Früher war alles besser
«Die verzagte Generation: Früher war alles besser, sagen heute nicht mehr die «Alten» – sondern das denken insgeheim die Jungen» Nach den Klimastreiks und Corona ist es ruhig geworden um die junge Generation. Von der Politik wird sie derweil immer deutlicher benachteiligt, zugunsten der Babyboomer. Was für Auswirkungen hat das auf die Weltsicht junger Menschen? Davon handelt der Beitrag von Patrizia Messmer und Alain Zucker, NZZ am Sonntag vom 6. September 2025. Wir «Alten» (Babyboomer) haben Glück gehabt. In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg ging es wirtschaftlich und finanziell für die meisten von uns nur aufwärts. Wir konnten von unseren Eltern ein Vermögen erben und leben in sicheren Verhältnissen. Das Thema, dass Babyboomer nur auf sich selbst schauen – und Politik für die Alten machen, treibt die Jungen um. Es reicht von den Corona-Massnahmen bis zur 13. AHV-Rente, von der Abschaffung des Eigenmietwertes für Hauseigentümer bis zum Versuch, die Renten für Ehepaare zu erhöhen. Sie sehen, wo die Prioritäten liegen – sicher nicht bei ihnen. Statt des Klimas werden die Renten geschützt, dass Politiker das Wort «Generationengerechtigkeit» in den Mund nehmen, während sie den Jungen immer mehr Lasten aufbürden, halten viele nur noch für zynisch. Spricht man mit ihnen über ihren Frust, schwingt da auch immer eine Prise Eifersucht auf die Boomer mit, auf eine Zeit, die man selbst nie erlebt hat, aber von den Eltern und Grosseltern kennt. Es gibt unter den Jungen einen gewissen Neid auf die Stabilität, die die Boomer erlebt haben. Die Karriere war planbar, das Leben angenehm, gerade für die Männer, die nach Feierabend die Beine hochlagern konnten.

Glück braucht harte Arbeit
«Glück ist kein Zufall, sondern harte Arbeit. Das Gute ist: Es gebe Regeln dafür, sagt ein weltweit führender Forscher» im Interview mit Nicole Althaus, NZZ am Sonntag vom 21. Juni 2025. Jeder Lebensabschnitt habe sein eigenes Rezept, sagt der Harvardprofessor und Sozialwissenschafter Arthur C. Brooks (61). Er weiss das. Nicht zuletzt, weil er selber lange unglücklich war. Er will Menschen inspirieren, nicht desillusionieren. Also kein Sarkasmus, kein Klagen über den Zustand der Welt, sondern Dinge machen die unsere Neugierde befriedigt oder uns herausfordert. Brooks ist sich durchaus bewusst, dass man sich das leisten können muss. Das Engagement für etwas jenseits des eigenen Bauchnabels macht jedoch glücklich. Wir «Alten» wissen aus Erfahrung, dass Glück eine Fähigkeit ist, in die man investieren muss. Die Jungen sind da besonders gefordert, in unserer Kultur, welche die Befindlichkeit ins Zentrum stellt. Langweile wird mit dem Smartphone oder Netflix ausgemerzt. Frust mit Shopping aus der Welt geschafft. Es ist heute sehr einfach geworden, jedes Bedürfnis sofort zu befriedigen. Jeder Kränkung aus dem Weg zu gehen. Glück aber gibt’s nicht schnell, schnell, schnell. Arthur C. Brooks erwähnt, basierend auf derzeit gültigen Forschungsdaten, wie Langeweile beziehungsweise Zeit, die nicht mit Ablenkung gefüllt ist, im Hirn das «default mode network» aktiviert, das es für den inneren Denkprozess und die Reflexion über Sinnfragen braucht. Sie sind wichtig. Denn im Unterschied zum Tier realisiert der Mensch eben auch, dass andere schöner, klüger, schneller sind und alles vergänglich ist. Das ist schmerzhaft, aber urmenschlich und braucht keinen Psychiater.
Glückliche «Alte» in der Zeit des Seins
Brooks rät seinen Studierenden, wenigstens einmal am Tag das Handy für ein, zwei Stunden zu Hause zu lassen, spazieren zu gehen und über eine wichtige Frage nachzudenken. Er rät jungen Menschen, Nächte durchzutanzen, tagelang mit Freunden zu philosophieren, sich zu verlieben, Körbe zu bekommen, vor Liebeskummer zu heulen wie ein Schlosshund, zu leben und zu leiden statt auf einer App auf ein Match zu warten, das auf ein paar ähnlich beantworteten Fragen und dem Äusseren beruht. Das Geheimnis vorab in der zweiten Lebenshälfte heisst Sein, nicht Machen, denn das englische Wort für Mensch ist «human being», nicht «human doing». Die Forschung zeigt: Mit etwa 39 erreicht die fluide Intelligenz ihren Höhepunkt, von da an geht’s abwärts. Geistig und körperlich. Das gilt es zu akzeptieren. Im Schatten der fluiden Intelligenzkurve baut sich jedoch die zweite, die kristalline Intelligenz langsam auf und nimmt bis Ende 50 stetig zu. Sie beruht auf Wissen, Erfahrung und dem Erkennen von Strukturen. Diese Form der Intelligenz passt besser zu uns «Alten», als zum dynamischen Unternehmer. Wir springen von der ehrgeizigen Ich-Kurve zur zwischenmenschlich orientierten Wir-Kurve. Wir können innerhalb unseres Jobs den Fokus wechseln, den jüngeren Kolleg:innen ein Mentor oder eine Mentorin sein. Diese zweite Intelligenzkurve macht glücklicher. Es ist die Zeit des Seins, des Nicht-mehr-alles-Müssens. Und es ist die Zeit der Ernte. Nur zu wissen, wie man glücklich wird, reicht eben nicht. Man muss sein Leben strategisch und konsequent danach ausrichten. Immer wieder neu.
Sich selbst als Marke positionieren
Auf LinkedIn, 3. September 2025, präsentierte Daniel Ruf, Karrierestrategien für Leaders & Executives, seine Einschätzung zum aktuellen Arbeitsmarkt. Unter dem Titel: «Schluss mit der Schokoladenseite des Arbeitsmarktes – es wird wieder härter» beschrieb er wie in den letzten Monaten die Bewerberzahlen rapide ansteigen. Während vor 12 bis 18 Monaten Unternehmen um Talente kämpften und überall die Rede von «Fachkräftemangel» war, hat sich das Blatt gewendet. Die Karten werden neu gemischt. Die Unsicherheit in der Wirtschaft spiegelt sich in der Dynamik des Arbeitsmarktes wider. Unternehmen haben plötzlich die Qual der Wahl, während Kandidat:innen sich intensiver beweisen müssen. Zwar besteht immer noch ein Fachkräftemangel, aber die Spielregeln bei der Stellensuche ändern sich schneller als viele dachten. Jetzt ist die Zeit, seine Strategie zu schärfen. Um die gewünschte Stelle zu erhalten, braucht es einen Lebenslauf der seine Stärken klar kommuniziert. Eine Erzählung, die im Kopf bleibt. Und eine Positionierung, die sich von der Masse abhebt. Ohne das wird es schwer. Denn wenn die Bewerberzahlen steigen, setzen sich am Ende nur diejenigen durch, die wissen, wie man sich als Marke präsentiert. Da ist es wichtig, seinen Wert zu kennen und sich selber gegenüber ehrlich zu sein. Eine Portion Glück gehört ohnehin dazu.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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