Weiterbildung bei laufendem Betrieb
An diesem kalten und feuchten Donnerstagnachmittag im Januar 2024 trafen wir uns in den Räumlichkeiten des Blue Lion Co-Working im Zürcher Kreis 5. Empfangen hat Prof. Mariana Christen Jakob, Sozialwissenschafterin und Organisationsberaterin, Gründungsmitglied von AIAS – Active Innovation with the Aging Society, The Multigeneration Lab. Viele englische Begriffe deuten auf das Bestreben hin, mit dem Projekt multikulturell und schweizweit tätig zu sein. Unterstützt wird die Plattform von Intrinsic, dem Netzwerk für angewandte Bildungsrevolution, 2019 gegründet als «Forschungslabor für die Bildung der Zukunft». Diese strebt nach einer tiefgreifenden Veränderung im Bildungssystem – einer positiven Wende, welche Innovation und Fortschritt begünstigt. Mariana Christen arbeitet aktuell mit ihrem Team am Konzept der «Digital Academy», welche im Frühling als Pilotprojekt initiiert werden soll. Dieses innovative Angebot bietet Menschen zwischen 55 und 75(?) Jahren die einmalige Chance, zusammen mit jüngeren Coaches die digitalen Herausforderungen aus dem alltäglichen Leben während einem 6-monatigen Prozess Schritt für Schritt zu lösen. Die «Weiterbildung bei laufendem Betrieb» orientiert sich am rasanten technologischen Fortschritt unserer Zeit.
Die Einstellung von uns «Alten» ist wichtig
Das Lernen im Tandem bedingt eine klare Vorstellung zum Lernziel. Obwohl alles Wissen online auf YouTube und anderen Kanälen bis ins letzte Detail dokumentiert ist, sind unsere Fragestellungen für zielgerichtetes Lernen zentral. Dazu gehört auch eine positive Einstellung gegenüber der Digitalisierung ganz allgemein. Um das Wissen generationenübergreifend zu vermitteln, müssen beide Seiten für Veränderungen offen sein. Auch wenn wir «Alten» nicht mit den aktuell verfügbaren Kommunikationsgeräten aufgewachsen sind, hilft es zu wissen, welche technischen Raffinessen sich unter deren schönem Äusseren verbergen. Dazu kommen auch philosophischen Fragen zum Umgang mit Computern ganz allgemein, ohne Angst und falschen Vorstellungen zur «Macht» der Technologie über unsere Privatsphäre.
Zeit für ein viertes Lebensalter
AIAS entwickelt innovative Projekte mit und für Menschen im «dritten Lebensalter», dabei wird mit dem Multigeneration Lab ein besonderer Fokus auf Lern- und Innovationsprojekte zwischen verschiedenen Generationen gelegt. Mariana Christen ist überzeugt, dass Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und aus verschiedenen Lebensphasen viel voneinander lernen können. Dazu meint Martin Hofer (67), Immobilienquerdenker, Verwaltungsratspräsident von Wüest Partner und Community-Mitglied bei «Digital Academy»: «Es wird Zeit, eine vierte Lebensphase einzuführen, ab Alter 80. Die dritte Lebensphase, von 60 – 80, wird zur neuen Work-Life-Balance-Phase ausgerufen, in der lebens- und berufserfahrene Menschen der Gesellschaft ihre Kompetenzen zur Verfügung stellen, je nach Thema gegen Entgelt oder gemeinnützig – und daneben das Leben geniessen».
KI künstliche Intelligenz im Vormarsch
Im Beitrag der BCG Boston Consulting Group vom Juni 2023 war ersichtlich, was die Menschen am Arbeitsplatz über die KI-Revolution denken. 13’000 Mitarbeitende aus 18 Ländern, von Führungskräften der Chefetage bis zum mittleren Management und der Belegschaft an der Front, wurden zu ihren Gedanken, Gefühlen und Ängsten in Bezug auf KI befragt. Während die Führungskräfte eher optimistisch eingestellt sind, erwarten die Leute an der Front mehr Unterstützung in Form von Schulungs- und Weiterbildungsangeboten. Wenn 80% der Führungskräfte regelmässig generative KI nutzen, tun dies nur 20% der Mitarbeitenden an vorderster Front, obwohl die Fähigkeit dieser Technologien bestimmte Aufgaben effektiver erledigen als Menschen.
Die wichtigsten Innovationstrends im 2024
Das GDI Gottlieb Duttweiler Institut publizierte am 5. Januar 2024 seine Liste der Trends, welche unseren Alltag im neuen Jahr begleiten werden. Konsument:innen, Wirtschaft und Politik werden in einer Kreislaufwirtschaft die Lebenszyklen der Produkte verlängern. Secondhand, Reparatur- und Leihangebote im Angebot gehen einher mit dem Bedeutungsverlust an rein materiellem Besitz. Zahlreiche Unternehmen investieren derzeit in kassenlose Systeme (Just-Walk-Out-Technologie) um lange Warteschlangen zu umgehen. Die Werbung verlagert sich zunehmend an den Point-of-Sale, dank Analysen mit Sensoren und Kameras, welche die Bewegungen von Konsument:innen anonymisiert und strukturiert aufzeichnen, um aus den Informationen über Laufwege, Verweildauer vor Regalen, Wartezeiten an Kassen oder Kaufabbrüche zu lernen. Ausgebaut werden die On-Demand-Lieferdienste welche eine Lieferung innerhalb von Minuten versprechen. KI-Chatbots werden zunehmend menschenähnliche Unterhaltungen führen, mit den Avataren der Konsument:innen die sich mittels digitaler Identität repräsentieren und auch ihre eigenen (digitalen) Inhalte erstellen und vermarkten (Influencer oder Blogger).
Was soll unterrichtet werden?
Die «Digital Academy» bietet auch Unternehmen eine Chance, sich einerseits als verantwortungsvolle Partner zu präsentieren und andererseits ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit zu bieten, ihre soziale Kompetenz als Coaches aufzubauen und mit einem modernen online Tool zu erfassen und transparent zu machen. Damit das nicht einfach als alter Wein in neuen Schläuchen daherkommt, geht es darum, die Möglichkeiten neuer Technologien nutzbar zu machen. Die explosionsartige Beliebtheit von ChatGPT und anderen Formen generativer KI lässt darauf schliessen, dass wir den Beginn einer neuen Ordnung für Wirtschaft und Gesellschaft erleben. Für uns «Alte» sind das auch gute Nachrichten, wenn die Technologie uns bei den Herausforderungen des täglichen Lebens unterstützt. Strukturierungen von Datenbanken oder die Überwachung unserer Gesundheit werden durch die Algorithmen künstlicher Intelligenz automatisiert. Beispielsweise werden so die Fotos in unserer Sammlung nach Aufnahmedatum oder Ortsbezeichnung sortiert, wobei die KI weiss, um welches Denkmal es sich dabei handelt und liefert die Geschichte gleich mit. «Digital Academy» soll unter Anderem das Verständnis für diese Vorgänge vertiefen.
kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!
Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator
Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger
