Blog, Industrie 4.0

#404 – GROSS denken, «Alte» machen es vor

Zusammenarbeit im intelligenten Zeitalter
Vom 20.–24. Januar 2025 fand in Davos das 55. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums statt. Unter dem Titel «Zusammenarbeit für das intelligente Zeitalter» eröffnete Klaus Schwab (76), Gründer des WEF, den Anlass. Auf meine Frage an die KI «Claude», ob viele «Alte» am Event teilnahmen, antwortete diese folgendermassen: «Mehrere namhafte ältere politische und wirtschaftliche Führungspersönlichkeiten über 65 nahmen teil. Angesichts des zukunftsorientierten Charakters des WEF bringen ältere Teilnehmer oft eine kritische Perspektive auf langfristige globale Herausforderungen ein und nutzen dabei jahrzehntelange Expertise und institutionelles Wissen». Einer der ältesten und gleichzeitig der wichtigste Staatschef, Donald Trump (78), wurde am 23. Januar per Video zugeschaltet. Die erfahrenen globalen Vordenker diskutierten über Themen wie die Reaktion auf geopolitische Schocks, die Stimulierung des Wachstums zur Verbesserung des Lebensstandards und die Förderung einer gerechten und integrativen Energiewende. Allgegenwärtig waren die Branchen mit einem Bezug zum intelligenten Zeitalter und dem technologischen Wandel. Obwohl nicht explizit erwähnt, dominierte die künstliche Intelligenz KI eine Vielzahl von Gesprächen. Dabei waren auch Verunsicherungen zu spüren.

Wir müssen in Europa endlich beginnen, wieder gross zu denken
Wir «Alten» erinnern uns noch an Europas einmalige Stärken, denn wir haben mitgeholfen diese bis vor die Jahrtausendwende aufzubauen. Die Bankenkrise von 2008 und die Corona-Pandemie im 2020 waren weltweite Zäsuren, die bis heute nachwirken. Aktuell müssen wir zusehen, wie uns die «neue Welt» technologisch überholt und neue Massstäbe setzt. Als Mentoren, Sparringspartner oder Coaches sind wir «Alten» deshalb gefordert, unsere Erfahrung im Wertschöpfungspotenzial für traditionelle KMUs einfliessen zu lassen. Als Europäer müssen wir endlich beginnen, wieder gross zu denken, findet Jeannette zu Fürstenberg (42), deutsche Risikokapitalgeberin, im Gastkommentar der NZZ vom 22. Januar 2025. Und so lautet denn zu Fürstenbergs zentrale These: «Ich glaube, dass wir in Europa vor der historisch einmaligen Chance stehen, technologisch aufzuholen. Bis zum Jahr 2040 kann es uns gelingen, mit drei Unternehmen in die Liga der zehn weltweit grössten Technologiekonzerne vorzustossen. Dies könnte in einer wirtschaftlichen Renaissance Europas münden. Für diese europäische Renaissance müssen wir unsere Geisteshaltung ändern. Der Ton, der seit Jahren die öffentliche Debatte beherrscht, ist der der Resignation. In ganz Europa trauen wir uns das Denken in grossen Dimensionen nicht mehr zu. Wer gross denkt, wird nicht selten als Illusionisten abgetan, als Weltfremde welche die Realität nicht akzeptieren wollen.»

Neue Beschäftigungsfelder
Die künstliche Intelligenz ist anders als die ihr vorangegangene Welle der Digitalisierung keine disruptive, sondern eine transformative Technologie. Sie wird Unternehmen nicht vom Markt fegen, sondern ihnen in ganz andere Dimensionen der Wertschöpfung helfen. Das Ergebnis wird ein Wiederaufleben nachhaltigen Wirtschaftswachstums sein, mit sehr vielen Beschäftigungsmöglichkeiten. Mit dem Aufstieg der Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley und später dann mit der atemberaubenden technologischen Aufholjagd der Volksrepublik China, scheint eine in Europa weitverbreitete Verminderung des Selbstwertgefühls einherzugehen, die, wenn wir sie nicht bekämpfen, schwerwiegende Folgen haben wird. Die grossen Techkonzerne aus den USA geniessen weitreichende Freiheiten in der Weiterentwicklung ihrer Konzepte, während Europa jeden Fortschritt durch Überregulierung im Keim erstickt. Wir haben diesen Konzernen wenig entgegenzusetzen. Unternehmen werden vermehrt dazu veranlasst, sich nach Standorten in anderen Teilen der Welt umzuschauen, wo die Veränderungsdynamik grösser und vielversprechender ist. Junge Leute sind gezwungen, ihr Heimatland zu verlassen und anderswo auf der Welt, am ehesten in Kalifornien in der Bay Area und im Silicon Valley, ihr Glück zu suchen. Mich hat es Anfang der 1970er Jahre wegen beengenden Möglichkeiten als Architekt in der Schweiz nach London und wenig später für viele Jahre nach Los Angeles gezogen.

New Horizons in Artificial Intelligence: Dubverse AI, Google and Levi AI DAPP.EXPERT 2022

Chancen und Risiken von künstlicher Intelligenz KI
«KI: eine Bedrohung für die Mittelmässigkeit», ein Beitrag von Carl Benedikt Frey, 10. Dezember 2024, als Vorankündigung zum European Trend Day des GDI am 12. März 2025. Carl Benedikt Frey ist ein schwedisch-deutscher Ökonom, Wirtschaftshistoriker und Buchautor, sowie ausserordentlicher Professor für KI und Arbeit am Oxford Internet Institute, UK. Er sagt, wie KI-Lösungen, beispielsweise ChatGPT oder Midjourney, für hochtalentierte kreative Köpfe und Leistungsträger in Kommunikationsberufen ein Segen sind und gibt Einblicke in weitere Gewinner – und Verlierer – der Integration von KI in unseren Arbeitsalltag. Wegen der wiederholten Halluzinationen sind die Einsatzmöglichkeiten von KI in wissensbasierten Berufen vorläufig noch drastisch reduziert. In der realen Welt wird KI vor allem dort eingesetzt, wo Fehler toleriert werden können, beispielsweise im Kundendienst oder im Lager.

Der Durchschnitt kommt unter Druck
Im Gegensatz zur realen, sind die Einsatzmöglichkeiten in der digitalen Welt jedoch weitaus grösser – denn fast jede Arbeit, die online erledigt werden kann, kann theoretisch auch von KI übernommen werden. Seit Jahren wird das Ziel verfolgt, Prozesse zu standardisieren, im Namen der Effizienz und Qualitätssicherung. So haben wir die Grundlage dafür geschaffen, dass KI viele Prozesse unterstützen oder übernehmen kann. Generative KI-Systeme sind gut darin, bestehende Musik oder Texte neu zu mischen und aufzubereiten, völlig neue Werke schaffen kann sie jedoch (noch) nicht. KI kann Variationen, Fortsetzungen und Iterationen von vorhandenem Material erstellen, aber ohne ein Modell, auf dem die Arbeit basieren kann, kann sie nichts Neues hervorbringen – eine Leistung, die nur wenige kreative menschliche Köpfe vollbringen können. Gemäss Carl Benedikt Frey werden hochtalentierte Menschen in der Kreativbranche (oder in der Politik) zu unersetzlichen Superstars, während diejenigen im Mittelfeld unter Druck durch KI geraten könnten.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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