Es gibt kein Zurück
Rückmeldungen auf meine Beiträge zu künstlicher Intelligenz, zeigen teilweise Verunsicherung bis zu genereller Ablehnung. Jemand bemerkt die, für das Trainieren der Programme ausbeuterischen Arbeitsbedingungen der Gig-Worker in Drittwelt Ländern und fragt, ob man nicht durch die Nutzung von KI solche Arbeitsmodelle fördert. Grosskonzerne profitierten von wenig staatlicher Regulierung und würden Sozial- oder Steuerabgaben umgehen. Gibt es noch ein zurück? Wahrscheinlich nicht. Jede Technologie produziert Gewinner und Verlierer. Innovation entsteht nicht durch ihre präventive Regulierung oder mit dem Aufbau finanzieller Hürden. Vergessen geht manchmal auch der unglaubliche Beitrag von Forschung, Wissenschaft und menschlichem Vorstellungsvermögen, bei der Innovation und Produktion von Hardware (Chips), ohne welche die notwendigen Rechenleistungen nie möglich wären. Wie auch die zigtausend neuen Stellen, Berufsfelder und Aufgaben, welche im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz geschaffen werden. Dass wir uns in ungewollte Abhängigkeiten begeben, die schlecht kontrollierbar sind, ist der Vormachtstellung gewisser Konzerne und Regierungen im technologischen Wettbewerb zu verdanken. Die Folgen sind Risiken für unsere Wirtschaft und die Bedrohung unseres Wohlstands.
Die «einzige» Schwachstelle der KI
Rob Toews erklärt in seinem Beitrag auf TEDAI vom October 2023, wie die weltweit wichtigste Spitzentechnologie nahezu vollständig in einer einzigen Anlage hergestellt wird. Darüber hinaus befindet sich diese Einrichtung in einem der geopolitisch angespanntesten Gebiete der Erde, ein Bereich, in dem viele Analysten glauben, dass ein Krieg innerhalb dieses Jahrzehnts unvermeidlich ist. Die Zukunft der künstlichen Intelligenz steht auf dem Spiel. Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company, oder TSMC, stellt die weltweit fortschrittlichsten KI-Chips her. Moderne künstliche Intelligenz wäre einfach nicht möglich ohne diese hochspezialisierten Chips und TSMC ist weltweit die einzige Fabrik dafür. Die Chip-Fertigungsanlagen beziehungsweise «Fabs» von TSMC, also die Gebäude, in denen Chips physisch gebaut werden, liegen an der Westküste Taiwans, nur rund 180 Kilometer vom chinesischen Festland entfernt. Es wäre also verheerend für die Menschheit, die Fähigkeit dieser Produktion zu verlieren, was den Fortschritt in der KI tiefgreifend beeinträchtigen würde. Die Hoffnung, dass sich die Diplomatie durchsetzt ist deshalb gross.

Bild: Creative mind imagination concept art exploding emotions out of head inner thought and dreams
Aufgaben auch für uns «Alte»
Die Aufgabe von generativer künstlicher Intelligenz GenKI besteht nicht darin, Menschen aus dem kreativen Prozess herauszunehmen, sondern sie darin zu verbessern, indem sie alte Annahmen prüft, welche uns einschränken und das Streben nach echter Innovation behindern. «So haben wir es schon immer gemacht» oder «so machen es alle» sollen hinterfragt werden. In ihrem BCG Boston Consulting Group Beitrag vom 6. März 2024, fokussieren Alan Iny, Justin Manly, and Luc de Brabandere auf den Nutzen der GenKI. Dieser liegt offensichtlich vor allem in der Ideengenerierung. Sie kann Organisationen dabei zu helfen, ihre strategischen Annahmen zu hinterfragen, indem GenKI die Perspektive von Aussenstehenden, (fast) frei von menschlichen Vorurteilen einbringt und die Maschine damit ein wertvolles «Mitglied» eines Innovationsteams wird. (Randbemerkung zur aktuellen Situation: Erste Erkenntnisse zur Apple Vision Pro, dem tragbaren Gerät, das unseren Raum mit Apps, Unterhaltung, Fotos, Videos und mehr verwandelt, verweisen auf eine Ära, in der die Art und Weise, wie Menschen, Maschinen und unsere Umwelt miteinander interagieren, neu definiert wird.) Auch wir «Alten» finden dort unsere Aufgabe. Während GenKI auf dem Weg zur Innovation eine erhebliche Hilfe sein kann, bleibt menschliches Wissen unerlässlich – sowohl für die Entwicklung neuer Ideen als auch für deren Verwirklichung. Schliesslich werden Organisationen immer noch von Menschen geführt und besetzt. Kompetenz, Erfahrung und Weisheit sind für die Umsetzung von Strategien essenziell. Wir «Alten» müssen deshalb die Technologie verstehen, unterstützen und uns für sie begeistern. Zusammen sind wir Teil des Innovations- und Kommerzialisierungsprozesses.
Wie wird man zum KI-Experten – die neuen Jobs
«Führungskraft mit Verantwortung für künstliche Intelligenz» sei derzeit der heisseste Job in der amerikanischen Firmenwelt, schrieb kürzlich die «New York Times». KI-Spezialisten sind scheinbar gefragt wie nie. Wer sich mit den Werkzeugen auskennt, kann profitieren, denn viele der benötigten Kenntnisse gibt es in der Form bislang kaum als Angebot auf dem Arbeitsmarkt. Doch manche Jobs könnten ebenso schnell wieder verschwinden. Der Fokus liegt deshalb nicht unbedingt auf Personen, die eine umfassende Ausbildung durchlaufen haben. Im Grundsatz geht es darum, Leute mit der richtigen Einstellung zu engagieren, die gegenüber KI offen und interessiert sind, findet Roman Hirsbrunner, Geschäftsführer der Zürcher Werbeagentur Jung von Matt im Interview mit Nelly Keusch, NZZ vom 25.März 2024. «Wenn man zwei Kandidaturen in der Auswahl hat, wird man sich eher für diejenige entscheiden, die in diesem Bereich hohes Engagement zeigt.» Das trifft auch auf uns «Alte» zu, wo wir dank lebenslangem Lernen, sowie unserer Neugierde und Erfahrung im Business-Bereich, als Bindeglied zwischen Wirtschaft und Technologie dienen können. Um auf der KI-Karrierewelle mitzureiten, muss man auch nicht Programmierer:in sein, denn die echten Spezialisten arbeiten sowieso bei Open AI. Hingegen werde es in fast allen Arbeitsbereichen Fachkräfte brauchen, die mit KI mindestens vertraut seien, sagte der Linkedin-COO Daniel Shapero kürzlich gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Welche Berufe werden bleiben?
Viele hätten inzwischen erkannt, dass die Technologie nicht angetreten sei, um Mitarbeitende zu ersetzen, schreibt Nelly Keusch weiter. «Einige Jobs werden anders aussehen, manche werden verschwinden, aber viele werden auch neu entstehen.» Die Linkedin-Chefökonomin Karin Kimbrough sagte im Gespräch mit der «New York Times» bereits das nahende Ende der KI-Berufe voraus. «KI wird sich durch viele Rollen ziehen und so tief verwurzelt sein, dass die spezifische Berufsbezeichnung KI verschwinden wird.» Und manche der KI-Berufe wie die der Prompt-Ingenieur:innen sind so spezifisch, dass sie durch die rasche Entwicklung der Technologie von selbst abgeschafft werden könnten. In einer Studie zur Frage, wie sich die Antworten von Sprachmodellen am besten optimieren lassen, war das verblüffende Resultat: Die Ergebnisse sind dann am besten, wenn das Sprachmodell aufgefordert wurde, sich selbst eine optimale Aufforderung auszudenken. Die beste KI-Expert:in ist also die KI selbst.
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