Weniger Regulierung und Staat
Im Beitrag von Marie-Astrid Langer (40) in der NZZ vom 24. Juli 2025 mit dem Titel «Mehr Investitionen, weniger Regulierung und schon gar keine Wokeness: Amerikas neue KI-Strategie ist der wahr gewordene Traum des Silicon Valley» beschreibt die Autorin, wie mittelfristig mehr Investitionen, weniger Regulierung und staatliche Unterstützung auf jeder Ebene, die Zurückhaltung der früheren Administration gegenüber der neuen Technologie beenden soll. Donald Trump (79), gerade einmal sechs Monate im Amt, hat eine lange erwartete Reihe von Massnahmen und Exekutivverordnungen vorgestellt, welche den USA die Führerschaft in künstlicher Intelligenz garantieren sollen. Zusammengenommen sichern sie Amerikas KI-Sektor einen massiven Ausbau von Infrastruktur und Staatsunterstützung zu, bei einem gleichzeitigen Abbau von Regulierungen und Umweltauflagen. Michael Kratsios (38), früherer Strategiechef der KI-Firma Scale AI, ist der Technologieberater des Präsidenten. Das Herz des Vorhabens ist der «KI-Aktionsplan», ein (nur) 28-seitiges Dokument, gemäss dem die künftige KI-Strategie Washingtons auf drei Säulen steht: einer Beschleunigung von KI-Innovationen, einem Ausbau der inländischen KI-Infrastruktur und einer weltweiten Führerschaft von KI «made in USA». Die Regierung übernimmt im Aktionsplan auch die Argumente von KI-Firmen wie Meta und Open AI, dass die USA im Wettrennen gegen China zurückfallen würden, wenn Regulierungen nicht reduziert werden.
1,5 Billionen Dollar an Investitionen
Wie Washington diese Ziele erreichen kann, wird anhand von 30 konkreten Handlungsanweisungen ausgeführt: etwa eine bessere Ausbildung von Fachkräften, eine beschleunigte Integration von KI im Staatsapparat oder Verbesserungen in den Lieferketten, um Roboter künftig in den USA produzieren lassen zu können, schreibt Langer. Auch der Export von KI-Chips soll begünstigt werden. Gleichzeitig müssen KI-Modelle künftig frei von «ideologischem Bias» (Voreingenommenheit) oder «woke» (Bewusstsein für soziale und politische Ungerechtigkeiten, insbesondere im Zusammenhang mit Rasse und Diskriminierung) sein. Das bedeutet konkret auch, dass sie nicht die sogenannte «critical race theory» (kritische Rassentheorie) vertreten dürfen – eine Theorie, die unter anderem strukturellen Rassismus in der Gesellschaft anprangert. Getreu der «America first»-Doktrin haben amerikanische Tech-Konzerne in den vergangenen Monaten dafür mehr als 1,5 Billionen Dollar an Investitionen in den USA in Aussicht gestellt.

Künstliche Intelligenz: Der Swiss-Finish
Im Beitrag von Hanna Muralt Müller (78), vom 18. Juli 2025 im Online-Portal Infosperber, der Schweizerischen Stiftung zur Förderung unabhängiger Information, plädiert die Autorin für den Sonderfall Schweiz/EU, als «sauberes» Gegenmodell zu den Entwicklungen aus den USA. In ihrer Funktion als Vizekanzlerin im Bundeshaus von 1991 bis 2005 leitete Hanna Muralt Müller verschiedene Digitalisierungsprojekte. Nach der Pensionierung engagierte sie sich ehrenamtlich für die Digitalisierung im Bildungsbereich. Heute analysiert Muralt Müller Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz in ihren Newslettern. Unter dem Titel «ETH: Ein Sprachmodell im Dienste der Gesellschaft © ETH/KI-generiert» schreibt die Autorin über das Open-Source-Sprachmodell LLM basierend auf der Swiss AI Initiative der beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen, ETHZ und EPFL. Die Initiative wurde im Dezember 2023 gestartet, umfasst rund 800 Forscher und 70 Professuren aus 10 schweizerischen Institutionen. Im Februar 2025 verfügte das Projekt über ein Gesamtbudget von 37,4 Millionen Euro, ein Klacks im Vergleich zu den oben erwähnten 1,5 Billionen Dollar und einigen 10’000 KI-Expertinnen und Experten. Das Land muss meiner Meinung nach aufwachen, um mit dem Swiss-Finish nicht erneut in eine Sackgasse zu geraten. Man denke an die Milliarden verschleuderter Steuergelder für untaugliche proprietäre IT-Projekte bei Bund und Armee, beim E-Voting, dem elektronischen Patientendossier oder an die Sicherheitsprobleme mit Drittfirmen.
Der Geist entwich längst der Flasche
So soll im Spätsommer der Schweizer Beitrag innerhalb der europäischen Open-Source-Bewegung, die digitale Souveränität Europas fördern. Die europäischen Staaten verfolgen mit ihren Open-Source-Sprachmodellen eine eigene Strategie, weiss von Muralt Müller. Im Gegensatz zur US-Amerikanischen oder Chinesischen Konkurrenz, sollen diese vertrauenswürdiger sein und mehr Sicherheit bieten. Die Sprachmodelle der Europäischen Staaten werden den europäischen Werten entsprechen, ist Muralt Müller überzeugt. Alte Welt gegen Neue Welt? Wer bestimmt eigentlich die Werte der europäischen Staaten? Denn das Internet erkennt keine Landesgrenzen und die offenen Quelltexte sind eben öffentlich und nicht auf einen Kontinent beschränkt. Die Voreingenommenheit gegenüber den USA, ihrer Administration und den grossen Techfirmen erreicht dabei fast sektiererische Züge. Diese Entwicklung kann sowieso nicht rückgängig gemacht werden: «Der Geist ist längst aus der Flasche entwichen».
Die Wertediskussion – Eliten irren sich oft gewaltig
Im Interview von Yann Costa mit dem Buchautor Samuel Fitoussi (28) unter dem Titel «Die intellektuelle Elite irrt sich oft – und sogar gewaltig» auf der Plattform sichtweisenschweiz spricht Fitoussi über Werte und Pluralismus: «Es geht mir nicht darum, Pluralismus überall und um jeden Preis durchzusetzen. Aber in bestimmten Kontexten ist Pluralismus eine Voraussetzung für Rationalität. Wenn nämlich eine einzige Idee vorherrscht, sind die sozialen Kosten einer Abweichung so hoch, dass jeder psychologisch dazu angehalten ist, nicht nach der Wahrheit zu suchen, sondern den herrschenden Konsens zu rationalisieren. Wenn hingegen alle Meinungen vertreten sind, kann jeder seine Überzeugungen eher nach ihrem epistemischen als nach ihrem sozialen Wert auswählen.» Weiter findet er: «Die Unterscheidung zwischen Tatsachen und Meinungen ist oft unklarer als man denkt. Diejenigen, die behaupten, die Fakten zu verteidigen, haben manchmal selbst eine ideologische Lesart. Dass Covid-19 aus einem Labor stammt, galt lange Zeit als Fake News oder sogar als Verschwörungstheorie – heute ist es eine glaubwürdige Hypothese. Dies zeigt: Wer die Entscheidungsbefugnis inne hat, etwas als Tatsache zu definieren und zugleich den Diskurs darüber zu unterbinden, verfügt über eine exorbitante Macht. Diese steht heute häufig einer kulturellen, politischen oder technokratischen Elite zu. Was ich in meinem Buch zeige, ist, dass diese Elite nicht nur fehlbar ist – sie irrt sich sehr oft, und manchmal sogar gewaltig!»
Zum Erschaffen von intelligenten Computer
Wir dürfen die Erschaffung von künstlicher Intelligenz per se als Ziel, nicht aus den Augen verlieren. Nicht hemmende Regulierung, sondern weitere Erforschung sind wichtig. Wie erschaffen wir Intelligenz am Computer, ist der heilige Gral für künstliche Intelligenz. Aber wie gelangen wir dorthin? Wir betrachten uns selbst als hochintelligente Wesen. Das menschliche Gehirn enthält 86 Milliarden Neuronen. Jedes kommuniziert ständig mit Tausenden anderen und jedes hat seine eigenen individuellen Eigenschaften. Viel zu kompliziert! Deshalb erforscht Frances S. Chance, Computational Neuroscientist, Gehirnbasierende Computertechnologien durch das Studieren von Insekten, die wohl faszinierendsten Gehirne der Welt – TED2022 (9:32). Zwar ist es immer noch nicht einfach, einen Schaltkreis von nur einer Million Neuronen zu entschlüsseln, aber zwischenzeitlich sehr viel zielführender.
Zum KI-Einsatz in KMUs
Dem Bericht der BCG Boston Consulting Group vom Juli 2025 entnehmen wir: Um Arbeitsabläufe neu zu gestalten und KI optimal zu nutzen, benötigen Unternehmen das Engagement ihrer Belegschaft. Wenn Unternehmen in KI investieren und ihre Teammitglieder weiterbilden, um die KI-Lücke zu schliessen, erzielen sie eine höhere Produktivität, verbesserte Margen und einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil. Ein Beispiel hierfür ist Cursor, das Unternehmen, dessen KI-gestützter Code-Editor das Programmieren in einfachem Englisch ermöglicht. Die meisten Unternehmen benötigen Zeit für die Umstellung auf KI. Doch selbst wenn sie nicht KI-first sein können, sollten sie versuchen, frühzeitig KI-fähig zu sein. KI-Verfechter behaupten, dass Bots mit künstlicher allgemeiner Intelligenz (AGI) die kognitiven Fähigkeiten von Menschen bei nahezu jeder Aufgabe erreichen oder sogar übertreffen werden. BCGs Noah Broestl, Experte für die verantwortungsvolle Entwicklung und Nutzung generativer KI-Produkte zeigt auf, wie sich KI trotz Widerständen, auf erstaunliche Weise weiterentwickeln wird. Die Erfahrung von uns «Alten» als Mentoren oder Sparringspartner in gemischten Teams ist deshalb eine der Voraussetzungen beim Trainieren der Systeme.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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