die Fähigkeiten von Individuen und Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung verändern (müssen) und wie die Bedürfnisse der Kunden sowie Arbeitsräume von morgen aussehen werden.

W.I.R.E. untersucht das Potenzial, aber auch die Gefahren von «Big Data» und dem «Internet der Dinge» und identifiziert Möglichkeiten und Anwendungsbereiche, um diese Technologien nutzbringend einzusetzen. In diesem Sinne sind wir noch weit entfernt von der Ultima Ratio.

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