Der richtige Zeitpunkt ist jetzt
Als Mentor begleite ich Architekt:innen bei ihrer Suche nach einer Neuausrichtung. Spätestens Mitte 40 sollte man seine berufliche Karriere aufgegleist haben um in leitender Stellung über seine Zukunft mitbestimmen zu können. Doch solche «lineare» Entwicklungen treffen für jüngere Generationen immer weniger zu. Die Gründe dafür sind vielseitig. Restrukturierungen und Entlassungen sind mitunter auch das Resultat eines veränderten Marktumfelds. Dass künstliche Intelligenz und das Aufkommen digitaler Agenten in den letzten fünf Jahren viele Berufsbilder verändert haben, konnte man zu einem gewissen Grad vorausahnen. Die Frage dabei ist immer, wie seriös wir das «writing on the wall», die vorauseilenden Indikatoren als Wink mit dem Zaunpfahl einschätzen und wie konsequent wir mit unserer eigenen Biografie darauf reagieren. Sind wir als naive Optimisten der Meinung, solche Disruptionen werden sich schlussendlich wieder einrenken und uns erlauben im gewohnten Mass weiter zu funktionieren. Mit den immer gleichlautenden Stelleninseraten, auf die man sich elektronisch, nicht digital (!), bewerben soll, suchen Arbeitgebende hoffnungsvoll die kostengünstige «eierlegende Wollmilchsau» als Übergangslösung. Das ist der Zeitpunkt, um das Lager zu wechseln und sich aus Eigeninteresse beispielsweise in einem verwandten Zukunftsgebiet zu spezialisieren. Dazu braucht es Mut und Überzeugung, um aus dem gewohnten Rhythmus auszubrechen und für sich eine Vision der Entwicklung für die nächsten Jahre in seine Biografie einzubauen. Nur so differenziert man sich vom Gros der Bewerbungen, in der Hoffnung, dass die Personalverantwortlichen bei ihrer Auswahl über eine ebensolche Weitsicht und intellektuelle Kapazitäten verfügen.
Den selektiven Fokus kultivieren
In der NZZ vom 19. März 2026 sprach Marc Tribelhorn mit dem emeritierte Stanford-Professor Hans Ulrich Gumbrecht (77) und schaut auf dessen Leben als transatlantischer Intellektueller zurück. Gumbrecht erklärt dabei, wieso er fast nie ein Buch zu Ende gelesen hat. Sowohl von seinem Habitus als auch von seinem Naturell her ist er nicht der klassische Geisteswissenschafter. Ein leidenschaftlicher Leser war er tatsächlich nie gewesen, so oft, gerne und hartnäckig er das auch behauptet habe. Damit entspricht er dem Profil vieler «Babyboomer» aus dem «kompetenz60plus.ch» Biotop. Es ist bis heute ein Tabu, so zu reden. Doch als Emeritus kann er ja ehrlich sein. Der amerikanische Literaturkritiker Harold Bloom hat einmal ausgerechnet, dass die maximale Zahl an Büchern, die man im Leben vollständig lesen kann, bei rund 3’000 liegt. Jeder Literaturwissenschafter, der sich für eine Stelle bewirbt, muss aber so tun, als hätte er 20’000 gelesen. Dabei ist der selektive Fokus ein notwendiges Talent. Auch Querlesen ist wichtig, die Intuition, jene Stellen zu finden, die interessant und charakteristisch sind. Auch ich höre zu lesen auf, sobald ich gefunden habe, was ich von einem Beitrag oder Buch wissen wollte und musste, oder auf eine Idee gestossen bin, die das Denken in Gang bringt. Diese Fähigkeit sollte man kultivieren, statt sie zu leugnen.
Lebenslanges Lernen
Im Interview mit Peter A. Fischer und Lorenz Honegger in der NZZ vom 14. März 2026 äussert sich der WEF-Gründer Klaus Schwab (87) zu seinen Zukunftsplänen. Seine Faszination gilt dem intelligenten Zeitalter: Dabei geht es nicht nur um künstliche Intelligenz, sondern um ein Bündel neuer Technologien, die unsere Intelligenz erweitern und unser Leben verändern werden. Darum müssen wir auch Bildung, Langlebigkeit und Pensionierung neu denken. Seine Überzeugung: Wir lernen künftig nicht mehr fürs Leben, sondern ein Leben lang. Mit der Schwab Academy will er führende Universitäten zusammenbringen, um neue Angebote für lebenslanges Lernen zu entwickeln.

Eine neue Ordnung ersetzt dysfunktionale Strukturen
Parag Khanna (48), indisch-amerikanischer Politikwissenschaftler, Strategieberater und Publizist im Interview mit Leon Igel, NZZ vom 10. Februar 2026, blickt für Europa trotz aktueller Konflikte optimistisch in die Zukunft. Der Geostratege ist in Indien geboren, in Amerika und Abu Dhabi aufgewachsen, er ging in Deutschland zur Schule. Heute lebt er in Singapur. Khanna hat einen besonderen Blick auf die Welt, wo Strassen verschiedene Länder miteinander verbinden, wo Datenkabel und Schiffsverbindungen die Ozeane durchqueren. Er sagt: «Die Infrastruktur wächst weiter, die Globalisierung ist noch lange nicht am Ende.» Seine Karte zeigt den Anteil jedes Kontinents am Welthandel. Sie zeigt die grenzüberschreitende Infrastruktur der Welt. Strassen, Pipelines, Datenkabel. Die Reichweite grenzüberschreitender Infrastruktur ist gigantisch, und sie wächst jedes Jahr. Er aktualisiert seine Karte jedes Jahr, die empirisch wie die Globalisierung jedes Jahr wächst. Unternehmen bauen an vielen Orten neue Produktionsstätten, um von Risiken durch Konflikte unabhängiger zu werden. Geopolitische Konflikte treiben die Globalisierung voran, die Welt vernetzt sich weiter. Grossmächte fördern den Export der eigenen Wirtschaft und suchen einen Zugang zu fremden Lieferketten. Durch wirtschaftliche Abhängigkeiten anderer Länder wollen sie ihre Macht erweitern. Statt an dysfunktionalen Strukturen festzuhalten, müssen wir uns fragen: Wie können wir eine neue Ordnung gestalten, die der Realität der Macht gerecht wird?
Bereiten Sie sich auf 6G vor um Intelligenz überall zu ermöglichen.
Die Schlagzeile im Boston Consulting Group BCG Beitrag vom 26. Februar 2026 mit dem Titel: «Das 6G-Netzwerk ist die Zukunft der KI» lassen aufhorchen. Die Autoren Shashank Modi, Simonas Matulionis, Michael Kleeman, Ernesto Wandeler, John Fleury, Jaison Justin, Heinz T. Bernold, und Braden Holstege beschreiben, wie das KI-Jahrzehnt 6G braucht, um Intelligenz überall zu ermöglichen. Die kommerzielle Einführung von 5G im Jahr 2019 leitete einen Strukturwandel in der drahtlosen Vernetzung ein, der nun die Grundlage für das nächste Jahrzehnt bildet. Anfängliche Implementierungen konzentrierten sich auf eine breite Netzabdeckung und höhere Geschwindigkeiten; mit dem Ausbau der Netze und der Modernisierung der Architekturen wurden zusätzliche Funktionen eingeführt. Die 5G-Standards definieren, wie Netze konzipiert, betrieben und monetarisiert werden, und bilden die technische und operative Basis für 6G, dessen Einführung für Ende 2029 und Anfang 2030 erwartet wird. 6G wird mehr leisten als nur die Konnektivität zu beschleunigen. Es wird Netzwerke zu einer KI-nativen Infrastruktur ausbauen, welche die physische und die digitale Welt integriert.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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