Blog, Industrie 4.0

#407 – Neue Konventionen auch für uns «Alte»

Welche Form von Kommunikation
Immer wieder höre ich dieselben Kommentare, wie wir «Alten» immer weniger Lesen und Schreiben mögen. Teils weil es uns schwer fällt, ein leeres Blatt zu füllen und teils weil es einfacher ist, anstelle den Artikel zu lesen, einem Podcast, trotz lästiger Werbung, zu folgen. Auch für mich persönlich ist das Schreiben von Hand zusehends mühsam. Copy-paste, oder das Überarbeiten von Textstellen sind nicht möglich. Die Vorteile von Textprogrammen sind deren Flexibiltät. Wir formulieren Gedanken und verwerfen diese umgehend, ohne Neuanfang. Mit Inhalten generell ist das so eine Sache: Man muss sich überlegen, wie man ein Thema möglichst verständlich und direkt kommuniziert, an welches Publikum man sich wendet und wie spannend sich dieses liest. Gerade für viele von uns «Alten» sind dies grosse Hürden, denen wir mit dem analogen Gespräch am Telefon aus dem Weg gehen, wobei normalerweise auch keine Beweise für das Gesagte vorhanden sind. Da stellt sich ganz allgemein die Frage nach der Methodik von Kommunikation. Ich unterscheide dabei zwischen Sprache als Werkzeug und Zeichen zur Vermittlung von Gedanken. Bemängelt wird, dass an Schulen die Orthographie vernachlässigt wird, dass das Englische im Alltag immer mehr überhand nimmt oder dass in den sozialen Medien «Mundart», Symbole und Abkürzungen überwiegen. Wie «Urmenschen» entwickeln wir dank der Digitalisierung immer mehr unsere eigene Sprache, oder verzichten mittels Videobotschaften schlussendlich ganz auf geschriebene Texte.

Emoji-Palette von Shigetaka Kurita ist seit dem Jahr 2010 Teil der Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York, Bild: Docomo Inc.

Audio und Videobotschaften ersetzen zusehends Texte
Victor Riparbelli, Mitbegründer und CEO von Synthesia, visionärer Autor und Vertreter der Generation Z, sprach im Oktober 2024 auf der Plattform TEDAI Vienna (16:23), wie die Technologie der künstlichen Intelligenz KI unsere Welt – und unsere Art zu kommunizieren – in einem atemberaubenden Tempo verändert. Riparbelli sagt voraus, dass KI bis zum Ende dieses Jahrzehnts dazu führen wird, dass Audio- und Videoformate den Text als unsere primäre Kommunikationsform ersetzen werden. Er stellt sich eine Welt vor, in der jeder einen Hollywoodfilm erstellen, personalisierte Bildung erhalten oder über hyperrealistische Avatare kommunizieren kann – und das alles in der Zeit, die man braucht, um ein Buch zu lesen. Victor Riparbelli verfügt über ein Jahrzehnt Erfahrung als Technologie-Unternehmer. Synthesia Ltd. wurde 2017 in London von einem Team aus KI-Forschern und Unternehmern von UCL, Stanford, TUM und Cambridge gegründet. Die Mission der Gründer Victor Riparbelli, Prof. Matthias Niessner, Prof. Lourdes Agapito und Steffen Tjerrild ist es, jeder Person die Möglichkeit zu geben, Videoinhalte zu erstellen – ohne Kameras, Mikrofone oder Studios. Die Plattform wandelt Texte innert wenigen Minuten in Videos von Studioqualität um, mit KI-Avataren und Sprachausgabe in über 140 Sprachen. Der Prozess ist so einfach wie das Erstellen eines Foliensatzes. Als wahrer Pionier auf diesem Gebiet verbindet Riparbelli technisches Fachwissen, akademisches Wissen und Unternehmergeist, um die Möglichkeiten der KI neu zu definieren. Sein Engagement für ethische und verantwortungsvolle KI-Innovationen steht (noch) im Mittelpunkt seiner Beiträge. Mithilfe von KI will das Team den Prozess der Inhaltserstellung radikal verändern und die menschliche Kreativität zum Guten freisetzen.

Eine Vielfalt von Emojis für unsere Gefühle
Unter dem Titel «Ein ❤️ zum Valentinstag» schrieben Simon Tanner (42) und Elena Oberholzer (28) in der NZZ vom 14. Februar 2025 ihre digitale Geschichte. Es geht dabei um die nicht mehr wegzudenkenden Emojis, welche unsere Gefühle befördern. Im digitalen Raum drücken sie aus, was in Worten manchmal schwer zu vermitteln scheint: Unverständnis, Dankbarkeit, Belustigung. Aber Emojis schaffen auch Missverständnisse. Das schüchtern lächelnde Gesicht zum Beispiel, wie ist das gemeint: Freundlich? Oder doch passiv aggressiv? Und was hat eigentlich dieser Affe, der sich die Augen zuhält, zu bedeuten? Doch es gibt ein Emoji, das einfach zu verstehen ist: das rote Herz. Insbesondere zum Valentinstag. Gemäss den Autoren wurde das Herz-Emoji erstmals 1995 in Japan verschickt, zwölf Jahre bevor Apple das erste iPhone verkaufte. 1995 brachte der japanische Mobilfunkanbieter Docomo den Pocket Bell Pager raus. Es war das erste Funkgerät, das neben kurzen Nachrichten auch den Versand von zwei Schwarz-Weiss-Bildchen ermöglichte. Wenn man bestimmte Zahlencodes in den Pager tippte, erschien ein Herz oder ein Telefon. Es war der Beginn der Kommunikation mit Emojis. Das Wort Emoji ist japanisch: «E» für Bild und «Moji» für Schriftzeichen.

1995: Das erste Herz-Emoji gab es auf dem Pocket Bell Pager eines japanischen Tech-Unternehmens.

Zeichensprache als Konvention
Weiter lehren uns die Autoren, wie schon vor der Einführung der ersten Emojis Menschen in Japan Zeichen nutzten, um zu kommunizieren, zum Beispiel Zahlencodes. «39» hiess «Danke», «0906» hiess «Ich komme zu spät», und «14106» war der Code für «Ich liebe dich». Auch einen Code für das Herz gab es schon: das Kleiner-als-Zeichen < und die 3. Im Jahr 1998 beauftragte Docomo den jungen Designer Shigetaka Kurita damit, Symbole für den Versand von Nachrichten zu entwerfen. Es entstanden 176 Bildchen, die nicht nur der Kommunikation, sondern auch der Information dienten. Das Emoji-Set von Kurita, von Docomo im Jahr 1999 veröffentlicht, wurde in Japan sehr schnell sehr populär. 2010 setzte sich eine Gruppe von Software-Ingenieuren von Google dafür ein, dass Unicode die Emojis in sein System aufnahm. Die Emoji-Palette von Shigetaka Kurita ist seit dem Jahr 2010 Teil der Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Doch bei jungen Menschen sind Kuritas Herzen und alles, was daraus entstanden ist, heute überholt. In Zeiten, in denen via Instagram und Tiktok vor allem in Videos kommuniziert wird, kommen Liebesbotschaften online in anderer Form, schrieben Simon Tanner und Elena Oberholzer. Sie müssen es wissen.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger