Wenn «Alte» uns «Alten» schaden
Die Plattform «kompetenz60plus.ch» sollte nicht politisiert werden. Es geht schlussendlich darum, die Erfahrung von uns «Alten» im Team mit jüngeren Generationen, auch im Hinblick auf den technologischen Wandel, greifbar zu machen. Entgegen den weit verbreiteten Vorurteilen gegenüber dem Alter stehen viele von uns noch mit beiden Beinen im Leben und sind dank guter Gesundheit weiterhin gefragte Partner. Wenn es jedoch um das höchste Amt in der grössten Volkswirtschaft der Welt geht, ist eine differenziertere «Altersbetrachtung» angezeigt. Jürg Acklin (79), in Küsnacht am Zürichsee geboren, ist Schriftsteller und Psychoanalytiker, trotz seinem Alter immer noch mit eigener Praxis in Zürich. Unter dem Titel «An Joe Biden sieht man, wie schnell der mächtige alte weisse Mann zum ohnmächtigen alten Männlein wird» äussert er sich im Gespräch mit Birgit Schmid, NZZ Feuilleton vom 6. Juli 2024 zu Joe Bidens Gesundheitszustand. Joe Biden (81) ist eine tragische Figur, gestützt von seiner Ehefrau Jill Biden, der die Stellung als First Lady, deren Privilegien und die Macht zu gefallen scheinen.
Biden schadet mit seiner Störrigkeit dem Bild von uns «Alten»
Alter per se ist kein Nachteil, auch Erfahrung ist wertvoll. Konrad Adenauer war bis im Alter von 87 Jahren deutscher Bundeskanzler. Man nannte ihn «den Alten». Aber es war eine andere Zeit. Jetzt haben Politiker einen anderen Taktfahrplan. Ein amerikanischer Präsident wird rund um die Uhr von den Medien ausgeleuchtet. Jede zittrige Hand wird gesehen. Man kann die Öffentlichkeit nicht mehr täuschen. Das Ansehen von uns «Alten» sinkt schon länger, unsere Erfahrung wurde früher höher geschätzt. In unserer schnelllebigen Zeit, in der wir schon am Billettautomaten überfordert sind und mit der technologischen Entwicklung nicht mehr mithalten, werden wir abgehängt. Dabei gehört das Altwerden zum Menschen. Es bringt ja auch Vorteile. Man muss sich nichts mehr beweisen, ist unabhängiger. Doch heute ist das Alter ein Gebrechen. Deshalb müssen die Leute mit 70 noch auf Berge rennen, sie klammern sich an ihren Beruf oder lassen sich chirurgisch zum Schreckgespenst verjüngen. Sie sehen die Realität nicht mehr und hängen der Illusion nach, sie lebten ewig. Hinter alldem steht die Angst vor einem Bedeutungsverlust, sagt Acklin.

Bild: NZZ, Mark Vergari / Imago
Mit KI zu mehr Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit
Die Wissenschaft arbeitet in Forschungsprojekten seit Jahrzehnten an unserer Langlebigkeit. Mit den Fortschritten auf dem Gebiet von künstlicher Intelligenz, Robotik und Miniaturisierung, eröffnen sich neue Möglichkeiten diesem Ziel etwas näher zu kommen. Am 16. April 2024 präsentierten Alex Luebke und Vivek Kumbhari im TED Talk in Vancouver, BC (9:02), ihre Forschungsergebnisse zum Thema: «How you could see inside your body — with a micro-robot» (wie Sie mit einem Mikroroboter in Ihren Körper hineinsehen könnten). Alex Luebke, der über einen Hintergrund in Luft- und Raumfahrt verfügt, hat mehr als zehn kommerzielle und staatliche Satelliten in die Umlaufbahn gebracht. Als Leiter eines Startups im Silicon Valley wendet er seine Aufmerksamkeit nun mit Endiatx vom Kosmos auf die Mikrowelt, einem Unternehmen, das sich zum Ziel gesetzt hat, Mikrorobotik in den menschlichen Körper zu bringen, um bei der Früherkennung von Krankheiten zu helfen. Vivek Kumbhari M.B.Ch.B., Ph.D., ist seit kurzem Professor für Medizin und Vorsitzender der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie an der Mayo Clinic Florida. Zuvor war er Direktor für Endoskopie und bariatrische Endoskopie sowie ausserordentlicher Professor für Medizin an der medizinischen Fakultät der Johns Hopkins University. Soviel zu den beiden Referenten.
PillBot, die intelligente Pille
Alex Luebke ladet im Videobeitrag zu einer fantastischen Reise durch das Innere des menschlichen Körpers ein. Denn In jedem von uns stecken Geheimnisse und Wunder, deren Entschlüsselung zu besserer Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit führen. Seit Beginn der Neuzeit war die einzige Möglichkeit, wirklich hineinzuschauen, die Durchführung von rudimentären Operationen. In den letzten 150 Jahren haben wir dazu grossartige Technologien entwickelt, die es uns ermöglichen, von aussen hinein zu blicken, wie Röntgenstrahlen und Magnetresonanztomografie. Heute arbeitet Luebke an einer Methode, mittels Mikrorobotik das Innere des menschlichen Körpers zu untersuchen und entwickelte dazu den PillBot, ein «Teil» von der Grösse einer Multivitaminkapsel, die man schluckt. PillBot ist ein kleiner, kabelloser Roboter, der ferngesteuert wird und in einem mit Wasser gefüllten menschlichen Magen in drei Dimensionen umherschwimmt. Dieser Roboter besitzt Dinge, die man von einem Roboter erwarten würde. Er hat eine Kamera, sodass wir ein Live-Video sehen. Er hat Steuerschaltkreise. Er hat LED-Leuchten, weil es im menschlichen Körper ziemlich dunkel ist. Er hat eine drahtlose Datenverbindung und eine Batterie. Er bewegt sich mit drei Pumpjet-Triebwerken, die Wasser in sechs verschiedene Richtungen spritzen und es dem Piloten ermöglichen, im Wasservolumen des Magens herumzutauchen.

Die Entmaterialisierung des Spitals
Vivek Kumbhari erklärt wie eine Endoskopie traditionell funktioniert. Unter Narkose wird ein langer Schlauch mit einer Kamera an der Spitze durch den Mund in den Magen eingeführt. Ein relativ invasiver und teurer Eingriff. Mittels PillBot würde das physische Spital automatisch entmaterialisiert. Zur Steuerung der Kapsel verwendet er einen Gamecontroller. Möglich ist auch die Steuerung mittels Tablet oder einem Smartphone. PillBot gelangt in nur wenigen Sekunden in den Magen und liefert sehr ähnliche Ansichten wie beim Verfahren mit einem herkömmlichen Endoskop, nur Orts- und Zeitunabhängig. Mittels einem Augmented-Reality-Headset zur 3D-Visualisierung des Magens und künstlicher Intelligenz zur Erkennung und Charakterisierung von Anomalien könnte diese Erfahrung noch verbessert werden. Bei Unregelmässigkeiten besteht die Möglichkeit den Patient:innen in Echtzeit alles zu zeigen und mit ihnen den Gesundheitszustand zu diskutieren um sie therapietoleranter zu machen. Im Anschluss verlässt PillBot den Körper auf natürlichem Weg, ohne Nebenwirkungen für die Patient:innen.
Lebensverlängernde Medizin der Zukunft dank KI
In Zukunft werden wir auf diese Art auch innere Bilder von Herz oder Gehirn mit speziellen Robotern generieren können. Das wird die Diagnose und Behandlung durch die Ärzt:innen vereinfachen und uns Zugang zu einer riesigen Menge an Informationen zum trainieren der künstlichen Intelligenz KI verschaffen. Mit ihrer Hilfe werden wir in der Lage sein, eine ganze Reihe verschiedener Funktionen zu automatisieren, von der Leistungsverbesserung der Roboter selbst bis hin zur autonomen Steuerung. Mit dem Anbringen von verschiedenen Werkzeugen, wie schneiden und kauterisieren (verschliessen) oder Medikamente injizieren, erhalten wir schlussendlich Pillenchirurg:innen. Und natürlich können Cluster dieser Roboter im Gleichschritt zusammenarbeiten, um komplexe Verfahren im menschlichen Körper durchzuführen. Wir besitzen heute schon die Technologie, welche es uns ermöglicht, Roboter im Nanomassstab herzustellen, um diese überall im menschlichen Körper einsetzen zu können, sogar im menschlichen Gehirn. PillBot wird aktuell in klinischen Tests angewendet, doch bis er auf dem Markt verfügbar ist, werden noch ein paar Jahre vergehen.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

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