Industrie 4.0

Roboter im Verwaltungsrat

Aus dem NZZ-E-Paper vom 24.02.2017
NZZ-Podium zur Zukunft der Arbeit

Zukunft der Arbeit
ng. ⋅ Die raschen technologischen Umwälzungen verändern die Arbeitswelt von morgen fundamental. Droht deshalb Massenarbeitslosigkeit, oder entstehen wieder viele neue Jobs? Wie sollten sich die Unternehmen auf den digitalen Wandel einstellen? Welche gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen sind zu erwarten, und wie ist darauf zu reagieren? Solche Fragen wurden am Donnerstagabend, 23. Februar 2017 am NZZ-Podium zum Thema «Zukunft der Arbeit» unter der Leitung von Martin Meyer, dem ehemaligen Feuilletonchef der NZZ, diskutiert.


Roboter auf dem Weg in die Teppichetagen

«Roboter werden intelligenter werden als wir», sagte Dirk Helbing, Professor für Soziologie an der ETH Zürich, in seinem Einleitungsreferat. Sie würden nicht mehr nur Werkzeuge und Helfer sein, sondern vermehrt zu Konkurrenten und Chefs werden. Helbing erwartet zudem, dass im Zuge der Digitalisierung in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten die Hälfte aller heutigen Tätigkeiten wegbrechen wird. Gleichzeitig entstehen durch den Wandel aber wieder viele neue Aufgaben, die man sich heute noch kaum ausmalen kann.

Flache Hierarchien und schneller Austausch sind gefragt
Für etablierte Firmen bedeutet die gegenwärtige Transformation, dass sie sich ganz neue Konzepte ausdenken und Gewissheiten über Bord werfen müssen. Damit die Unternehmen diesen Wandel meistern und sich gegenüber Startups mit neuartigen Geschäftsmodellen behaupten können, braucht es laut Doris Aebi, Gründerin und Mitinhaberin der Executive-Search-Firma Aebi + Kuehni AG, auch die entsprechende Kompetenz in den Führungsetagen. Dafür müssten die Chefs bereit sein, von den Jüngeren zu lernen. Die heutigen Topmanager seien noch über lineare Organisationsstrukturen und Kontrolle sozialisiert worden. «Im Informationszeitalter sind nun aber flache Hierarchien und ein schneller Austausch gefragt», sagt sie.

Anpassungsprozess: Hilfe von erfahrener Adlaten
Kurzfristig dürfte die Arbeitslosigkeit infolge des tiefgreifenden digitalen Wandels zunehmen. Auf längere Sicht entstehen zwar wieder neue Arbeitsplätze, doch dazwischen liegt ein Anpassungsprozess, der grössere Verwerfungen mit sich bringen kann. Um bei diesem Übergang die Gesellschaft zusammenhalten zu können, brachte Aebi ein bedingungsloses Grundeinkommen in die Diskussion ein. Dies sei jedenfalls kreativer, als Roboter zu besteuern, sagte sie. Auch Helbing konnte der Idee einer Steuer auf Roboter wenig abgewinnen. Um das Potenzial des technologischen Fortschritts in Zukunft zu nutzen, sei vielmehr eine fundamentale Änderung des Systems notwendig, das neue Anreize setzen müsse. Es gelte jetzt darüber nachzudenken, wie künftig das Kapital und die Ressourcen dorthin fliessen könnten, wo die besten Ideen generiert würden.

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