Warum Sicherheit bremst
Als Reaktion auf meinen Blogbeitrag zur Rolle von uns «Alten» im Zeitalter von künstlicher Intelligenz, schrieb ein Kollege frustriert, das Potenzial der «Alten» sei noch immer unterbewertet wie eh und je. Dabei ist nicht das Potenzial oder unser Alter problematisch, sondern unser Unvermögen gewisse Vorurteile loszulassen um uns einzugestehen wie sich die Welt um uns herum verändert. Daniel Kahneman (1934-2024), der kürzlich verstorbene israelisch – US-amerikanische Psychologe und Ökonomie-Nobelpreisträger, erklärt in seinem Werk, warum Menschen sich entgegen den Annahmen oft nicht rational verhalten. In Risiko-Situationen haben wir Menschen mentale Vorurteile, die unser Urteilsvermögen verzerren können. Menschen entscheiden subjektiv und nicht nach einem abstrakten Kriterium, das man Objektivität nennt. Verluste tun einem mehr weh, als Gewinne Freude bereiten. Menschen suchen Sicherheit; dafür sind sie bereit auf Wohlstand zu verzichten. Diese letzte Erkenntnis ist besonders wichtig. Denn sie erklärt auch, warum so wenige Leute Unternehmer werden. Wer versucht, Risiken zu vermeiden, wird nicht zum Unternehmer. Sicherheit bremst Unternehmergeist aus. Das Unternehmertum, also die Aussicht auf künftigen Wohlstand, wird geopfert, um gegenwärtige Sicherheit zu haben. Dazu Martin Vollenwyder (70), ehemaliger Finanzvorsteher der Stadt Zürich: «Ein Optimist sieht in einem Problem eine Aufgabe. Ein Pessimist sieht in einer Aufgabe ein Problem.»
Wir «Alten», Zeitzeugen des technologischen Wandels
Heute passiert etwas in der Technologie, was so noch nie passiert ist, sagte Cathie Wood (69), amerikanische Ökonomin, Investorin sowie Gründerin und CEO der Investmentgesellschaft Ark Invest in ihrem TEDAI talk vom October 2023 (14:41). Heute entstehen gleichzeitig fünf technologische Neuschöpfungen. Man muss in die frühen 1900er Jahre zurückgehen um zu sehen, wie sich drei Allzwecktechnologie-Plattformen gleichzeitig weiterentwickelten: Telefon, Strom, Auto. Diese waren am Anfang der grossen Veränderungen (Gamechanger). Heute sind es fünf Plattformen, die sich katalysiert durch künstliche Intelligenz gleichzeitig weiterentwickeln: Robotik, Energiespeicherung, KI, Blockchain-Technologie und Multiomic-Sequenzierung (biologischer Analyseansatz, bei dem es sich bei den Datensätzen um mehrere «Ome» handelt, wie beispielsweise Genom, Proteom, Transkriptom, Epigenom, Metabolom und Mikrobiom). Sie verändern die wirtschaftliche Wachstumsdynamik exponentiell. KI entwickelt sich zu etwas völlig Neuem sagte Mustafa Suleyman (42), CEO bei Microsoft KI, im TEDtalk vom April 2024 (22:01) und zeigte eindrücklich die immer schnellere Entwicklung der Menschheit und unserer Werkzeuge über die Jahrtausende.
Durchatmen und loslassen
Das wohl Schwierigste für uns «Alte» ist die Tatsache, dass diese Veränderungen mehrheitlich ausserhalb unserer Einflusssphäre stattfinden. Als neugierige «Zuschauer» sind wir verdammt, unsere gemachten Erfahrungen im besten Fall als Richtschnur, im Team mit den «jungen Wilden» kompetent zu vertreten. Auch wenn niemand mehr wirklich den Überblick hat, müssen wir dank unserer Seniorität, Weisheit und Gelassenheit unsere Verantwortung wahrnehmen. KI ist nichts unabhängiges. KI ist in mancher Hinsicht nicht einmal neu. KI sind wir. Das sind wir alle. Und das ist vielleicht das Vielversprechendste und Wichtigste überhaupt: Während wir die KI ausbauen, sollten wir alles Gute widerspiegeln, alles was wir lieben, alles Besondere an der Menschheit: unser Einfühlungsvermögen, unsere Freundlichkeit, unsere Neugier und unsere Kreativität. Gemäss Suleyman ist dies die grösste Herausforderung des 21. Jahrhunderts, aber auch die schönste, inspirierendste und hoffnungsvollste Gelegenheit für uns alle.
Wir «Alten» müssen unsere Berührungsängste überwinden
Ruth Fulterer schrieb am 21.April 2024 in der NZZ am Sonntag über die fast täglichen Neuigkeiten zur künstlichen Intelligenz KI. Sie erwähnt in ihrem Beitrag die einzelnen Programme, um uns die Technologie etwas näher zu bringen. Die Grenze zwischen KI und den restlichen Computerprogrammen ist nicht ganz scharf, denn für KI gibt es nicht nur eine Definition. Bei traditionellen Computerprogrammen programmieren Menschen Wenn-dann-Regeln ein: Wenn jemand hier klickt, dann erscheint dieses Bild, wenn die Maschine zu heiss wird, schaltet sie ab. Heutzutage meint man mit KI oft maschinelles Lernen: Programme, die ihre Fähigkeiten aus grossen Datenmengen lernen. Manchmal gibt man ihnen dabei Regeln vor, manchmal lässt man sie selbständig Schlüsse ziehen. «Large Language Models LLMs», Programme wie ChatGPT sind nicht allwissend, sondern eher mit einer Enzyklopädie vergleichbar. Sie bauen ihre Resultate aus Unmengen Text im Internet: Konversationen aus Online-Foren, Blogs, digitalisierte Bücher, Wikipedia. Daneben gibt es viele Werkzeuge, um KI-Bilder zu erstellen, dabei reicht es jeweils, eine Zeile Bildbeschreibung einzugeben, und das erwünschte Bild erscheint nach etwas Wartezeit. Analog den Texten funktioniert auch die Bild-KI, nur dass sie nicht Wörter vorhersagt, sondern die Pixel, aus denen ein Bild besteht, und zwar anhand der Bildbeschreibung.
Niemand ist sicher vor Fälschungen
Es gibt keinen Detektor, der gesichert erkennen kann, ob ein Bild oder ein Text von einer KI stammt. Künstlich generierte Clips wie der am 19. April 2024 von r/singularity auf Reddit publizierte Videoanruf, der den Anschein erweckt, als ob jemand mit sich selbst telefoniert, zeigt eindrücklich den aktuellen Stand der Technik. Doch egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung erfordert von uns «Alten» mehr als je zuvor, unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten. Den Austausch auf Augenhöhe mit den «Jungen» und ihrem technischen Wissen.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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