Blog, Industrie 4.0

#444 – Technologie bündeln, «Alte» im Vorteil

Komfort oder staatliche Überwachung
In seinem Beitrag mit dem Titel «Hyperkonnektivität: zwischen Komfort und Kontrolle» greift Dr. Gian-Luca Savino, GDI Gottlieb Duttweiler Institute Newsletter vom 23 September 2025, ein wichtiges Thema, auch für uns «Alte», auf. Die wegweisende Entwicklung von Super-Apps in einer hypervernetzten Welt. Wie setzt man die Vorteile künstlicher Intelligenz KI zum Komfort von uns Nutzern ein. Ist es weiterhin sinnvoll, dass jedes Unternehmen seine Angebote auf einer eigenen App anbietet, oder sollten wir nicht eher Dienste bündeln und Partnerschaften eingehen. Technologisch sind Abgrenzungen innerhalb dieser Kooperationen machbar und die gemeinsame Verwaltung spart Kosten. Auf einem Smartphone sind oft über 100 Applikationen installiert. Meist nutzen wir gefühlte 20% und davon täglich nicht mehr als die Hälfte. Für uns «Alte» könnte manches durch den Einsatz von KI mit Hyperkonnektivität vereinfacht werden. Wir haben alle Geschäfte auf einer Plattform im Blick, mit einem einzigen geschützten Zugang. «Super-Apps» stehen für einen Trend, der sich in Europa, wegen dem Datenschutz und weiteren gesetzlichen Hürden nur schwer verwirklichen lässt. Die speziellen Apps bieten ganze Ökosysteme an Funktionen und Diensten. WeChat als etablierte «Alleskönner-App», ist die führende Lösung in China. Ursprünglich ein Messenger-Dienst, hat sie sich zu einer All-in-One-Plattform entwickelt. Nutzer können über WeChat chatten, aber auch praktisch alles andere erledigen, ohne die App verlassen zu müssen – von Telefonaten über Zahlungen und Shopping bis hin zu Routenplanung und Taxibestellung. Sie kann sogar als offizielle digitale Identitätskarte verwendet werden und ist damit ein unverzichtbares Werkzeug im chinesischen Alltag. Die Schattenseite dieser totalen Vernetzung: WeChat unterliegt strenger staatlicher Überwachung.

Bild: GDI Gottlieb Duttweiler Institute, September 2025 (iPhone von Apple)

Monopolstellung oder Gewinn für uns Nutzer
Während Super-Apps in einigen Ländern weltweit boomen, konnten sie sich in Europa bisher nicht durchsetzen. Europa fehlt noch immer die «Alles-App». Gemäss Gian-Luca Savino gibt es dafür viele Gründe. Einer der Hauptfaktoren ist jedoch die starke Marktdurchdringung spezialisierter Lösungen im westlichen App-Markt. Für nahezu jeden Zweck existieren etablierte Apps: Facebook, Instagram und TikTok als soziale Medien, Uber oder SBB für Transport, Lieferdienste für Essen, Netflix für Unterhaltung und Google Maps für Navigation und lokale Suche und so weiter. Gerade für uns «Alte» Konsumenten sind solche Lösungen mühsam, mit vielen individuellen Passwortzugängen und unterschiedlichen Eingabeformaten. Es scheint als hätten wir Europäer die Vorteile weltweiter Vernetzung, das «Internet», nie wirklich verstanden. Zu sehr fokussieren sich Firmen auf «lokale» Eigenentwicklungen, oft kompliziert im Gebrauch. Man traut der Technologie nicht so recht, kann sich mit Blick auf die Konkurrenz schlecht vorstellen, wie eine Super-App für alle Beteiligten von Nutzen sein könnte. Europas strenge Datenschutzbestimmungen, insbesondere die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung in Kraft seit 2018), erschweren die Bündelung grosser Mengen personenbezogener Daten auf einer einzigen Plattform. Grosse digitale Ökosysteme sehen sich schnell kartellrechtlichen Herausforderungen gegenüber, man will die Entstehung von Monopolen verhindern. Dieser Bürokratisierungswahn verkompliziert die Anwendung künstlicher Intelligenz, ohne Gewinn für uns Nutzer.

Das digitale Leben auf einer einzigen Plattform
«Je länger je mehr denke ich, dass wir uns ein Stückweit damit abfinden müssen, in Europa den Anschluss an die Technologie der künstlichen Intelligenz verpasst zu haben», schreibt ein Kontakt auf LinkedIn. Das hat, seiner Meinung nach, vielerlei Ursachen, wie beispielsweise das steigende Durchschnittsalter, die zunehmende Behäbigkeit, die uns die «fetten Jahre» nach dem Ende des kalten Krieges in den 1990ern eingebracht haben, aber auch Zweifel an der Technologie. WhatsApp, Facebook, Instagram und E-Commerce sind allgegenwärtig. Eine All-in-One-App nach dem Vorbild von WeChat ist in Europa jedoch vorerst nicht in Sicht. Letztendlich spielen auch kulturelle Präferenzen eine entscheidende Rolle. Europäische Verbraucher schätzen Wahlmöglichkeiten und Dezentralisierung und bevorzugen es oft, für jeden Zweck eine eigene Spezial-App zu nutzen, anstatt alle Dienste einem einzigen Anbieter anzuvertrauen. Europäer vertrauen beispielsweise weniger darauf, ihr gesamtes digitales Leben auf einer einzigen Plattform zu speichern als Menschen in China.

Neue Strategien für Behörden und Unternehmen
Das heisst aber nicht, dass in Europa keine Super-Apps entwickelt werden. Einige Dienste im Westen erweitern schrittweise ihren Funktionsumfang. Google Maps ist beispielsweise längst weit mehr als nur ein Navigationstool: Es vereint Standortsuche, Restaurantbewertungen, Verkehrsinformationen, Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr und teilweise auch Buchungsfunktionen in einer einzigen App. Grosse Fintech-Apps wie Revolut und Klarna streben die Integration verschiedener Finanzdienstleistungen an, von Bankgeschäften bis hin zu Online-Shopping. Auch Meta möchte eine stärkere Integration zwischen WhatsApp und Google Maps erreichen. Der Wandel hin zu einer stärker vernetzten und digitalisierten Welt ist unaufhaltsam. Komfort und Effizienz sollten für uns Menschen an erster Stelle stehen – sowohl im Umgang mit Unternehmen als auch mit Behörden. Unternehmen und Organisationen müssen deshalb bereit sein, neue digitale Strategien zu verfolgen und etablierte Kommunikations- und Vertriebskanäle zu überdenken. «Alte» im Team mit jungen Entwicklern bringen ihre Erfahrung ein und agieren gleichzeitig als das «soziale Gewissen». «Die Erfahrung von uns «Alten» ist kein Anker in der Vergangenheit, sondern das Steuerrad im Maschinenraum der Zukunft», schreibt Hanspeter Beerli, Zukunfts-Coach und Talentarchitekt, aus dem Kreis der Kompetenten.

Digitale Transformation ohne Vertrauensverlust
Auch ohne eine zentrale Super-App schreitet die Konvergenz digitaler Dienste in allen Lebensbereichen voran. Unternehmen und Behörden müssen diese Entwicklung aufgreifen, indem sie benutzerfreundliche Lösungen anbieten, neue Technologien, wie beispielsweise digitale Zahlungsmethoden, frühzeitig integrieren und den Dialog mit den Nutzern pflegen. Dies ist entscheidend, um in einer hypervernetzten Zukunft nicht den Anschluss zu verlieren. Hyperkonnektivität eröffnet enorme Chancen für effizientere Prozesse und neue Geschäftsmodelle – jedoch nur, wenn ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Komfort und einem gesellschaftlich akzeptierten Mass an Kontrolle gefunden wird. Letztlich hängt die Zukunft des digitalen Fortschritts in Europa davon ab, dass wir technische Innovation untrennbar mit der Übernahme von Verantwortung verbinden. Die digitale Transformation kann dann ihr Versprechen einlösen, unser Leben komfortabler zu gestalten, ohne Vertrauen und Zusammenhalt zu untergraben, schreibt Gian-Luca Savino.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#435 – Einzigartige und kompetente «Alte»

Kompetente «Alte»: Tradition und Transformation gleichermassen verbinden
Die Aufregung um die hohen Zölle für schweizer Exportgüter, zeigt unter Anderem auch eine unserer Eigenheiten. Man wartet erst einmal ab und reagiert dann, meist zu spät, auf die Realität und ärgert sich umso mehr über das Resultat. Ähnliche Zurückhaltung stellt man beim Nutzen von künstlicher Intelligenz in der Digitalisierung fest. Diese wird in vielen Kleinbetrieben zu Unrecht vernachlässigt. In der sich rasant wandelnden Geschäftswelt sind Führungspersönlichkeiten, die Tradition und Transformation gleichermassen verbinden, selten. Kompetente «Alte» in gemischten Teams wären dank ihrem Netzwerk dazu prädestiniert, Lösungen zu Technologie, Nachhaltigkeit und interdisziplinäre Kooperation voranzubringen. Wir «Alten» sind krisenerprobt, haben persönliche Karriereziele meist schon erreicht und beobachten mit neutraler Aussensicht die Konkurrenz. Die Erfahrung hat uns gelehrt, wie KI, Robotik, ESG {das Rahmenwerk zur Bewertung der Nachhaltigkeit und ethischen Praktiken) und neue Geschäftsmodelle eine Branche verändern – und wie sich die Schweiz in dieser Transformation positionieren kann.

Ich bin nicht gegen künstliche Intelligenz, aber sie macht uns faul. Denken ist anstrengend, und man muss sich bewusst dafür entscheiden.
Petra Volpe (55), italienisch-schweizerische Drehbuchautorin und Regisseurin.

Kein Fortschritt ohne Mentalitätswandel
Alternde Infrastrukturen, immer strengere Regulierungen und ein Mangel an qualifizierten Fachkräften bleiben zentrale Hürden im Erneuerungsprozess. Doch die vielleicht entscheidendste Herausforderung ist der Mindset. Viele Beteiligte – von Entscheidungsträgern bis zu den Teams vor Ort – zögern immer noch, digitale Werkzeuge konsequent einzusetzen, neue Prozesse zu adaptieren oder lang etablierte Geschäftsmodelle zu hinterfragen. Diese kulturelle Trägheit bremst den Fortschritt und schmälert den Einfluss von Innovationen. Ohne einen grundlegenden Mentalitätswandel werden selbst modernste Technologien ihr Potenzial nicht voll ausschöpfen. Führungsstärke beweist sich durch Förderung von Offenheit für Veränderungen um alle Stakeholder auf eine gemeinsame Vision der Modernisierung einzuschwören.

Thomas Schütte (70), deutscher Bildhauer und Zeichner: Ich bin nicht allein | Casablanca Filmkunsttheater 2023

Einzigartigkeit als Vorteil
Künstliche Intelligenz wird grundlegend verändern, wie wir Projekte planen, konzipieren und steuern – von der Optimierung der Design-Workflows bis hin zur Vorhersage von möglichen Projektrisiken. In Kombination mit Robotik und Automatisierung kann KI helfen, den Fachkräftemangel zu überbrücken. Der Einsatz neuer Materialien, die aktiv zur Erreichung von Klimazielen beitragen, hilft Unternehmen, welche diese Innovationen strategisch integrieren und nicht nur regulatorische Anforderungen erfüllen, einen klaren Wettbewerbsvorteil zu sichern. Echte Transformation beginnt nicht mit Software, sondern mit Vision, Neugier und dem Mut, das Mögliche neu zu denken. Als kleines Land müssen wir die Einzigartigkeit unserer Erzeugnisse zum Vorteil weiter entwickeln. Wir «Alten» müssen bestrebt sein, die Brücke zwischen Technologie und Menschen zu schlagen und Innovation in greifbaren Mehrwert übersetzen. Um Innovationen zu fördern, müssen Organisationssilos aufgebrochen werden. Unternehmen, die Talententwicklung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und agile Innovation verbinden, werden im nächsten Jahrzehnt die Nase vorn haben. Entscheidend ist nicht das Alter der Mitglieder in gemischten Teams, sondern der Wille zum lebenslangen Lernen und eine unermüdliche Neugier. KI und Robotik werden menschliche Intelligenz oder Kreativität nicht ersetzen. Aber sie werden diejenigen stärken, die bereit sind, sich anzupassen, zu lernen und zu führen.
(Adaptiert aus dem Beitrag von Stefan Cadosch (61) unter dem Titel «Innovation an der Schnittstelle von Ingenieurwesen, Architektur und Technologie vorantreiben» auf Innoqube Insights vom August 2025.)

Aus der Praxis: Wer auffindbar ist, gewinnt
Der Beitrag von Jürg Zulliger, NZZ vom 4. August 2025, hat es in sich. Unter dem Titel: «Homegate, Immoscout24 und Co. unter Druck: Künstliche Intelligenz verändert die Wohnungssuche in der Schweiz» verweist er auf die schweizerische Eigenart: Abwarten und sehen was passiert. Die Immobilienportale wie Homegate und Immoscout24 verzeichnen gemäss dem Digitalisierungsexperten Heinz Schwyter und dem Analyse-Tool Similarweb rückläufige Besucherzahlen. Wie Zulliger weiss, beginnt für viele Menschen die Immobiliensuche heute nicht mehr auf Homegate oder Immoscout24 – sondern mit einem Chatbot. Wer sich von Systemen wie ChatGPT oder Perplexity unterstützen lässt, erhält nicht bloss eine Liste von Inseraten, sondern auch eine vorgefilterte Auswahl: eine 3-Zimmer-Wohnung in Zürich Nord, unter 2000 Franken Miete, mit Balkon? Der CEO Rainer Jöhl von Remax, mit 250 Maklern in der ganzen Schweiz, spricht von einer «fundamentalen Veränderung»: Junge Menschen suchten immer häufiger mit Sprachmodellen. Statt sich durch eine Vielzahl von Websites zu klicken, schauen sich viele Nutzer zuerst die von ChatGPT, Gemini oder Perplexity generierte KI-Übersicht an.

Abschottung zahlt sich nicht aus
«Wenn KI-Systeme künftig direkt auf die Websites von Maklern und Bewirtschaftern zugreifen, müssen diese ihre Angebote entsprechend gestalten und aktuell verfügbar halten», sagt Jan Eckert, CEO des Immobiliendienstleisters JLL Schweiz. Es sei gut möglich, dass ChatGPT oder andere KI-gestützte Systeme künftig die Rolle klassischer Immobilienplattformen übernähmen. Obwohl sich die Technologie rasant weiter entwickelt, halten viele Vermarkter an den bekannten Portalen fest. Man wartet ab und zweifelt, bis es dann doch zu spät ist. Obwohl Inhalte oft innerhalb weniger Stunden anderswo kostenlos erscheinen, versteckt sich auch die Online-Presse zunehmend hinter Log-ins und erhofft sich damit einen Schutz vor «unbezahlten» Zugriffen. Damit wird die KI vermehrt auf offene Quellen und Direktangebote von Maklern ausweichen, welche ihre gut strukturierten und für KI lesbare Darstellungen der Immobilienangebote auf der eigenen Website pflegen. «Die Nutzer lernen schnell», sagt Jan Eckert. «Wenn sich das Verhalten ändert, wird auch die Rolle der Plattformen neu definiert. Die Branche steht mitten in dieser Transformation.»

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