Blog, Industrie 4.0

#399 – Wir «Alten»: Bildung und Arbeitsmoral

Leistungsschwach
Als Berater erlebe ich immer öfter wie E-mails nicht beantwortet, respektive ignoriert werden. Man versendet SMS-Kurzmeldungen oder man «schnattert» in WhatsApp-Gruppen. Dabei greift man schnell zum Telefon, alles Andere wäre zu aufwändig. Nun wurden die neuen Resultate einer Untersuchung der OECD und dem Bundesamt für Statistik publik. Die Studie, die als «Pisa für Erwachsene» bekannt ist, zeigt: Jede und jeder Zehnte zwischen 16 und 65 in der Schweiz versteht einfache Mitteilungen nicht. Weitere 20 Prozent sind dazu zwar in der Lage, verstehen aber nicht mehr als simple Botschaften, etwa auf einer Liste. Unter dem Titel «Der überforderte Bürger: 1,7 Millionen erwachsene Schweizer können kaum lesen oder rechnen» fragt Sebastian Briellmann in der NZZ vom 10. Dezember 2024, was dies über unser Land aussagt. Untersucht wurden nicht nur die Lesekompetenz, sondern auch die Fähigkeiten in Alltagsmathematik und der Problemlösung wo die Resultate marginal besser aussehen. Die Konsequenzen sind drastisch und führen im Berufsleben durchaus zu Überforderung. Diese Ergebnisse hätten sich in den letzten zehn Jahren, als diese Studie letztmals gemacht worden sei verschlechtert, sagen deren Verantwortliche. Und dies in einer Zeit, in der die Anforderungen im Berufsleben zugenommen hätten. Das ist auch deswegen problematisch, wenn die Resultate des Nachwuchses berücksichtigt werden. In der letzten Pisa-Studie, vor einem Jahr veröffentlicht, ist bekanntgeworden, dass es in der Schweiz immer mehr schlechte Schüler:innen gibt. 25% von ihnen gelten als «leistungsschwach», wie man das ziemlich freundlich in der Bildungssprache nennt.

Video (4:10): Marina Abramović (78) RETROSPECTIVE, Ausstellung im Kunsthaus Zürich, Dezember 2024

Arbeit hält fit und gibt dem Leben einen Sinn
Unter uns «Alten» über 50 zeigt sich ein weiteres Phänomen. Laut dem Beitrag von Albert Steck, in der NZZ vom 7.Dezember 2024, mit dem Titel «Sie können es sich leisten: Jeder zweite Staatsangestellte geht vorzeitig in Rente» ist der Wunsch nach einem vorzeitigen Ruhestand in der Schweiz weit verbreitet. Dazu sagt Reto Spring, Präsident des Finanzplaner-Verbands Schweiz, wie er seinen Kunden oftmals abrate von einer Frühpensionierung. Und zwar nicht nur aus finanziellen Gründen: «Arbeit hält fit und gibt dem Leben einen Sinn.» Zudem sei die Lebenserwartung inzwischen so hoch, dass viele Menschen einen Drittel ihres Lebens im Ruhestand verbrächten. «Statt sämtliche Golfplätze abzuklappern, führt es zu mehr Befriedigung, wenn man sich nützlich machen kann.» Wer allerdings unter einer Krankheit leide, für den ergebe eine vorzeitige Pensionierung Sinn. Anders bei gesunden Personen, die sich oft gehen lassen, sobald sie die Erwerbstätigkeit aufgeben, etwa weil ihnen die sozialen Kontakte fehlen. Länger im Beruf zu bleiben und schrittweise auszusteigen, sei daher die bessere Lösung. Im Hinblick auf den Arbeitskräftemangel, der sich aus der demografischen Entwicklung ergibt, müssen wir vor allem mehr «Alte» motivieren können, über 65 hinaus zu arbeiten, findet Thomas Schmutz, der stellvertretende Direktor des Eidgenössischen Personalamts.

Lebenslanges Lernen erhöht die geistige Widerstandskraft
Frühpensionierungen seien primär ein Wohlstandsphänomen stellt der St. Galler Ökonomieprofessor Reto Föllmi fest. Besserverdienende begünstigen den Trend, während lediglich 15 Prozent der Selbständigen vor 65 aufhören. Und die Arbeitgebenden können es sich immer weniger leisten, erfahrene Kräfte vorzeitig gehen zu lassen, denn die Pensionierungswelle der Babyboomer hat erst begonnen. In der dritten Episode ihrer Serie schreibt Eveline Geiser in der NZZ vom 7.Dezember 2024, unter dem Titel «Wider das Vergessen: Lebenslanges Lernen kann vor einer Demenz schützen», wie Bewegung und lebenslanges Lernen die geistige Widerstandskraft erhöhen. Nicht alle altern gleich gut. Tatsächlich gibt es unter uns «Alten» solche, deren Gehirne die typischen Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung haben. Doch dement sind wir deswegen nicht. Diese Gehirne gelten als besonders widerstandsfähig, weil wir uns auch im Erwachsenenleben immer weiterbildeten. Wir sind beispielsweise einer beruflich Aufgabe nachgegangen, die uns immer wieder herausgefordert hat. Gemäss einer Norwegische Studie mit mittlerweile über 70 Jahre alten Teilnehmenden lässt sich Folgendes sagen: Wer im Arbeitsleben häufig Routineaufgaben erfüllen musste, wurde im Alter eher dement – und zwar unabhängig davon, mit wie viel Bildung jemand ins Arbeitsleben gestartet war.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#239 – Das Alter der «Alten»

Im Zeitalter der Hundertjährigen
«Im Zeitalter der Hundertjährigen müssen wir Lebensläufe neu denken» sagt der Demograf und Professor James Vaupel (76) im Interview mit Anja Jardine, NZZ vom 24. September 2021. «Junge» «und Alte» sollten die Chance nutzen, die Dreiteilung des Lebens in Ausbildung, Leistungsphase und Ruhestand aufzubrechen. Denn, entgegen der Annahme, wächst der Anteil gesunder Jahre mit höherem Alter. Gebrechlichkeit und Abhängigkeit ziehen sich mit steigender Lebenserwartung nicht in die Länge, sondern verschieben sich nach hinten. Aktuell darf man erwarten, dass man 85 Jahre in relativ guter Verfassung verbringen kann. Ein langes Leben ist ein Geschenk! Eine Errungenschaft der Zivilisation. Und eine Chance, einiges neu zu gestalten. Da wäre es wenig sinnvoll, an der klassischen Dreiteilung des Lebens unserer Eltern festzuhalten: lange Ausbildung, in der Mitte doppelte Belastung durch Familie und Beruf, ab Mitte 60 Ruhestand. 20 Jahre Ruhestand sind nicht verantwortbar! Überdenken müssen wir auch den Modebegriff «Work-life-Balance», denn Arbeit ist sinnstiftend, gebraucht werden wirkt sich positiv auf unsere Psyche aus. Helfen tut uns dabei die Technologie. Nach über einem Jahr im Home-Office, konnten wir uns von den Vorzügen des Arbeitens aus der Ferne am Computer überzeugen. In einer Hybriden Arbeitswelt entfällt lästiges Pendeln für den klassische Achtstundentag im Büro, indem man die Arbeit organisiert und sich fragt, was kann von wo aus gemacht werden?

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Kreative Lebensläufe
Wir «Alten» sollten uns darauf einstellen, im Laufe unseres Lebens mehrere Berufe auszuüben, immer wieder einmal Phasen der Ausbildung einzuschieben, in denen man die Weichen neu stellen muss. Verlockend ist dies, weil uns doch eigentlich vieles interessiert. Gemäss James Vaupels Untersuchungen steigt die Lebenserwartung seit 180 Jahren um zweieinhalb Jahre pro Jahrzehnt. In Westeuropa wurde erst nach 1800 eine Lebenserwartung von 40 Jahren und nach 1900 eine von 50 Jahren erreicht. Und dies wird das Jahrhundert der Hundertjährigen. Im Moment deutet alles darauf hin, dass sich die maximale Lebenserwartung stetig steigern wird. Der Alterungsprozess erweist sich als plastisch, und es ist gut möglich, dass er durch neue Erkenntnisse in Wissenschaft und Medizin weiter modifizierbar ist. Möglich ist auch, dass sich irgendwann eine Grenze zeigt. Die gute Nachricht ist, dass die Anzahl leichter Beeinträchtigungen zunimmt, während diejenige der schweren Krankheiten abnimmt. Und das letzte Stadium, die kurze Krankheitsphase vor dem Tod, wird weder länger noch kürzer. Gemäss Statistik geht das Risiko an Krebs zu erkranken, nach dem Alter von 75 Jahren zurück.

Optimistische «Alte»
Aus persönlichen Begegnungen erlangte Vaupel den Eindruck, dass «Alte» eher optimistisch sind, als schauten sie eher vorwärts als rückwärts. Er selber glaubt, in den letzten zehn Jahren habe er mehr wegweisende wissenschaftliche Artikel geschrieben als in irgendeinem früheren Jahrzehnt. Die Max-Planck-Gesellschaft in Deutschland zwang ihn jedoch mit 72 aufzuhören, denn normalerweise ist das Rentenalter 65. Von einem Teilzeitpensum wurde ihm abgeraten, da sich die Rente in Deutschland auf der Grundlage des letzten Gehalts berechnet. Diesen Wahnsinn kennen wir in der Schweiz so nicht, doch auch hier bestehen Regelungen, welche ein Weiterarbeiten über das Pensionsalter hinaus verbieten. Da braucht es mehr Flexibilität, auch um die Jüngeren zu entlasten. Kürzere Wochenarbeitszeit und längere Lebensarbeitszeit – das wäre doch für alle ein Gewinn! In Dänemark ist es verboten, jemanden aufgrund seines Alters zu entlassen. Das Rentenalter wird seit Jahren in Halbjahresschritten erhöht, zurzeit liegt es bei 66 und steigt bald auf 66,5. Demnächst wird das Parlament die Regelung erneut anpassen – und zwar auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Lebenserwartung. Die Idee ist die, dass die Bürger bei steigender Lebenserwartung und längerer Lebensarbeitszeit immer 15 Jahre Ruhestand garantiert bekommen. Im Zeitalter der Hundertjährigen müssen wir Lebensläufe neu denken.

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Mit unserer Erfahrung und Engagement aus der analogen Welt sind wir «Alten» gerüstet, im Team zusammen mit dem digitalen Wissen der «jungen Wilden», Prioritäten und Ideen mit Engagement und auf Augenhöhe in Ergebnisse umzusetzen. «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

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