Industrie 4.0

Industrie 4.0 und die Bauwirtschaft

Industrie 4.0 in der Bauwirtschaft – Potenziale und Herausforderungen
Unter dem Titel «Neue Sitten auf der Baustelle» NZZ, 29.12.2016
beschreibt Daniel Imwinkelried die chronisch schlechte Produktivität des Bausektors und plädiert für die Anwendung bekannter Instrumente zur Qualitätskontrolle. Als Adlat und gestandener Architekt mit breiter Erfahrung, auch in der Zusammenarbeit mit Generalunternehmungen, erlaube ich mir dazu die folgende Betrachtung:


Westlink Altstetten ZH 2017, Burkard Meyer Architekten Baden

Lernen von der Automobilindustrie
Wenn in einem neu erstellten Wohnhaus die Teppiche bereits verlegt sind, der Gipser jedoch noch die Wände verputzt und Spuren hinterlässt, ist bei der Organisation etwas schief gelaufen. Bauprozesse werden schlecht geplant, der Einsatz von Handwerkern nicht richtig koordiniert. Im Bausektor vermissen wir systematisches Arbeiten. Schon während meiner Lehre als Hochbauzeichner und dem späteren Studium an verschiedensten Institutionen weltweit kam immer wieder die Forderung auf, dass die Bauwirtschaft von der Automobilindustrie lernen sollte.

ISO Zertifikation
Die Internationale Organisation für Normung – kurz ISO, mit Sitz in Genf nahm 1947 ihre Tätigkeit auf. Erste Regelwerke zum Qualitätsmanagement wurden in den 1950er Jahren in den USA für militärische Zwecke und Kernkraftwerke entwickelt. Im Jahre 1987 wurde die Normenreihe ISO 9000 ff. veröffentlicht, die grosse Revision folgte im Jahr 2000. Seitdem übernahmen weit über 100 Länder die DIN EN ISO in unveränderter Form. Eine Zertifizierung nach ISO 9001 ist für Unternehmen und Organisationen aller Grössen und in allen Branchen möglich und bildet die Basis für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess des unternehmensinternen Qualitätsmanagementsystems (QMS).

Lean Management
In Zeiten von hohem Margendruck, ausgelasteten Betrieben und Fachkräftemangel werden solche Systeme schnell zur Pflichtübung, das QMS ist etwas aus den Schlagzeilen geraten. In der weitgehend gewerblich organisierten Baubranche teilen sich unzählige Kleinfirmen in die Aufträge, was deren Koordination im Rahmen eines Bauvorhabens ein anspruchsvolles Unterfangen darstellt. Generalunternehmungen behaupten das Problem mit Lean Management oder Just-in-Time Delivery im Griff zu haben, dabei fehlt es sehr oft auch an Fachwissen und Erfahrung der verantwortlichen Frontleute.

Sorgfältige Planung und der Einsatz von BIM
Am Anfang eines Bauvorhabens kann man am meisten Einfluss auf dessen Ablauf nehmen. Deshalb lohnt sich die Investition in eine sorgfältige Planung. Ebenfalls ein Produkt der USA aus den 1980er Jahren ist Computer Aided Architectural Design (CAAD), ein Werkzeug welches sich seit der Jahrtausendwende auch in der Schweiz als «Building Information Modeling (BIM)» weiter entwickelt. Baupläne bestehen seither nicht mehr nur als Strichzeichnungen. Elemente wie Decken, Wände oder Türen verfügen, neben ihrer genauen Lage im Gebäude, über Informationen zu den Materialien, Farben oder Kosten. Damit lässt sich auch die Baustellen-Logistik optimieren.

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