Wir müssen die Betriebsmodelle hinterfragen
Im Austausch mit dem Gründer einer Plattform für die Zusammenarbeit von Planungsteams im digitalen Raum, sprachen wir über die Einbindung künstlicher Intelligenz in seine Prozesse. Vieles ist heute schon möglich. Die Automatisierung erfordert aber die aufmerksame Nachbearbeitung von fachkundigen Menschen, denn die Maschine erkennt beispielsweise beim Transkribieren die Problemzusammenhänge aus Sitzungsprotokollen noch nicht. Insofern ist KI dabei lediglich eine Erinnerungshilfe und bietet vorläufig keine wirkliche Zeitersparnis. Das wird sich mittelfristig ändern, wenn wir unsere Geschäftspraktiken und Abläufe hinterfragen, um diese den neuen Möglichkeiten anzupassen. Wenn Unternehmen beschliessen, ihre Arbeitsweise zu ändern, konzentrieren sie sich in der Regel hauptsächlich auf die Einführung agiler Zeremonien wie Sprints, Stand-Ups und Retrospektiven, da diese gut sichtbar und einfach umzusetzen sind. Doch echte Unternehmensagilität erfordert eine Transformation des gesamten Betriebsmodells, schreiben Payam Djavdan, Vincent van den Boogert, Martin Danoesastro, Jaap Backx, and Veronika Bugaychuk im BCG Boston Consulting Group Artikel vom 11. April 2024.
Stillstand ist Rückschritt
Auch wenn viele von uns das nicht wahrhaben wollen, wird die KI auch meinen Beruf als Architekt stark verändern. Für viele Architekt:innen ist der Computer sogar im Jahr 2024 immer noch nicht mehr als ein digitaler Bleistift. Dabei könnte, beispielsweise dank BIM Building Information Modeling, ein Plandokument ausser Linien und Flächen, unendlich viele Informationen zu Materialien, Kosten und Terminen oder Verfügbarkeiten enthalten. Fortschritte auf dem Gebiet von künstlicher Intelligenz manifestieren sich in alltäglichen Anwendungen, wie das Einblendung von Stadtplänen bei der Adresssuche, den Korrekturvorschlägen beim Schreiben oder mit dem automatischen Eintrag der Termine im Kalender. In einer Zeit des technologischen Fortschritts, geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Turbulenzen ist Stillstand einem Rückschritt gleichzusetzen. Ein Führungswechsel während der Transformation, eventuell mit einer neuen Person von ausserhalb des Unternehmens, oder die Einbindung von erfahrenen «Alten» ins Team, kann eine Lösung sein. Realistisch dabei ist eine langfristige (fünf Jahre) strategische Ausrichtung und absolute Disziplin bei der Umsetzung der Ziele.

Generationenwechsel ist technologisch bedingter Wechsel
Auf einer volkswirtschaftlichen Ebene muss uns die generative künstliche Intelligenz GenKI zu denken geben. Auch wenn ihr Einfluss nicht mit der Erfindung der Dampfmaschine gleichgesetzt wird, handelt es sich dennoch um eine disruptive Technologie. Im Beitrag von Albert Steck, 13.04.2024, publiziert in der NZZ am Sonntag vom 14. April 2024, mit dem reisserischen Titel «Jetzt trifft es die Hochqualifizierten: Die White Collars zittern vor der künstlichen Intelligenz» beschreibt der Autor, wie die Bildung keinen Schutz mehr bietet, vor der nächsten Automatisierungswelle. Wir alle sind über kurz oder lang von den Auswirkungen betroffen. Nur merken wir das nicht immer auf den ersten Blick, bis wir uns eines Tages in unserer gewohnten Umgebung nicht mehr zurechtfinden.
Know-how verliert abrupt an Wert
Viel wird über den Jobverlust durch den vermehrten Einsatz von KI in allen Bereichen geschrieben. Zu den Berufen mit dem höchsten Risiko, durch die Maschine ersetzt zu werden, zählt das amerikanische Pew Research Center Bauzeichner, Buchhalter, Designer, Informatiker, Gerichtsschreiber oder Sachbearbeiter. Als sicher eingestuft werden auf der anderen Seite persönliche Dienstleistungen wie die Kosmetik, die Pflege und Betreuung, Gärtner sowie die Feuerwehr. Ist ja logisch, dass ein Mensch, wahrscheinlich sogar mit Hilfe eines Roboters, das verstopfte Abflussrohr reinigen muss. Steck bezieht sich im Artikel auch auf die Aussagen von Stefan Wolter, Professor für Bildungsökonomie der Universität Bern: «Mit einer guten Ausbildung hatte man bisher die Gewissheit, sich vor den Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt schützen zu können, doch die KI hat die Spielregeln radikal verändert. Die neuen Technologien führen dazu, dass das erworbene Know-how in manchen Berufen abrupt an Wert verliert.»
Es ist nie zu spät, trotz hoher Hürden
Die starke Verunsicherung, welche die künstliche Intelligenz auslöst, hat laut Wolter weitreichende Folgen: «Die Furcht der Erwerbstätigen vor dem beruflichen Abstieg führt zu deren Bedürfnis, vermehrt in die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen zu investieren.» Doch selbst wenn Angebote zur Umschulung bestehen: «Die Hürde, um im fortgeschrittenen Alter nochmals auf Feld eins zu starten, ist hoch.» Die Wirtschaft müsse deshalb ihre Rekrutierungspraxis für Quereinsteiger überdenken, so die Kritik des Bildungsökonomen. Der Personalexperte Pascal Scheiwiller bestätigt: «Die Mobilität zwischen den verschiedenen Berufen und Branchen ist in der Schweiz sehr klein. Wir haben keine Quereinsteigerkultur», sagt der Chef der Outplacement-Firma von Rundstedt. Und in den Firmen herrscht laut Scheiwiller eine Zero-Gap-Mentalität: «Viele Arbeitgebende scheuen sich, fähige Leute einzustellen, wenn sie diese für eine längere Zeit einarbeiten müssen. Stattdessen suchen sie nach dem vermeintlich perfekten Profil und Lebenslauf – notfalls im Ausland.» Dieser Mangel an Flexibilität und Investitionsbereitschaft führe dazu, dass das Potenzial der Erwerbstätigen nur ungenügend ausgeschöpft werde.
Die Furcht vor dem Abstieg, neue Fähigkeiten sind gefragt
Der Vormarsch der KI stellt auch die Bildung vor eine Herausforderung. Das Schulsystem müsse dem technologischen Wandel besser Rechnung tragen, so die Forderung Scheiwillers. «Weil die Halbwertszeit des erworbenen Wissens immer kürzer wird, sollte die Vermittlung der Future-Skills mehr Gewicht erhalten – dabei handelt es sich um übertragbare Fähigkeiten wie die Lernkompetenz, das Aufbauen eines Netzwerks oder das Selbstmanagement.» Mit der künstlichen Intelligenz werden die Karten neu gemischt. Selbst ein Akademiker mit besten Qualifikationen muss womöglich wieder von vorn anfangen – wenn er das Pech hat, den «falschen» Beruf erlernt zu haben. Denn wenn eine Berufskategorie flächendeckend verschwindet, so werden diese Leute auch in einer anderen Firma oder Branche keine ähnliche Anstellung mehr finden. Arbeitnehmende In der mittleren Lebensphase (40+) können dem Risiko der Automatisierung nur schlecht entgehen. Junge Menschen hingegen können mit ihrer Berufswahl besser darauf reagieren. Tatsächlich zeigt eine neue Studie von Wolter, dass die KI die Präferenzen bei der Lehrstellensuche bereits beeinflusst.
kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!
Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger
