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#391 – KI und das Vertrauen in uns «Alte»

Antworten statt Suchen
Viele Menschen sind überfordert – oder schlicht zu faul –, wenn sie im Internet nach der Quelle suchen sollen, die sie brauchen. Die meisten googeln und klicken dann gar nicht mehr auf die Links, die ihnen ausgespielt werden. Zu gross ist die Auswahl, zu gross die mögliche Verwirrung. Wie einfach wäre es da, jemanden zu haben, der einem nicht nur Informationen auflistet, sondern auch noch sagt, welche Quellen diejenigen sind, denen man trauen kann? Und diese dann gleich noch zusammenfasst? Malin Hunziker, Volontärin im Ressort Wirtschaft, schreibt in der NZZ Ausgabe vom 18. Oktober 2024, unter dem Titel «Naht das Ende des Internets, wie wir es kennen? Die umstrittene KI-Suchmaschine Perplexity will Google ersetzen» über eine KI-Plattform, die genau das macht. Es geht um eine neue KI-Anwendung, die zurzeit besonders schnell wächst. 500 Millionen Suchanfragen hatte sie letztes Jahr. Diesen Juli, in nur einem Monat, waren es bereits 250 Millionen. Auch Jensen Huang, CEO des KI-Chip-Herstellers Nvidia, des derzeit wertvollsten Unternehmens der Welt, sagt, er nutze Perplexity fast täglich. Im Gegensatz zur klassischen Suchmaschine, bietet Perplexity eine «Antwortmaschine», mit welcher ihr CEO Aravind Srinivas (30), den Platzhirsch Google herausfordern will. Srinivas war 2020 Praktikant bei Google, in der Forschung für maschinelles Lernen und hatte zusammen mit zwei Mitbegründern die Idee dafür, drei Monate bevor ChatGPT auf den Markt kam.

Das Wettrennen um die intelligente Internetsuche
Perplexity verbindet gemäss Malin Hunziker zwei Sachen, einen Suchmaschinenalgorithmus, wie Google ihn nutzt, und generative KI in Form eines Chatbots, der mit Menschen interagieren kann. Stellt man bei Perplexity eine Suchanfrage, startet das System via Algorithmus eine Suche im Netz. Es sucht die wichtigsten Quellen heraus, und ein Chatbot fasst automatisch deren Informationen verständlich zusammen. Diese zusammenfassende Websuche nennt sich im Fachjargon «Retrieval-Augmented Generation». Sie gewinnt an Bedeutung dank der Bequemlichkeit von Nutzerinnen und Nutzer, weil ihnen der Schritt des «Kuratierens der Quellen» abgenommen wird. Die Art und Weise wie wir im Internet Informationen suchen, wird sich immer mehr verändern. Es scheint als hätte Perplexity den Nerv der Zeit getroffen. Es gibt aber auch Vorwürfe gegen das Unternehmen, die es in sich haben: illegales Umgehen von Paywalls oder das Zusammensuchen von Informationen aus Metadaten. Insofern ist, was Perplexity macht, noch nichts Neues, ausser Chatbot und Suchmaschine innovativ und benutzerfreundlich zusammenfügen.

City of London, 1951: Robert Frank (1924 – 2019), schweizerisch-amerikanischer Fotograf, Filmregisseur, Kameramann und Filmemacher. Bild: National Gallery of Art, Washington, Robert Frank Collection, Purchased as a Gift of The Howard Gilman Foundation

Zukunft hat Herkunft: «Alte» geniessen das Vertrauen
Kritiker zweifeln generell an der Glaubwürdigkeit von Perplexity, weil die Antwortmaschine illegal oder heimlich Webseiten absucht und Bezahlschranken missachtet. Manchmal scheine es auch Informationen von Webseiten zusammenzufassen, ohne diese wirklich besucht zu haben. CEO Aravind Srinivas verkündete Anfang Oktober in einem Technologiepodcast: Die ultimative KI-Anwendung sei eine, die nicht nur die Antwort wisse, sondern gleich auch noch die Frage, welche die Nutzenden stellen sollten. Gemäss Malin Hunziker eröffnet sich damit ein ganz grundlegendes Problem. Wenn KI-Anwendungen wie Perplexity vorgeben, welche Fragen wir stellen, welche Informationen wir konsumieren, welche Quellen relevant sind und welche nicht – dann werden sie zu Gatekeepern (Zugangsüberwachern), die entscheiden, was wir wissen. Solche Diskussionen zeigen die Schwierigkeiten, mit denen wir aktuell konfrontiert sind. Uns «Alten» kommt meiner Meinung nach die aktive Auseinandersetzung mit solchen Fragen zu. Wir haben den Erfahrungsschatz aus unserer Vergangenheit, wir haben mitgeholfen bei den Inhalten die seit der Verbreitung des Internets für alle zugänglich gemacht werden. Die Generation, welche noch ohne Internet aufgewachsen ist, kann sich an vieles Erinnern und den Link zum heutigen Wissen herstellen. Denn es wird immer schwieriger, zu überprüfen, welchen Informationen wir online überhaupt vertrauen können. Je älter man wird, desto besser kann man über die Zukunft nachdenken, auch wenn man nicht mehr so viel Zukunft vor sich hat. Man hat einen grösseren Erfahrungsschatz.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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